Stromlaufplan und Beschriftung sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien

Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
  • Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.

Der Test, der in zehn Minuten zeigt, wie gut Ihre Unterlagen sind

Stellen Sie sich die Aufgabe, die im Ernstfall gestellt wird: Ein Gerät raucht, und der zugehörige Stromkreis muss sofort abgeschaltet werden. Nehmen Sie einen beliebigen Raum, schauen Sie auf die Beschriftung im Verteiler und bestimmen Sie, welchen Schalter Sie umlegen würden. Schalten Sie ihn aus und kontrollieren Sie mit einer Lampe oder einem Ladegerät, ob genau die erwarteten Steckdosen und Leuchten stromlos sind.

Dieser Durchgang beantwortet drei Fragen auf einmal: ob die Beschriftung existiert, ob sie verständlich ist und ob sie stimmt. Wiederholen Sie ihn für Bad, Küche, Schlafzimmer und Außenbereich. Was Sie dabei feststellen, ist der eigentliche Zustand Ihrer Dokumentation — nicht das, was auf dem Papier steht.

Warnzeichen an der Beschriftung selbst

Bestimmte Befunde deuten darauf hin, dass die Unterlagen den Zustand der Anlage nicht mehr abbilden. Handschriftliche Korrekturen über gedruckten Bezeichnungen sind ein solcher Hinweis: Sie zeigen, dass geändert wurde, aber nicht, ob vollständig. Ein Feld mit der Aufschrift Reserve, hinter dem tatsächlich ein Verbraucher hängt, ist ein weiterer. Ebenso Bezeichnungen, die auf Räume verweisen, die es nach einem Umbau nicht mehr gibt.

Achten Sie außerdem auf das, was fehlt. Steht bei keinem Abgang, welcher Fehlerstrom-Schutzeinrichtung er zugeordnet ist, fehlt die Angabe, die bei jeder Auslösung als Erstes gebraucht wird. Fehlen Bemessungsströme und Auslösecharakteristik, lässt sich nicht prüfen, ob ein ersetztes Gerät zum Leitungsquerschnitt passt. Und fehlt ein Datum, ist unbekannt, welchen Bauzustand die Unterlage beschreibt.

Wenn keine Unterlagen vorhanden sind

In vielen Bestandsgebäuden ist die ehrliche Feststellung: Es gibt nichts. Auch das ist ein Prüfergebnis, und es hat eine unmittelbare Sicherheitsfolge. Ohne Zuordnung können Sie im Notfall den betroffenen Bereich nicht gezielt abschalten. Die einzige verlässliche Handlung ist dann die Freischaltung der gesamten Wohnung über den Hauptschalter — was funktioniert, aber bei jeder Kleinigkeit den ganzen Haushalt trifft, einschließlich Heizung und Gefriergerät.

Behandeln Sie diesen Zustand deshalb nicht als Schönheitsfehler. Solange keine Zuordnung existiert, gehört an den Verteiler ein Hinweis, wo der Hauptschalter sitzt und wie er bedient wird, und jede im Haus lebende erwachsene Person sollte das einmal gesehen haben. Diese Sofortmaßnahme kostet nichts und wirkt sofort.

Abschaltkriterien: wann die Unterlagenfrage zur Sicherheitsfrage wird

Es gibt Konstellationen, in denen fehlende oder falsche Dokumentation nicht nur unbequem, sondern gefährlich ist. Erstens, wenn ein Stromkreis abgeschaltet wurde und trotzdem an einer Stelle Spannung anliegt — das deutet auf eine Einspeisung aus einem zweiten Stromkreis oder auf eine unzulässige Verbindung hin und ist ein sofortiger Anlass für eine fachliche Untersuchung. Zweitens, wenn ein Abgang bezeichnet ist, aber beim Abschalten nichts ausfällt: Entweder speist er etwas, das gerade nicht in Betrieb ist, oder er ist unbekannt beschaltet. Drittens, wenn nach dem Ausschalten eines Schutzorgans Verbraucher in Räumen ausfallen, die niemand erwartet hätte — ein Zeichen für über Jahre gewachsene Querverbindungen.

