StartEnergie & HeizungAktuell

Saharastaub senkt Photovoltaik-Erträge in Europa

Eine PSI-Studie zeigt steigende Wüstenstaubkonzentrationen über Europa. Für Photovoltaikanlagen werden Prognosen, Netzplanung und die Frage nach einer Reinigung wichtiger.

Satellitenbild eines Saharastaubsturms über dem Atlantik und den Kanarischen Inseln
Satellitenbild eines Saharastaubsturms über dem Atlantik und den Kanarischen InselnFoto: European Space Agency / Wikimedia Commons, bearbeitet (Zuschnitt)CC BY 2.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Studie unter Federführung des Paul Scherrer Instituts zeigt deutlich höhere Wüstenstaubwerte in Süd- als in Mittel- und Nordeuropa.
  • Die Konzentration ist im untersuchten Zehnjahreszeitraum gestiegen; Eisbohrkerne weisen auch langfristig auf eine deutliche Zunahme hin.
  • Hausbesitzer sollten Module nach Staubereignissen kontrollieren, aber nicht ohne messbaren Anlass oder geeignetes Verfahren reinigen.

Wüstenstaub aus der Sahara erreicht Europa häufiger in hoher Konzentration und wird damit auch für die Solarstromerzeugung relevanter. Eine Studie unter Federführung des Schweizer Paul Scherrer Instituts (PSI) hat Messdaten aus zehn Jahren von mehr als 100 Stationen ausgewertet und mit Methoden der künstlichen Intelligenz kombiniert. Das Ergebnis: Vor allem in Südeuropa ist die Staubbelastung hoch und im untersuchten Zeitraum weiter gestiegen.

Für Betreiber von Photovoltaikanlagen hat die Entwicklung zwei Folgen. Staub in der Atmosphäre kann die Sonneneinstrahlung mindern, Ablagerungen auf den Modulen können zusätzlich den Ertrag drücken. Gleichzeitig können großräumige Staubereignisse die Prognose der Solarstromproduktion erschweren. Ob eine private Anlage nach jedem Ereignis gereinigt werden sollte, lässt sich daraus allerdings nicht pauschal ableiten.

Südeuropa ist mehr als doppelt so stark belastet

Die Forschenden ermittelten für Südeuropa eine durchschnittliche Wüstenstaubkonzentration von 5,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Mittel- und Nordeuropa lag der Wert mit 2,1 Mikrogramm pro Kubikmeter bei weniger als der Hälfte. Besonders betroffen sind Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Auch Westfrankreich zählt zu den Regionen, in denen Saharastaub deutlich ins Gewicht fällt.

Im betrachteten Zehnjahreszeitraum nahm die Konzentration um rund 0,5 Mikrogramm pro Kubikmeter zu. Abhängig vom Ausgangsniveau entspricht das einem Anstieg von etwa 10 bis 25 Prozent. Die Zahl der Staubstürme hat sich nach den Studienergebnissen nicht erhöht. Die Ereignisse sind jedoch intensiver geworden und transportieren damit bei einzelnen Lagen größere Staubmengen nach Europa.

Die Analyse beschränkt sich nicht auf moderne Messstationen. Ergänzend untersuchten die Forschenden Eisbohrkerndaten vom Alpengletscher Colle Gnifetti. Diese Langzeitdaten deuten darauf hin, dass sich die Wüstenstaubkonzentration über rund 150 Jahre mehr als verdoppelt hat. Damit erscheint der jüngste Anstieg als Teil einer längerfristigen Entwicklung.

Austrocknung und Luftströmungen verändern den Staubtransport

Als Ursachen nennen die Forschenden die zunehmende Austrocknung der Sahara und Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation. Trockene, ungeschützte Böden lassen sich leichter aufwirbeln. Luftströmungen entscheiden anschließend darüber, in welche Regionen der Staub transportiert wird und in welcher Höhe er Europa erreicht.

Der Klimawandel begünstigt diese Entwicklung nach Einschätzung der Studie, der genaue Zusammenhang ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Das ist eine wichtige Einschränkung: Die Messdaten zeigen eine Zunahme, und mehrere klimatische Prozesse liefern plausible Erklärungen. Wie groß der jeweilige Anteil einzelner Ursachen ist, bleibt Gegenstand weiterer Forschung.

Saharastaub kann in der Luft sichtbar sein, muss es aber nicht. Eine auffällige gelbliche Färbung des Himmels oder feiner rötlicher Niederschlag auf Autos und Fensterbänken sind deutliche Hinweise. Für die Photovoltaik zählt jedoch nicht der optische Eindruck allein, sondern wie stark Einstrahlung und Moduloberfläche tatsächlich beeinflusst werden.

