Zentrale und dezentrale Warmwasserbereitung: Verlustfrei ist nicht dasselbe wie günstig

Ein elektrischer Durchlauferhitzer erwärmt praktisch ohne Verteilverlust – und kostet trotzdem mehr als eine zentrale Anlage mit Speicher und Zirkulation. Entscheidend ist nicht die Verlustquote, sondern der Preis je Kilowattstunde Endenergie.

Weißer wandhängender Warmwasserspeicher mit Anschlussleitungen an einer verputzten Wand
Weißer wandhängender Warmwasserspeicher mit Anschlussleitungen an einer verputzten WandFoto: Air fans / Wikimedia CommonsCC0

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Vierpersonenhaushalt braucht rund 2.400 kWh Nutzwärme im Jahr für Warmwasser; Speicher und Zirkulation legen bei Dauerlauf noch einmal etwa 1.900 kWh obendrauf.
  • Gegen eine Wärmepumpe kann ein elektrischer Durchlauferhitzer rechnerisch nicht gewinnen: Die zentrale Anlage dürfte über 150 Prozent Verluste haben und läge noch gleichauf.
  • Gegen einen Gaskessel kippt die Rechnung erst, wenn dessen Sommernutzungsgrad unter etwa 67 Prozent fällt.
  • Ein 21-kW-Durchlauferhitzer zieht rund 30 A je Außenleiter und ist ab 12 kVA nach VDE-AR-N 4100 zustimmungspflichtig beim Netzbetreiber.
  • In Ein- und Zweifamilienhäusern gilt jede Trinkwassererwärmung nach DVGW W 551 als Kleinanlage, unabhängig vom Speichervolumen.

Das stärkste Argument für dezentrale Geräte ist immer dasselbe: Wo kein warmes Wasser in Rohren steht, kann auch keines auskühlen. Ein Durchlauferhitzer unter dem Waschbecken erwärmt genau die Menge, die durch ihn hindurchfließt, und danach ist die Leitung wieder kalt. Verteil-, Speicher- und Zirkulationsverluste entfallen praktisch vollständig.

Das Argument stimmt — und führt trotzdem regelmäßig zur teureren Anlage. Denn Verluste sind nur die eine Hälfte der Rechnung. Die andere ist der Preis, den eine Kilowattstunde Endenergie kostet, bevor sie zu Wärme wird. Wer beide Hälften zusammen rechnet, kommt bei fast jedem modernisierten Haus zu einem anderen Ergebnis als der Prospekt.

Wie viel Wärme wirklich im Wasser landet

Der Ausgangspunkt ist der Nutzwärmebedarf, und er ist ungewöhnlich leicht zu bestimmen. Ein Liter Wasser um ein Kelvin zu erwärmen kostet 1,163 Wattstunden — mehr Physik braucht es nicht.

Vier Personen, jede 40 Liter Warmwasser am Tag bei 45 °C, Kaltwasser mit 10 °C im Jahresmittel:

160 l/d × 1,163 Wh/(l·K) × 35 K = 6,5 kWh am Tag

Über das Jahr sind das rund 2.400 kWh. Diese Zahl ist die Bezugsgröße für alles Weitere. Sie ändert sich nicht dadurch, welches Gerät das Wasser erwärmt — sie hängt allein am Duschverhalten und am Duschkopf.

Speicher und Zirkulation legen noch einmal 1.900 kWh drauf

Eine zentrale Anlage erzeugt deutlich mehr Wärme, als an den Zapfstellen ankommt. Zwei Posten dominieren, und beide stehen auf Papieren, die Sie im Heizungsraum finden.

Der Bereitschaftsverlust des Speichers steht seit 2015 in Watt auf dem Energielabel. Ein 300-Liter-Speicher der Effizienzklasse B liegt bei etwa 70 W. Da er rund um die Uhr warm bleibt, ergibt das 0,07 kW × 8.760 h = rund 600 kWh im Jahr.

Die Zirkulation ist der größere Posten. Eine nach Anlage 8 des GModG gedämmte Leitung verliert je nach Durchmesser und Temperaturdifferenz grob 5 bis 8 Watt pro Meter. Bei 25 Metern Vor- und Rücklauf sind das etwa 150 W. Läuft die Pumpe durchgehend, summiert sich das auf rund 1.300 kWh; eine Zeitschaltung auf acht Stunden täglich drückt den Wert auf gut 440 kWh. Wie weit sich das ohne Komforteinbuße absenken lässt, hängt an der Regelung der Zirkulationsleitung und an der Qualität der Rohrdämmung.

