Stromlaufplan und Beschriftung – Kosten kalkulieren: Gerät, Installation, Prüfung und Wartung
Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Geräte, Leitungswege, Montage.
- Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
- Die Seite behandelt nur Budget und laufenden Aufwand.
Der Preis der Dokumentation hängt am Zeitpunkt
Für Unterlagen und Kennzeichnung gibt es zwei völlig verschiedene Kostenlagen. Entstehen sie parallel zur Ausführung, sind sie ein kleiner Zuschlag: Die ausführende Fachkraft weiß ohnehin, welcher Leiter wohin führt, und muss die Information nur festhalten. Werden sie Jahre später nacherhoben, entsteht ein eigenständiges Projekt, bei dem jeder Stromkreis einzeln durch Abschalten und Prüfen ermittelt, jede Abzweigdose gesucht und jede Kenndatenangabe vom Gerät abgelesen werden muss.
Zwischen beiden Fällen liegt ein Vielfaches. Wer bei einer Neuinstallation oder einem Verteilerumbau die Dokumentation aus dem Angebot streicht, spart deshalb nicht, sondern verschiebt eine kleine Position in eine große. Die Konsequenz für Ihre Kalkulation: Die Position wird immer beauftragt, solange die Anlage offen ist.
Die Kostentreiber der Nacherfassung
Bei einer nachträglichen Bestandsaufnahme bestimmen vier Größen den Aufwand. Erstens die Zahl der Stromkreise: Jeder muss abgeschaltet und in seiner Wirkung im Gebäude verfolgt werden, was mindestens zwei Personen oder ein Prüfgerät mit Sender und Empfänger verlangt. Zweitens die Zugänglichkeit: Verbrauchsstellen hinter Einbauschränken, in verstellten Kellerräumen oder in vermieteten Einheiten verlängern jeden Durchgang. Drittens die Sauberkeit der Altanlage: Zusammengefasste Neutralleiter, Ringleitungen und über Jahrzehnte gewachsene Abzweigungen machen die Zuordnung mehrdeutig. Viertens der geforderte Detailgrad.
Der dritte Punkt ist der unangenehmste, weil er sich vorher nicht sicher einschätzen lässt. Vereinbaren Sie deshalb eine Erfassung nach Aufwand mit einer Obergrenze und einer Zwischenmeldung, statt eine Pauschale zu verlangen, die entweder den Betrieb oder Sie benachteiligt.
Aufwandsübersicht über die Lebensdauer der Anlage
| Position | Zeitpunkt | Bezugsgröße | Aufwandstreiber |
|---|---|---|---|
| Erfassung während der Ausführung | mit den Installationsarbeiten | je Stromkreis, geringer Zuschlag | keiner nennenswert |
| Nachträgliche Zuordnung im Bestand | einmalig | je Stromkreis, zwei Personen oder Suchgerät | verstellte Räume, gewachsene Altanlage |
| Erstellung des Verteilerplans | einmalig | je Verteiler | händisch gewachsene Bestückung |
| Beschriftungsmaterial | einmalig, Erneuerung nach Alterung | je Gerät und Abdeckung | Papierzettel statt beständiger Kennzeichnung |
| Lageplan der Leitungswege | einmalig, bei offener Wand nahezu kostenlos | je Raum | nachträgliche Ortung statt Fotos aus der Bauphase |
| Digitale Ausfertigung | einmalig | je Anlage | händische Übertragung alter Notizen |
| Fortschreibung nach Änderungen | bei jedem Eingriff | je Änderung, wenige Minuten | vergessene Aktualisierung, später Vollerhebung |
| Störungssuche ohne Unterlagen | ereignisabhängig | Stundensatz, häufig mehrfach | jede einzelne Störung |
| Bestandsaufnahme vor Verkauf oder Vermietung | anlassbezogen | je Anlage | fehlende Unterlagen aus der Bauzeit |
Der eigentliche Kostenblock ist die Störung
Die Rechnung für fehlende Unterlagen wird nicht beim Elektriker geschrieben, sondern bei jedem Ereignis danach. Ein ausgelöster Schutzschalter ohne Zuordnung bedeutet eine Suche durch alle Räume. Eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, die niemandem zugeordnet ist, macht die Eingrenzung des Fehlers zum Ausschlussverfahren. Ein Handwerker, der eine Wand öffnen soll und die Leitungswege nicht kennt, kalkuliert Risikozuschläge oder verursacht Schäden.
Rechnen Sie deshalb nicht die Dokumentation gegen null, sondern gegen die Zahl der Ereignisse über die Nutzungsdauer der Anlage. In einem Wohngebäude, das über Jahrzehnte betrieben wird, sind Störungen, Umbauten, Gerätewechsel und mindestens ein Eigentümer- oder Mieterwechsel sicher. Jedes dieser Ereignisse greift auf dieselben Unterlagen zu.
