Strom- oder Gasvertrag kündigen: Fristen und Lieferende
Strom- oder Gasvertrag kündigen: In der Grundversorgung gelten zwei Wochen. Bei grüüüns angekündigtem Angebotsende zum 31. Oktober zählen Vertragsende, bestätigter Anschluss und Ersatzversorgung.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundversorgung können Sie jederzeit mit zwei Wochen Frist in Textform kündigen; der Grundversorger darf dafür kein Entgelt verlangen (§ 20 StromGVV und GasGVV).
- Erhöht der Lieferant einseitig die Preise, dürfen Sie ohne Frist zum Tag der Änderung kündigen; Haushaltskunden muss er mindestens einen Monat vorher informieren, der Grundversorger sechs Wochen (§ 41 Abs. 5 EnWG, § 5 GVV).
- Kein Sonderkündigungsrecht entsteht, wenn der Lieferant nur eine gesetzliche Änderung der Umsatzsteuer unverändert weitergibt; höhere Netzentgelte, Abgaben oder CO2-Kosten sind dagegen eine Preisänderung.
- Laut Bundesnetzagentur zahlten Bestandskunden 2025 im Schnitt 37,4 Cent je Kilowattstunde Strom, Wechsler sparten rund 2,5 Cent; bei 4.000 Kilowattstunden sind das etwa 100 Euro im Jahr.
Wenn Sie Ihren Strom- oder Gasvertrag kündigen möchten, gilt in der Grundversorgung eine Frist von zwei Wochen. Im Sondervertrag entscheiden Laufzeit und Kündigungsanlass. Endet dagegen die Belieferung durch Ihren Anbieter, müssen Sie zuerst Vertragsende und Anschlussversorgung klären, statt vorschnell selbst zu kündigen. Die Rechnung oder der Vertrag nennt die Vertragsart; nach § 41 Abs. 1 EnWG muss dort stehen, ob Sie in der Grundversorgung sind.
grüüün kündigt Angebotsende zum 31. Oktober an: Was jetzt zählt
Die Bundesnetzagentur teilte am 20. Oktober 2026 mit: Münch Energie, Anbieter der Marke grüüün, hatte Kunden Anfang Oktober über die Aufgabe des nationalen Verbraucherangebots zum 31. Oktober 2026 informiert. Die Behörde leitete ein Aufsichtsverfahren ein. Sie prüft Anzeige- und Transparenzpflichten; ihre Mitteilung ist keine abschließende Entscheidung über einen Rechtsverstoß und kein Urteil über die Wirksamkeit einzelner Kündigungen. Stand dieser Einordnung ist die Behördenmitteilung vom 20. Oktober, nicht eine Bestätigung, dass heute tatsächlich jede Belieferung endet.
Für betroffene Eigentümer folgt daraus eine konkrete Reihenfolge: Sichern Sie Kundenanschreiben, Vertrag und Preisblatt. Prüfen Sie, welches Vertragsende Ihnen mitgeteilt wurde und ob ein neuer Anbieter den Lieferbeginn bereits schriftlich bestätigt hat. Eine bloße Bestellung ist nicht mit einer bestätigten Belieferung gleichzusetzen. § 20a Absatz 1 EnWG verlangt vom neuen Anbieter eine unverzügliche Bestätigung in Textform, ob und zu welchem Termin er liefern kann.
Nicht vorschnell selbst kündigen: Wer die Vertragsbeendigung des bisherigen Lieferanten für unwirksam hält, sollte dies ausdrücklich in Textform beanstanden und den Vorgang dokumentieren. Eine eigene Kündigung kann die gewünschte Fortsetzung des bisherigen Vertrags gerade nicht herstellen. Das Aufsichtsverfahren ersetzt keine Prüfung Ihres individuellen Vertrags. Die Bundesnetzagentur betont, dass Lieferanten auch bei einer Geschäftsaufgabe ihre vertraglichen Vereinbarungen zur Beendigung einhalten müssen.
Fehlt nach einem Lieferende die Zuordnung Ihres Strombezugs zu einem Vertrag, greift für die Versorgung über das allgemeine Niederspannungsnetz grundsätzlich § 38 EnWG. Diese Ersatzversorgung ist kein Wunschtarif. Der Grundversorger darf dafür gesonderte veröffentlichte Preise berechnen, die nicht dem bisherigen Vertrag und auch nicht zwingend seinem Grundversorgungstarif entsprechen. Fragen Sie nach dem tatsächlich zugeordneten Tarif und notieren Sie Zählerstand und Datum der Umstellung.