Zusammen: 2.400 kWh Nutzen, rund 1.900 kWh Verlust. 44 Prozent der erzeugten Wärme erreichen nie eine Zapfstelle. Genau dieser Anteil ist es, den ein dezentrales Gerät einspart.

Warum verlustfrei trotzdem teurer sein kann

Jetzt kommt die zweite Hälfte. Entscheidend ist, wie viel Endenergie je Kilowattstunde Wärme nötig ist und was sie kostet. Gerechnet mit rund 12 ct/kWh Gas und rund 31 ct/kWh Strom, den Größenordnungen für Bestandskunden im Sommer 2026:

Anlage Wärme am Erzeuger Endenergie Betriebskosten im Jahr
Gas-Brennwert, Speicher, Zirkulation (Nutzungsgrad 85 %) 4.300 kWh 5.060 kWh Gas rund 610 €
Wärmepumpe, Speicher, Zirkulation (Jahresarbeitszahl 2,5) 4.300 kWh 1.720 kWh Strom rund 530 €
Elektrische Durchlauferhitzer, keine Verteilung 2.470 kWh 2.470 kWh Strom rund 770 €

Die dezentrale Lösung erzeugt fast die Hälfte weniger Wärme und ist trotzdem die teuerste. Der Grund ist der Wirkungsgrad 1: Ein elektrischer Durchlauferhitzer macht aus einer Kilowattstunde Strom exakt eine Kilowattstunde Wärme, nicht mehr.

Zwei Kipppunkte lassen sich daraus ableiten, und beide sind nachrechenbar:

  • Gegen eine Wärmepumpe gewinnt der Durchlauferhitzer nicht. Die zentrale Anlage dürfte 6.200 kWh Wärme erzeugen — also über 150 Prozent Verluste auf die Nutzwärme aufschlagen — und läge immer noch gleichauf. Eine Brauchwasserwärmepumpe verschiebt den Abstand noch weiter, solange ihr Aufstellraum die Wärme wirklich hergibt.
  • Gegen einen Gaskessel kippt die Rechnung, sobald dessen Sommernutzungsgrad unter etwa 67 Prozent fällt. Alte Kessel, die im Juli allein wegen des Warmwassers zwanzigmal am Tag takten, liegen darunter. Genau das ist die Konstellation, in der dezentrale Geräte sich rechnen — und zwar nur diese.

Die Preise sind Marktgrößen mit Stand September 2026, keine Prognose. Wer eine Solarthermieanlage für Trinkwarmwasser betreibt, verschiebt die Gasseite zusätzlich, weil der Kessel im Sommer weitgehend stillsteht.

Der Hausanschluss setzt die härtere Grenze

Selbst wenn die Rechnung für dezentral spricht, entscheidet oft die Elektroinstallation. Ein Durchlauferhitzer für eine Dusche braucht 18 bis 24 kW. Bei 21 kW und 400 V Drehstrom fließen

21.000 W ÷ (1,732 × 400 V) = rund 30 A je Außenleiter.

Das verlangt einen eigenen Stromkreis mit entsprechender Absicherung und Leitungsquerschnitt. In einem Haus mit 3 × 35 A Hausanschluss ist damit der größte Teil der verfügbaren Leistung belegt, solange geduscht wird; zwei Bäder gleichzeitig sind schlicht nicht darstellbar. Nach VDE-AR-N 4100 sind fest angeschlossene Geräte über 12 kVA ohnehin zustimmungspflichtig — der Netzbetreiber muss vor dem Einbau zustimmen, und dafür sollten Sie mehrere Wochen einplanen.

Ein Nebeneffekt, der gern übersehen wird: Durchlauferhitzer gehören nicht zu den in § 14a EnWG genannten steuerbaren Verbrauchseinrichtungen. Sie profitieren also weder von den dort geregelten reduzierten Netzentgelten noch lassen sie sich im Gegenzug drosseln.

Im Einfamilienhaus gelten andere Hygieneregeln als gedacht

Ein verbreitetes Missverständnis: Die 60-Grad-Anforderung für Großanlagen treffe jeden Speicher ab 400 Litern. Nach DVGW W 551 gilt eine Trinkwassererwärmung in Ein- und Zweifamilienhäusern immer als Kleinanlage — unabhängig von Speichergröße und Leitungsinhalt. Die Schwelle 400 Liter beziehungsweise mehr als 3 Liter in einer Leitung greift erst außerhalb dieser Gebäudeklasse.

