Goldman Sachs korrigiert Gaspreisprognose für Europa deutlich nach oben
Goldman Sachs hat die Gaspreisprognose für Europa nach oben korrigiert. Die Hormuz-Spannung bedroht die LNG-Versorgung und die Gasspeicher vor dem Winter.

Das Wichtigste in Kürze
- Goldman Sachs erhöht die Gaspreisprognose für Q3 2026 von 41 auf 60 Euro pro Megawattstunde.
- Die Schifffahrt im Hormuz-Korridor ist gestört, was die LNG-Lieferungen nach Europa verzögert.
- Nordwesteuropäische Gasspeicher könnten zum Winterstart nur zu 67 Prozent gefüllt sein, statt 74 Prozent.
Goldman Sachs sieht Gaspreise deutlich höher ein
Goldman Sachs hat am 21. Juli 2026 seine Gaspreisprognose für Europa nach oben korrigiert. Die Bank erwartet für den Rest des dritten Quartals Preise von 60 Euro pro Megawattstunde, statt der zuvor angesetzten 41 Euro. Für das vierte Quartal wurden die Erwartungen von 40 auf 53 Euro angehoben.
Die Anpassung folgt der anhaltenden Störung im Hormuz-Korridor, der rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs und 20 Prozent der weltweiten LNG-Exporte abwickelt. Goldman Sachs-Analystin Samantha Dart geht nun davon aus, dass sich der persische LNG-Export erst im Oktober normalisiert – drei Monate später als ursprünglich geplant.
Gasspeicher könnten zum Winterstart unterversorgt sein
Die reduzierte LNG-Verfügbarkeit hat direkte Folgen für die nordwesteuropäischen Gasspeicher. Dart rechnet damit, dass diese zum 1. Oktober – dem offiziellen Winterstart – nur zu 67 Prozent gefüllt sind, statt wie zuvor prognostiziert zu 74 Prozent. Die globale LNG-Verfügbarkeit im verbleibenden Sommer ist um 16 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert, was einem Rückgang von vier Prozent entspricht.
Für Deutschland bedeutet das: Die Speicherbefüllung verläuft langsamer als geplant. Ob der nationale Füllstand zum Winterstart noch im sicheren Bereich liegt, hängt von den kommenden Wochen ab. Bei anhaltender Hormuz-Spannung bleibt die Versorgungslage eng.
Was das für Ihre Gasheizung bedeutet
Ein TTF-Preis von 60 Euro pro Megawattstunde schlägt sich nicht sofort auf Ihre Gasrechnung durch. Der Endverbraucherpreis setzt sich aus Arbeitspreis, Grundpreis, Steuern und Netzentgelten zusammen. Eine Faustregel: Steigt der Großhandelspreis um 10 Euro pro Megawattstunde, kann sich der Arbeitspreis um etwa 0,25 bis 0,35 Cent pro Kilowattstunde erhöhen.
Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet das eine mögliche Mehrbelastung von 50 bis 70 Euro im Jahr. Ob und wann sich die Großhandelspreise auf Ihren Vertrag durchschlagen, hängt von Ihrem Tarif, der Preisgarantie und dem Zeitpunkt der nächsten Vertragsanpassung ab.
Langfristige Perspektive und Risiken
Goldman Sachs betont, dass die Risiken der Prognose nach oben gerichtet sind. Unter einem Szenario, in dem sich der Nahostkonflikt bis 2027 zieht, würden die TTF-Preise über 100 Euro pro Megawattstunde steigen müssen, um die asiatische LNG-Nachfrage ausreichend zu dämpfen.
Umgekehrt könnte eine schnellere Normalisierung im Hormuz-Korridor die Preise wieder auf etwa 40 Euro fallen lassen – in den Bereich, in dem Kohle als Alternative zur Gaserzeugung wirtschaftlich wird.
Für den Zeitraum 2028 und 2029 bleibt Goldman Sachs bei einer bärischen Einschätzung und prognostiziert 19 bzw. 16 Euro pro Megawattstunde. Diese Werte setzen jedoch voraus, dass der Hormuz-Korridor vollständig schiffbar ist.
Was Sie jetzt prüfen sollten
Wenn Sie eine Gasheizung betreiben, lohnt sich ein Blick auf Ihren aktuellen Vertrag. Prüfen Sie, ob eine Preisgarantie besteht, wann die nächste Anpassung fällig ist und ob ein Wechsel zu einem dynamischen Tarif Sinn machen könnte. Bei der Planung einer neuen Heizung sollten Sie die aktuelle Preisentwicklung in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einbeziehen.
Nutzen Sie den Energiekosten-Rechner, um den Effekt einer Preisänderung auf Ihre Jahreskosten zu berechnen. Der Heizkosten-Vergleich zeigt, wie sich Gas und Wärmepumpe bei den aktuellen Energiepreisen verhalten.


































