Dezentrale Lüftungsgeräte planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen
Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
- Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
- Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.
Wofür dezentrale Geräte gebaut sind
Ein dezentrales Lüftungsgerät sitzt in der Außenwand eines einzelnen Raumes und versorgt genau diesen Raum. Es braucht kein Kanalnetz, keinen Technikraum und keine abgehängten Decken. Genau das macht es für den bewohnten Bestand attraktiv, in dem sich Leitungswege nur mit erheblichem Aufwand unterbringen lassen.
Die Bauart hat aber eine planerische Konsequenz, die häufig übersehen wird: Ein Gerät je Raum bedeutet, dass die Lüftung des Gebäudes aus vielen Einzelentscheidungen zusammengesetzt wird. Wo eine zentrale Anlage über ein Netz Zuluft und Abluft verteilt, muss bei dezentralen Geräten jeder Raum für sich betrachtet und die Bilanz über die Wohnung anschließend zusammengeführt werden. Wird das nicht getan, entstehen Räume, die zu viel Luft erhalten, und andere, die nichts bekommen.
Planung heißt hier deshalb nicht Gerätekauf, sondern Zuordnung: Welcher Raum bekommt welches Gerät in welcher Betriebsweise, und wie strömt die Luft zwischen den Räumen.
Die Bauarten und ihre Anforderungen an die Planung
Verbreitet sind drei Grundtypen. Der Pendellüfter mit Regenerator arbeitet im Wechseltakt: In der einen Phase strömt warme Abluft durch einen Speicherkörper und erwärmt ihn, in der nächsten Phase strömt Außenluft durch denselben Körper und nimmt die Wärme wieder auf. Damit die Wohnung im Gleichgewicht bleibt, müssen solche Geräte paarweise gegenläufig betrieben werden; ein einzelnes Gerät erzeugt abwechselnd Über- und Unterdruck.
Der zweite Typ arbeitet kontinuierlich mit zwei Ventilatoren und einem Wärmeübertrager im Gerät. Zu- und Abluft strömen gleichzeitig, die Bilanz stimmt im Gerät selbst. Der Bauraum in der Wand ist größer, dafür entfällt die Paarung.
Der dritte Typ ist das reine Abluftgerät, wie es für innenliegende Bäder und Toilettenräume eingesetzt wird. DIN 18017-3 behandelt die Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster mit Ventilatoren und unterscheidet dabei Dauerbetrieb und bedarfsgesteuerten Betrieb mit Mindestbetriebszeiten. Ein Abluftgerät entnimmt Luft, ohne selbst Luft nachzuführen; die Nachströmung muss über Außenluftdurchlässe in anderen Räumen und über Überströmwege sichergestellt werden. Wird das vergessen, arbeitet der Ventilator gegen eine dichte Hülle und fördert deutlich weniger als sein Datenblatt verspricht.
Das Lüftungskonzept gilt auch dezentral
DIN 1946-6 verlangt für Wohnungen ein Lüftungskonzept und definiert die Lüftungsstufen von der Lüftung zum Feuchteschutz über die reduzierte Lüftung und die Nennlüftung bis zur Intensivlüftung. Diese Anforderung ist unabhängig davon, ob die Lösung zentral oder dezentral ausfällt. Entscheidend ist die Feuchteschutzstufe: Sie muss nutzerunabhängig wirken, also auch dann, wenn niemand zu Hause ist und niemand ein Fenster öffnet.
Für dezentrale Geräte folgt daraus eine harte Anforderung an das Angebot: Es muss rechnerisch belegen, dass die Summe der geplanten Geräte in ihrer vorgesehenen Betriebsweise die Feuchteschutzstufe für die gesamte Nutzungseinheit erbringt, nicht nur für die Räume mit Gerät. Ein Angebot, das lediglich Gerätezahl und Fabrikat nennt, ist kein Konzept.
