FI-Schutzschalter im Bestand – Kosten kalkulieren: Gerät, Installation, Prüfung und Wartung
Der Umfang entscheidet über den Preis: DIN VDE 0100-410 fordert 30-mA-Schutz für Steckdosen bis 32 A und für Leuchtenstromkreise in Wohnungen – aber erst bei Änderung oder Erweiterung.

Das Wichtigste in Kürze
- DIN VDE 0100-410 gilt seit dem 1. Oktober 2018; für damals bereits geplante oder im Bau befindliche Anlagen lief eine Übergangsfrist bis zum 7. Juli 2020.
- Gefordert ist ein Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 mA für Steckdosen in Endstromkreisen bis 32 A, die von Laien benutzt werden.
- In Wohnungen müssen auch Endstromkreise, die Leuchten enthalten, mit 30 mA geschützt werden; für Einfamilienhäuser gilt das generell.
- Die Norm ist für neue Anlagen sowie für Änderungen und Erweiterungen vorgesehen – eine unveränderte Altanlage muss nicht allein wegen der Norm umgebaut werden.
- Belastbare amtliche Preisstatistiken für diese Leistung liegen nicht vor; vergleichbar werden Angebote erst über Stückzahlen und Leistungsgrenzen.
Der Umfang bestimmt den Preis, nicht das Gerät
Wer nach den Kosten einer Fehlerstrom-Nachrüstung fragt, bekommt selten eine Zahl, weil die Frage unvollständig ist. Der Preis hängt daran, wie viele Stromkreise geschützt werden sollen, ob im Verteiler Platz ist, ob Neutralleiter und Schutzleiter in den betroffenen Stromkreisen sauber getrennt liegen und ob die Anlage überhaupt einen durchgehenden Schutzleiter besitzt. Das Gerät selbst ist in fast allen Fällen der kleinste Posten der Rechnung.
Drei Ausbaustufen kommen praktisch vor. Die erste ergänzt einen einzelnen Stromkreis, etwa für eine neue Außensteckdose. Die zweite rüstet die vorhandenen Stromkreise gruppenweise nach und verlangt dafür einen Eingriff in die Verteilerverdrahtung. Die dritte ersetzt den Verteiler vollständig, weil weder Platz noch Aufbau eine Ergänzung zulassen. Zwischen der ersten und der dritten Stufe liegt eine Größenordnung, und welche Stufe nötig ist, entscheidet der Blick in den geöffneten Verteiler — nicht das Telefonat.
Was die Bauform über Platzbedarf und Folgekosten verrät
Reiheneinbaugeräte werden in Teilungseinheiten gemessen. Eine klassische vierpolige Fehlerstrom-Schutzeinrichtung für einen Drehstromkreis belegt vier Teilungseinheiten, die zweipolige Ausführung für Wechselstrom zwei. Ein Kombigerät, das Fehlerstrom- und Leitungsschutz in einem Bauteil vereint, ersetzt beides und ist in schmalen Bauformen erhältlich.
Daraus ergibt sich die Kostenlogik: Eine Gruppenlösung, bei der mehrere Stromkreise hinter einer gemeinsamen Schutzeinrichtung liegen, ist im Material günstiger, verlangt aber mehr Umbauarbeit an der vorhandenen Verdrahtung und führt bei jeder Auslösung zum Ausfall aller angeschlossenen Stromkreise. Kombigeräte je Stromkreis kosten im Material deutlich mehr, lassen sich aber oft ohne Umverdrahtung einsetzen und begrenzen den Ausfall auf einen Raum. In bewohnten Objekten mit Homeoffice oder Gefriertruhe kehrt sich das Preisverhältnis über die Nutzungsdauer nicht selten um.
Der versteckte Kostentreiber: die Neutralleitertrennung
Damit eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung arbeiten kann, muss der Neutralleiter jedes geschützten Stromkreises eindeutig ihr zugeordnet sein. In gewachsenen Altanlagen sind Neutralleiter jedoch häufig auf einer gemeinsamen Klemmschiene zusammengefasst oder in Verteilerdosen gebrückt. Jede solche Brücke muss aufgetrennt und der richtige Leiter zugeordnet werden — und zwar dort, wo sie liegt, notfalls in der Wanddose.
Dieser Punkt ist der häufigste Grund für Nachträge. Er lässt sich vor Auftragsvergabe nur eingrenzen, nicht ausschließen. Sinnvoll ist deshalb eine Beauftragung in zwei Schritten: zuerst eine Bestandsaufnahme mit Öffnen des Verteilers und stichprobenartiger Kontrolle einiger Dosen, danach das verbindliche Angebot. Die Kosten der Bestandsaufnahme sind gut angelegt, weil sie die Grundlage jeder weiteren Zahl bilden.
