Kaminofen und Schornstein planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen

Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.

03Brandschutz

Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
  • Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
  • Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.

Der erste Anruf gilt dem Schornsteinfeger, nicht dem Ofenhändler

Ob ein Kaminofen an einem bestimmten Platz betrieben werden darf, entscheidet sich an drei Punkten, die alle außerhalb des Ofens liegen: am Schornstein, an der Verbrennungsluftversorgung und an den Abständen zu brennbaren Bauteilen. Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger beurteilt diese Punkte und erteilt die Tauglichkeitsbescheinigung. Wer zuerst kauft und danach fragt, riskiert ein Gerät, das an diesem Schornstein nicht angeschlossen werden darf.

Bringen Sie zum Vorgespräch mit: Grundriss mit vorgesehenem Aufstellort, Angaben zum vorhandenen Schornstein aus dem Feuerstättenbescheid, Informationen zu vorhandenen Lüftungseinrichtungen und, falls schon vorhanden, das Datenblatt des Wunschgeräts mit Nennwärmeleistung, Abgasmassenstrom, Abgastemperatur und erforderlichem Förderdruck. Diese vier Werte sind die Grundlage jeder Schornsteinberechnung.

Nennwärmeleistung: die Zahl, die fast immer zu hoch gewählt wird

Kaminöfen werden regelmäßig zu groß gekauft. Die Folge ist kein Komfortgewinn, sondern ein Betrieb im gedrosselten Bereich: Wer die Luftzufuhr schließt, um die Überhitzung des Raums zu vermeiden, erzeugt unvollständige Verbrennung, Rußbildung, Versottung und hohe Emissionen. Ein zu großer Ofen ist damit gleichzeitig der schmutzigste und der wartungsintensivste.

Orientieren Sie die Nennwärmeleistung an der Heizlast des tatsächlich beheizten Raums, nicht an der Wohnfläche und nicht an einer Faustformel aus dem Prospekt. In einem gut gedämmten Gebäude liegt die Heizlast eines Wohnzimmers deutlich niedriger als in einem ungedämmten Altbau gleicher Größe. Wenn der Ofen einen offenen Grundriss mitversorgen soll, ist die Wärmeverteilung zu betrachten, nicht nur die Summe der Flächen.

Ein zweiter Punkt betrifft die Regelbarkeit: Geräte mit hoher Speichermasse geben die Wärme über Stunden ab und vertragen kurze, heiße Abbrände. Geräte mit geringer Masse reagieren schnell, verlangen aber häufiges Nachlegen. Diese Eigenschaft ist wichtiger als die letzte Nachkommastelle der Leistung.

Verbrennungsluft: der am häufigsten übersehene Planungspunkt

Ein raumluftabhängiger Ofen zieht seine Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum. In einem dichten Gebäude mit modernen Fenstern reicht die Fugenlüftung dafür oft nicht aus. Kritisch wird es, sobald weitere Einrichtungen Unterdruck erzeugen: eine Dunstabzugshaube im Abluftbetrieb, ein Ablufttrockner, eine kontrollierte Wohnraumlüftung oder ein Ventilator im Bad. Dann können Abgase in den Raum zurückströmen, und Kohlenmonoxid tritt aus, das geruchlos ist und ohne Melder nicht bemerkt wird.

Für die Planung gibt es zwei Wege. Der erste ist die raumluftunabhängige Ausführung mit eigener Zuluftleitung von außen und dichtem Gerät. Der zweite ist die Sicherstellung ausreichender Verbrennungsluft im Aufstellraum, gegebenenfalls kombiniert mit einer Sicherheitseinrichtung, die den gleichzeitigen Betrieb von Feuerstätte und Abluftanlage überwacht. Welcher Weg zulässig ist, entscheidet der Schornsteinfeger auf Grundlage der Landesfeuerungsverordnung.

Nehmen Sie diesen Punkt in die Planung auf, auch wenn heute keine Abluftanlage vorhanden ist. Eine später nachgerüstete Dunstabzugshaube verändert die Druckverhältnisse des Hauses, und die Prüfung beginnt dann von vorn.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

Anforderung Konkretes Kriterium Nachweis im Angebot
Schornsteineignung Querschnitt, Höhe, Zug und Temperaturklasse passen zum Gerät Berechnung oder Stellungnahme des Schornsteinfegers
Rußbrandbeständigkeit Abgasanlage für feste Brennstoffe geeignet, feuchteunempfindlich Kennzeichnung der Abgasanlage
Mehrfachbelegung Zulässigkeit bei Anschluss weiterer Feuerstätten geklärt schriftliche Bestätigung, nicht mündliche Zusage
Ableitbedingungen Mündung überragt den First um mindestens 40 Zentimeter oder hält mindestens einen Meter Abstand zur Dachfläche, nach § 19 der 1. BImSchV Schnittzeichnung mit Maßen
Emissionsanforderungen Gerät hält die Grenzwerte der Anlage 4 zur 1. BImSchV ein Herstellerbescheinigung zur Typprüfung
Verbrennungsluft raumluftunabhängige Ausführung oder nachgewiesene Luftversorgung Beschreibung der Luftführung, Angabe zur Sicherheitseinrichtung
Abstände zu brennbaren Bauteilen Mindestabstände nach Prüfbuch des Geräts und nach Landesfeuerungsverordnung Aufstellskizze mit eingetragenen Maßen
Bodenbelag nichtbrennbare Bodenplatte, mindestens 50 Zentimeter nach vorn und 30 Zentimeter seitlich über die Feuerraumöffnung hinaus Maßangabe der Platte
Verbindungsstück Länge, Steigung, Anzahl der Bögen, Reinigungsöffnung Skizze mit Maßen
Wanddurchführung Wandfutter, Dämmung, Abstand zu brennbaren Bauteilen Detailzeichnung
Abnahme Prüfung nach § 14 der 1. BImSchV innerhalb der gesetzlichen Frist nach Inbetriebnahme Termin ist im Ablaufplan vorgesehen
Kehrpflicht künftige Häufigkeit nach Kehr- und Überprüfungsordnung Hinweis auf den zu erwartenden Feuerstättenbescheid

