Kaminofen und Schornstein sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien
Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
- Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
- Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.
Zwei Prüfebenen: die eigene Sichtkontrolle und die hoheitliche Überwachung
Bei einer Feuerstätte laufen zwei Prüfsysteme nebeneinander. Das eine ist gesetzlich geregelt: Die Feuerstättenschau nach § 14 des Schornsteinfeger-Handwerksgesetzes ist zweimal innerhalb von sieben Jahren durchzuführen, mit einem Mindestabstand zwischen den beiden Terminen, und sie umfasst die Betriebs- und Brandsicherheit der gesamten Anlage. Hinzu kommen Kehrung und Überprüfung nach der Kehr- und Überprüfungsordnung sowie die wiederkehrende Überwachung nach § 15 der 1. BImSchV, jeweils in der Häufigkeit, die Ihr Feuerstättenbescheid festlegt.
Das andere System sind Sie. Zwischen zwei Terminen des Schornsteinfegers liegen Monate, und in dieser Zeit entstehen die meisten sicherheitsrelevanten Veränderungen: eine gerissene Türdichtung, eine verschobene Umlenkplatte, ein korrodiertes Verbindungsstück, ein Vogelnest in der Mündung, eine neu eingebaute Dunstabzugshaube.
Ihre Kontrolle ersetzt nichts, aber sie schließt die Lücke dazwischen. Führen Sie sie zweimal jährlich durch, einmal vor der Heizsaison bei kaltem Ofen und einmal in der Mitte der Saison.
Kaltprüfung: was Sie am erkalteten Gerät sehen
Prüfen Sie zuerst den Feuerraum. Die Schamottesteine dürfen Haarrisse zeigen, aber keine durchgehenden Risse, keine losen Stücke und keine Fehlstellen, durch die der Stahlkörper sichtbar wird. Die Umlenkplatte oben im Feuerraum muss vollständig und in ihrer vorgesehenen Lage sitzen; eine verrutschte oder gebrochene Umlenkplatte verändert die Abgasführung und kann zu Überhitzung führen. Rost und Aschekasten müssen frei beweglich und unbeschädigt sein.
Prüfen Sie danach die Tür. Die Dichtschnur muss elastisch sein und rundum anliegen. Ein einfacher Test: Klemmen Sie ein Blatt Papier in die geschlossene Tür und ziehen Sie daran. Lässt es sich an einer Stelle ohne Widerstand herausziehen, ist die Dichtung an dieser Stelle hin. Eine undichte Tür führt zu unkontrolliertem Luftzutritt, zu heißem Abbrand und zu erhöhtem Verschleiß.
Prüfen Sie die Sichtscheibe auf Sprünge. Eine gesprungene Scheibe ist ein sofortiger Abschaltgrund, weil Glut und Funken austreten können.
Prüfen Sie zuletzt das Verbindungsstück vom Ofen zum Schornstein: Korrosion, Durchrostung, lose Steckverbindungen, Rußfahnen an den Stößen, ein verrutschtes Wandfutter und die Funktion der Reinigungsöffnung.
Betriebsbeobachtung: was nur im Feuer sichtbar wird
Manche Befunde zeigen sich nur im Betrieb. Achten Sie auf sechs Beobachtungen. Erstens die Anzündphase: Zieht der Ofen zügig an, oder schlägt Rauch in den Raum? Zweitens die Scheibe: Bleibt sie bei richtigem Betrieb weitgehend klar, oder ist sie nach einem Abbrand schwarz? Drittens der Geruch: Rauchgeruch im Raum ist immer ein Befund, nie eine Gewöhnungssache. Viertens das Verhalten beim Nachlegen: Eine Stichflamme oder ein hörbarer Rückschlag deutet auf gestörten Zug hin. Fünftens der Einfluss der Dunstabzugshaube: Schalten Sie sie bei brennendem Ofen ein und beobachten Sie, ob sich das Feuer verändert oder Rauch austritt. Sechstens die Asche: helle, feine Asche spricht für vollständige Verbrennung, schwarze Bröckchen und unverbrannte Reste für zu feuchtes Holz oder zu wenig Luft.
Der fünfte Punkt ist der gefährlichste, weil er Kohlenmonoxid erzeugen kann, das geruchlos ist. Wenn sich das Feuer beim Einschalten der Abzugshaube sichtbar verändert, betreiben Sie beides nicht mehr gleichzeitig und lassen Sie die Verbrennungsluftsituation beurteilen.
