Dezentrale Lüftungsgeräte nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Wartung

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Was vor dem Montagetag geklärt sein muss

Die Nachrüstung dezentraler Geräte wirkt einfach: eine Bohrung, ein Gerät, ein Stromanschluss. Genau diese scheinbare Einfachheit führt dazu, dass Vorbereitungsschritte übersprungen werden, die sich später nicht mehr nachholen lassen.

Vor dem ersten Termin müssen fünf Dinge feststehen. Erstens die Position jedes Durchbruchs, festgelegt nach Wandaufbau, Möblierung, Heizkörperlage und Abstand zu Ecken und Fenstern. Zweitens die statische Unbedenklichkeit bei tragenden Bauteilen, beurteilt von einer fachkundigen Person. Drittens die Elektroversorgung mit Leitungsweg und Absicherung. Viertens die Zugangslösung an der Fassade in Obergeschossen. Fünftens die erforderlichen Zustimmungen: Bei Wohnungseigentum ist die Außenwand regelmäßig Gemeinschaftseigentum, sodass ein Durchbruch mit sichtbarer Außenhaube der Zustimmung der Gemeinschaft bedarf; bei geschützten Gebäuden kommt die denkmalrechtliche Abstimmung hinzu.

Klären Sie zusätzlich das Zusammenspiel mit vorhandenen Feuerstätten. Die Feuerungsverordnungen der Länder verlangen bei gleichzeitigem Betrieb raumluftabhängiger Feuerstätten und luftfördernder Anlagen geeignete Sicherheitsvorkehrungen; binden Sie die bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin oder den Bezirksschornsteinfeger vor der Montage ein, nicht danach.

Der Durchbruch entscheidet über die Bauphysik

Von allen Montageschritten hat die Kernbohrung die größte bauphysikalische Bedeutung. Drei Ausführungsmerkmale sind nicht verhandelbar.

Erstens das Gefälle. Das Wandrohr muss von innen nach außen leicht fallen, damit eintretendes Regen- oder Kondenswasser nach außen abläuft. Eine waagerechte oder nach innen fallende Bohrung führt Wasser in den Raum und in die Wandkonstruktion.

Zweitens die luftdichte Anbindung innen. Der Ringspalt zwischen Wandrohr und Wandöffnung muss raumseitig dauerhaft luftdicht verschlossen sein. Bleibt er offen, strömt Raumluft in die Konstruktion, kühlt dort ab und gibt ihre Feuchte an das Bauteil ab. Das ist der klassische Weg zu einem Schaden, der erst nach Jahren sichtbar wird.

Drittens die schlagregendichte Ausführung außen. Die Außenhaube muss so angearbeitet sein, dass Wasser nicht hinter die Fassadenoberfläche läuft. Bei einem Wärmedämmverbundsystem gehört dazu eine fachgerechte Anarbeitung an die Dämmebene, nicht nur eine aufgeschraubte Blende.

Verlangen Sie zu allen drei Punkten eine Fotodokumentation im Bauzustand. Nach dem Verschließen ist keiner davon mehr überprüfbar.

Montagefolge mit Zwischenkontrollen

Die Reihenfolge ist bei den meisten Systemen gleich. Zuerst wird die Position angezeichnet und mit einem Ortungsgerät auf Leitungen und Bewehrung geprüft. Dann wird gebohrt, mit Staubabsaugung und Schutz der Oberflächen im Raum. Anschließend wird das Wandrohr eingesetzt, ausgerichtet, gedämmt und beidseitig abgedichtet.

Danach folgt die Elektroanbindung durch eine Elektrofachkraft und die Montage von Innenblende, Ventilatoreinheit, Speicherkörper und Filter. Zuletzt wird die Außenhaube gesetzt und die Fassade angearbeitet. Erst dann wird die Steuerung eingerichtet und die Zuordnung der Geräte zu Paaren oder Gruppen konfiguriert.

Zwei Kontrollpunkte liegen dazwischen. Der erste vor dem Verschließen der Innenlaibung: Sitzt das Rohr mit Gefälle, ist der Ringspalt dicht, ist die Dämmung durchgehend. Der zweite nach dem Setzen der Außenhaube: Ist die Fassade angearbeitet, läuft Wasser sicher ab, sind Insekten- und Vogelschutz vorhanden.

Konfiguration und Bilanz

Bei Pendellüftern ist die Konfiguration der eigentliche Kern der Inbetriebnahme. Die Geräte werden zu Paaren zusammengefasst, die gegenläufig arbeiten. Fehlt diese Zuordnung oder ist sie falsch, saugen und drücken alle Geräte gleichzeitig, und der Luftaustausch der Wohnung bricht ein, ohne dass das Gerät eine Störung meldet.

Prüfen Sie die Zuordnung gemeinsam mit dem Fachbetrieb an einem einfachen Test: Während ein Gerät ansaugt, muss das zugehörige Gerät ausblasen, und nach dem Takt kehrt sich die Richtung um. Ein Papierstreifen genügt für die Sichtprüfung, das Messprotokoll ersetzt er nicht.

Bei kontinuierlich arbeitenden Geräten geht es stattdessen um die Einstellung der Volumenströme je Raum und um die Frage, ob die Summe über die Wohnung ausgeglichen ist. Verlangen Sie eine raumweise Aufstellung mit gemessenen Werten, keine Herstellerangabe aus dem Katalog.

Zur Konfiguration gehört schließlich die Betriebsart. Die Lüftung zum Feuchteschutz nach DIN 1946-6 muss nutzerunabhängig wirken, also auch bei Abwesenheit und ohne Bedienung. Lassen Sie sich zeigen, welche Einstellung das sicherstellt und wie sie gegen versehentliches Abschalten geschützt ist.