Gesamtaufwand über die Nutzungsdauer
| Position | Zeitpunkt | Bezugsgröße | Was den Betrag vervielfacht |
|---|---|---|---|
| Bestandsaufnahme mit geöffnetem Verteiler | vor Beauftragung | je Anlage | fehlende Unterlagen, verteilte Abzweigdosen |
| Schutzeinrichtungen | einmalig | je Stück, nach Typ und Polzahl | Typ B für Ladeeinrichtung statt Typ A |
| Verteilerumbau oder Neubestückung | einmalig | Teilungseinheiten, Zahl der Stromkreise | kein freier Platz, Altverteiler ohne Hutschiene |
| Auftrennen zusammengefasster Neutralleiter | einmalig | je Stromkreis, je geöffneter Dose | gebrückte Leiter in Wanddosen, Tapetenschäden |
| Ersatz eines fehlenden Schutzleiters | einmalig | je Stromkreis, Leitungsmeter | Anlage mit klassischer Nullung |
| Prüfung mit Messprotokoll | nach jeder Änderung | je Anlage und Schutzeinrichtung | viele Einzelgeräte statt weniger Gruppen |
| Betätigung der Prüftaste | im Herstellerintervall, meist halbjährlich | ohne Kosten | keine, außer Ihrer Zeit |
| Austausch bei Fehlfunktion | ereignisabhängig | je Gerät zuzüglich Anfahrt | abgekündigte Baureihe ohne passenden Ersatz |
| Störungssuche bei wiederkehrender Auslösung | ereignisabhängig | Stundensatz | fehlende Stromkreisliste, Gruppenlösung ohne Trennung |
Laufende Kosten sind gering, Ausfallkosten nicht
Im Betrieb verursacht eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung praktisch keinen Energieverbrauch, der ins Gewicht fällt. Der wirtschaftlich relevante Posten ist ein anderer: die Folgen einer Auslösung. Fällt ein Gerät, hinter dem die gesamte Wohnung liegt, während eines Urlaubs aus, tauen Gefriergut und Heizungsregelung ab. Diese Kosten tauchen in keinem Angebot auf, gehören aber in die Entscheidung über die Aufteilung.
Zweiter laufender Posten ist die Prüfung. Die Betätigung der Prüftaste kostet Sie nichts außer der Zeit; die Hersteller nennen dafür in ihren Anleitungen ein Intervall, häufig ein halbes Jahr. Eine messtechnische Prüfung durch eine Elektrofachkraft, bei der Auslösestrom und Auslösezeit ermittelt werden, fällt bei jeder Änderung an und ist darüber hinaus sinnvoll, wenn die Anlage vermietet wird oder ein Versicherer einen Nachweis verlangt.
Wann sich der größere Umfang rechnet
Rechnen Sie nicht Gerät gegen Gerät, sondern Eingriff gegen Eingriff. Ein geöffneter Verteiler, eine Anfahrt und eine Abschaltung des Haushalts kosten unabhängig davon, ob ein oder acht Stromkreise umgerüstet werden. Wer heute nur den Stromkreis für die Waschmaschine schützt und in zwei Jahren den fürs Bad, zahlt beide Fixkosten zweimal.
Drei Auslöser sprechen für die große Lösung: Der Verteiler hat weniger als eine freie Reihe. Die Anlage stammt aus einer Zeit vor der heutigen Schutzleiterführung. Oder es steht ohnehin eine Maßnahme an, bei der Wände geöffnet werden. Trifft keiner dieser Punkte zu und ist der Verteiler modern bestückt, ist die schrittweise Nachrüstung mit Kombigeräten die kostenbewusste Variante.
Wo Eigenleistung Geld spart und wo sie ausgeschlossen ist
Sparen können Sie an der Vorbereitung: Möbel vor dem Verteiler wegräumen, Zugang zu Abzweigdosen schaffen, Tapeten an Stellen entfernen, an denen ohnehin geöffnet werden muss, vorhandene Unterlagen und alte Rechnungen zusammenstellen und die Verbraucher auflisten, die künftig angeschlossen werden. Nach den Arbeiten dürfen Sie tapezieren, streichen und die Beschriftung an der Abdeckung ergänzen.
An der Anlage selbst ist Eigenleistung ausgeschlossen. Die Niederspannungsanschlussverordnung bindet Errichtung, Erweiterung, Änderung und Instandsetzung an ein Installationsunternehmen, das in einem Installateurverzeichnis geführt wird. Das gilt auch für den scheinbar einfachen Tausch eines Reiheneinbaugeräts, weil dabei Klemmstellen gelöst werden und anschließend nachzuweisen ist, dass die Schutzmaßnahme wirksam ist. Ein im Internet gekauftes Gerät, das ohne Prüfprotokoll eingebaut wurde, ist im Schadensfall kein Nachweis, sondern ein Problem.