In allen drei Fällen wird der betroffene Bereich nicht weiter eigenständig untersucht. Notieren Sie den Befund, lassen Sie den Zustand so, wie er ist, und beauftragen Sie eine Prüfung. DIN VDE 0105-100 weist Arbeiten an elektrischen Anlagen Elektrofachkräften zu; das Nachverfolgen einer unklaren Beschaltung gehört dazu.

Sicherheitscheck mit Prioritäten

Befund Einstufung Handlung Zeitrahmen
nach dem Abschalten liegt an einer Stelle des Stromkreises weiter Spannung an sofort Bereich nicht benutzen, Fachbetrieb beauftragen am selben Tag
Beschriftung führt bei einem Notfall zum falschen Schalter sofort Zuordnung ermitteln lassen, vorläufig Hauptschalter kennzeichnen binnen Tagen
kein Hinweis auf den Hauptschalter, Bewohner kennen ihn nicht sofort Standort kennzeichnen, alle Erwachsenen einweisen sofort, ohne Kosten
Abgang schaltet Verbraucher in unerwarteten Räumen bald Beschaltung fachlich klären lassen binnen Wochen
Zuordnung zur Fehlerstrom-Schutzeinrichtung fehlt vollständig bald bei nächster Prüfung erfassen lassen binnen Wochen
Beschriftung mit Nummern ohne Raumangabe bald Zuordnung selbst ermitteln und ergänzen binnen Wochen
Feld mit Aufschrift Reserve ist tatsächlich belegt bald Beschriftung korrigieren lassen binnen Wochen
Kenndaten der Schutzorgane nicht dokumentiert planbar bei der nächsten Prüfung erfassen im laufenden Jahr
Unterlagen ohne Datum und Verfasser planbar Stand feststellen, neu ausfertigen im laufenden Jahr
keine Angaben zu Leitungswegen planbar bei jeder offenen Wand fotografieren fortlaufend

Was Sie selbst korrigieren dürfen

Die Grenze verläuft an der Abdeckung. Auf deren Außenseite dürfen Sie beschriften, ergänzen, laminieren und eine neue Liste anbringen. Sie dürfen Schutzorgane schalten und die Wirkung im Gebäude verfolgen. Sie dürfen fotografieren, notieren und eine digitale Fassung erstellen.

Sie dürfen nicht die Abdeckung abnehmen, um Kenndaten von Geräten abzulesen, die von außen nicht sichtbar sind. Sie dürfen keine Klemmen prüfen, keine Adern verfolgen und keine Messungen im Verteiler vornehmen. Und Sie dürfen keine Bezeichnungen an Leitern anbringen — die Leiterkennzeichnung folgt festen technischen Regeln und ist Teil der Ausführung, nicht der Betreiberpflege.

Der Übergang in die fachliche Prüfung

Ergibt Ihre Kontrolle mehrere offene Punkte, ist der wirtschaftlich sinnvolle Weg, die Dokumentation gemeinsam mit einer Anlagenprüfung erstellen zu lassen. Bei einer Prüfung nach den Vorgaben der Reihe DIN VDE 0100 werden ohnehin Stromkreise zugeordnet, Schutzeinrichtungen erprobt und Kenndaten erfasst; die Unterlage fällt dabei als Nebenprodukt an, statt in einem eigenen Termin erhoben zu werden.

Verlangen Sie als Ergebnis drei Dinge: einen Prüfbericht mit Messwerten und Datum, eine vollständige Stromkreisliste mit Raumzuordnung und der Angabe, welcher Stromkreis hinter welcher Fehlerstrom-Schutzeinrichtung liegt, und eine dauerhafte Beschriftung sowohl am Gerät als auch an der Abdeckung. Damit ist der Zustand nicht nur bewertet, sondern für die nächsten Jahre auch benutzbar dokumentiert — und die nächste Störung wird zu einer Frage von Sekunden statt von Stunden.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 6: Prüfungen (DKE im DIN und VDE)
  2. DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510):2014-10 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel, Allgemeine Bestimmungen (DKE im DIN und VDE)
  3. DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 – Betrieb von elektrischen Anlagen, Teil 100: Allgemeine Festlegungen (DKE im DIN und VDE)
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