Absperrventile in Wohnung und Haus: Das Ventil, das im Ernstfall klemmt, war nie zu

Eine Armatur, die zehn Jahre in derselben Stellung stand, schließt oft nicht mehr. Und die vielzitierte Pflicht, im Urlaub das Wasser abzudrehen, gibt es in den Musterbedingungen so nicht.

Absperrventil mit grünem Griff an einer Wasserleitung in der Hauseinführung
Absperrventil mit grünem Griff an einer Wasserleitung in der HauseinführungFoto: Cschirp / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Absperrarmaturen kennen nur zwei zulässige Stellungen: ganz offen oder ganz geschlossen — dauerhaftes Drosseln zerstört die Dichtfläche und erzeugt Fließgeräusche.
  • Nach § 12 AVBWasserV verantwortet der Anschlussnehmer die Anlage hinter dem Hausanschluss; Anlagenteile vor der Messeinrichtung dürfen plombiert werden.
  • DIN EN 806-5 verlangt die regelmäßige Inspektion aller eingebauten Bauteile einschließlich der Absperrarmaturen auf Funktion und Mängelfreiheit.
  • Die Obliegenheit, wasserführende Anlagen abzusperren und zu entleeren, gilt nach den Musterbedingungen für nicht genutzte Gebäude — nicht für den zweiwöchigen Urlaub.
  • Jede zusätzliche Armatur kostet Druck: Bei 2 Metern je Sekunde Fließgeschwindigkeit entspricht ein Widerstandsbeiwert von 1 rund 20 Millibar.

Der Schlauch der Waschmaschine platzt an einem Samstagvormittag. Bis das Wasser im Keller steht, vergehen Minuten, und in diesen Minuten entscheidet sich, ob der Schaden vierstellig oder fünfstellig wird. Der Griff geht an den kleinen Hahn hinter der Maschine — und der dreht durch, ohne dass etwas passiert.

So endet die Mehrzahl der Fälle, in denen eine Absperrarmatur gebraucht wird. Nicht weil sie falsch gewählt war, sondern weil sie seit dem Einbau in derselben Stellung stand.

Drei Bauarten, die im Wohnhaus vorkommen

Das Schrägsitzventil ist im Trinkwasserbereich die klassische Armatur: Die Spindel steht schräg zur Fließrichtung, der Weg durch das Gehäuse ist strömungsgünstiger als bei einem Durchgangsventil, und weil es nur über mehrere Umdrehungen schließt, kann es keinen Druckstoß auslösen. In waagerechten Leitungen gehört die Spindel nach oben, sonst sammelt sich Schmutz auf der Dichtfläche.

Der Kugelhahn hat den geringsten Widerstand und ist in einer Vierteldrehung zu. Genau das ist sein Risiko: Ein schnell geschlossener Kugelhahn erzeugt einen Druckstoß, der sich im Rohrnetz als Schlag fortpflanzt und Verbindungen belastet. Für Absperrungen, die häufig betätigt werden, ist er trotzdem die dankbarere Bauart.

Das Geradsitzventil, bei dem die Spindel senkrecht zur Fließrichtung steht, zwingt das Wasser zu zwei Richtungswechseln. Es ist deshalb auf Stockwerksleitungen mit kleinen Volumenströmen und ausreichendem Vordruck beschränkt.

Hinzu kommen Eckventile an Entnahmestellen und Kolbenschieber, die leise arbeiten und sich für Unterputzmontage eignen. Welche Armatur wo sitzt, ist nicht Geschmackssache, sondern Teil der Rohrnetzberechnung — die Grundlagen dazu stehen bei der Dimensionierung der Wasserleitungen.

Was jede Armatur an Druck kostet

Der Druckverlust einer Armatur folgt der Formel Δp = ζ · ρ/2 · v². Für Wasser mit einer Dichte von 1.000 Kilogramm je Kubikmeter und einer Fließgeschwindigkeit von 2 Metern je Sekunde ergibt der hintere Teil 2.000 Pascal, also 20 Millibar. Ein Widerstandsbeiwert ζ von 1 kostet demnach 20 Millibar, ein Bauteil mit ζ = 5 schon 100 Millibar.

