FI-Schutzschalter im Bestand nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe
Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.
Das Wichtigste in Kürze
- Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
- Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
- Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.
Der Reihenfolgefehler, der die meisten Nachrüstungen scheitern lässt
Eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung wird nicht eingebaut und danach getestet, sondern umgekehrt: Zuerst wird der Zustand der Stromkreise gemessen, dann wird das Gerät gesetzt. Der Grund ist einfach. Alte Leitungen mit gealterter Isolierung, feuchte Kellerwände und Restfeuchte in Neubauwänden erzeugen Ableitströme, die eine Schutzeinrichtung sofort nach dem Einschalten auslösen lassen. Wer erst montiert und dann feststellt, dass nichts hält, hat den Verteiler umgebaut, ohne die Ursache zu kennen.
Vor die Montage gehören deshalb drei Feststellungen: der Isolationswiderstand jedes betroffenen Stromkreises, die Durchgängigkeit des Schutzleiters und die Frage, ob Neutralleiter mehrerer Stromkreise irgendwo zusammengeführt sind. Erst wenn diese drei Punkte geklärt sind, steht der Umfang fest — und erst dann ist ein verbindlicher Termin sinnvoll.
Vorbereitung, die Ihnen zufällt
Der Verteiler muss frei zugänglich sein, mit Platz für eine Leiter und Arbeitsfläche davor. Räumen Sie Regale, Kartons und Wäscheständer weg, sorgen Sie für Beleuchtung, die unabhängig vom abzuschaltenden Stromkreis funktioniert, und stellen Sie sicher, dass alle Räume mit fest angeschlossenen Geräten zugänglich sind. Falls Abzweigdosen geöffnet werden müssen, klären Sie vorher, wo Möbel stehen und welche Tapeten betroffen sein können.
Ebenso wichtig ist die Absprache zur Abschaltdauer. Legen Sie fest, was mit Kühl- und Gefriergeräten geschieht, wie die Heizungsregelung nach Spannungswiederkehr reagiert, ob eine Alarmanlage scharfgeschaltet bleibt und ob Netzwerktechnik automatisch hochfährt. Diese Punkte sind kein Detail: Eine Heizungssteuerung, die nach Netzausfall in den Werkszustand zurückfällt, verursacht mehr Aufwand als der eigentliche Umbau.
Die Montagefolge im Verteiler
Die Arbeiten beginnen mit dem Freischalten nach den Regeln aus DIN VDE 0105-100 — freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, und im Bedarfsfall die weiteren beiden Regeln. In Wohnungsverteilern bleibt der Bereich vor dem Zähler dabei unberührt; er ist plombiert und nur mit Berechtigung zugänglich.
Danach folgen in fester Reihenfolge: vorhandene Verdrahtung dokumentieren und fotografieren, Hutschienenplatz schaffen, Neutralleiter der betroffenen Stromkreise von der gemeinsamen Klemmschiene trennen und einzeln zuordnen, Schutzeinrichtung setzen, Außenleiter über Verdrahtungsschiene oder Einzelader anschließen, Neutralleiter der jeweiligen Stromkreise auf das Gerät führen, Blindabdeckungen ergänzen, beschriften. Der häufigste Ausführungsfehler ist ein Neutralleiter, der weiterhin an der alten Sammelschiene hängt — das Gerät löst dann bei Belastung des Stromkreises zuverlässig aus, ohne dass ein Fehler vorliegt.
Prüfung: welche Werte im Protokoll stehen müssen
Nach dem Einbau ist die Wirksamkeit nachzuweisen. DIN VDE 0100-600 verlangt Besichtigen, Erproben und Messen. Für eine Fehlerstrom-Nachrüstung sind vier Messungen entscheidend: die Durchgängigkeit der Schutzleiter, der Isolationswiderstand — für Stromkreise bis 500 Volt mit 500 Volt Gleichspannung geprüft und mindestens 1,0 Megaohm — sowie Auslösestrom und Auslösezeit jeder eingebauten Schutzeinrichtung. Ergänzend werden die Schleifenimpedanz und damit die Einhaltung der Abschaltzeit sowie die Zuordnung der Stromkreise geprüft.
Ein vollständiges Protokoll nennt für jedes Gerät den gemessenen Auslösestrom und die gemessene Auslösezeit, nicht nur ein Kreuz in einer Spalte. Prüfen Sie beim Durchsehen zwei Dinge: Sind alle Stromkreise aufgeführt, die es tatsächlich gibt? Und trägt das Protokoll Datum, Name und Unterschrift der prüfenden Person? Fehlt eines davon, ist es kein Nachweis.