Die Ersatzversorgung endet mit dem Beginn eines neuen Liefervertrags, spätestens nach drei Monaten. Sie müssen diese Höchstdauer also nicht abwarten, um einen anderen Lieferanten zu wählen. Umgekehrt ist der schnelle technische Stromwechsel keine Garantie, dass ein heute bestellter Vertrag rückwirkend ab dem gewünschten Tag gilt. Entscheidend bleibt die Bestätigung des Lieferbeginns.
Für vermietete Häuser prüfen Sie jede betroffene Verbrauchsstelle getrennt: Der Allgemeinstromvertrag des Eigentümers ist nicht der private Stromvertrag eines Mieters. Halten Sie Kundennummer und Zählernummer bei Rückfragen auseinander. Die praktische Entscheidung lautet damit: bestätigter Anschlussvertrag vorhanden, dann Umstellung und Schlussrechnung kontrollieren; kein Anschluss bestätigt, dann Zuordnung und Ersatzversorgungspreis klären und ein passendes Angebot für die Zukunft abschließen.
Die drei möglichen Lagen im Überblick:
| Ihre Lage | Was jetzt zählt | Grundlage |
|---|---|---|
| Bestätigter Anschluss: Der neue Lieferant hat Ihnen den Lieferbeginn in Textform bestätigt | Termin und Zählerstand am Umstellungstag festhalten, Schlussrechnung des bisherigen Lieferanten prüfen. Eine bloße Bestellung genügt nicht als Bestätigung. | § 20a Abs. 1 EnWG |
| Kein Anschluss: Die Belieferung endet, und der Bezug lässt sich keinem Liefervertrag zuordnen | Beim Grundversorger den zugeordneten Ersatzversorgungstarif erfragen, Datum und Zählerstand notieren und zügig einen neuen Liefervertrag abschließen. Die Ersatzversorgung endet mit dessen Beginn, spätestens drei Monate nach ihrem Start. Der Grundversorger darf gesonderte Preise veröffentlichen und zum 1. und 15. eines Monats anpassen. | § 38 Abs. 1, 3 und 4 EnWG |
| Strittiges Vertragsende: Sie halten die Beendigung durch den Lieferanten für unwirksam | Vertragsende in Textform beanstanden, Kundenanschreiben und Vertrag sichern, nicht vorschnell selbst kündigen. Das Aufsichtsverfahren der Bundesnetzagentur ist keine Entscheidung über Ihren Vertrag; ob und wann die Belieferung tatsächlich endet, ist damit nicht bestätigt. | Bundesnetzagentur, 20.10.2026 |
Quellen: Bundesnetzagentur, Mitteilung vom 20.10.2026; § 20a und § 38 EnWG, abgerufen am 31.10.2026. Konkrete Ersatzversorgungspreise nennt nur der jeweilige Grundversorger.
Die Kündigungsfristen nach Vertragsart:
| Ihre Lage | Kündigungsfrist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Grundversorgung, keine Preisänderung | jederzeit, zwei Wochen, Textform | § 20 StromGVV und GasGVV |
| Grundversorgung, Preisänderung angekündigt | ohne Frist zum Tag der Änderung; Ankündigung mindestens sechs Wochen vorher | § 5 Abs. 2 und 3 StromGVV und GasGVV |
| Sondervertrag, Lieferant erhöht Preis oder ändert Bedingungen | ohne Frist zum Tag der Änderung; Information mindestens einen Monat vorher | § 41 Abs. 5 EnWG |
| Sondervertrag ab 1.3.2022, in der Erstlaufzeit | zum Laufzeitende; Erstlaufzeit höchstens zwei Jahre, Frist höchstens ein Monat | § 309 Nr. 9 BGB |
| Sondervertrag ab 1.3.2022, nach stillschweigender Verlängerung | jederzeit mit höchstens einem Monat Frist | § 309 Nr. 9 b BGB |
| Umzug | Sonderkündigung mit sechs Wochen Frist, außer der Lieferant beliefert Sie an der neuen Adresse zu gleichen Bedingungen | § 41b Abs. 5 EnWG |
| Nur die Umsatzsteuer ändert sich | kein Sonderkündigungsrecht | § 41 Abs. 6 EnWG |
Die beiden Zeilen zu § 309 Nr. 9 BGB stammen aus dem Gesetz für faire Verbraucherverträge und gelten für Verträge, die seit dem 1. März 2022 geschlossen wurden: Eine Bindung über zwei Jahre, eine automatische Verlängerung um ein weiteres Jahr und eine Kündigungsfrist von mehr als einem Monat sind dort in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam. Für ältere Verträge gilt die frühere Fassung, die Verlängerungen um bis zu ein Jahr und bis zu drei Monate Kündigungsfrist zuließ. Prüfen Sie deshalb das Abschlussdatum, bevor Sie mit einem Monat rechnen.
