Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien

Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.

03Elektrik

Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
  • Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.

Zwei Prüfaufgaben, die auseinandergehalten gehören

Wer den Zustand des Lichtbogenschutzes bewerten will, hat je nach Ausgangslage zwei ganz verschiedene Aufgaben vor sich. Ist bereits ein Gerät verbaut, geht es um dessen Funktionsfähigkeit, seine Anzeigen und die Auswertung von Auslösungen. Ist keines vorhanden — was in den allermeisten Bestandsanlagen der Fall ist — geht es darum, die Anlage auf jene Merkmale abzusuchen, die einen seriellen Lichtbogen wahrscheinlich machen. Beide Aufgaben sind für Sie als Betreiber in unterschiedlichem Maß zugänglich.

Beginnen Sie mit der einfachen Feststellung: Sitzt im Verteiler ein Reiheneinbaugerät, das neben der Prüftaste eine Leuchtanzeige trägt und auf dessen Front ein Hinweis auf Lichtbogenerkennung steht? Wenn nein, überspringen Sie den nächsten Abschnitt und arbeiten mit der Merkmalsliste weiter unten.

Ein vorhandenes Gerät beurteilen

Die zulässige Betreiberprüfung ist die Betätigung der Prüftaste. Sie löst eine interne Simulation aus; das Gerät muss daraufhin abschalten. Kündigen Sie den Test im Haushalt an, weil der gesamte Stromkreis spannungsfrei wird. Schaltet das Gerät nicht ab, ist die Funktion nicht gesichert und der Fachbetrieb wird verständigt.

Zweiter Prüfpunkt ist die Anzeige. Viele Ausführungen zeigen über Farben oder Blinkfolgen an, ob die letzte Auslösung durch einen Lichtbogen, einen Fehlerstrom oder eine Überlast verursacht wurde. Notieren Sie den Code, bevor Sie wieder einschalten — nach dem Zurücksetzen ist die Information in der Regel verloren. Diese Notiz ist die wertvollste Einzelangabe, die Sie einem Fachbetrieb liefern können.

Dritter Punkt ist das Umfeld: Sitzt das Gerät in einem Verteiler, der sich spürbar erwärmt, sind Lüftungsöffnungen zugestellt oder steht der Verteiler in einem feuchten Raum, gehört das auf die Liste. Elektronik altert unter Wärme schneller als Mechanik.

Wenn kein Lichtbogenschutz vorhanden ist: nach Fehlerorten suchen

Serielle Lichtbögen entstehen an Kontaktstellen. Die Suche richtet sich deshalb auf alles, was gesteckt, geklemmt, gequetscht oder bewegt wird. Gehen Sie die Wohnung mit fünf Fragen ab. Wo liegen dauerhaft Verlängerungsleitungen unter Teppichen, hinter Möbeln oder über Türschwellen? Wo sind Mehrfachsteckdosen hintereinandergeschaltet oder dauerhaft mit hoher Last belegt? Wo sind Geräteanschlussleitungen geknickt, gequetscht oder an der Einführung in den Stecker ausgefranst? Wo hängen schwere Stecker so in der Dose, dass sie durch ihr Eigengewicht kippen? Und wo werden Steckverbindungen täglich gezogen und wieder eingesteckt?

Ergänzen Sie akustische und visuelle Befunde: knisternde oder brutzelnde Geräusche aus Dose, Schalter oder Leuchte, flackerndes Licht ohne Zusammenhang mit dem Leuchtmittel, kurzzeitiges Dimmen beim Anlauf von Geräten, Bräunung an Steckerstiften und der typische Geruch nach überhitztem Kunststoff. Jeder dieser Befunde deutet auf einen Übergangswiderstand hin — die Vorstufe des Lichtbogens.

