Luftkanäle der zentralen Lüftung nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Wartung

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Vorbereitung: was vor dem ersten Bohrloch feststehen muss

Eine Nachrüstung im bewohnten Bestand ist überwiegend ein Logistikthema. Bevor gearbeitet wird, müssen fünf Dinge festliegen: die endgültige Trassenführung mit allen Durchbrüchen, der Aufstellort des Geräts mit Zugang für Wartung und späteren Tausch, die Lage von Außen- und Fortluftdurchführung in der Fassade, die Elektroversorgung mit eigener Absicherung und der Kondensatanschluss.

Prüfen Sie zusätzlich zwei Punkte, die häufig erst auf der Baustelle auffallen. Erstens die Statik: Durchbrüche in tragenden Wänden und Decken sind kein Nebenprodukt der Lüftungsmontage, sondern erfordern eine baufachliche Beurteilung. Zweitens die Fassade: Bei Wohnungseigentum ist die Außenwand regelmäßig Gemeinschaftseigentum, sodass eine Durchführung eine Zustimmung der Gemeinschaft erfordert; bei geschützten Gebäuden kommt eine denkmalrechtliche Abstimmung hinzu.

Klären Sie schließlich die Frage der Feuerstätten. Ist im Gebäude eine raumluftabhängige Feuerstätte vorhanden, sind die Anforderungen der Feuerungsverordnung des Landes einzuhalten und die bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin oder der Bezirksschornsteinfeger einzubinden, bevor die Anlage in Betrieb geht.

Montagefolge und die Kontrollpunkte dazwischen

Die Reihenfolge auf der Baustelle folgt einem festen Muster, und zwischen den Schritten liegen Kontrollpunkte, die später nicht mehr erreichbar sind.

Zuerst werden die Durchbrüche gesetzt und die Trasse markiert. Kontrollpunkt: Lage stimmt mit dem Plan überein, Abstände zu anderen Installationen eingehalten. Dann folgt die Verlegung der Kanäle mit Befestigung und Körperschallentkopplung. Kontrollpunkt: Leitungsenden während der gesamten Bauzeit verschlossen, keine Bauschutt- oder Mörtelreste im System.

Anschließend werden Dämmung und Dampfsperre aufgebracht, insbesondere an Außenluft- und Fortluftleitungen. Kontrollpunkt: Stöße und Übergänge dicht, keine Unterbrechung an Befestigungen. Dieser Punkt ist der wichtigste der gesamten Montage, weil eine Lücke in der dampfdichten Dämmung genau dort Kondensat erzeugt, wo später niemand hinsieht. Verlangen Sie hier eine Fotodokumentation vor dem Schließen der Bauteile.

Danach werden Gerät, Schalldämpfer, Verteiler und Luftdurchlässe gesetzt, der Kondensatablauf mit Geruchsverschluss hergestellt und die Elektroanbindung ausgeführt. Kontrollpunkt: Gerät schwingungsentkoppelt aufgestellt, Filterfach zugänglich, Revisionsöffnungen erreichbar, Kondensatleitung mit Gefälle und frostfrei geführt.

Erst dann werden Bauteile geschlossen. Alles, was vor diesem Schritt nicht dokumentiert wurde, ist nur noch mit Öffnung nachprüfbar.

Dichtheit des Kanalnetzes und Dichtheit des Gebäudes

Zwei Dichtheiten sind auseinanderzuhalten. Die eine betrifft das Kanalnetz: Leckluft, die in Decken und Schächte entweicht, wurde vom Ventilator bewegt und erreicht den Raum nie. Vereinbaren Sie die geforderte Dichtheitsklasse und deren Nachweis, bevor die Kanäle verkleidet werden.