Ein Angebot, das nur Gerät und Montage enthält, ist unvollständig. Schornsteinbeurteilung, Verbrennungsluft und Abstände sind der Teil, an dem Vorhaben scheitern.

Abstände und Bodenschutz

Maßgeblich sind zwei Quellen zugleich. Die Landesfeuerungsverordnung regelt Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen und den Bodenschutz vor der Feuerraumöffnung; für Feuerstätten für feste Brennstoffe ist eine nichtbrennbare Platte vorgesehen, die mindestens 50 Zentimeter nach vorn und mindestens 30 Zentimeter seitlich über die Feuerraumöffnung hinausreicht. Ergänzend gelten die im Prüfbuch des Geräts angegebenen Mindestabstände zu Wänden und Einbauten; sie stammen aus der Typprüfung und können strenger sein als die Verordnung.

Im Strahlungsbereich vor der Sichtscheibe ist besondere Vorsicht geboten: Holzverkleidungen, Möbel, Vorhänge und Bodenbeläge aus brennbaren Materialien brauchen Abstand oder einen belüfteten Strahlungsschutz. Prüfen Sie außerdem, was hinter der Wand liegt: Eine Fachwerkwand, ein Ständerwerk mit Holzriegeln oder eine Innendämmung verlangen andere Lösungen als eine massive Ziegelwand.

Schornstein: vorhanden, saniert oder neu

Drei Ausgangslagen kommen vor. Erstens ein vorhandener, geeigneter Schornstein: der günstigste Fall, aber er muss für feste Brennstoffe zugelassen, rußbrandbeständig und im Querschnitt passend sein. Ein zu großer Querschnitt aus einer alten Kesselzeit führt zu Zugproblemen und Versottung.

Zweitens ein vorhandener Schornstein, der eine Sanierung braucht, meist durch ein eingezogenes Innenrohr. Dabei ändert sich der Querschnitt, und die Berechnung ist neu zu führen.

Drittens ein neuer Schornstein, entweder als Systemschornstein im Gebäude oder als Edelstahlschornstein an der Außenwand. Bei der Außenvariante sind Wärmeverluste, Standsicherheit, Befestigung an der Fassade und die Ableitbedingungen nach § 19 der 1. BImSchV zu betrachten; die Mündung muss den First um mindestens 40 Zentimeter überragen oder mindestens einen Meter Abstand zur Dachfläche halten.

Reserven und Erweiterbarkeit

Planen Sie drei Reserven. Erstens eine Reinigungsöffnung am Verbindungsstück, auch wenn sie zunächst überflüssig erscheint; ohne sie wird jede spätere Kehrung aufwendig. Zweitens eine spätere Nutzungsänderung: Wenn der Ofen einmal wasserführend werden soll, sind Vor- und Rücklauf sowie ein Platz für den Pufferspeicher vorzusehen, solange die Wände offen sind. Drittens die Lüftungsreserve: Sehen Sie eine Trasse für eine externe Verbrennungsluftleitung vor, selbst wenn Sie zunächst raumluftabhängig planen.

Denken Sie außerdem an den Brennstoff: Lagerplatz für trockenes Scheitholz mit Luftzirkulation ist Teil der Planung, weil zu feuchtes Holz die häufigste Ursache für Rußbildung, Versottung und Nachbarschaftsbeschwerden ist. Die 1. BImSchV begrenzt den zulässigen Wassergehalt von Scheitholz.

Grenzen der Eigenplanung

Sie können Aufstellort, Raumgröße, Abstände, Bodenaufbau und Lagerplatz erfassen, den Grundriss zeichnen, Anforderungen formulieren und Angebote vergleichen. Diese Vorarbeit spart im Fachgespräch viel Zeit.

Nicht in Ihrer Hand liegen die Schornsteinberechnung mit Querschnitt, Förderdruck und Temperaturklasse, die Beurteilung der Verbrennungsluftversorgung, die Entscheidung über die Zulässigkeit einer Mehrfachbelegung, die Bewertung der Ableitbedingungen am Dach sowie die Freigabe der Aufstellung. Diese Punkte entscheidet der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger, und ohne seine Bescheinigung bleibt jedes Gerät ein Möbelstück. Für die Ausführung von Wanddurchbrüchen in tragenden Wänden und für Eingriffe in die Dachhaut gelten zusätzlich die üblichen bauhandwerklichen Zuständigkeiten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. 1. BImSchV, § 19 Ableitbedingungen für Abgase
  2. Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO), § 1 Kehr- oder überprüfungspflichtige Anlagen
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