Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung – Systeme vergleichen: Sicherheit, Kompatibilität und Ausfallverhalten

Eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen. Im Mittelpunkt: Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen, Datenschutz.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen.
  • Der Beitrag liefert eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.

Vier Schutzeinrichtungen, vier verschiedene Fehlerarten

Bevor Bauformen verglichen werden, lohnt der Blick auf die Arbeitsteilung im Verteiler. Der Leitungsschutzschalter begrenzt Überlast und Kurzschluss und schützt damit die Leitung vor unzulässiger Erwärmung. Die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung erkennt Ströme, die den vorgesehenen Weg verlassen, und schützt Personen vor elektrischem Schlag. Der Überspannungsschutz leitet Energie aus Blitz- und Schalthandlungen ab. Die Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung schließt eine Lücke, die alle drei offenlassen: den Störlichtbogen an einer schadhaften Kontaktstelle, der weder Überstrom noch Fehlerstrom erzeugt.

Diese Aufteilung ist der Maßstab jedes Vergleichs. Eine Diskussion darüber, ob ein AFDD eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung ersetzen könne, geht an der Sache vorbei — die Geräte erfassen unterschiedliche physikalische Vorgänge. Verglichen werden können nur Bauformen, Kombinationen und die Frage, mit welchen anderen Maßnahmen sich dasselbe Brandrisiko mindern lässt.

Bauformen und was sie im Verteiler bedeuten

Am Markt stehen drei Grundvarianten. Die erste ist das reine Lichtbogenschutzgerät, das einem vorhandenen Leitungsschutzschalter zugeordnet wird; es setzt voraus, dass die Nennwerte zueinander passen und die Reihenfolge im Stromkreis eingehalten wird. Die zweite Variante integriert den Leitungsschutz und ersetzt damit den Schutzschalter. Die dritte fasst Lichtbogen-, Fehlerstrom- und Leitungsschutz in einem Gerät zusammen und ist die kompakteste, aber auch teuerste Lösung.

Für den Bestand entscheidet meist der Platz. Wo eine Reihe belegt ist, ist ein Kombigerät oft die einzige Möglichkeit, ohne Verteilertausch nachzurüsten. Wo Platz vorhanden ist, hat die getrennte Lösung einen praktischen Vorteil: Fällt ein Bauteil aus, ist der Ersatz kleiner und die Fehlerzuordnung eindeutiger. Beachten Sie in allen Fällen die Herstellerangaben zur Kombination mit Verdrahtungsschienen — nicht jede Sammelschiene ist für Geräte mit Neutralleiteranschluss geeignet.

Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen

Kriterium Leitungsschutzschalter Fehlerstrom-Schutzeinrichtung AFDD als Einzelgerät Kombigerät mit allen drei Funktionen
Erfasste Fehlerart Überlast, Kurzschluss Fehlerstrom gegen Erde serieller und paralleler Lichtbogen alle drei
Schutzziel Leitung vor Erwärmung Person vor Stromschlag Brandentstehung im Endstromkreis kombiniert
Arbeitsweise thermisch und magnetisch Summenstromwandler elektronische Signalauswertung gemischt
Hilfsenergie erforderlich nein in der üblichen Bauform nein ja, elektronische Auswertung ja
Platzbedarf je Stromkreis gering gering bei Gruppenlösung hoch, zusätzlich zum Leitungsschutz mittel bis hoch
Diagnose nach Auslösung keine keine je nach Ausführung Anzeige der Ursache je nach Ausführung
Anfälligkeit für Fehlauslösungen sehr gering mittel bei Summenableitströmen erhöht bei bestimmten Verbrauchern erhöht
Prüfung durch den Betreiber nicht vorgesehen Prüftaste Prüftaste und Selbsttest Prüftaste
Mindestanforderung in jedem Endstromkreis 30 Milliampere für Steckdosen und Beleuchtung in Wohnungen nach Risikobewertung im Einzelfall wo Platz die Trennung verbietet

Ausfallverhalten und Selbstüberwachung

Der entscheidende Unterschied zu den klassischen Schutzgeräten liegt in der Elektronik. Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen führen beim Zuschalten und im laufenden Betrieb Selbsttests durch. Erkennt das Gerät einen internen Fehler, muss es in einen definierten Zustand gehen — je nach Ausführung durch Abschalten oder durch eine deutliche Signalisierung. Fragen Sie diesen Punkt vor der Auswahl konkret ab, denn er unterscheidet die Produkte stärker als jede Werbeaussage: Ein Gerät, das bei internem Defekt unauffällig eingeschaltet bleibt, erzeugt eine Schutzillusion.

