Etagen-Wärmepumpe statt Gasheizung: So funktioniert der Tausch in der Wohnung
Millionen Wohnungen heizen noch mit Gas-Etagenheizungen. Die Etagen-Wärmepumpe ist die klimafreundliche Alternative – wir zeigen, wie der Tausch in der Wohnung abläuft.

Das Wichtigste in Kürze
- Etwa vier Millionen Wohnungen in Deutschland nutzen noch Gas-Etagenheizungen – der klimafreundliche Austausch rückt in den Fokus.
- Etagen-Wärmepumpen sind kompakt, leise und passen in eine einzelne Wohnung – ohne stockwerksübergreifende Leitungen.
- Die Kosten liegen je nach System zwischen 3.000 und 21.000 Euro pro Wohneinheit, BEG-Förderung ist möglich.
- Wichtig: Alle Eigentümer der Gemeinschaft müssen der dezentralen Umrüstung zustimmen.
Etwa vier Millionen Wohnungen in Deutschland werden noch mit Etagenheizungen beheizt – in den meisten Fällen mit Gas. Die Gas-Etagenheizung war lange die Standardlösung: kompakt, eigenständig pro Wohnung, ohne zentrale Heizungsanlage. Doch mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz und der schrittweisen Bioanteil-Pflicht für fossile Heizungen rückt der Austausch in den Fokus. Kosten, Förderung und Rechtliches entscheiden dann gemeinsam über die Machbarkeit. Die Etagen-Wärmepumpe gilt als vielversprechende Alternative – sie versorgt eine einzelne Wohnung dezentral mit Wärme und Warmwasser, ohne dass das gesamte Haus umgerüstet werden muss.
Das Problem: Gas-Etagenheizungen im Mehrfamilienhaus
Gas-Etagenheizungen haben klare Vorteile: Jede Wohnung hat eine eigene Anlage, die Heizkosten lassen sich exakt zuordnen, und es gibt keine stockwerksübergreifenden Heizleitungen. Doch genau diese Dezentralität macht den klimafreundlichen Austausch schwierig. Eine zentrale Wärmepumpe für das gesamte Haus erfordert neue Heizungsleitungen durch alle Wohnungen, einen geeigneten Aufstellraum und die Zustimmung aller Eigentümer. Bei einem 1.000-Quadratmeter-Gebäude liegen die Kosten für eine zentrale Umrüstung bei rund 100.000 Euro.
Bislang fehlten kompakte Wärmepumpen, die in eine einzelne Wohnung passen, Heizwärme und Warmwasser bereitstellen und so leise sind wie ein Kühlschrank. Mittlerweile haben mehrere Hersteller solche Systeme auf den Markt gebracht.
Etagen-Wärmepumpe: So funktioniert sie
Eine Etagen-Wärmepumpe ist eine dezentrale Wärmepumpe, die eine einzelne Wohnung im Mehrfamilienhaus versorgt. Sie besteht aus zwei Komponenten:
- Inneneinheit: Steht in der Wohnung (ähnlich einer Split-Klimaanlage). Sie gibt die Wärme an die Raumluft ab oder heizt das Wasser für die vorhandenen Heizkörper.
- Außeneinheit: Wird an der Fassade montiert. Sie entzieht der Außenluft Wärme – auch bei Kälte.
Zwei Systemtypen kommen zum Einsatz:
Luft-Luft-Systeme heizen über die Raumluft. Sie benötigen keine Heizkörper und keine Heizungsrohre. Die Kosten liegen bei 3.000 bis 6.000 Euro pro Wohneinheit. Nachteil: Warmwasser wird nicht bereitgestellt, hier kommt ein elektrischer Durchlauferhitzer oder Boiler hinzu.
Luft-Wasser-Systeme nutzen die vorhandenen Heizkörper und die Warmwasserleitung. Sie sind leistungsfähiger, aber teurer: 15.000 bis 21.000 Euro pro Wohneinheit inklusive Installation. Sie ersetzen die Gas-Etagenheizung vollständig.
Rechtlicher Rahmen: Was das GMG bedeutet
Das Gebäudemodernisierungsgesetz hat die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien gestrichen. Der Einbau neuer Gasheizungen ist weiterhin erlaubt. Doch die Biotreppe ab 2029 macht fossile Heizungen zunehmend unattraktiv: Neue Gas- und Ölheizungen müssen ab 2029 einen steigenden Anteil biogener Brennstoffe nutzen – von 10 Prozent auf 60 Prozent bis 2040. Die Kosten für diese Biokomponente liegen aktuell bei etwa 0,10 bis 0,15 Euro pro Kilowattstunde Aufschlag.
Die früheren Sonderregeln für Etagenheizungen sind damit ebenfalls Geschichte: Die §§ 71 bis 71p GEG, die beim Ausfall einer Gasetagenheizung eine Entscheidungsfrist und eine daran anschließende fünfjährige Umsetzungsfrist vorsahen, wurden gestrichen. Eine gesetzliche Pflicht, sich innerhalb einer festen Frist zwischen zentraler und dezentraler Wärmeversorgung zu entscheiden, besteht seit dem 29. Juli 2026 nicht mehr. Die Entscheidung bleibt der Eigentümergemeinschaft überlassen – wirtschaftlich getrieben wird sie jetzt vor allem durch die Biotreppe und den CO₂-Preis.