Funktions- und Übergabecheckliste
| Prüfpunkt | Erwartetes Ergebnis | Nachweisform | Wer prüft |
|---|---|---|---|
| Isolationsmessung vor dem Einbau | Wert je Stromkreis dokumentiert, Mindestwert erreicht | Messprotokoll | Elektrofachkraft |
| Schutzleiter durchgängig | an jeder Anschlussstelle nachgewiesen | Messprotokoll | Elektrofachkraft |
| Neutralleiter eindeutig zugeordnet | kein Stromkreis teilt sich einen Neutralleiter | Sichtprüfung und Messung | Elektrofachkraft |
| Auslösestrom und Auslösezeit | Werte je Gerät eingetragen und innerhalb der Grenzen | Prüfbericht | Elektrofachkraft |
| Prüftaste an jedem Gerät | schaltet unverzüglich ab | gemeinsame Vorführung | Sie zusammen mit dem Betrieb |
| Zuordnung der Stromkreise | jeder Abgang stimmt mit der Beschriftung überein | Stichprobe durch Abschalten | Sie |
| Beschriftung und Stromkreisliste | vollständig, lesbar, an der Abdeckung angebracht | Sichtprüfung | Sie |
| Blindabdeckungen und Berührungsschutz | keine offene Reihe, Deckel vollständig | Sichtprüfung | Sie |
| Verhalten fest angeschlossener Geräte | Heizung, Herd, Durchlauferhitzer laufen nach Wiederkehr an | Funktionsprobe | Sie zusammen mit dem Betrieb |
| Einweisung | Prüfintervall, Vorgehen bei Auslösung erklärt | Vermerk im Übergabeprotokoll | Elektrofachkraft |
Die Vorführung, auf der Sie bestehen sollten
Lassen Sie sich am Übergabetag jedes eingebaute Gerät zeigen: welcher Bereich dahinterliegt, wie die Prüftaste betätigt wird, wie nach einer Auslösung wieder eingeschaltet wird und was zu tun ist, wenn das Einschalten misslingt. Gehen Sie anschließend selbst einmal durch den Vorgang, während die Fachkraft danebensteht. Was Sie nicht einmal unter Anleitung gemacht haben, machen Sie im Ernstfall auch nicht.
Klären Sie dabei zwei Alltagsfragen: Welche Geräte im Haushalt fallen bei welcher Auslösung aus? Und welches Gerät versorgt den Kühlschrank? Diese beiden Antworten gehören auf einen Zettel im Verteiler, nicht ins Gedächtnis.
Die ersten Wochen nach der Umrüstung
Nach einer Nachrüstung im Bestand treten Auslösungen erfahrungsgemäß gehäuft in den ersten Wochen auf. Das ist kein Zeichen für mangelhafte Arbeit, sondern die Folge davon, dass Fehler sichtbar werden, die vorher niemand bemerkt hat: ein Durchlauferhitzer mit gealterter Heizwendel, ein Außenlicht mit eingedrungener Feuchtigkeit, eine Kellerleitung mit gerissener Isolierung. Jede dieser Auslösungen ist ein Befund, dem eine Ursache zugeordnet werden sollte.
Führen Sie deshalb in dieser Phase ein kurzes Protokoll: Datum, Uhrzeit, betroffener Bereich, Wetterlage, was gerade eingeschaltet wurde. Aus drei solchen Einträgen erkennt eine Elektrofachkraft ein Muster, das aus einer Momentaufnahme nie hervorgeht — etwa eine Auslösung ausschließlich bei Regen, was auf eine Feuchtestelle im Außenbereich zeigt. Vereinbaren Sie mit dem ausführenden Betrieb vorab, wie mit solchen Feststellungen umgegangen wird und ob eine Nachschau im Preis enthalten ist.
Anmeldung, Dokumentation und die dauerhafte Betreiberrolle
Wird der Verteiler umgebaut, übernimmt der ausführende Betrieb die Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Die Niederspannungsanschlussverordnung weist Errichtung, Erweiterung, Änderung und Instandsetzung der Anlage ausschließlich Installationsunternehmen zu, die in ein Installateurverzeichnis eingetragen sind; sie sind es auch, die Plomben im Vorzählerbereich handhaben dürfen und die Inbetriebsetzung anmelden. Eigenleistung ist an dieser Stelle rechtlich ausgeschlossen, nicht nur unklug.
Nach der Übergabe geht die Verantwortung in den laufenden Betrieb über. Legen Sie Prüfbericht, Fotos der Verteilerverdrahtung und die Stromkreisliste zusammen ab. Führen Sie die Prüftastenbetätigung im vom Hersteller genannten Abstand durch und notieren Sie das Datum. Und behandeln Sie jede unerklärte Auslösung als Befund, der aufgeklärt wird — nicht als Eigenart der neuen Technik.
Quellen und weiterführende Informationen
- DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 4-41: Schutz gegen elektrischen Schlag (DKE im DIN und VDE)
- DKE – Erläuterungen zum Konzept der Norm DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10
- Niederspannungsanschlussverordnung § 13 – Elektrische Anlage (Bundesministerium der Justiz)