Funktions- und Übergabecheckliste

Punkt Nachweis Freigabekriterium
Position und Zahl der Geräte Grundriss mit eingetragenen Geräten und Raumzuordnung Ausführung entspricht dem Lüftungskonzept
Statische Beurteilung schriftliche Aussage bei tragenden Bauteilen Durchbruch als unbedenklich bestätigt
Gefälle des Wandrohrs Fotodokumentation im Bauzustand Gefälle nach außen an jedem Durchbruch
Luftdichtheit innen Fotodokumentation vor dem Verschließen Ringspalt raumseitig dauerhaft dicht
Dämmung des Wandrohrs Fotodokumentation durchgehend, keine Unterbrechung an Befestigungen
Schlagregendichtheit außen Sichtprüfung nach Fertigstellung Anarbeitung an die Fassade, Wasser läuft sicher ab
Insekten- und Vogelschutz Sichtprüfung der Außenhaube vorhanden und reinigbar
Elektroanschluss Dokumentation der Elektrofachkraft Absicherung und Schutzmaßnahmen geprüft
Paarung und Konfiguration Konfigurationsübersicht der Steuerung Paare gegenläufig, Zuordnung dokumentiert
Volumenströme Messprotokoll je Raum gemessene Werte entsprechen der Auslegung
Feuchteschutzstufe Funktionsprobe wirkt ohne Bedienung, gegen Abschalten gesichert
Überströmung Kontrolle jeder Innentür vorgesehener Querschnitt vorhanden und frei
Innenliegende Bäder Nachweis zur Umsetzung von DIN 18017-3 Betriebsart und Nachlaufzeit eingestellt und geprüft
Feuerstätten Stellungnahme des Schornsteinfegerhandwerks Sicherheitseinrichtung vorhanden und wirksam
Schall Hörprobe in der dauerhaft gefahrenen Stufe Betrieb im Schlafraum nicht störend
Filter Bezeichnung, Bezugsquelle, Wechselanleitung Filter im Handel verfügbar, Wechsel ohne Werkzeug
Reinigung des Speicherkörpers Vorführung der Entnahme Entnahme ohne Demontage des Gehäuses möglich
Einweisung Übergabeprotokoll mit Unterschrift Bedienung, Wartung und Störfall erklärt
Unterlagen Anlagendokumentation Konzept, Messprotokoll, Anleitung, Wartungsplan, Fotos

Dichtheit des Gebäudes und Anrechnung

Wird die Nachrüstung im Rahmen einer energetischen Maßnahme durchgeführt, ist die Frage der Anrechnung zu klären. Das Gebäudemodernisierungsgesetz behandelt in § 28 die Anrechnung mechanisch betriebener Lüftungsanlagen. Für die Anrechnung sind Voraussetzungen und Nachweise zu erfüllen, die von der konkreten Anlage und vom Gebäude abhängen; klären Sie mit der Fachplanung, welche das im Einzelfall sind, bevor Sie beauftragen. Wird der Punkt erst nach der Montage aufgeworfen, fehlen regelmäßig genau die Nachweise, die nur im Bauzustand zu erbringen gewesen wären.

Unabhängig davon gilt: Eine dezentrale Lösung entfaltet ihre geplante Wirkung nur in einer hinreichend dichten Hülle. In einem Gebäude mit vielen unkontrollierten Undichtheiten nimmt die Luft weiterhin ihre eigenen Wege, und die geplante Führung von Zuluft- zu Ablufträumen findet nicht statt.

Nach der Übergabe

Führen Sie über die erste Heizperiode eine einfache Liste. Notieren Sie monatlich die relative Luftfeuchte in Bad, Schlafzimmer und Wohnzimmer, den Filterzustand, auffällige Geräusche und jede Störung. Kontrollieren Sie im ersten Winter gezielt die Laibungen rund um die Durchbrüche auf Verfärbungen und die Außenhauben auf Eisbildung oder Wasserfahnen an der Fassade.

Setzen Sie sich eine Erinnerung, die Anlage nach der ersten vollständigen Heizperiode gemeinsam mit dem Fachbetrieb durchzugehen. In diesem Zeitfenster sind Nachbesserungen deutlich leichter durchzusetzen als später, und typische Ausführungsfehler an Gefälle, Dämmung und Abdichtung zeigen sich genau dann zum ersten Mal.

Wo Ihre Mitwirkung endet

Sie können Positionen abstimmen, Möbel und Oberflächen schützen, Zugänge organisieren, Kontrollpunkte und Fotodokumentation einfordern, die Übergabecheckliste abarbeiten und danach Filter wechseln sowie den Speicherkörper nach Anleitung reinigen.

Kernbohrungen, Abdichtung, Dämmung des Wandrohrs, Elektroanschluss, Konfiguration der Steuerung und die Messung der Volumenströme sind keine Eigenleistung. Der Grund ist nicht formal: Ein Durchbruch ohne Gefälle, mit unterbrochener Dämmung oder mit offenem Ringspalt erzeugt zuverlässig Feuchte in der Wandkonstruktion, und die gesundheitlichen Folgen eines daraus entstehenden Schimmelbefalls stehen in keinem Verhältnis zum eingesparten Montageaufwand. Verlangen Sie deshalb die Fotodokumentation im Bauzustand, statt sich auf das fertige Erscheinungsbild zu verlassen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN 1946-6:2019-12 – Raumlufttechnik, Teil 6: Lüftung von Wohnungen (DIN Media)
  2. GModG § 28 – Anrechnung mechanisch betriebener Lüftungsanlagen (Gebäudemodernisierungsgesetz, Gesetze im Internet)
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