Die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft
Das ist der kritischste Punkt: Eine dezentrale Umrüstung auf Etagen-Wärmepumpen erfordert die Zustimmung aller Wohnungseigentümer. Die Außeneinheiten werden an der Fassade angebracht – das betrifft das gemeinschaftliche Eigentum. Auch die Änderung der Teilungserklärung kann notwendig sein.
Praktisch bedeutet das: Auch ein einzelner widersprechender Eigentümer kann die Umrüstung blockieren. Im Gegensatz dazu ist eine zentrale Lösung oft einfacher durchzusetzen, da sie das gesamte Haus betrifft und über eine Eigentümerversammlung beschlossenen werden kann.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Kosten hängen vom gewählten System ab:
| System | Kosten pro Wohneinheit | BEG-Förderung (Luft-Wasser) |
|---|---|---|
| Luft-Luft (Split-Klima) | 3.000 – 6.000 € | Nicht förderfähig |
| Luft-Wasser (mit Heizkörpern) | 15.000 – 21.000 € | Bis zu 80 % (je nach Einkommen) |
Bei einem Luft-Wasser-System mit 21.000 Euro Investition können bis zu 7.000 Euro BEG-Förderung fließen – die Eigenlast liegt dann bei rund 14.000 Euro. Die BEG-Konditionen haben sich ab dem 21. Juli 2026 geändert: Der Höchstbetrag liegt bei 28.000 Euro und sinkt ab Februar 2027 halbjährlich. Details dazu im Artikel zur KfW-Förderung.
Die Wirtschaftlichkeit spricht für die Wärmepumpe: Gegenüber einer Gas-Etagenheizung sparen Sie jährlich rund 730 Euro an Betriebskosten. Die Amortisationszeit liegt bei etwa 8 bis 9,5 Jahren – und das ohne Heizkörpertausch in den meisten Fällen.
Zentrale vs. dezentrale Lösung: Die Entscheidung
Beide Wege haben ihre Berechtigung:
Zentrale Umrüstung ist sinnvoll, wenn das Haus noch relativ gut gedämmt ist, die Eigentümer kooperativ sind und eine gemeinsame Lösung finanziell tragbar ist. Sie bietet die höchste Effizienz und die einfachste Abwicklung. Nachteil: Hohe Investition und stockwerksübergreifende Bauarbeiten.
Dezentrale Umrüstung eignet sich, wenn die Eigentümergemeinschaft keine einheitliche Lösung finden kann, die Wohnungen unterschiedlich saniert sind oder die Finanzierung nur schrittweise möglich ist. Nachteil: Die Zustimmung aller Eigentümer ist erforderlich, und die Gesamtkosten pro Wohneinheit sind höher als bei einer zentralen Lösung.
Was Sie jetzt tun können
Wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus mit Gas-Etagenheizungen leben, prüfen Sie drei Punkte:
- Zustimmung der Eigentümergemeinschaft: Sind die anderen Eigentümer offen für eine Umrüstung? Bei Widerstand kann eine zentrale Lösung der praktikablere Weg sein.
- Ausfallrisiko und Biotreppe abschätzen: Eine gesetzliche Entscheidungsfrist gibt es nicht mehr. Prüfen Sie stattdessen, wie alt die Etagenheizungen im Haus sind und wann die Biotreppe ab 2029 die Brennstoffkosten spürbar erhöht.
- Förderung nutzen: Die BEG-Förderung für Luft-Wasser-Etagen-Wärmepumpen ist attraktiv – aber der Höchstbetrag sinkt ab 2027. Wer jetzt plant, sichert sich bessere Konditionen.
Mit dem Heizkosten-Vergleich können Sie berechnen, wie sich die Betriebskosten einer Etagen-Wärmepumpe gegenüber Ihrer aktuellen Gasheizung entwickeln. So bekommen Sie eine konkrete Einschätzung, wann sich die Investition auszahlt.
Sprechen Sie frühzeitig mit einem Energieeffizienz-Experten. Er hilft bei der Systemwahl, prüft die Förderfähigkeit und erstellt die notwendige Bestätigung zum Antrag (BzA) für die BEG-Förderung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Handelsblatt: So können neue Wärmepumpen die Etagenheizung ersetzen, 26. Jan. 2026
- SWR Aktuell: Start-up bringt Etagen-Wärmepumpe auf den Markt
- co2online: Etagenwärmepumpe statt Gasetagenheizung
- Gesetze im Internet: Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), Inhaltsübersicht der geltenden Fassung
- Gebäudforum: Von der Gas-Etagenheizung zur Wärmepumpe (LEG Immobilien)
- Baunetzwissen: Etagenwärmepumpen für Mehrfamilienhäuser















