Rückstauverschluss im Keller: Zulässig heißt nicht funktionstüchtig

DIN EN 13564-1 unterscheidet Rückstauverschlüsse nach der Zahl ihrer Verschlüsse. Welcher Typ verbaut ist, entscheidet darüber, welches Abwasser er sichern darf — und ob er im Ernstfall überhaupt dicht wird.

Tauchpumpe mit Schlauch im überfluteten Kellerabgang eines Hauses in Asparn, Niederösterreich, beim Hochwasser im September 2024
Tauchpumpe mit Schlauch im überfluteten Kellerabgang eines Hauses in Asparn, Niederösterreich, beim Hochwasser im September 2024Foto: Lukas Raich / Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0

Das Wichtigste in Kürze

  • DIN EN 13564-1 unterscheidet die Bauarten nach der Zahl der selbsttätigen Verschlüsse und danach, ob ein Notverschluss vorhanden ist; für fäkalienhaltiges Abwasser kommt in der Praxis nur der fremdenergiebetätigte Typ 3 in Betracht.
  • In Prüfungen versagten Typ-2-Verschlüsse an Feststoffen und Textilien: Ablagerungen im Klappenbereich ließen sich nicht freispülen.
  • Rückstauverschlüsse sind nach DIN 1986-3 zweimal jährlich zu warten; bei Typ 3 verlangt das Regelwerk dafür eine fachkundige Person.
  • Wo die Grundleitung unzugänglich liegt, ist der Einbau in den Bodenablauf die einzige nachrüstbare Bauart — er sichert dann aber auch nur diesen einen Ablauf.

Im Keller sitzt ein grauer Kunststoffdeckel im Boden, handtellergroß bis etwa 30 Zentimeter, mit einem Hebel oder einem Drehknopf. Darunter liegt ein Bauteil, das seit dem Einbau vermutlich nie geöffnet wurde und von dem kaum jemand im Haus sagen kann, was es genau ist. Die Frage, ob es das Richtige ist, lässt sich beantworten — sie hat nämlich eine Norm, eine Typenbezeichnung und einen Prägestempel.

Ob an Ihrer Ablaufstelle überhaupt ein Verschluss genügt oder eine Hebeanlage vorgeschrieben ist, entscheidet die Lage zur Rückstauebene; diese Vorfrage behandelt der Beitrag zum Rückstauschutz im Keller. Hier geht es um das Bauteil selbst.

Die Bauarten unterscheiden sich in einer einzigen Zahl

DIN EN 13564-1 ordnet Rückstauverschlüsse nach zwei Merkmalen: nach der Zahl der selbsttätigen Verschlüsse und danach, ob zusätzlich ein von Hand oder mit Fremdenergie betätigter Notverschluss vorhanden ist. Daraus ergeben sich die Typen, die im deutschen Markt angeboten werden.

Typ Selbsttätige Verschlüsse Notverschluss Vorgesehen für Einbauort
0 1 – Regenwasser liegende Leitung
1 1 1 Regenwasser, fäkalienfreies Abwasser liegende Leitung
2 2 1 Regenwasser, fäkalienfreies Abwasser liegende Leitung
3 1, motorisch betätigt 1 auch fäkalienhaltiges Abwasser liegende Leitung
5 2 1 fäkalienfreies Abwasser im Bodenablauf

Der Unterschied zwischen Typ 2 und Typ 3 ist nicht die Zahl der Klappen, sondern ihre Ruhelage. Ein Typ-2-Verschluss hält seine Klappen im Betrieb geschlossen; das Abwasser drückt sie beim Durchfluss auf. Ein Typ-3-Rückstauautomat steht offen und schließt erst, wenn eine Sonde den ansteigenden Wasserspiegel meldet — der Motor fährt die Klappe dann aktiv zu. Für den laufenden Betrieb ist das ein völlig anderes Bauteil, obwohl beide dieselbe Aufgabe erfüllen sollen.

