Feuchtesteuerung und CO₂-Sensoren planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen
Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
- Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
- Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.
Zuerst entscheiden: Was soll die Regelung eigentlich verhindern
Feuchtesteuerung und CO₂-Erfassung wirken auf den ersten Blick wie zwei Ausprägungen derselben Idee. Technisch verfolgen sie unterschiedliche Schutzziele, und genau diese Unterscheidung steht am Anfang jeder Planung. Eine Feuchteregelung schützt in erster Linie die Bausubstanz und die Bewohner vor mikrobiellem Wachstum. Eine CO₂-Regelung schützt die wahrgenommene Luftqualität und die Konzentrationsfähigkeit in belegten Räumen.
Daraus folgt eine raumweise Zuordnung. In Bad, Dusche, Hauswirtschaftsraum und im Schlafzimmer mit hoher Feuchtelast ist die relative Feuchte die sinnvolle Führungsgröße. In Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Kinderzimmer und in Räumen mit wechselnder Personenzahl liefert die CO₂-Konzentration das aussagekräftigere Signal, weil sie unmittelbar mit der Belegung zusammenhängt. Räume ohne dauerhafte Belegung und ohne Feuchtequelle brauchen in aller Regel keine eigene Sensorik.
Legen Sie diese Zuordnung schriftlich fest, bevor Sie Angebote einholen. Ohne sie kommen Vorschläge zurück, die entweder jedes Zimmer mit Sensorik ausstatten oder die Anlage über einen einzigen Fühler im Flur führen — beides ist selten die richtige Lösung.
Der wichtigste technische Unterschied: echte Messung oder Ableitung
Bei CO₂-Sensoren existieren zwei grundverschiedene Prinzipien, die im Handel oft nicht klar getrennt werden. Ein Sensor mit nichtdispersiver Infrarotmessung bestimmt die Kohlendioxidkonzentration physikalisch über die Absorption von Infrarotstrahlung. Er misst tatsächlich CO₂ und lässt sich gegen eine bekannte Referenz prüfen.
Ein Sensor mit sogenanntem äquivalentem CO₂-Wert misst dagegen flüchtige organische Verbindungen und rechnet daraus einen Ersatzwert. Dieser Wert steigt an, wenn Personen im Raum sind, reagiert aber ebenso auf Reinigungsmittel, Lacke, Kerzen oder Kochdämpfe. Für eine Lüftungsregelung ist er brauchbar, solange keine anderen Quellen vorhanden sind. Als Nachweis der Luftqualität taugt er nicht, und er lässt sich nicht sinnvoll gegen eine Referenz prüfen.
Fordern Sie deshalb im Angebot die ausdrückliche Angabe des Messprinzips. Steht dort nur eine Bezeichnung mit dem Zusatz für äquivalente Werte, handelt es sich nicht um eine CO₂-Messung. Für Räume, in denen die Belegung sicher erkannt werden soll, gehört ein Sensor mit Infrarotmessung in die Ausschreibung.
Zielwerte, die tatsächlich belegt sind
Für die Bewertung von Kohlendioxid in der Innenraumluft hat das Umweltbundesamt im Bundesgesundheitsblatt 2008 eine Einstufung veröffentlicht. Danach gilt eine Konzentration unter 1000 ppm als hygienisch unbedenklich, der Bereich zwischen 1000 und 2000 ppm als hygienisch auffällig und ein Wert über 2000 ppm als hygienisch inakzeptabel. Diese drei Stufen sind eine belastbare Grundlage für Regelschwellen und deutlich tragfähiger als herstellerspezifische Ampelfarben.
Als Bezugspunkt dient die Außenluft. Ihre Kohlendioxidkonzentration liegt gegenwärtig bei gut 420 ppm. Ein Innenraumsensor kann diesen Wert unterschreiten, wenn er falsch justiert ist — ein Messwert dauerhaft unter dem Außenniveau ist deshalb ein Fehlerhinweis und kein besonders gutes Ergebnis.
Für die Feuchte gibt es keine vergleichbar eindeutige Grenzzahl, weil die maßgebliche Größe nicht die Raumluftfeuchte, sondern die Feuchte an der kältesten Bauteiloberfläche ist. Der Leitfaden des Umweltbundesamtes zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall beschreibt anhaltend hohe Oberflächenfeuchte als maßgebliche Wachstumsbedingung. In der Praxis wird im Winter ein Band von etwa 40 bis 60 Prozent relativer Raumluftfeuchte angestrebt; entscheidend bleibt aber, ob es an Fensterlaibungen, Außenecken oder hinter Möbeln an Außenwänden zu Kondensat kommt.
Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot
| Anforderung | Warum sie zählt | Was im Angebot stehen muss |
|---|---|---|
| Messprinzip je Sensor | Ersatzwerte sind nicht prüfbar | Infrarotmessung oder Ersatzwert, ausdrücklich benannt |
| Raumzuordnung der Führungsgröße | Feuchte und Belegung wirken unterschiedlich | Liste mit Raum, Führungsgröße und Begründung |
| Montageort und Höhe | falsche Position erzeugt systematische Fehler | Position je Sensor im Grundriss eingetragen |
| Schaltschwellen | ohne Schwellen keine nachvollziehbare Regelung | Ein- und Ausschaltwerte mit Hysterese je Raum |
| Rückfallverhalten bei Sensorausfall | dichtes Gebäude braucht Grundlüftung | mindestens Lüftung zum Feuchteschutz nach DIN 1946-6 |
| Nachjustierbarkeit | Sensoren driften über die Nutzungsdauer | dokumentierter Weg zur Kalibrierung oder zum Tausch |
| Energieversorgung | Batteriegeräte erzeugen Wartungsaufwand | Netzbetrieb, Busanschluss oder Batterietyp mit Standzeit |
| Datenhaltung | Messreihen zeigen Anwesenheit und Schlafzeiten | Speicherort, Zugriffsrechte, Auswertbarkeit ohne Onlinedienst |
| Erweiterbarkeit | spätere Räume und Zonen | freie Eingänge, Leerrohre, Adressreserve |
| Anzeige vor Ort | Bedienbarkeit unabhängig von einer App | Messwert am Gerät oder an einer Raumbedieneinheit ablesbar |
Platzierung entscheidet über die Datenqualität
Ein Sensor misst die Luft an genau der Stelle, an der er hängt. Die häufigsten Fehler sind schnell benannt: Montage unmittelbar neben der Tür, wo bei jedem Öffnen Luft aus dem Flur vorbeizieht; Montage über einem Heizkörper, wo die aufsteigende Warmluft die Feuchtemessung verfälscht; Montage in der Abluftströmung eines Durchlasses, wo der Sensor faktisch die Abluft und nicht den Raum misst; Montage an einer Außenwand, wo die Oberflächentemperatur die Messung beeinflusst; direkte Sonneneinstrahlung.
Sinnvoll ist eine Position an einer Innenwand, im Aufenthaltsbereich, in Höhe des Atembereichs sitzender Personen, mit Abstand zu Tür, Fenster, Heizkörper und Luftdurchlass. In Bädern gilt zusätzlich, dass der Sensor nicht direkt im Sprühbereich der Dusche liegen darf, sonst schaltet die Anlage auf Kondensat statt auf Raumfeuchte.
Tragen Sie die vorgesehenen Positionen in einen Grundriss ein und lassen Sie diesen Plan Bestandteil des Angebots werden. Nachträgliche Verlagerungen sind bei verkabelten Sensoren aufwendig und bei Funksensoren zwar einfach, aber dann meist unkoordiniert.
Reserven, die sich später nicht nachrüsten lassen
Drei Punkte sind nach dem Verputzen kaum noch zu ändern. Erstens die Leitungsführung: Ein Leerrohr zu jeder vorgesehenen Sensorposition kostet im Rohbau wenig und ermöglicht später den Wechsel von Funk auf Kabel. Zweitens die Anzahl der regelbaren Zonen: Wenn das Gerät nur einen gemeinsamen Volumenstrom kennt, nützt der beste Sensor im Kinderzimmer nichts, weil die Regelung ohnehin alle Räume gleichzeitig hochfährt. Drittens die Erreichbarkeit der Regelorgane in der Decke.
Klären Sie deshalb früh, ob eine raumweise Bedarfsführung überhaupt vorgesehen ist oder ob die Sensorik lediglich die Gesamtstufe des Geräts steuert. Beide Konzepte sind vertretbar, unterscheiden sich aber im Aufwand erheblich — und ein nachträglicher Wechsel ist praktisch ein Neubau des Regelkonzepts.
Wo Ihre Vorarbeit endet
Sie können Raumnutzungen, Belegungszeiten, Feuchtequellen und bekannte Problemstellen dokumentieren, Sensorpositionen vorschlagen und die Anforderungsliste ausfüllen. Sie können außerdem mit einem einfachen Datenlogger über einige Wochen aufzeichnen, wie sich Feuchte und Temperatur in kritischen Räumen tatsächlich verhalten. Diese Vormessung ist kein Nachweis, liefert aber eine erheblich bessere Diskussionsgrundlage als Erfahrungswerte.
Nicht in Ihre Hand gehören die Festlegung der Regelschwellen im Zusammenspiel mit der Anlagenhydraulik, die Beurteilung von Oberflächentemperaturen an Wärmebrücken und die Entscheidung, ob eine bedarfsgeführte Absenkung mit den Anforderungen der DIN 1946-6 an die Feuchteschutzlüftung vereinbar ist. Eine Regelung, die zu weit absenkt, spart Energie und erzeugt gleichzeitig genau den Schaden, den sie verhindern soll.