Die andere betrifft die Gebäudehülle. Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt in § 13 unter der Überschrift Dichtheit, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche dauerhaft luftundurchlässig ausgeführt wird, wobei der zum Feuchteschutz und zur Gesundheit erforderliche Mindestluftwechsel sicherzustellen ist. § 26 behandelt die Prüfung der Dichtheit eines Gebäudes. Diese Prüfung ist nicht nur eine energetische Formalie: Eine mechanische Lüftung entfaltet ihre geplante Wirkung erst in einer ausreichend dichten Hülle, weil sonst die Luft ungeplante Wege nimmt und geplante Räume nicht erreicht.

Ist die Nachrüstung Teil einer energetischen Maßnahme, kommt § 28 hinzu, der die Anrechnung mechanisch betriebener Lüftungsanlagen behandelt. Für die Anrechnung sind Nachweise erforderlich; klären Sie mit der Fachplanung, welche das im konkreten Fall sind, bevor Sie die Bauteile schließen.

Einregulierung und Funktionsprüfung

Nach der Montage folgt der Schritt, der über die Zufriedenheit entscheidet und der am häufigsten übersprungen wird: die Einregulierung. Dabei werden die Volumenströme an jedem einzelnen Ventil eingestellt, bis die raumweise berechneten Werte erreicht sind, und anschließend gemessen und protokolliert. Ohne diesen Schritt bewegt die Anlage in Summe die richtige Luftmenge, verteilt sie aber falsch: Ein Raum wird überversorgt, ein anderer bleibt feucht.

DIN EN 12599 beschreibt die Prüf- und Messverfahren für die Übergabe raumlufttechnischer Anlagen. Sie umfasst Sichtprüfung, Funktionsprüfung und Messungen und gibt vor, wie Abweichungen zu behandeln sind. Vereinbaren Sie ausdrücklich, dass die Abnahme auf dieser Grundlage erfolgt und dass Sie ein Protokoll mit den gemessenen Werten je Raum erhalten.

Zur Funktionsprüfung gehören außerdem: Prüfung aller Betriebsstufen einschließlich der Lüftung zum Feuchteschutz nach DIN 1946-6, Prüfung von Frostschutz und gegebenenfalls Bypass, Prüfung der Kondensatableitung mit Wasser, Prüfung der Meldungen bei Filterwechsel und Störung, Prüfung der Sicherheitseinrichtung bei vorhandener raumluftabhängiger Feuerstätte sowie Kontrolle der Überströmquerschnitte an allen Türen.

Funktions- und Übergabecheckliste

Punkt Nachweis Freigabekriterium
Trassenverlauf und Durchbrüche Bestandsplan mit eingetragenen Leitungen und Revisionsöffnungen Plan stimmt mit der Ausführung überein
Dämmung von Außen- und Fortluftleitung Fotodokumentation vor dem Schließen der Bauteile durchgehend gedämmt, Stöße dicht, keine Unterbrechung
Dichtheit des Kanalnetzes Nachweis der vereinbarten Dichtheitsklasse vereinbarte Klasse erreicht
Sauberkeit des Systems Sichtkontrolle der Leitungsenden und des Geräts keine Bau- oder Mörtelreste, Enden waren verschlossen
Aufstellung des Geräts Sichtkontrolle vor Ort schwingungsentkoppelt, Filterfach und Wartungsklappe frei zugänglich
Kondensatableitung Funktionsprobe mit Wasser freier Ablauf, Geruchsverschluss gefüllt, frostfreie Führung
Elektroanschluss Dokumentation der Elektrofachkraft eigener Stromkreis, Schutzeinrichtungen geprüft
Volumenströme je Raum Messprotokoll nach DIN EN 12599 gemessene Werte entsprechen der raumweisen Auslegung
Betriebsstufen Funktionsprobe aller Stufen Feuchteschutzstufe nutzerunabhängig wirksam
Überströmung Kontrolle jeder Innentür vorgesehener Querschnitt vorhanden und frei
Schall Hörprobe in Schlafräumen bei Nennlüftung kein störendes Geräusch, keine Telefonieübertragung zwischen Räumen
Brandschutz Bestätigung zur Umsetzung der M-LüAR im konkreten Gebäude Abschottungen ausgeführt, Klappen zugänglich und dokumentiert
Feuerstätten Stellungnahme des Schornsteinfegerhandwerks Sicherheitseinrichtung vorhanden und geprüft
Filter Angabe der Filterklassen und Bezugsbezeichnungen Filtergrößen gängig, Wechsel ohne Werkzeugaufwand möglich
Einweisung Übergabeprotokoll mit Unterschrift Bedienung, Filterwechsel, Störmeldungen und Notbetrieb erklärt
Unterlagen Anlagendokumentation Bedienungsanleitung, Schema, Messprotokoll, Wartungsplan, Bestandsplan

