Wärmerückgewinnung sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien

Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.

03Wartung

Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
  • Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.

Vier Temperaturen verraten den Zustand

Die Wärmerückgewinnung ist der einzige Teil einer Lüftungsanlage, dessen Funktion sich mit einfachen Mitteln quantitativ überprüfen lässt. Dafür brauchen Sie vier Temperaturen: die Außenluft vor dem Gerät, die Zuluft nach dem Gerät, die Abluft aus der Wohnung und die Fortluft, die das Gebäude verlässt. Viele Geräte zeigen diese Werte im Menü an; andernfalls genügt ein einfaches Thermometer an den zugänglichen Stellen.

Aus drei dieser Werte lässt sich das Temperaturverhältnis der Zuluft abschätzen. Ziehen Sie von der Zulufttemperatur die Außenlufttemperatur ab, ziehen Sie von der Ablufttemperatur ebenfalls die Außenlufttemperatur ab und teilen Sie das erste Ergebnis durch das zweite. Beträgt die Außenluft null Grad, die Abluft einundzwanzig Grad und die Zuluft achtzehn Grad, ergibt sich achtzehn geteilt durch einundzwanzig, also ein Verhältnis von etwa sechsundachtzig Prozent.

Diese Abschätzung ersetzt keine Messung nach anerkannten Verfahren. Sie ist gleichwohl aussagekräftig, wenn Sie sie über die Jahre unter ähnlichen Bedingungen wiederholen: Ein Verhältnis, das im dritten Winter deutlich niedriger liegt als im ersten, weist auf Verschmutzung, Leckluft oder eine Fehlfunktion hin. Führen Sie die Messung an einem kalten Tag durch, weil die Aussage bei kleinen Temperaturdifferenzen ungenau wird.

Die Fortluft als zweiter Zeuge

Die Fortlufttemperatur ist ein oft übersehenes Prüfmerkmal. Wenn der Übertrager arbeitet, verlässt die Fortluft das Gebäude deutlich kühler als die Abluft, weil sie ihre Wärme abgegeben hat. Liegt die Fortluft im Winter fast auf Ablufttemperatur, überträgt der Wärmeübertrager kaum etwas: Er ist verschmutzt, vereist, wird umgangen, oder der Bypass hängt in geöffneter Stellung.

Der umgekehrte Fall ist ebenfalls aufschlussreich. Liegt die Fortluft weit unter dem Erwarteten und fällt gleichzeitig die geförderte Luftmenge ab, spricht das für eine beginnende Vereisung auf der Abluftseite.

Prüfen Sie zusätzlich die Fortluftöffnung an der Fassade von außen. Eine Eisfahne unterhalb des Gitters, dauerhaft nasse Fassadenflächen oder Algenbildung zeigen an, dass die feuchte Fortluft nicht sauber abgeführt wird und Feuchte an der Außenwand niederschlägt.

Kondensat: der häufigste Ausgangspunkt für Folgeschäden

Bei Wärmerückgewinnung fällt zwangsläufig Kondensat an, sobald die Abluft unter ihren Taupunkt abgekühlt wird. Dieses Wasser muss zuverlässig abfließen. Kontrollieren Sie deshalb drei Punkte.

Erstens die Kondensatwanne und den Anschluss am Gerät: Steht dort Wasser, ist der Ablauf verstopft oder das Gerät nicht in Waage aufgestellt. Zweitens den Geruchsverschluss: Ein trockener Siphon lässt Gerüche aus dem Abwassernetz in den Aufstellraum und in die Anlage; gießen Sie im Zweifel Wasser nach, sofern der Anschluss dafür zugänglich ist. Drittens die Leitungsführung: Sie braucht durchgehendes Gefälle und darf nicht durch unbeheizte Bereiche laufen, in denen sie einfrieren kann.

Suchen Sie außerdem im Umfeld nach Wasserspuren. Feuchte Flecken an Decke, Wand oder Dämmung unterhalb des Geräts oder unterhalb einer Kanaltrasse sind ein ernstes Zeichen. Der Leitfaden des Umweltbundesamtes zu Schimmelbefall in Gebäuden beschreibt anhaltend hohe Feuchte an Bauteiloberflächen als die entscheidende Wachstumsbedingung; sichtbarer Befall verlangt Ursachenklärung und Beseitigung, nicht Kaschieren.

Filter, Übertrager und Bypass im Betrieb prüfen

Der Filterzustand wirkt unmittelbar auf die Wärmerückgewinnung, weil ein zugesetzter Filter den Volumenstrom senkt und Staub bis zum Übertrager durchlässt, sobald er umströmt wird. Prüfen Sie deshalb nicht nur den Filter, sondern auch die Dichtheit seines Rahmens: Ein Filter, an dem Luft vorbeiströmt, filtert nicht.

Der Wärmeübertrager selbst ist bei den meisten Wohnungsgeräten entnehmbar. Beurteilen Sie ihn auf Staubbelag zwischen den Platten, auf Verfärbungen und auf Geruch. Ein gleichmäßiger feiner Belag ist normal und wird nach Herstellervorgabe gereinigt; verklebte Zonen, dunkle Flecken und ein anhaltend modriger Geruch nach der Reinigung sind es nicht.

Den Bypass prüfen Sie im Sommer. Ist es draußen nachts deutlich kühler als drinnen und kommt trotzdem angewärmte Zuluft aus den Auslässen, schaltet der Bypass nicht. Umgekehrt prüfen Sie ihn im Winter: Kommt die Zuluft an einem kalten Tag nahezu mit Außentemperatur, hängt die Klappe offen. Beide Fälle sind Fehlfunktionen mit gegensätzlicher Wirkung, aber gleicher Ursache in der Klappensteuerung.