Sonderkündigung bei Preiserhöhung
Kündigt Ihr Lieferant eine Preiserhöhung an, können Sie den Vertrag ohne Einhaltung einer Frist zum Zeitpunkt der Änderung beenden. Ein Entgelt dafür darf er nicht verlangen. Haushaltskunden muss er spätestens einen Monat vorher unmittelbar und verständlich informieren, mit Anlass, Voraussetzungen und Umfang (§ 41 Abs. 5 EnWG). Bei Stromverträgen muss er zusätzlich angeben, wie sich sein eigener Versorgeranteil geändert hat (§ 41b Abs. 4 EnWG).
In der Grundversorgung ist das Verfahren strenger: Der Grundversorger muss Änderungen sechs Wochen vorher öffentlich bekannt machen und Ihnen brieflich mitteilen. Ein Beispiel: Die Bekanntmachung erscheint am 15. September für eine Erhöhung zum 1. Januar. Dann können Sie bis zum 31. Dezember ohne Frist zum 1. Januar kündigen. Die Erhöhung wird Ihnen gegenüber nicht wirksam, wenn Sie bei einer Kündigung die Einleitung des Lieferantenwechsels durch einen entsprechenden Vertragsschluss innerhalb eines Monats nach Zugang Ihrer Kündigung nachweisen (§ 5 Abs. 3 GVV). Maßgeblich ist dafür nicht der Eingang der Preisankündigung.
Eine Ausnahme ist schmal. Gibt der Lieferant nur eine gesetzliche Änderung des Umsatzsteuersatzes unverändert weiter, muss er Sie nicht vorab informieren, und es entsteht kein Sonderkündigungsrecht (§ 41 Abs. 6 EnWG). Dasselbe gilt für weitergegebene Senkungen staatlicher Preisbestandteile. Steigen dagegen Netzentgelte, Umlagen oder der CO2-Preis und erhöht der Lieferant deshalb seinen Preis, ist das eine Preisänderung mit Kündigungsrecht. Wie stark sich die vorläufigen Gasnetzentgelte 2027 je Netzgebiet unterscheiden, rechnet der Beitrag für 20.000 Kilowattstunden vor. Wie sich der CO2-Anteil beim Gas entwickelt, zeigt der Beitrag zur EU-Emissionshandelsreform und den CO2-Kosten.
Strom- oder Gasvertrag kündigen: Was ins Schreiben gehört
Für Verträge außerhalb der Grundversorgung reicht die Textform, also auch eine E-Mail oder das Online-Formular. Der Lieferant muss Ihre Kündigung innerhalb einer Woche unter Angabe des Vertragsendes in Textform bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG), der Grundversorger unverzüglich. Wer online abgeschlossen hat, kann seit Juli 2022 über einen Kündigungsbutton auf der Website kündigen; was der Bundesgerichtshof dazu entschieden hat, steht im Beitrag zum Kündigungsbutton.
In die Kündigung gehören vier Angaben: Kundennummer, Zählernummer, gewünschter Kündigungstermin und die Bitte um Bestätigung. Bei einer Restfrist von wenigen Tagen schicken Sie zusätzlich ein Einschreiben. Kündigen Sie bei einer Preiserhöhung selbst, statt die Kündigung dem neuen Anbieter zu überlassen. So kontrollieren Sie Termin und Zugang. Übernimmt der neue Lieferant die Kündigung, muss der alte ihm eine Bestätigung elektronisch übermitteln (§ 41 Abs. 8 EnWG).