Der Hintergrund ist bauphysikalisch. Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt in § 13 unter der Überschrift Dichtheit eine dauerhaft luftundurchlässige Ausführung der wärmeübertragenden Umfassungsfläche und zugleich die Sicherstellung des zum Feuchteschutz und zur Gesundheit erforderlichen Mindestluftwechsels. Nach einem Fenstertausch fällt die frühere unkontrollierte Undichtheit weg; die Feuchte, die vorher durch Fugen abgeführt wurde, bleibt im Raum. Der Leitfaden des Umweltbundesamtes zu Schimmelbefall in Gebäuden beschreibt anhaltend hohe Feuchte an Bauteiloberflächen als die entscheidende Wachstumsbedingung. Genau diese Konstellation ist der häufigste Anlass für eine Nachrüstung.
Bauliche Randbedingungen prüfen
Jedes Gerät braucht einen Wanddurchbruch. Vor der Auswahl sind deshalb zu klären: Wandaufbau und Wandstärke, tragende oder nichttragende Funktion, Lage von Leitungen und Bewehrung, Beschaffenheit der Außenwand und die Frage, ob ein Wärmedämmverbundsystem durchdrungen wird. In tragenden Bauteilen ist eine baufachliche Beurteilung erforderlich, auch wenn der Durchmesser klein wirkt.
Die zweite Randbedingung ist der Außenlärm. Ein Wanddurchbruch mit Gerät ist im Vergleich zur massiven Wand eine Schwachstelle im Schallschutz. An verkehrsreichen Straßen ist die Schalldämmung des Geräts deshalb ein Auswahlkriterium erster Ordnung, nicht ein Detail. Fragen Sie nach den vom Hersteller angegebenen Werten der Schalldämmung des eingebauten Geräts und lassen Sie sich sagen, wie sie im Verhältnis zum vorhandenen Fenster stehen.
Die dritte Randbedingung ist rechtlich. Bei Wohnungseigentum ist die Außenwand einschließlich Fassade in aller Regel Gemeinschaftseigentum; ein Durchbruch mit sichtbarer Außenhaube ist eine bauliche Veränderung und bedarf der Zustimmung der Gemeinschaft. Bei geschützten Gebäuden kommt die denkmalrechtliche Abstimmung hinzu. Klären Sie beides, bevor Sie Geräte bestellen.
Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot
| Anforderung | Prüfbare Festlegung | Folge bei Fehlen |
|---|---|---|
| Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 | schriftlicher Nachweis der Feuchteschutzstufe für die gesamte Nutzungseinheit | Bautenschutz nicht nutzerunabhängig sichergestellt |
| Raumzuordnung | Liste aller Räume mit vorgesehenem Gerät, Betriebsweise und Volumenstrom | Räume ohne Gerät bleiben unversorgt |
| Bilanzierung | Nachweis, dass Zu- und Abluftmengen über die Wohnung ausgeglichen sind | dauerhafter Über- oder Unterdruck, Zugluft, Geruchsübertritt |
| Paarbetrieb bei Pendellüftern | Angabe, welche Geräte gegenläufig arbeiten und wie sie verbunden sind | einzelnes Gerät erzeugt wechselnden Druck ohne Luftaustausch der Wohnung |
| Überströmung | Querschnitt je Innentür, Ausführung als Unterschnitt oder Element | Luft erreicht Ablufträume nicht |
| Innenliegende Bäder | Aussage zur Umsetzung von DIN 18017-3 mit Betriebsart und Nachströmung | Feuchte im Bad wird nicht abgeführt |
| Wanddurchbruch | Angabe von Durchmesser, Wandaufbau, statischer Beurteilung und Gefälle nach außen | Schaden am Bauteil, Regenwassereintritt |
| Abdichtung des Durchbruchs | Beschreibung der luft- und schlagregendichten Ausführung innen und außen | Feuchteeintrag in die Wandkonstruktion |