Damit ist die Temperaturfrage im Einfamilienhaus keine Rechtsfrage, sondern eine Abwägung, die der Beitrag zu Warmwassertemperatur und Legionellenschutz ausführt. Was dagegen unabhängig davon gilt, sind zwei Planungsregeln: Der Inhalt einer Einzelzuleitung soll 3 Liter nicht überschreiten, und nach DIN 1988-200 soll 30 Sekunden nach dem vollen Öffnen der Armatur warmes Wasser mindestens 55 °C erreichen.

Für dezentrale Geräte ist das ein echter Vorteil: Wo kein warmes Wasser steht, gibt es kein Stagnationsvolumen. Die Ausnahme sind kleine Warmwasserspeicher unter der Spüle, die dauerhaft bei 40 bis 50 °C gehalten werden. Sie vereinen das Verlustverhalten des Speichers mit dem Temperaturbereich, in dem Legionellen sich am besten vermehren — die ungünstigste aller Varianten.

Zwischen beiden Lagern steht eine dritte Bauart, die in der Diskussion meist fehlt: die Frischwasserstation. Sie hält das warme Wasser nicht im Trinkwasser vor, sondern in einem Heizungspufferspeicher, und erwärmt das Trinkwasser erst im Moment der Entnahme über einen Plattenwärmeübertrager. Trinkwasserseitig verhält sie sich damit wie ein Durchlauferhitzer — das stehende Volumen schrumpft auf wenige Liter. Der Bereitschaftsverlust verschwindet dadurch nicht, er wandert nur in den Pufferspeicher und bleibt in derselben Größenordnung. Wer sie einbaut, löst also ein Hygieneproblem und kein Energieproblem. Für Wärmepumpen ist sie dennoch interessant, weil der Puffer auf niedrigerem Temperaturniveau gefahren werden kann als ein Trinkwasserspeicher, der regelmäßig auf 60 °C gebracht werden soll.

Die Mischform gewinnt fast immer

Die Frage ist selten „entweder oder“, sondern „wo hört die Verteilung auf“. Rechnen Sie einzelne Zapfstellen gegen, statt das ganze Haus:

Ein Handwaschbecken im Gäste-WC verbraucht vielleicht 20 Liter warmes Wasser im Monat. Das sind rund 7 kWh Nutzwärme im Jahr. Eine Zirkulationsschleife bis dorthin kostet mehrere hundert Kilowattstunden — der Faktor liegt bei fünfzig oder mehr. Ein 3,5-kW-Kleindurchlauferhitzer direkt am Becken ist hier nicht die Sparvariante, sondern die einzige sinnvolle.

Umgekehrt gehört das Bad mit täglicher Dusche an die zentrale Erzeugung, weil dort die Nutzwärme groß genug ist, um den Wirkungsgradvorteil auszuspielen. Die Grenze verläuft also nicht zwischen Häusern, sondern zwischen Zapfstellen — und sie liegt dort, wo die jährliche Nutzwärme einer Zapfstelle kleiner wird als die Verluste der Leitung, die sie versorgt.

Was Sie zuerst messen

Suchen Sie das Typenschild und das Energielabel des Speichers und notieren Sie den Warmhalteverlust in Watt. Mit 8.760 Stunden multipliziert haben Sie den ersten Verlustposten als belastbare Zahl.

Prüfen Sie danach die Laufzeit der Zirkulationspumpe. Läuft sie durchgehend, ist eine Zeit- oder Anforderungssteuerung fast immer die wirtschaftlichste Einzelmaßnahme am Warmwasser — deutlich vor jedem Gerätetausch, und sie kostet keine dreistellige Summe.

Erst wenn diese beiden Zahlen stehen, lohnt die Frage nach dem dezentralen Gerät. Und sie lohnt vor allem für die eine weit entfernte Zapfstelle, nicht für das Haus.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Anlage 8 GModG – Anforderungen an die Wärmedämmung von Rohrleitungen und Armaturen
  2. Haustec – Wie funktioniert eigentlich die Dreiliter-Regel nach DIN 1988?
  3. co2online – Dezentrale Warmwasserbereitung: Arten, Kosten, Vor- und Nachteile
  4. Statistisches Bundesamt – Erdgas- und Stromdurchschnittspreise
  5. Elektrofachkraft.de – Netzanschlüsse von Verbraucheranlagen nach VDE-AR-N 4100
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