Ampelbewertung mit Abschaltkriterien
| Befund | Stufe | Handlung |
|---|---|---|
| Rauchaustritt aus Ofen oder Verbindungsstück in den Raum | rot | Feuer nicht erneut entzünden, lüften, Schornsteinfeger verständigen |
| Kohlenmonoxidmelder hat ausgelöst | rot | Fenster öffnen, alle Personen ins Freie, 112 von draußen, Betrieb erst nach fachlicher Freigabe |
| Sichtscheibe gesprungen oder gebrochen | rot | sofort außer Betrieb bis zum Austausch |
| Durchrostung oder Loch im Verbindungsstück | rot | außer Betrieb, Instandsetzung vor dem nächsten Anzünden |
| Umlenkplatte gebrochen, verrutscht oder fehlend | rot | außer Betrieb, Lage und Zustand vom Fachbetrieb herstellen lassen |
| Schamotte durchgehend gerissen oder ausgebrochen, Stahlkörper sichtbar | rot | außer Betrieb, Austausch der Steine |
| Dröhnen, prasselnde Geräusche im Schornstein, Funkenflug aus der Mündung | rot | Schornsteinbrand möglich, 112 rufen, brennbare Gegenstände aus der Nähe des Schornsteins entfernen, kein Löschversuch mit Wasser |
| Feuer verändert sich beim Einschalten der Dunstabzugshaube | rot | Gleichzeitigkeit vermeiden, Verbrennungsluft beurteilen lassen |
| Türdichtung an einer Stelle ohne Widerstand | gelb | Dichtschnur vor der nächsten Saison ersetzen |
| Scheibe verrußt nach jedem Abbrand stark | gelb | Holzfeuchte, Anzündmethode und Luftführung prüfen |
| Feuchte Flecken oder Ausblühungen an der Schornsteinwange | gelb | Versottung möglich, Schornsteinfeger informieren |
| Reinigungsöffnung schwergängig oder undicht | gelb | vor dem nächsten Kehrtermin instand setzen |
| Asche enthält viele unverbrannte Reste | gelb | Brennstoff und Betriebsweise korrigieren |
| Aschekasten überfüllt, Rost teilweise bedeckt | grün | leeren, Asche erst nach vollständigem Erkalten in einen nichtbrennbaren Behälter |
| Lack am Ofenkorpus leicht verfärbt | grün | kosmetisch, keine Sicherheitsrelevanz |
Rot bedeutet in allen Fällen: kein weiteres Anzünden bis zur fachlichen Klärung. Gelb bedeutet Handlungsbedarf vor der nächsten Heizsaison oder innerhalb weniger Wochen.
Brennstoff und Betriebsweise als Ursachensuche
Zwei Drittel der gelben Befunde stammen nicht vom Gerät, sondern vom Brennstoff oder von der Bedienung. Zu feuchtes Holz ist die häufigste Ursache: Es senkt die Verbrennungstemperatur, verrußt Scheibe und Zug und begünstigt Versottung. Die 1. BImSchV begrenzt den zulässigen Wassergehalt von Scheitholz; ein einfaches Feuchtemessgerät an einer frisch gespaltenen Fläche gibt Ihnen die Größenordnung.
Verboten sind ohnehin: behandeltes oder beschichtetes Holz, Spanplatten, Papier über die Anzündmenge hinaus, Verpackungen und Abfälle. Sie erzeugen Schadstoffe, greifen Schamotte und Abgasanlage an und sind zugleich der schnellste Weg zu einer Beschwerde aus der Nachbarschaft.
Bei der Betriebsweise ist das Anzünden von oben der wirksamste Hebel: Es verkürzt die Phase mit unvollständiger Verbrennung deutlich. Ebenso wichtig ist, den Luftschieber in der Anbrennphase offen zu lassen und den Ofen nicht dauerhaft gedrosselt zu betreiben.
Verhalten bei Schornsteinbrand
Ein Schornsteinbrand kündigt sich durch Dröhnen im Schacht, Funkenflug und starken Rauch aus der Mündung an, häufig begleitet von einer sehr heißen Schornsteinwange. Rufen Sie sofort die 112 und melden Sie ausdrücklich einen Schornsteinbrand. Entfernen Sie brennbare Gegenstände aus der Nähe des Schornsteins in allen Geschossen, auch auf dem Dachboden. Löschen Sie nicht mit Wasser: Das verdampfende Wasser dehnt sich schlagartig aus und kann den Schacht sprengen. Beobachten Sie den Verlauf des Schornsteins über alle Etagen und halten Sie die Zugänge für die Feuerwehr frei.
Nach einem Schornsteinbrand darf die Anlage erst nach Prüfung und Freigabe durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger wieder betrieben werden, weil der Schacht durch die hohe Temperatur Risse bekommen haben kann.
Prüfprotokoll und Nachweisführung
Führen Sie für jede Kontrolle vier Angaben: Datum, geprüfte Positionen, Befund nach Ampellogik, veranlasste Maßnahme mit Termin. Notieren Sie zusätzlich die Betriebsstunden oder wenigstens die Zahl der Abbrände je Saison und die verwendete Holzmenge; beides hilft bei der Beurteilung von Verschleiß.
Bewahren Sie daneben die zentralen Dokumente auf: Feuerstättenbescheid, Bescheinigungen über Kehrung und Überprüfung, Abnahmebescheinigung nach § 14 der 1. BImSchV, Herstellerbescheinigung zur Typprüfung, Prüfbuch und Bedienungsanleitung des Geräts. Ergänzen Sie bei baulichen Auffälligkeiten eine Fotodokumentation, insbesondere von Rissen, Rußfahnen und feuchten Stellen an der Schornsteinwange.
Wo Ihre Prüfung endet
Sie dürfen sehen, riechen, hören, im kalten Zustand tasten, Asche entfernen, die Scheibe reinigen, Dichtungen sichtprüfen und Beobachtungen dokumentieren. Verschleißteile wie Dichtschnüre lassen sich in vielen Fällen selbst wechseln, sofern die Bedienungsanleitung das vorsieht.
Nicht in Ihre Hand gehören: das Kehren des Schornsteins, Eingriffe an der Abgasanlage, das Öffnen oder Verändern des Verbindungsstücks über die vorgesehene Reinigungsöffnung hinaus, das Verstellen von Zugbegrenzern und Verbrennungsluftöffnungen, die Beurteilung von Querschnitt, Zug und Dichtheit sowie jede Einschätzung, ob eine Anlage nach einem Ereignis wieder betrieben werden darf. Diese Aufgaben liegen beim bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger und beim Ofenbaubetrieb. Sobald ein roter Befund vorliegt, ist die richtige Reihenfolge immer dieselbe: Betrieb einstellen, Fachbetrieb rufen, erst nach Freigabe wieder anzünden.