Der zweite Punkt ist die Diagnose. Ausführungen mit mehrfarbiger Anzeige oder Blinkcodes teilen nach einer Auslösung mit, ob ein Lichtbogen, ein Fehlerstrom oder eine Überlast der Grund war. Bei einem Schutzgerät, dessen Auslösungen selten sind und dessen Ursachen schwer zu finden sind, ist das kein Komfortmerkmal, sondern der praktische Kern der Wartbarkeit.

Der dritte Punkt betrifft das Verhalten nach Spannungswiederkehr. Klären Sie, ob das Gerät nach einem Netzausfall selbsttätig wieder in den Betriebszustand geht oder von Hand eingeschaltet werden muss, und welche Verbraucher davon betroffen wären. Für eine Gefriertruhe ist diese Frage wichtiger als jedes Datenblatt.

Alternativen zur Risikominderung im direkten Vergleich

Die Norm lässt zu, das Risiko auf anderem Weg zu mindern. Diese Alternativen sind unterschiedlich wirksam und sollten nicht gleichgesetzt werden. Die Erneuerung gealterter Leitungsabschnitte beseitigt die Fehlerursache und ist damit die einzige Maßnahme, die dem AFDD in der Wirkung nahekommt — sie ist allerdings deutlich aufwendiger. Zusätzliche fest installierte Steckdosen verringern die Zahl beweglicher Kontaktstellen und sind bei ohnehin anstehenden Arbeiten günstig zu haben. Sorgfältig ausgeführte und dokumentierte Klemmstellen im Verteiler beseitigen einen der häufigsten Entstehungsorte.

Nicht gleichwertig sind Rauchwarnmelder und thermische Überwachung von Klemmstellen. Beide greifen erst, wenn der Fehler bereits Wärme oder Rauch erzeugt hat. Sie gehören in das Gesamtkonzept, ersetzen aber keine Schutzeinrichtung. Wer sie als Begründung dafür anführt, auf einen AFDD zu verzichten, verwechselt Schadensbegrenzung mit Schadensvermeidung.

Auf welche Angaben Sie im Angebot bestehen sollten

Vier Angaben trennen ein belastbares Angebot von einer Materialliste: die Benennung der Stromkreise, für die ein Gerät vorgesehen ist, mit kurzer Begründung aus der Risikobetrachtung; die Bauform je Stromkreis mit Angabe der belegten Teilungseinheiten; die Aussage, ob die vorhandene Neutralleiterführung geändert werden muss; und die Zusage einer Prüfung mit Protokoll nach der Errichtung. Fehlt der erste Punkt, wurde nach Katalog kalkuliert und nicht nach Gebäude.

Grenzen des eigenen Vergleichs

Bauformen, Diagnosefähigkeit, Verhalten nach Spannungswiederkehr und Ersatzteilperspektive können Sie anhand von Herstellerunterlagen selbst gegenüberstellen. Was Sie nicht beurteilen können, ist die Verträglichkeit mit der konkreten Anlage: ob die Selektivität zu den vorgeschalteten Schutzorganen passt, ob die vorhandene Verdrahtung die Zuordnung des Neutralleiters zulässt und ob im Verteiler die zulässige Innentemperatur eingehalten wird.

Diese Prüfungen und der Einbau selbst gehören zu den Arbeiten an der festen elektrischen Anlage, die die Niederspannungsanschlussverordnung einem im Installateurverzeichnis eingetragenen Installationsunternehmen zuweist. Verlangen Sie nach Abschluss den Prüfbericht mit Messwerten — er dokumentiert, dass die gewählte Kombination im eingebauten Zustand funktioniert und nicht nur im Prospekt.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DKE – Normauslegung zu DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2022-06, Abschnitt 421.7 „Schutz gegen die Auswirkungen von Fehlerlichtbögen in Endstromkreisen“, Stand 26.06.2022
  2. DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2022-06 – Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 4-42: Schutz gegen thermische Auswirkungen (DKE im DIN und VDE)
  3. DKE – FAQ-Liste zur Norm DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2022-06
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