FI-Schutzschalter im Bestand planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen
Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
- Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
- Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.
Was der Fehlerstromschutz leistet und was er nicht kann
Eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung vergleicht die Summe der hin- und rückfließenden Ströme eines Stromkreises. Fließt ein Teil des Stroms über einen anderen Weg ab — über den Schutzleiter, über feuchtes Mauerwerk oder über einen Menschen — entsteht eine Differenz, und bei Überschreiten des Bemessungsdifferenzstroms trennt das Gerät den Stromkreis. Genau darin liegt der Unterschied zum Leitungsschutzschalter, der ausschließlich auf Überlast und Kurzschluss reagiert und einen Fehlerstrom von wenigen Dutzend Milliampere überhaupt nicht bemerkt.
Für die Planung folgt daraus eine wichtige Einschränkung: Der Schutz wirkt nicht zwischen Außenleiter und Neutralleiter. Wer beide Leiter gleichzeitig berührt, wird von keiner Fehlerstrom-Schutzeinrichtung geschützt. Sie ersetzt deshalb weder Abdeckungen noch Berührungsschutz noch Sorgfalt, sondern ist eine zusätzliche Schutzmaßnahme, die DIN VDE 0100-410 im Konzept des Schutzes gegen elektrischen Schlag genau so einordnet.
Der Auslöser für die Planung: Bestandsschutz endet bei der Änderung
Bestehende Anlagen müssen nicht allein deshalb umgebaut werden, weil sich eine Norm geändert hat. Wer aber etwas ändert oder erweitert, bringt den geänderten Teil auf den aktuellen Stand. DIN VDE 0100-410 in der Ausgabe von 2018 verlangt den zusätzlichen Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit höchstens 30 Milliampere Bemessungsdifferenzstrom für Steckdosenstromkreise bis 32 Ampere, die von Laien für allgemeine Zwecke benutzt werden, sowie für Endstromkreise der Beleuchtung in Wohnungen.
Für ein Haus aus den siebziger oder achtziger Jahren heißt das in der Praxis: Solange nichts geändert wird, kann die Anlage weiterbetrieben werden, sofern sie sicher ist. Sobald ein Stromkreis erweitert, ein Bad saniert, ein Verteiler umgebaut oder eine Wallbox ergänzt wird, gehört der Fehlerstromschutz für den betroffenen Bereich zum Umfang. Diese Abgrenzung sollte im Angebot ausdrücklich stehen, weil sie über den Umfang und damit über den Preis entscheidet.
Der richtige Typ ist keine Preisfrage, sondern eine Lastfrage
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen unterscheiden sich danach, welche Fehlerstromformen sie sicher erfassen. Der einfachste Typ AC erkennt nur reine Wechselfehlerströme und darf in Deutschland für allgemeine Anwendungen nicht eingesetzt werden. Der Typ A erfasst zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme und ist der Regelfall in der Wohnungsinstallation.
Sobald Geräte mit Frequenzumrichtern im Spiel sind — moderne Waschmaschinen, Wärmepumpen, drehzahlgeregelte Lüftungen — kann im Fehlerfall ein Mischfrequenzstrom entstehen, für den der Typ F ausgelegt ist. Glatte Gleichfehlerströme, wie sie an Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge und an dreiphasigen Umrichtern auftreten, blockieren einen Typ A dagegen im Extremfall vollständig; hier ist der Typ B oder eine Kombination aus Typ A und einer zusätzlichen Gleichfehlerstromerfassung erforderlich. Die Typwahl gehört deshalb an den Anfang der Planung und nicht ans Ende der Materialliste: Sie hängt an den Geräten, die angeschlossen werden, nicht am Budget.
Aufteilung: eine Schutzeinrichtung für alles ist die schlechteste Lösung
Häufigster Planungsfehler bei der Nachrüstung ist die zentrale Lösung mit einem einzigen Gerät vor der gesamten Wohnung. Sie ist zulässig, hat aber zwei Nachteile. Erstens fällt bei jeder Auslösung die komplette Anlage aus, einschließlich Kühlgeräten, Heizung und Beleuchtung — und zwar auch nachts oder während einer Abwesenheit. Zweitens summieren sich die betriebsbedingten Ableitströme aller angeschlossenen Elektronikgeräte. Netzteile, Vorschaltgeräte, Wechselrichter und Entstörkondensatoren geben jeweils kleine Ströme ab; die Summe kann sich einem Auslösewert nähern, ohne dass ein Fehler vorliegt.