Beschriftungsmaterial: das billigste Material altert am schnellsten
Ein handgeschriebener Zettel mit Kugelschreiber verblasst, wird feucht, löst sich und wird bei der nächsten Änderung überschrieben. Beständige Kennzeichnung — bedruckte Etiketten mit dauerhafter Schrift, laminierte Einlagen, Schilder in dafür vorgesehenen Trägern — kostet ein Vielfaches des Zettels und ein Bruchteil einer einzigen Störungssuche.
Achten Sie zusätzlich darauf, dass sowohl das einzelne Schutzorgan als auch die Abdeckung beschriftet sind. Wird nur die Abdeckung beschriftet und diese später abgenommen, ist die Zuordnung verloren, sobald sie verkehrt herum wieder aufgesetzt wird. Wird nur das Gerät beschriftet, ist die Information bei geschlossener Abdeckung unsichtbar. Beides zusammen ist die einzige robuste Lösung.
Wo Sie mit eigener Arbeit tatsächlich Geld sparen
Ein Teil der Nacherfassung ist Laufarbeit ohne Eingriff in die Anlage, und die dürfen Sie übernehmen. Schalten Sie einen Schutzschalter aus und gehen Sie mit einem einfachen Verbraucher durch die Räume, um festzustellen, welche Steckdosen und Leuchten ausfallen. Notieren Sie das Ergebnis raumweise. Diese Zuordnungsliste ist der arbeitsintensivste und zugleich fachlich anspruchsloseste Teil der Bestandsaufnahme.
Ebenfalls in Ihrer Hand liegen: das Fotografieren offener Wände während einer Renovierung mit einem Zollstock im Bild, das Sammeln alter Rechnungen und Pläne, das Erstellen der digitalen Fassung aus den Notizen des Betriebs und das Anbringen der Beschriftung auf der Außenseite der Abdeckung. Wer diese Arbeiten vorbereitet und dem Fachbetrieb übergibt, verkürzt dessen Einsatz erheblich.
Vermietete Einheiten und Eigentümergemeinschaften
Wird eine Wohnung vermietet, verschiebt sich die Kostenrechnung. Bei jedem Mieterwechsel wird die Zuordnung erneut gebraucht, und zwar nicht von Ihnen, sondern von Menschen, die das Objekt nicht kennen. Eine dauerhafte Beschriftung im Wohnungsverteiler ersetzt hier eine unbestimmte Zahl von Telefonaten und Anfahrten und ist damit die Position mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.
In Gebäuden mit mehreren Einheiten kommt eine zweite Ebene hinzu: Allgemeinstrom, Treppenhausbeleuchtung, Heizungsraum, Tiefgarage und Außenanlagen hängen häufig an einem eigenen Zähler und einem eigenen Verteiler, für den sich niemand zuständig fühlt. Genau dort fehlt die Dokumentation am häufigsten, und genau dort verursacht ihr Fehlen bei jeder Störung Kosten für alle Beteiligten. Klären Sie deshalb frühzeitig, wer die Unterlagen für die gemeinschaftlichen Anlagenteile führt und wo sie liegen.
Die Grenze, an der Eigenleistung endet
Alles, was hinter der Abdeckung liegt, ist Fachbetriebssache. Das Ablesen der Kenndaten am Gerät, die Kennzeichnung von Klemmen und Leitern, das Auftrennen zusammengefasster Neutralleiter zur eindeutigen Zuordnung und jede Messung im geöffneten Verteiler zählen zu den Arbeiten an der festen elektrischen Anlage. Die Niederspannungsanschlussverordnung weist sie einem Installationsunternehmen zu, das in einem Installateurverzeichnis geführt wird; DIN VDE 0105-100 regelt ergänzend, dass der Betrieb elektrischer Anlagen und die Arbeiten daran Elektrofachkräften vorbehalten sind.
Der wirtschaftlich klügste Weg ist deshalb die Arbeitsteilung: Sie liefern die Zuordnungsliste und die Fotos, der Betrieb ergänzt die Kenndaten, prüft die Plausibilität und erstellt die Ausfertigung, die zusammen mit dem Prüfbericht nach den Prüfnormen der Reihe DIN VDE 0100 zu den Anlagenunterlagen kommt. Diese Kombination kostet den Bruchteil einer vollständigen Fremderhebung und liefert dasselbe Ergebnis.
Quellen und weiterführende Informationen
- DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510):2014-10 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel, Allgemeine Bestimmungen (DKE im DIN und VDE)
- DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 6: Prüfungen (DKE im DIN und VDE)
- Niederspannungsanschlussverordnung § 13 – Elektrische Anlage (Bundesministerium der Justiz)