Warum Staub die Solarstromprognose schwieriger macht

Photovoltaikmodule erzeugen Gleichstrom aus einfallendem Licht. Der Wechselrichter wandelt ihn in nutzbaren Wechselstrom um und zeichnet bei vielen Anlagen Leistungs- und Ertragsdaten auf. Gelangt weniger Strahlung auf die Module, sinkt die Produktion. Lagert sich Staub auf dem Glas ab, entsteht ein zusätzlicher Verlust, der je nach Menge, Verteilung, Dachneigung und Niederschlag unterschiedlich ausfällt.

Für die Energiewirtschaft ist vor allem die großräumige Wirkung relevant. Netzbetreiber und Stromhändler prognostizieren, wie viel Solarstrom in den nächsten Stunden und Tagen zur Verfügung steht. Wenn eine Staubwolke die Einstrahlung anders beeinflusst als eine gewöhnliche Bewölkung, können Prognosen danebenliegen. Ein Frühwarnsystem für hohe Staubkonzentrationen könnte helfen, Solarerzeugung realistischer vorauszusagen und das Stromnetz rechtzeitig mit anderen Erzeugern, Speichern oder flexiblen Verbrauchern auszugleichen.

Für eine einzelne Hausanlage ist die Netzstabilisierung nicht unmittelbar steuerbar. Veränderte Erträge wirken sich aber auf den selbst genutzten Solarstrom aus. Sinkt die Erzeugung, muss der Haushalt mehr Strom aus dem Netz beziehen. Der Eigenverbrauch bei Photovoltaik bleibt deshalb eine betriebswirtschaftliche Größe, die von Wetter, Verbrauchsprofil und Anlagenzustand gemeinsam abhängt.

Reinigen lohnt sich nicht automatisch nach jedem Ereignis

Staub auf den Modulen führt schnell zu der Frage, ob eine Reinigung nötig ist. Bei ausreichend geneigten Anlagen entfernt Regen einen Teil loser Ablagerungen. Flach montierte Module, gerahmte Modulränder, lokale Verschmutzung durch Vögel oder Pollen und längere trockene Phasen können die Selbstreinigung dagegen begrenzen.

Entscheiden Sie nicht nur nach dem Aussehen. Vergleichen Sie die Ertragskurve mit ähnlich sonnigen Tagen vor dem Staubereignis und berücksichtigen Sie Temperatur und Verschattung. Viele Wechselrichterportale zeigen Tagesverläufe, aus denen ungewöhnliche Abweichungen erkennbar werden. Bei Anlagen mit mehreren Strings kann auch ein Vergleich der Teilgeneratoren Hinweise liefern, sofern Ausrichtung und Belegung vergleichbar sind.

Eine Reinigung auf dem Dach ist keine übliche Heimwerkerarbeit. Absturzgefahr, empfindliche Moduloberflächen und elektrische Komponenten machen ein fachgerechtes Vorgehen erforderlich. Hochdruckreiniger, harte Bürsten und ungeeignete Reinigungsmittel können Dichtungen, Glasbeschichtung oder Rahmen beschädigen. Prüfen Sie zudem Garantie- und Herstellerhinweise. Eine professionelle Reinigung sollte einen erwartbaren Mehrertrag rechtfertigen und darf nicht mehr kosten, als sie voraussichtlich einbringt.

Was Eigentümer jetzt prüfen können

Dokumentieren Sie auffällige Staubereignisse und beobachten Sie anschließend Ertragsdaten sowie die natürliche Reinigung durch Regen. Bleibt eine deutliche, nicht durch Bewölkung oder Verschattung erklärbare Abweichung bestehen, ist eine Sichtprüfung aus sicherer Position sinnvoll. Bei hartnäckigen Ablagerungen oder schwer zugänglichen Dächern sollte ein Fachbetrieb beurteilen, ob eine Reinigung wirtschaftlich und technisch angemessen ist.

Wer eine neue Anlage plant, sollte im Angebot eine standortbezogene Ertragsprognose und nachvollziehbare Annahmen verlangen. Der Photovoltaik-Rechner kann zeigen, wie sich ein geringerer spezifischer Jahresertrag auf Jahresvorteil und Amortisationszeit auswirkt. Die PV-Angebots-Checkliste hilft, Wechselrichter, Monitoring und Ertragsannahmen vergleichbar zu machen.

Die Studie liefert keinen pauschalen Reinigungsrhythmus für Hausdächer. Sie zeigt aber, dass Saharastaub nicht mehr als seltenes Randphänomen betrachtet werden sollte. Gute Ertragsüberwachung wird wichtiger: Wer die normalen Werte seiner Anlage kennt, kann nach einem Staubereignis gezielt reagieren, statt unnötig zu reinigen oder dauerhafte Verluste unbemerkt hinzunehmen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. pv magazine – Wüstenstaub reduziert PV-Erträge in Europa, 16. Juli 2026
  2. Paul Scherrer Institut – Forschung zu Wüstenstaub in Europa
Weiterlesen

Mehr zum Thema

019 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

0218 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

0312 Artikel