Warum die geschlossene Ruhelage das Problem ist

Genau an dieser Ruhelage hängt der wichtigste Praxisbefund zum Thema. Klappen, die im Normalbetrieb geschlossen liegen, stehen ständig im Abwasserstrom und werden von allem passiert, was dieser Strom transportiert. In Laboruntersuchungen an fäkalienhaltigem Abwasser bestanden Typ-2-Verschlüsse die Prüfung mit Textilkörpern nicht: Ablagerungen im Bereich der Klappen ließen sich nicht mehr freispülen, und die Feststoffe führten zu Störungen der Entwässerungsanlage. Die Fachliteratur rät deshalb ausdrücklich davon ab, diese Bauart aus Kostengründen für fäkalienhaltiges Abwasser einzusetzen.

Das ist der eigentliche Punkt für jeden, der einen Bestand vorfindet: Ein Verschluss kann normgerecht eingebaut, geprüft und formal für seinen Zweck zugelassen sein und trotzdem im Ernstfall nicht dicht werden — nicht weil die Mechanik falsch konstruiert wäre, sondern weil auf dem Dichtsitz seit Jahren etwas liegt. Der Fehler ist unsichtbar, solange niemand den Deckel öffnet.

Eine zweite Folge betrifft den Durchfluss. Jede geschlossene Klappe ist ein Strömungswiderstand, und jedes Bauteil in einer liegenden Leitung verengt den Querschnitt. Wo ohnehin wenig Gefälle vorhanden ist, erhöht ein Rückstauverschluss die Neigung zu Ablagerungen — ein Grund mehr, vor dem Einbau den Zustand der Leitung zu kennen. Eine Kamerainspektion der Grundleitung kostet einen Bruchteil des Einbaus und zeigt zugleich, ob überhaupt eine geeignete Stelle vorhanden ist.

Wohin das Bauteil kommt, wenn die Leitung schon liegt

Im Neubau wird der Verschluss eingeplant. Im Bestand entscheidet sich die Bauart an der Frage, was ohne Aufgraben erreichbar ist. Drei Situationen kommen vor.

Eine Revisionsöffnung ist vorhanden. Der günstigste Fall: Das Bauteil wird in die vorhandene Öffnung gesetzt oder ein Abschnitt der liegenden Leitung durch ein Formstück mit integriertem Verschluss ersetzt. Voraussetzung ist, dass die Öffnung in Fließrichtung hinter allen zu sichernden Ablaufstellen liegt — ein Verschluss schützt nur das, was vor ihm liegt.

Die Grundleitung liegt unzugänglich unter der Sohle. Dann bleibt der Einbau in den Bodenablauf, also die Bauart Typ 5, oder ein herstellerspezifischer Nachrüstsatz für einen vorhandenen Ablauf. Diese Lösung ist schnell und stört den Betrieb kaum, sichert aber ausschließlich diesen einen Ablauf. Alle anderen Entwässerungsstellen im Untergeschoss — Waschmaschinenanschluss, Duschtasse, Waschbecken — bleiben offen.

Es gibt mehrere Stränge. Hier ist die Versuchung groß, einen einzigen Verschluss möglichst weit hinten zu setzen. Technisch ist das richtig, sofern die Stelle zugänglich bleibt und der gemeinsame Strang tatsächlich alle betroffenen Abläufe führt. Häufig ist das nicht der Fall, weil Regenwasser und Schmutzwasser getrennt geführt werden — dann braucht es zwei Bauteile, und zwar mit unterschiedlicher Typenzulassung.

In allen drei Fällen gehört die Einbaulage ins Protokoll: waagerecht, in Fließrichtung, mit erreichbarem Notverschluss. Ein Verschluss, den man nur erreicht, indem man ein Regal ausräumt, wird im Rückstaufall nicht bedient.

Für die Größenordnung der Bauteilkosten: Ein einfacher Verschluss für fäkalienfreies Abwasser liegt mit Stand September 2026 bei rund 150 bis 450 Euro, ein Rückstauautomat vom Typ 3 mit Sonde und Steuergerät bei rund 600 bis 1.500 Euro — jeweils ohne Einbau und ohne die elektrische Zuleitung, die der Typ 3 zusätzlich braucht.