Im Strang summiert sich das schnell. Hauptabsperrung, Filter, Druckminderer, Zähler, Steigstrangabsperrung, Wohnungsabsperrung, Eckventil: Sieben Bauteile mit im Mittel ζ = 3 verbrauchen bei dieser Geschwindigkeit 0,42 bar — bevor ein einziger Meter Rohr mitgerechnet ist. Deshalb gehören die Herstellerwerte der konkreten Armaturen in die Berechnung und nicht in eine Pauschale. Wie stark Filter und Druckminderer für sich genommen zu Buche schlagen, beschreibt der Beitrag zu Druckminderer und Hauswasserfilter.

Ganz auf oder ganz zu

Eine Absperrarmatur kennt zwei zulässige Stellungen. Wer sie halb schließt, um irgendwo den Druck zu senken oder ein Geräusch loszuwerden, richtet zwei Schäden an: Die angeströmte Dichtfläche erodiert an der Engstelle, und die hohe Geschwindigkeit im Spalt erzeugt genau das Rauschen, das vermieden werden sollte. Für dauerhafte Druckabsenkung gibt es ein eigenes Bauteil.

Die häufigste Variante dieses Fehlers ist das „fast ganz aufgedrehte“ Eckventil unter dem Waschbecken. Es sieht offen aus, steht aber eine halbe Umdrehung vor Anschlag und verhindert so, dass die Spindel jemals ihre Endlage erreicht.

Warum die Armatur nach zehn Jahren klemmt

Absperrarmaturen altern im Stillstand. Kalk setzt sich an der Spindel ab, die Stopfbuchse trocknet aus, der Dichtkegel verklebt mit dem Sitz. Wird die Armatur nach Jahren zum ersten Mal bewegt, passiert eines von drei Dingen: Sie lässt sich nicht drehen, sie tropft anschließend an der Spindel, oder der Kegel reißt vom Schaft und bleibt geschlossen liegen.

DIN EN 806-5 regelt Betrieb und Wartung von Trinkwasser-Installationen und verlangt, die eingebauten Bauteile einschließlich der Absperrarmaturen regelmäßig auf Funktion und Mängelfreiheit zu prüfen; die Intervalle nennt die Norm in einer eigenen Tabelle, ergänzt um VDI 6023 Blatt 3 und VDI 3810 Blatt 2. Im Einfamilienhaus lässt sich das auf eine Viertelstunde im Jahr eindampfen:

  • Jede Armatur einmal vollständig schließen und wieder öffnen, danach eine Viertelumdrehung zurück, damit die Spindel nicht am Anschlag festsitzt.
  • Anschließend prüfen, ob die Stopfbuchse trocken bleibt.
  • Armaturen, die sich nur mit Werkzeug bewegen lassen, notieren und beim nächsten Handwerkertermin tauschen lassen.

Der Termin dafür gehört an ein Datum, das ohnehin im Kalender steht — etwa an denselben Tag wie der Filterwechsel.

Wem welches Ventil gehört

Vor dem Wasserzähler endet die eigene Zuständigkeit. Nach § 12 AVBWasserV verantwortet der Anschlussnehmer die Anlage hinter dem Hausanschluss; Errichtung und wesentliche Änderungen dürfen nur das Versorgungsunternehmen oder ein in dessen Installateurverzeichnis eingetragener Betrieb ausführen. Anlagenteile vor der Messeinrichtung darf der Versorger plombieren.

Praktisch heißt das: Die Absperrung vor dem Zähler ist im Notfall benutzbar — zudrehen darf jeder —, aber reparieren oder tauschen lassen darf sie nur der Versorger beziehungsweise ein gelisteter Betrieb. Tropft sie, ist das ein Anruf beim Wasserwerk und kein Fall für den eigenen Handwerker.

Absperren bei Abwesenheit: weniger Pflicht, als behauptet wird

Die Aussage, man müsse vor jedem Urlaub das Wasser abstellen, sonst zahle die Versicherung nicht, ist in dieser Form falsch. Die Obliegenheit in den unverbindlichen Musterbedingungen der Wohngebäudeversicherung bezieht sich auf nicht genutzte Gebäude: Diese sind genügend häufig zu kontrollieren, und dort sind alle wasserführenden Anlagen abzusperren, zu entleeren und entleert zu halten. Als nicht genutzt gilt ein Gebäude, wenn es über einen längeren Zeitraum — in der Rechtsprechung regelmäßig ab etwa drei Monaten — leer steht und nicht bestimmungsgemäß bewohnt wird. Verletzt jemand diese Obliegenheit über einen Winter, nehmen Gerichte grobe Fahrlässigkeit an, und der Versicherer kürzt.