Die belastbare Planungsregel lautet daher: Beleuchtung und Steckdosen werden getrennt, Kühl- und Gefriergeräte sowie die Heizungsregelung bekommen einen Weg, der nicht mit dem Bad oder dem Außenbereich gemeinsam abschaltet, und Bereiche mit erhöhter Feuchtigkeit erhalten ihre eigene Schutzeinrichtung. Für Ladeeinrichtungen und Photovoltaik gilt ohnehin eine getrennte Betrachtung.
Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot
| Planungspunkt | Anforderung an das Angebot | Auslösekriterium |
|---|---|---|
| Umfang | welche Stromkreise erhalten 30-Milliampere-Schutz, welche nicht | jede Erweiterung oder Änderung eines Steckdosenstromkreises |
| Typenwahl | Typ je Schutzeinrichtung benannt und begründet | Frequenzumrichter im Haushalt, Ladepunkt, Photovoltaik |
| Aufteilung | Anzahl der Schutzeinrichtungen und zugeordnete Stromkreise | Kühlgerät, Heizung, Bad oder Außenbereich auf einem Gerät |
| Brandschutzebene | vorgeschaltete Einrichtung mit höherem Bemessungsdifferenzstrom | landwirtschaftliche Nutzung, Holzbau, große Leitungslängen |
| Selektivität | selektive Ausführung für vorgelagerte Ebene vorgesehen | mehrstufiger Aufbau geplant |
| Platzbedarf | benötigte Teilungseinheiten und verbleibende Reserve | Verteiler ohne freie Plätze |
| Schutzleitersystem | Zustand und Durchgängigkeit vor Einbau geprüft | Anlage ohne durchgehenden Schutzleiter |
| Nachweis | Messung von Auslösestrom und Auslösezeit im Prüfbericht | immer |
Der Punkt, an dem viele Nachrüstungen scheitern
Eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung setzt eine saubere Trennung von Neutralleiter und Schutzleiter im geschützten Bereich voraus. In älteren Anlagen mit klassischer Nullung übernimmt ein einziger Leiter beide Funktionen. Wird in einer solchen Anlage einfach ein Gerät eingebaut, arbeitet es nicht wie vorgesehen — es kann dauernd auslösen oder im Fehlerfall wirkungslos bleiben.
Deshalb steht am Anfang jeder Planung im Bestand die Bestandsaufnahme: Liegt in den betroffenen Stromkreisen ein separater Schutzleiter? Ist er durchgehend? Sind Neutralleiter mehrerer Stromkreise irgendwo zusammengefasst? Sind das Antworten, die ein Angebot nicht enthält, wurde die Anlage nicht geöffnet und die Kalkulation beruht auf Annahmen. Verlangen Sie diese Klärung vor der Beauftragung, sonst entsteht sie später als Nachtrag.
Reserve und Erweiterbarkeit mitdenken
Planen Sie die Schutzebene so, dass spätere Stromkreise ohne Umbau angebunden werden können. Praktisch bedeutet das: einen freien Abgang je Schutzeinrichtung vorsehen, den Verteiler mit mindestens einer freien Reihe ausführen und den Platz für eine spätere Ladeeinrichtung mit eigenem Schutz einplanen. DIN 18015-1 verlangt als Planungsgrundlage genau diese Vorsorge für spätere Erweiterungen. Ein Verteiler, der am Tag der Abnahme lückenlos gefüllt ist, erzwingt bei der nächsten Maßnahme einen neuen Schrank.
Grenzen der eigenen Beurteilung
Sie können feststellen, ob überhaupt Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen vorhanden sind, wie viele es sind und welche Stromkreise sie abschalten. Dafür genügen ein Blick auf die Verteilerabdeckung und ein Test mit der Prüftaste. Sie können auch die Geräte auflisten, die künftig angeschlossen werden sollen — das ist die entscheidende Vorarbeit für die Typenwahl.
Nicht beurteilen lässt sich ohne Messung, ob der Schutzleiter durchgehend ist, ob Neutralleiter unzulässig verbunden sind und ob die vorhandene Anlage die geplante Aufteilung überhaupt erlaubt. Der Einbau ist ohnehin einem Installationsunternehmen vorbehalten, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers geführt wird; die Niederspannungsanschlussverordnung lässt für Arbeiten an der festen Anlage keine Eigenleistung zu. Ihre Rolle endet bei der Anforderungsliste — und beginnt danach neu bei der regelmäßigen Betätigung der Prüftaste.
Quellen und weiterführende Informationen
- DKE – Erläuterungen zum Konzept der Norm DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10
- DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 4-41: Schutz gegen elektrischen Schlag (DKE im DIN und VDE)
- DIN 18015-1:2020-05 – Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Teil 1: Planungsgrundlagen (DIN Media)