Was der Wechsel bringt
Laut Bundesnetzagentur zahlten Bestandskunden 2025 im Durchschnitt 37,4 Cent je Kilowattstunde Strom, Wechsler im Januar 2026 rund 2,5 Cent weniger. Für Ihr Haus heißt das:
| Jahresverbrauch Strom | Ersparnis bei 2,5 ct/kWh (gerundet) |
|---|---|
| 3.500 kWh | 88 € |
| 4.000 kWh | 100 € |
| 6.000 kWh (mit Warmwasser-Wärmepumpe) | 150 € |
Beim Gas ist die Rechnung genauso einfach: Jeder Cent Unterschied im Arbeitspreis bringt bei 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch 200 Euro. Ein höherer Grundpreis frisst davon wenig; 1 Euro mehr im Monat kostet 12 Euro im Jahr. Vergleichen Sie deshalb zuerst den Arbeitspreis und rechnen Sie mit Ihrem Verbrauch aus der letzten Jahresabrechnung, nicht mit dem Profilwert des Vergleichsportals. Ab welchem Preisabstand sich ein Gaswechsel lohnt, berechnet der Gastarif-Rechner. Ob ein Festpreis oder ein dynamischer Stromtarif besser passt, hängt davon ab, wie viel Verbrauch Sie zeitlich verschieben können.
Der Wechsel in fünf Schritten
- Vertrag lesen. Notieren Sie Vertragsart, Ende der Erstlaufzeit, Kündigungsfrist, Kunden- und Zählernummer.
- Verbrauch nehmen. Maßgeblich ist die letzte Jahresabrechnung.
- Angebot wählen. Achten Sie auf Arbeitspreis, Grundpreis, Preisgarantie und Laufzeit. Boni zählen nur im ersten Jahr.
- Kündigen und anmelden. Der neue Lieferant muss Ihnen unverzüglich in Textform bestätigen, ab wann er liefert (§ 20a Abs. 1 EnWG). Der Wechsel selbst ist kostenlos. Das Verfahren darf höchstens drei Wochen ab Anmeldung beim Netzbetreiber dauern; seit 1. Januar 2026 verlangt das Gesetz außerdem, dass der technische Wechsel binnen 24 Stunden an jedem Werktag möglich ist. Umgesetzt ist das laut Bundesnetzagentur bisher nur beim Strom, beim Gas noch nicht. Der schnelle technische Ablauf verkürzt keine Kündigungsfrist.
- Zählerstand festhalten. Fotografieren Sie den Zähler am Wechseltag und prüfen Sie die Schlussrechnung. Ein Guthaben muss erstattet werden, nicht nur angekündigt.
Bei einem nicht zugeordneten Energiebezug über das allgemeine Niederspannungs- oder Niederdrucknetz greift grundsätzlich die Ersatzversorgung nach § 38 EnWG. Sie endet mit einem neuen Liefervertrag, spätestens nach drei Monaten. Verwechseln Sie deren gesonderte Preise nicht mit dem Grundversorgungstarif; klären Sie die anschließende vertragliche Zuordnung rechtzeitig mit dem Versorger. Verschiebt sich der Wechsel durch Verschulden eines Beteiligten über die Drei-Wochen-Frist hinaus, können Sie Schadensersatz verlangen (§ 20a Abs. 4 EnWG).
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesnetzagentur: Aufsichtsverfahren gegen Münch Energie, 20.10.2026; abgerufen 31.10.2026
- § 38 EnWG: Voraussetzungen, Preise und Ende der Ersatzversorgung; abgerufen 31.10.2026
- EnWG § 41: Energielieferverträge mit Letztverbrauchern
- EnWG § 41b: Energielieferverträge mit Haushaltskunden außerhalb der Grundversorgung
- EnWG § 20a: Lieferantenwechsel
- StromGVV § 5 und § 20: Preisänderungen und Kündigung in der Grundversorgung
- GasGVV § 20: Kündigung
- BGB § 309 Nr. 9: Laufzeit bei Dauerschuldverhältnissen
- Bundesnetzagentur – Verbraucherportal: Lieferantenwechsel
- SMARD (Bundesnetzagentur) – Lieferantenwechsel kann sich lohnen, 11.03.2026

