Sicherheitscheck mit Prioritäten

Befund Einstufung Handlung Zeitrahmen
Knistern, Brutzeln oder Geruch an Dose, Schalter oder Leuchte sofort Stromkreis abschalten, kennzeichnen, Fachbetrieb rufen am selben Tag
Bräunung an Steckerstiften oder in der Steckdose sofort Gerät außer Betrieb, Steckdose nicht mehr benutzen am selben Tag
Lichtbogenschutz löst bei der Prüftaste nicht aus sofort Fachbetrieb beauftragen binnen Tagen
wiederholte Auslösung mit Anzeige Lichtbogen sofort Stromkreis nicht dauerhaft zuschalten, Ursache suchen lassen binnen Tagen
flackerndes Licht in mehreren Räumen desselben Stromkreises bald Klemmstellen fachlich prüfen lassen binnen Wochen
Geräteanschlussleitung geknickt, gequetscht oder beschädigt bald Gerät außer Betrieb, Leitung ersetzen lassen binnen Wochen
Verlängerungen unter Teppich oder hinter schweren Möbeln bald Leitung freilegen, feste Steckdose einplanen binnen Wochen
Mehrfachsteckdosen in Reihe, dauerhaft hohe Last bald Last aufteilen, zusätzliche Anschlussstellen planen binnen Wochen
Leitungsanlage mit unbekannter Historie, viele Abzweigdosen planbar Anlagenprüfung mit Protokoll beauftragen im laufenden Jahr
Schlafräume oder Holzbauteile ohne Lichtbogenschutz planbar Risikobewertung beim nächsten Eingriff einfordern nächste Maßnahme

Warum eine Auslösung nie als Fehlalarm abgelegt werden darf

Der gefährlichste Umgang mit einer Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung ist das reflexhafte Wiedereinschalten. Das Gerät hat ein Muster erkannt, das es als Störlichtbogen bewertet. Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen: Es liegt tatsächlich ein Kontaktfehler vor, oder ein angeschlossener Verbraucher erzeugt ein ähnliches Signalmuster. Welche der beiden zutrifft, lässt sich nicht durch Zuschalten klären.

Die zulässige Eingrenzung besteht aus Steckerziehen: Trennen Sie alle beweglichen Verbraucher des Stromkreises, schalten Sie wieder ein und stecken Sie einzeln nacheinander an. Hält der Stromkreis ohne Verbraucher nicht, liegt der Fehler in der festen Anlage — dann bleibt der Stromkreis abgeschaltet, bis eine Elektrofachkraft ihn untersucht hat. Lässt sich ein einzelnes Gerät als Auslöser bestimmen, ist es zu prüfen und gegebenenfalls zu ersetzen; auch dieser Befund ist ein Ergebnis, kein Fehlalarm.

Was Sie nicht selbst tun dürfen

Der Verteiler bleibt geschlossen. DIN VDE 0105-100 regelt den Betrieb elektrischer Anlagen und weist Arbeiten unter Spannung sowie im freizuschaltenden Zustand Elektrofachkräften zu; das Öffnen der Abdeckung, das Nachziehen von Klemmen und jede Messung im Verteiler fallen darunter. Auch das vielfach empfohlene Nachziehen von Schraubklemmen ist keine Betreiberaufgabe, obwohl gerade lose Klemmen zu den häufigsten Ursachen zählen — es ist Teil einer fachlichen Instandhaltung, weil das Anzugsmoment und der Zustand des Leiters mitbeurteilt werden müssen.

Ebenso wenig lassen sich Kontaktfehler mit einem Wärmebildgerät aus dem Baumarkt sicher finden. Eine punktuelle Erwärmung hinter Putz oder in einer geschlossenen Dose zeigt sich an der Oberfläche erst spät, und die Bewertung der Bilder verlangt Erfahrung. Solche Aufnahmen können einen Verdacht stützen, aber keinen ausräumen.

Der Übergang zur fachlichen Prüfung

Sobald Ihre Liste einen Eintrag in der Spalte sofort enthält oder mehrere Befunde auf denselben Stromkreis zeigen, ist eine Prüfung nach den Errichtungs- und Prüfnormen der Reihe DIN VDE 0100 fällig. Dabei werden Isolationswiderstand, Schutzleiterdurchgängigkeit, Schleifenimpedanz und die Wirksamkeit der Schutzeinrichtungen gemessen; Klemmstellen werden besichtigt und, wo erforderlich, überarbeitet. Das Ergebnis ist ein Prüfbericht mit Werten.

Halten Sie Ihre eigenen Beobachtungen für diesen Termin schriftlich bereit: Datum, Raum, Stromkreis, Beschreibung, angeschlossene Geräte. Eine Fehlerstelle, die nur sporadisch auftritt, wird über solche Notizen gefunden — nicht über eine Momentaufnahme am Prüftag.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DKE – Normauslegung zu DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2022-06, Abschnitt 421.7 „Schutz gegen die Auswirkungen von Fehlerlichtbögen in Endstromkreisen“, Stand 26.06.2022
  2. DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 6: Prüfungen (DKE im DIN und VDE)
  3. DKE – FAQ-Liste zur Norm DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2022-06
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