Für zwei Wochen Urlaub gilt das nicht. Absperren bleibt trotzdem sinnvoll, weil kein anderer Handgriff mit derselben Sicherheit einen Wasserschaden ausschließt. Wichtig ist nur, es richtig zu tun: Nicht die Hauptabsperrung zudrehen und die Anlage unter Druck lassen, sondern nach dem Schließen an der tiefsten Stelle Druck abbauen. Und: Eine über Wochen abgesperrte Installation steht danach voll Stagnationswasser. Vor der ersten Nutzung wird jede Entnahmestelle einige Minuten laufen gelassen — der Zusammenhang mit selten durchströmten Strängen steht im Beitrag zu den Totleitungen in der Trinkwasserinstallation.

Das Ventil, das von selbst zudreht

Wer die Schwachstelle nicht im Bauteil, sondern in der Anwesenheit vermutet, kommt zum Leckageschutz. Solche Geräte sitzen als motorisierte Absperrarmatur hinter dem Zähler und überwachen den Durchfluss auf Muster, die keine Entnahme sein können: eine Dauerentnahme über viele Stunden, eine ungewöhnlich große Einzelmenge, ein Volumenstrom oberhalb einer eingestellten Grenze. Trifft eines dieser Kriterien zu, schließt die Armatur selbsttätig. Ergänzt wird das meist durch Bodenfühler an den Risikostellen — Waschmaschine, Spülmaschine, Heizungsverteiler.

Zwei Dinge sind bei der Auswahl wichtig. Erstens muss das Gerät zur tatsächlichen Nutzung passen: Eine Familie, die den Garten mit 1.500 Litern am Stück bewässert, löst mit Werkseinstellungen regelmäßig eine Abschaltung aus, und ein Gerät, das ständig grundlos schließt, wird nach zwei Wochen überbrückt. Zweitens braucht die Armatur Strom. Fällt er aus, fahren die einen Modelle in die geschlossene Stellung, die anderen bleiben offen — welche Variante vorliegt, steht im Datenblatt und sollte bewusst gewählt werden.

Preislich liegen Geräte mit Absperrfunktion und Sensorik derzeit etwa zwischen 400 und 1.200 Euro zuzüglich Montage, wobei die Einbaulänge im vorhandenen Verteiler oft der eigentliche Kostentreiber ist. Manche Wohngebäudeversicherer honorieren den Einbau mit einem Beitragsnachlass; das lohnt die Nachfrage vor dem Kauf.

Der Plan, den niemand hat

Bleibt der Punkt, an dem die meisten Häuser scheitern: Im Schadensfall weiß niemand, welche Armatur welchen Strang absperrt. Die Abhilfe kostet eine Stunde. Fotografieren Sie den Verteiler, beschriften Sie jede Armatur dauerhaft — Kabelbinder mit gravierten Schildern halten länger als Klebeetiketten — und hängen Sie einen ausgedruckten Plan daneben, auf dem steht, welcher Griff Küche, Bad, Außenzapfstelle und Heizung trennt. Legen Sie das Rohrmaterial auf demselben Blatt fest, denn davon hängt ab, wie der Notdienst reagieren muss; welche Unterschiede das macht, zeigt der Beitrag zum Rohrmaterial für Trinkwasser.

Der nächste Schritt ist der billigste in diesem Text: Gehen Sie einmal durchs Haus und drehen Sie jede Absperrarmatur einmal zu und wieder auf. Was sich nicht bewegen lässt, ist der Reparaturauftrag, den Sie sonst erst am Samstagvormittag entdecken.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. AVBWasserV § 12 — Kundenanlage (Gesetze im Internet)
  2. IKZ-Praxis — Absperrarmaturen für die Trinkwasserinstallation nach DIN 1988
  3. Baunormenlexikon — DIN EN 806-5: Betrieb und Wartung von Trinkwasser-Installationen
  4. schadenprisma — Betrieb und Wartung von Trinkwasserinstallationen (PDF)
  5. GDV — Unverbindliche Musterbedingungen der Sachversicherung
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