Dezentrale Lüftungsgeräte – Kosten kalkulieren: Gerät, Installation, Prüfung und Wartung
Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Geräte, Leitungswege, Montage.
- Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
- Die Seite behandelt nur Budget und laufenden Aufwand.
Der entscheidende Unterschied: die Kosten skalieren mit der Gerätezahl
Bei einer zentralen Anlage verteilt sich ein großer Teil des Aufwands auf ein Gerät und ein Leitungsnetz. Bei dezentralen Geräten wiederholt sich fast jede Position so oft, wie Geräte eingebaut werden: Durchbruch, Abdichtung, Innen- und Außenblende, Elektroanbindung, Filter, Wartung, Ersatzteile. Diese Vervielfachung ist die zentrale Größe jeder Kalkulation.
Daraus folgt eine einfache Regel für den Vergleich mit anderen Lösungen: Bei wenigen zu versorgenden Räumen ist der dezentrale Weg im Aufwand meist überschaubar. Je vollständiger die Wohnung versorgt werden soll, desto stärker nähert sich die Summe der Einzelpositionen dem Aufwand einer zusammenhängenden Lösung an, ohne deren Vorteile zu bieten. Stellen Sie deshalb zuerst die Zahl der Geräte fest und rechnen Sie anschließend jede Position mit dieser Zahl multipliziert.
Investitionsblöcke, die im Angebot stehen müssen
Verlangen Sie eine Aufstellung je Gerät und je Raum statt einer Pauschale für die Wohnung. Enthalten sein müssen: das Gerät mit Innen- und Außenelement, die Kernbohrung einschließlich Staubschutz und Entsorgung, die luft- und schlagregendichte Abdichtung des Durchbruchs innen und außen, die Wiederherstellung von Putz, Tapete und Fassadenoberfläche, die Elektroleitung mit Anschluss, die Steuerung mit Bedieneinheit sowie die Einweisung und Dokumentation.
Vier Positionen fehlen erfahrungsgemäß besonders oft. Die Wiederherstellung der Innenoberfläche, weil sie als Sache des Malers gilt. Die Fassadenarbeit, wenn ein Wärmedämmverbundsystem durchdrungen wird und außen fachgerecht angearbeitet werden muss. Die Elektroleitung, wenn im Raum keine geeignete Zuleitung vorhanden ist. Und die statische Beurteilung, wenn eine tragende Wand betroffen ist.
Ein fünfter Punkt betrifft das Gerüst oder die Hebebühne: Arbeiten an der Fassade in Obergeschossen erfordern eine Zugangslösung, deren Aufwand mit der Zahl der Bohrungen kaum sinkt, wohl aber mit deren Anordnung. Wer alle Durchbrüche eines Gebäudes in einem Zug ausführen lässt, spart hier spürbar.
Was der laufende Betrieb tatsächlich verlangt
Der Stromverbrauch je Gerät ist gering, die Summe über viele Geräte und über das ganze Jahr aber nicht vernachlässigbar. Maßgeblich sind Betriebsstunden und die gewählte Stufe. Fragen Sie nach der Leistungsaufnahme in den Stufen, die im Alltag tatsächlich gefahren werden, nicht nach dem Bestwert auf der niedrigsten Stufe.
Der zweite Posten sind Filter. Dezentrale Geräte arbeiten mit kleinen Filterflächen, die entsprechend häufiger zu wechseln sind, und jedes Gerät braucht seinen eigenen Satz. Klären Sie vor dem Kauf drei Dinge: die Bezeichnung und Verfügbarkeit der Filter, ob es sich um herstellergebundene Teile handelt, und ob der Wechsel ohne Werkzeug von innen möglich ist. Ein Filter, der nur beim Hersteller erhältlich ist, bindet Sie über die gesamte Nutzungsdauer.
Der dritte Posten ist die Reinigung des Speicher- oder Wärmeübertragerelements. Sie ist bei Geräten mit Regenerator regelmäßig erforderlich, weil sich im Speicherkörper Staub und Kondensat sammeln. Lassen Sie sich zeigen, wie das Element entnommen und gereinigt wird, und ob dies eine Eigenleistung sein kann.
Kostenübersicht über eine realistische Nutzungsdauer
| Position | Bezugsgröße | Turnus | Haupttreiber | Stellschraube vor der Vergabe |
|---|---|---|---|---|
| Gerät mit Innen- und Außenelement | je Raum | einmalig, Ersatz innerhalb der Gebäudenutzungsdauer | Gerätezahl, Ausstattung, Schalldämmung | Zahl der Räume, die wirklich ein Gerät brauchen |
| Kernbohrung und Abdichtung | je Durchbruch | einmalig | Wandaufbau, Geschosslage, Zugang zur Fassade | alle Bohrungen in einem Arbeitsgang |
| Fassaden- und Innenarbeiten | je Durchbruch | einmalig | Dämmsystem, Oberflächenmaterial | Positionen ausdrücklich im Angebot verankern |
| Zugang zur Fassade | je Gebäudeseite | einmalig | Geschosszahl, Gerüst oder Hebebühne | Bündelung mit anderen Fassadenarbeiten |
| Elektroanbindung | je Gerät | einmalig | vorhandene Leitungen, Steuerungsart | Leitungen für spätere Geräte mitverlegen |
| Strom für den Betrieb | je Gerät und Betriebsstunde | dauerhaft | Betriebsstufe, Laufzeit, Gerätezahl | realistische Stufenwahl statt Dauervollbetrieb |
| Filter | je Gerät | mehrfach jährlich | Filterfläche, Außenluftbelastung, Haustiere | gängige Filtergröße, Wechsel ohne Werkzeug |
| Reinigung des Speicherelements | je Gerät | wiederkehrend | Bauart, Staubanfall, Kondensat | Entnahme ohne Demontage des Gehäuses |
| Wartung durch Fachbetrieb | je Gerät oder je Wohnung | wiederkehrend nach Herstellervorgabe | Gerätezahl, Zugänglichkeit | Wartungsvertrag mit Bündelpreis prüfen |
| Ersatzteile | je Gerät | anlassbezogen | Ventilator, Klappe, Elektronik, Dichtungen | Ersatzteilverfügbarkeit schriftlich zusagen lassen |
| Austausch von Außenblenden | je Gerät | bei Fassadenarbeiten | Witterung, Materialalterung | witterungsbeständige Ausführung wählen |
| Erneuerung der Abdichtung | je Durchbruch | langfristig | Ausführungsqualität, Schlagregenbelastung | Ausführung dokumentieren lassen |
Wartung ist eine Pflicht, keine Option
Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt in § 60 unter der Überschrift Wartung und Instandhaltung, energiebedarfssenkende Einrichtungen betriebsbereit zu halten, bestimmungsgemäß zu nutzen und Wartung sowie Instandhaltung durch fachkundige Personen ausführen zu lassen. Für dezentrale Lüftungsgeräte bedeutet das keine aufwendige Anlagentechnik, aber eine regelmäßige und dokumentierte Befassung.
Hinzu kommt die hygienische Seite. VDI 6022 Blatt 1.1 in der Ausgabe 2024-07 behandelt ausdrücklich die Besonderheiten dezentraler Anlagen bei den Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte. Der wesentliche Unterschied zur zentralen Technik liegt darin, dass Bauteile, die Kondensat führen oder Staub sammeln, unmittelbar im Aufenthaltsraum sitzen. Verschmutzte Speicherkörper und Filter wirken deshalb direkter auf die Raumluft.
Ein erheblicher Teil dieser Arbeiten ist Eigenleistung, sofern die Geräte dafür konstruiert sind. Filterwechsel, Reinigen der Innenblende und Entnahme des Speicherelements sind bei vielen Fabrikaten für Nutzer vorgesehen. Das senkt die laufenden Kosten deutlich und ist ein Auswahlkriterium: Fragen Sie vor dem Kauf, welche Arbeiten Sie selbst ausführen dürfen, ohne die Gewährleistung zu berühren.
Förderung und Zeitpunkt der Beauftragung
Eine Förderung als Einzelmaßnahme der Anlagentechnik im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude kommt für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung grundsätzlich in Betracht. Zwei Punkte bleiben unabhängig von der jeweiligen Fassung bestehen: Der Antrag ist vor Vorhabenbeginn zu stellen, und die Anlage muss technische Mindestanforderungen erfüllen, die auch für dezentrale Systeme definiert sind. Prüfen Sie den aktuellen Stand unmittelbar vor der Beauftragung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.
Rechnen Sie eine mögliche Förderung nicht in den Angebotsvergleich hinein. Vergleichen Sie die Varianten ohne Förderung und behandeln Sie eine Zusage als nachträgliche Entlastung. Andernfalls entscheiden Sie auf Grundlage einer Zahl, die noch niemand zugesagt hat.
Die Gesamtrechnung aufstellen
Setzen Sie einen Betrachtungszeitraum an, der zur erwarteten Gerätelebensdauer passt, und tragen Sie die Positionen mit ihrer jeweiligen Häufigkeit ein. Rechnen Sie anschließend zwei Varianten durch: die vollständige Ausstattung aller Aufenthaltsräume gegen eine reduzierte Lösung, die nur die kritischen Räume mit Geräten versorgt und die übrigen über Außenluftdurchlässe und Überströmung anbindet.
Der Vergleich fällt oft anders aus als erwartet, weil die wiederkehrenden Positionen mit der Gerätezahl mitwachsen und über die Nutzungsdauer die Investition einholen. Prüfen Sie deshalb, ob jedes geplante Gerät im Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 tatsächlich erforderlich ist oder ob es nur eine Bequemlichkeit abbildet.
Ergänzen Sie zwei Risikopositionen: den Aufwand einer Nachbesserung, wenn die Feuchteschutzstufe nicht erreicht wird, und den Aufwand einer Fassadeninstandsetzung, falls ein Durchbruch nicht dauerhaft dicht ausgeführt wurde. Beide entstehen nur bei mangelhafter Ausführung, sind dann aber teuer.
Wo Ihre Kalkulation endet
Sie können Angebote strukturieren, Positionen auf Vollständigkeit prüfen, Filterbezeichnungen und Ersatzteilverfügbarkeit klären, Wartungsumfänge abfragen und feststellen, welche Arbeiten Sie selbst übernehmen dürfen. Diese Arbeit bestimmt die laufenden Kosten stärker als der Gerätepreis.
Nicht selbst bestimmen können Sie die erforderliche Gerätezahl. Sie ergibt sich aus dem Lüftungskonzept, aus den raumbezogenen Volumenströmen und aus der Bilanz über die Nutzungseinheit. Ebenso wenig sollten Sie Kernbohrungen, Abdichtungen, Elektroanschlüsse oder Änderungen an der Steuerung selbst ausführen. Ein Durchbruch, der nicht mit Gefälle nach außen und ohne dauerhafte Abdichtung hergestellt wurde, führt Wasser in die Wand, und die Folgekosten übersteigen jede Ersparnis bei der Montage.