| Schallschutz nach außen | Herstellerangabe zur Schalldämmung im eingebauten Zustand | Anlage wird wegen Außenlärm abgeschaltet |
| Schallschutz im Raum | Angabe der Geräuschentwicklung je Betriebsstufe | Gerät wird nachts abgeschaltet und wirkt nicht mehr |
| Filter | Filterklasse, Bezugsgröße, Wechselintervall, Zugänglichkeit von innen | Verschmutzung des Speichers, sinkende Leistung |
| Reinigung des Speicherkörpers | Beschreibung, wie er entnommen und gereinigt wird | Hygienemangel, Geruchsbildung |
| Kondensat | Aussage, wie anfallendes Kondensat abgeführt wird | Feuchte an Laibung und Innenwand |
| Elektroanschluss | Angabe der Leitungsführung und Absicherung je Gerät | Nachträgliche Schlitze in fertigen Oberflächen |
| Steuerung | zentrale Bedienung, Feuchtefühler, Verhalten bei Stromausfall | Geräte laufen unkoordiniert, Feuchteschutz entfällt |
| Feuerstätten | Angabe, ob raumluftabhängige Feuerstätten vorhanden sind, und welche Sicherheitseinrichtung vorgesehen ist | Gefahr durch Unterdruck im Aufstellraum |
| Zustimmungen | Nachweis über Beschluss der Gemeinschaft und denkmalrechtliche Abstimmung | Rückbauverlangen nach der Montage |
| Erweiterbarkeit | Angabe, wie weitere Räume später ergänzt werden können | spätere Ergänzung erfordert neues Konzept |
Reserven und Erweiterbarkeit realistisch planen
Dezentrale Systeme lassen sich schrittweise ausbauen, und das ist ihr größter praktischer Vorteil. Dieser Vorteil wird jedoch nur wirksam, wenn die Erweiterung von Anfang an mitgedacht ist. Legen Sie deshalb fest, welche Räume in einer späteren Stufe folgen sollen, und stellen Sie sicher, dass die Steuerung zusätzliche Geräte aufnehmen kann und die Bilanz auch im Endausbau stimmt.
Zwei Reserven sind sinnvoll. Erstens eine Leistungsreserve in der Betriebsstufe: Geräte, die im Normalbetrieb bereits an ihrer oberen Stufe laufen, sind laut und haben keine Reserve für Lastspitzen nach dem Duschen oder Kochen. Zweitens eine Reserve in der Elektroplanung: Wer Leitungen für später vorgesehene Geräte gleich mitverlegt, spart sich das zweite Öffnen der Wand.
Was Sie selbst vorbereiten können und wo die Grenze liegt
Sie können Grundrisse und Raumnutzungen zusammenstellen, Wandaufbauten aus vorhandenen Unterlagen heraussuchen, die Außenlärmsituation je Fassadenseite beschreiben, vorhandene Feuerstätten dokumentieren und die Zustimmungsfragen im Wohnungseigentum vorbereiten. Sie können außerdem die Anforderungsliste als Prüfraster an jedes Angebot anlegen.
Die Auslegung selbst ist Fachaufgabe. Ob die geplante Gerätezahl die Lüftung zum Feuchteschutz nach DIN 1946-6 nutzerunabhängig erbringt, ob die Bilanz über die Wohnung aufgeht, ob ein Bad die Anforderungen aus DIN 18017-3 erfüllt und ob ein Durchbruch statisch unbedenklich ist, lässt sich nicht durch Produktvergleich beantworten. Die Grenze ist hier nicht formal, sondern gesundheitlich: Eine unterdimensionierte oder unausgeglichene Anlage führt Feuchte nicht ab und schafft die Bedingungen für Schimmelwachstum, mit Folgen, die weit über einen technischen Mangel hinausreichen. Verlangen Sie deshalb ein unterschriebenes Konzept, keine Gerätestückliste.