Zweimal im Jahr, und was dabei tatsächlich passiert

DIN 1986-3 setzt für Rückstauverschlüsse ein halbjährliches Wartungsintervall an. Entscheidend ist weniger das Intervall als der Umfang, denn ein Blick unter den Deckel ist keine Wartung. Zur Wartung gehören:

  1. Ausbau des Verschlusskörpers und Entfernen von Schmutz und Ablagerungen — nicht nur an der Klappe, sondern am Dichtsitz.
  2. Sichtprüfung aller Dichtungen und Dichtflächen auf Verformung, Verhärtung und Risse.
  3. Kontrolle der Beweglichkeit der Verschlusseinrichtungen von Hand.
  4. Funktionsprüfung des Notverschlusses, einschließlich der Frage, ob er sich anschließend wieder öffnen lässt.
  5. Dichtheitsprüfung des Betriebsverschlusses; das Prüfverfahren dafür regelt DIN EN 13564-3.
  6. Austausch defekter Teile und schriftliche Dokumentation mit Datum, Typ und Fabrikat.

Für die Bauart mit Fremdenergie verlangt das Regelwerk eine fachkundige Person, für die übrigen genügt eine sachkundige. Praktisch heißt das: Ein Typ-3-Automat mit Sonde, Steuergerät und Notstromversorgung gehört in einen Wartungsvertrag, ein einfacher Klappenverschluss lässt sich nach einmaliger Einweisung auch selbst kontrollieren — die dokumentierte Prüfung durch einen Fachbetrieb bleibt trotzdem die belastbarere Unterlage.

Wichtig ist bei Typ 3 ein Punkt, der häufig übersehen wird: Das Gerät braucht Strom. Fällt bei einem Unwetter der Strom aus, während der Kanal volläuft, muss die Notstromversorgung funktionieren oder der Notverschluss von Hand geschlossen werden. Lassen Sie sich bei der Wartung zeigen, wie lange die Pufferung trägt.

Woran Sie erkennen, was bei Ihnen verbaut ist

Auf jedem normgerechten Bauteil steht die Kennzeichnung. Suchen Sie am Gehäuse oder auf dem Deckel nach der Normbezeichnung DIN EN 13564 und der Typenangabe, nach dem Fabrikat und nach der Nennweite. Fotografieren Sie den Aufdruck, bevor Sie etwas bewegen — er ist die Grundlage für Ersatzteile und für die Frage, ob die Bauart zum Abwasser passt.

Fehlt jede Kennzeichnung oder ist sie unlesbar, handelt es sich oft um ein sehr altes Bauteil, das schlicht ersetzt gehört. Findet sich eine Typenangabe 1 oder 2 an einer Leitung, die auch ein WC führt, haben Sie das Ergebnis dieses Artikels vor sich — und einen konkreten Anlass, mit einem Fachbetrieb über den Austausch zu sprechen. Führt der Strang dagegen nur Dusche, Waschbecken und Waschmaschine, ist die Bauart vertretbar, und die offene Frage ist allein die Wartung.

Der nächste Schritt ist deshalb klein und lohnt sich in jedem Fall: Öffnen Sie den Deckel, notieren Sie Norm, Typ und Nennweite, und verabreden Sie auf dieser Grundlage einen Wartungstermin. Erst wenn diese drei Angaben auf dem Papier stehen, lässt sich sinnvoll darüber reden, ob ein neues Bauteil nötig ist oder ob die vorhandene Sicherung nur seit Jahren niemand angefasst hat. Liegen Abläufe im Untergeschoss, die gar nicht gesichert sind, gehört die Alternative dazu — die Hebeanlage für Entwässerungsstellen ist dort keine Luxusvariante, sondern häufig die einzige zulässige.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. ACO Haustechnik – Rückstauverschlüsse: Normen, Zulassungen und Genehmigungen
  2. Moderne Gebäudetechnik / tga-praxis – Rückstauverschlüsse mit Risiko
  3. Baunormenlexikon – DIN EN 13564-1: Rückstauverschlüsse für Gebäude, Teil 1 Anforderungen
  4. Entsorgungs- und Baubetrieb Stadt Würzburg – Merkblatt Schutz gegen Rückstau
  5. ACO – Was ist ein Rückstauverschluss?
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