Einweisung: was Sie danach können müssen

Verlangen Sie eine Einweisung, die praktisch stattfindet und nicht aus einer Übergabe von Papier besteht. Nach der Einweisung sollten Sie fünf Dinge selbst können: die Betriebsstufe wechseln, den Filter tauschen und die Filtermeldung zurücksetzen, den Kondensatablauf kontrollieren, eine Störmeldung erkennen und einordnen sowie die Anlage im Notfall sicher außer Betrieb nehmen.

Lassen Sie sich außerdem erklären, welche Einstellung im Winter und welche im Sommer sinnvoll ist, wie sich die Anlage bei längerer Abwesenheit verhält und was zu tun ist, wenn Sie eine Feuerstätte betreiben wollen. Halten Sie die Antworten schriftlich im Übergabeprotokoll fest, denn nach einem halben Jahr ist ein mündlicher Hinweis nicht mehr rekonstruierbar.

Nach der Übergabe: die erste Heizperiode beobachten

Legen Sie eine einfache Beobachtungsliste an und führen Sie sie über die erste vollständige Heizperiode. Notieren Sie monatlich die relative Luftfeuchte in Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer, den Zustand der Filter, auffällige Geräusche und jede Störmeldung. Kontrollieren Sie außerdem im ersten Winter gezielt die Fortluftdurchführung außen auf Eisbildung und die Bereiche unterhalb von Kanaltrassen auf Feuchteflecken.

Diese erste Periode ist die eigentliche Bewährungsprobe. Nachbesserungen sind in dieser Zeit deutlich einfacher durchzusetzen als später, weil der Zusammenhang zur Leistung des ausführenden Betriebs offensichtlich bleibt. Setzen Sie sich deshalb eine Erinnerung, die Anlage nach der ersten Heizperiode gemeinsam mit dem Fachbetrieb durchzugehen.

Wo Ihre Beteiligung endet

Sie können Zugänge freihalten, Termine koordinieren, Kontrollpunkte einfordern, die Fotodokumentation vor dem Schließen der Bauteile verlangen und die Übergabecheckliste abarbeiten. Sie können Filter wechseln und die Anlage bedienen.

Nicht in Ihre Hand gehören Montage, Elektroanschluss, Einregulierung und jede Änderung an eingestellten Ventilen, Klappen oder Regelparametern. Eine nachträglich verstellte Einregulierung entwertet das Messprotokoll und damit die Grundlage jeder Gewährleistung. Bei Feuchteschutz und Hygiene ist die Grenze besonders klar: Ob eine Anlage die Lüftung zum Feuchteschutz nach DIN 1946-6 tatsächlich nutzerunabhängig erbringt, lässt sich nur durch Berechnung und Messung feststellen, nicht durch Augenschein.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. M-LüAR – Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Lüftungsanlagen, Fassung 29.09.2005, zuletzt geändert 03.09.2020 (Fachkommission Bauaufsicht der Bauministerkonferenz)
  2. DIN EN 12599:2013-01 – Lüftung von Gebäuden, Prüf- und Messverfahren für die Übergabe raumlufttechnischer Anlagen (DIN Media)
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel