Elektroanschluss der Wallbox – Kosten kalkulieren: Gerät, Installation, Prüfung und Wartung

Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen.

03Wallbox

Das Wichtigste in Kürze

  • Geräte, Leitungswege, Montage.
  • Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
  • Die Seite behandelt nur Budget und laufenden Aufwand.

Der Anschluss kostet, was der Bestand hergibt

Angebote für denselben Stellplatz können weit auseinanderliegen, ohne dass eines davon unseriös wäre. Der Grund liegt selten im Gerät und fast immer in zwei Feststellungen: wie weit der Weg vom Zählerschrank zum Stellplatz ist und in welchem Zustand Zählerplatz und Hausanschluss sind. Beide Größen stehen fest, bevor der erste Handwerker das Grundstück betritt, und beide können Sie vorbereiten.

Kalkulieren Sie deshalb nicht ein Produkt, sondern eine Wegstrecke und einen Anlagenzustand. Wer nur Gerätepreise vergleicht, vergleicht die kleinste Position der Rechnung.

Drei Ausbaustufen, in die jedes Vorhaben fällt

Ordnen Sie Ihr Vorhaben zuerst einer Stufe zu. Die Auslösekriterien sind eindeutig prüfbar, und der Sprung zwischen zwei Stufen ist größer als jede Preisverhandlung innerhalb einer Stufe.

Stufe eins liegt vor, wenn im Zählerschrank ausreichend Teilungseinheiten frei sind, ein Raum für Zusatzanwendungen für die Steuerungstechnik vorhanden ist, die Anlage als TN-S- oder TN-C-S-System mit funktionierendem Schutzpotentialausgleich betrieben wird und der Stellplatz innerhalb des Gebäudes liegt. Dann besteht das Vorhaben aus Schutztechnik, einer kurzen Zuleitung, Montage und Prüfung.

Stufe zwei wird ausgelöst, sobald eines von drei Merkmalen zutrifft: Der Weg führt ins Freie und erfordert Graben, Bettung und Wanddurchbruch; der Zählerschrank ist voll belegt und muss um ein Feld oder eine Unterverteilung ergänzt werden; oder am Stellplatz ist eine eigene Unterverteilung sinnvoll. Hier verschiebt sich das Gewicht der Rechnung vom Material zur Arbeitszeit im Erdreich.

Stufe drei wird ausgelöst, wenn eines von vier Merkmalen zutrifft: Der Zählerplatz entspricht nicht mehr den Technischen Anschlussregeln Niederspannung und ist zu erneuern; die Anlage wird noch als TN-C-System mit Schmelzsicherungen ohne Fehlerstromschutz betrieben; eine Erdungsanlage oder ein Schutzpotentialausgleich fehlt oder ist nicht nachweisbar; oder der Netzbetreiber teilt mit, dass der Hausanschluss zu verstärken ist. Jedes dieser Merkmale macht aus dem Ladeprojekt eine Anlagenertüchtigung, deren Aufwand alle übrigen Positionen zusammen übersteigen kann.

Klären Sie die Stufe, bevor Sie Angebote einholen. Ein Angebot, das Stufe drei mit einem Vorbehaltssatz abhandelt, ist kein Angebot, sondern eine offene Rechnung.

Was in welcher Stufe entsteht

Kostenblock Fällt an in Treiber Wie Sie die Menge selbst ermitteln
Schutztechnik im Verteiler allen Stufen Zahl der Anschlusspunkte, Typ des Fehlerstromschutzes, Ableiterstufe Anschlusspunkte zählen, Herstellerangabe zur Gleichfehlerstromüberwachung prüfen
Zuleitung, Material allen Stufen Querschnitt und Trassenlänge Trasse abschreiten, Abschnitte je Verlegeart notieren
Innenverlegung Stufe eins und zwei Kanal, Rohr, Unterputz, Brandabschottung Metern je Verlegeart im Grundriss eintragen
Erdarbeiten und Wiederherstellung Stufe zwei und drei Grabenmeter, Untergrund, Pflaster oder Rasen Meter zählen, Belag je Abschnitt fotografieren
Wanddurchbrüche Stufe zwei und drei Anzahl, Wandstärke, Kernbohrung Durchbrüche einzeichnen und Wandstärke messen
Unterverteilung am Stellplatz Stufe zwei und drei Gehäusegröße, Hauptleitungsquerschnitt Zahl der künftig gewünschten Stromkreise festlegen
Erweiterung des Zählerschranks Stufe zwei freie Teilungseinheiten, Anbaumöglichkeit Verteiler fotografieren, freie Plätze zählen
Erneuerung des Zählerplatzes Stufe drei Baujahr, Bauform, Anforderungen der Anschlussregeln Typenschild und Baujahr notieren, Netzbetreiber fragen
Erdung und Schutzpotentialausgleich Stufe zwei und drei Zustand der Haupterdungsschiene, Nachrüstung eines Erders prüfen, ob Schiene vorhanden und angeschlossen ist
Steuerungstechnik nach § 14a EnWG allen Stufen Steuerbox, Steuerweg zur Ladeeinrichtung Modulwahl beim Netzbetreiber erfragen
Verstärkung des Hausanschlusses Stufe drei Anschlusskabel, Entfernung zur Ortsnetzstation schriftliche Auskunft des Netzbetreibers einholen
Erstprüfung und Dokumentation allen Stufen Messumfang, Protokoll, Trassendokumentation als eigene Position im Angebot verlangen

Laufender Aufwand über die Nutzungsdauer

Für die Betriebsseite brauchen Sie keine Preise, sondern vier Mengen, die Sie mit Ihren eigenen Tarifwerten bewerten.

Die erste ist die Verlustenergie der Zuleitung. Sie hängt von Länge, Querschnitt und Ladestrom ab: Wird der Querschnitt eine Stufe größer gewählt, sinken die Verluste näherungsweise im gleichen Verhältnis, während der Materialaufpreis einmalig anfällt. Bei einer langen Trasse zu einer freistehenden Garage ist der größere Querschnitt deshalb nicht nur eine Frage des Spannungsfalls, sondern auch eine kleine, aber dauerhafte Einsparung.

Die zweite ist die Dauerleistung der Technik im Zählerschrank. Steuerungseinrichtung, Messwandler und Kommunikationsmodul nehmen rund um die Uhr Leistung auf, unabhängig davon, ob geladen wird. Lassen Sie sich die Eigenverbrauchsangaben der verbauten Komponenten geben und rechnen Sie sie auf ein Jahr hoch.

Die dritte ist das Messstellenentgelt, falls das gewählte Modul nach § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes eine getrennte Erfassung des Ladestroms verlangt. Ein zweiter Zählpunkt kostet Platz im Schrank, einmaligen Installationsaufwand und ein wiederkehrendes Entgelt. Er lohnt sich erst ab einer Jahresmenge, die Sie mit Ihren eigenen Zahlen gegenrechnen müssen.

Die vierte ist der Prüfaufwand. Im selbstgenutzten Wohngebäude besteht für die Ladeeinrichtung keine wiederkehrende Prüfpflicht. Wird der Stellplatz vermietet oder gewerblich genutzt, gelten die Regeln für ortsfeste elektrische Anlagen in Betrieben mit ihren wiederkehrenden Prüfungen. Diese Einordnung entscheidet über einen dauerhaften Posten und gehört vor die Kalkulation, nicht danach.

Zweitkosten: Entscheidungen, die eine zweite Baustelle erzeugen

Die teuersten Positionen einer Anschlusskalkulation entstehen nicht beim ersten, sondern beim zweiten Mal. Vier Entscheidungen im Jahr null bestimmen, ob es ein zweites Mal gibt.

Erstens die Trasse: Ein zusätzliches Leerrohr im offenen Graben kostet Material und wenige Minuten, ein zweiter Graben Jahre später kostet den kompletten Vorgang erneut. Zweitens der Zählerschrank: Wird er bis auf die letzte Teilungseinheit gefüllt, ist jede spätere Ergänzung eine Umbaumaßnahme mit Abschaltung. Drittens die Netzform und der Schutzpotentialausgleich: Wer eine erkannte Schwäche vertagt, zahlt sie beim nächsten Eingriff mit, meist unter Zeitdruck. Viertens der Steuerweg: Fehlt die Ader oder das Rohr für die Steuerungstechnik, wird sie später nachgezogen, und zwar auf derselben Strecke.

Die Nutzungsdauern sind dabei sehr ungleich. Eine korrekt bemessene und geschützt verlegte Zuleitung überdauert mehrere Gerätegenerationen. Ein Zählerplatz wird typischerweise dann erneuert, wenn Anschlussregeln oder Messtechnik es erzwingen, nicht wenn er defekt ist. Die Ladeeinrichtung selbst ist das kurzlebigste Glied der Kette. Rechnen Sie deshalb nicht ein Vorhaben, sondern einen Zeitraum, in dem das Gerät mehrfach getauscht wird und der Anschluss stehen bleibt.

Wer zahlt, wenn Ihnen der Stellplatz nicht allein gehört

In einer Wohnungseigentümergemeinschaft besteht ein gesetzlicher Anspruch darauf, dass eine bauliche Veränderung zum Laden gestattet wird; über die Durchführung entscheidet die Gemeinschaft, und die Kosten trägt derjenige, dem die Maßnahme gestattet wurde. Für die Kalkulation heißt das: Sie tragen auch die Anteile, die im Gemeinschaftseigentum entstehen, etwa Trassen im Treppenhaus oder in der Tiefgarage. Wer zur Miete wohnt, braucht die Zustimmung des Vermieters und sollte vorab klären, was bei Auszug mit der Anlage geschieht.

Häufig lohnt in Mehrparteienobjekten die Frage, ob eine gemeinsame Grundinstallation für mehrere Stellplätze errichtet wird und jeder Eigentümer nur seinen Anschlusspunkt bezahlt. Diese Variante ist im Bestand fast immer günstiger als drei einzeln nachgerüstete Wege, verlangt aber eine gemeinsame Entscheidung im richtigen Moment.

Was Sie selbst beziffern können und wo die Kalkulation endet

Sie können die Stufe bestimmen, die Trasse abschreiten, freie Teilungseinheiten zählen, Typenschilder notieren, die Modulwahl mit dem Netzbetreiber klären und die vier laufenden Mengen aufstellen. Damit vergleichen Sie Angebote Zeile für Zeile statt Summe gegen Summe.

Nicht beurteilen können Sie, welcher Querschnitt für die tatsächliche Verlegeart und Häufung ausreicht, ob der vorhandene Zählerplatz weiterverwendet werden darf und ob der Hausanschluss die zusätzliche Dauerlast trägt. Die letzte Frage beantwortet allein der Netzbetreiber. Ausführen dürfen die Arbeiten ohnehin nur Installationsunternehmen, die nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung in ein Installateurverzeichnis eingetragen sind; eine Eigenmontage scheidet aus, auch als Sparvariante. Und bevor irgendetwas in Betrieb geht, steht das Verfahren nach § 19 derselben Verordnung: Mitteilung an den Netzbetreiber vor Inbetriebnahme, oberhalb von 12 Kilovoltampere Summen-Bemessungsleistung dessen Zustimmung, die mit kostenwirksamen Auflagen verbunden sein kann.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. § 13 NAV — Elektrische Anlage: Arbeiten nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eingetragenes Installationsunternehmen (Absatz 2 Satz 4)
  2. § 19 NAV — Ladeeinrichtungen: Mitteilung vor Inbetriebnahme, Zustimmung des Netzbetreibers über 12 Kilovoltampere Summen-Bemessungsleistung
  3. DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722):2019-06 — Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 7-722: Stromversorgung von Elektrofahrzeugen (Eintrag der DKE-Normendatenbank)
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