Sicherheitscheck mit Prioritäten

Feststellung Priorität Sofortmaßnahme Wer klärt
Brandgeruch, heiß gewordene Bauteile, Schaden an der Zuleitung sofort Anlage stromlos schalten, Sicherung heraus Elektrofachkraft
Wasser tritt aus dem Gerät oder aus der Kondensatleitung aus sofort Anlage abschalten, Wasser auffangen, Bereich sichern Fachbetrieb für Lüftung
Schimmelbefall im Gerät, an Filtern oder an Auslässen sofort Betrieb einstellen, nicht trocken abbürsten, Ursache klären Fachbetrieb, bei größerer Fläche Sachverständige
Raumluftabhängige Feuerstätte, Rauchaustritt oder Geruch beim gleichzeitigen Betrieb sofort Feuerstätte und Anlage außer Betrieb nehmen, lüften Schornsteinfegerhandwerk
Zuluft kommt im Winter nahezu mit Außentemperatur bald Bypassstellung und Vereisung prüfen lassen Fachbetrieb
Luftmenge fällt an kalten Tagen spürbar ab bald auf Vereisung prüfen lassen, Frostschutzfunktion kontrollieren Fachbetrieb
Fortluft im Winter fast so warm wie die Abluft bald Übertrager auf Verschmutzung und Umströmung prüfen lassen Fachbetrieb
Temperaturverhältnis deutlich schlechter als in den Vorjahren bald Filter, Übertragerdichtungen und Leckluftwege prüfen lassen Fachbetrieb
Kondensatwanne steht voll, Siphon trocken oder undicht bald Ablauf reinigen und Siphon füllen lassen, Gefälle prüfen Fachbetrieb
Eisfahne oder Feuchtefahne an der Fassade unter der Fortluftöffnung bald Fortluftführung und Dämmung prüfen lassen Fachbetrieb
Bypass schaltet im Sommer nicht planbar Schaltkriterien und Klappenantrieb prüfen lassen Fachbetrieb
Filterwechselintervall überschritten planbar Filter tauschen, Wechselplan anlegen Eigentümer
Übertrager seit Jahren nicht gereinigt planbar Reinigung nach Herstellervorgabe veranlassen Eigentümer oder Fachbetrieb
Keine Unterlagen zu Einregulierung und Abnahme vorhanden planbar Messung nachholen und protokollieren lassen Fachbetrieb

Abschaltkriterien und der Zielkonflikt

Vier Situationen erlauben keinen Weiterbetrieb: Hinweise auf einen elektrischen Fehler, Wasseraustritt am Gerät, Schimmelbefall im System und jeder Verdacht auf gefährlichen Unterdruck im Aufstellraum einer raumluftabhängigen Feuerstätte. Der letzte Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit bei Anlagen, die den Frostschutz über einen unausgeglichenen Betrieb sicherstellen, weil dabei bewusst weniger Außenluft nachgeführt wird als Abluft abgeführt. Die Feuerungsverordnungen der Länder verlangen für dieses Zusammenspiel geeignete Sicherheitseinrichtungen.

Beachten Sie den Zielkonflikt: Eine abgeschaltete Anlage erbringt keine Lüftung zum Feuchteschutz. Wer sie wegen eines Mangels außer Betrieb nimmt, muss in dieser Zeit für einen anderen Luftaustausch sorgen und die Ursache zügig klären lassen, sonst verschiebt sich das Problem von der Technik in die Bausubstanz.

Wartungspflicht und die Grenze der Eigenleistung

Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt in § 60 unter der Überschrift Wartung und Instandhaltung, energiebedarfssenkende Einrichtungen betriebsbereit zu halten, bestimmungsgemäß zu nutzen und Wartung sowie Instandhaltung durch fachkundige Personen ausführen zu lassen. VDI 6022 Blatt 1 formuliert die Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte und sieht wiederkehrende Hygieneinspektionen vor, deren Abstand davon abhängt, ob die Anlage eine Luftbefeuchtung besitzt.

Zur Eigenleistung gehören: Ablesen und Notieren der Temperaturen, Filterwechsel an zugänglichen Fächern, Sichtkontrolle von Kondensatwanne und Siphon, Reinigung der Außen- und Fortluftgitter von Laub und Insekten, Entnahme und Reinigung des Wärmeübertragers, sofern der Hersteller das ausdrücklich vorsieht, sowie das Führen einer Messreihe über die Jahre.

Fachkundig auszuführen sind: alle Arbeiten an der Elektrik, Eingriffe in Frostschutz, Bypasssteuerung und Regelparameter, das Öffnen des Geräts über die vorgesehenen Wartungspunkte hinaus, Arbeiten an Kondensatleitung und Dämmung, die Reinigung des Kanalnetzes sowie jede Messung, die als Nachweis dienen soll.

Eine Messreihe schlägt jede Einzelmessung

Der praktische Wert dieses Sicherheitschecks entsteht durch Wiederholung. Legen Sie eine einfache Tabelle an mit Datum, Außentemperatur, Abluft-, Zuluft- und Fortlufttemperatur, Betriebsstufe, Filterzustand und Besonderheiten. Messen Sie mindestens zweimal je Heizperiode, davon einmal an einem kalten Tag.

Nach zwei bis drei Jahren erkennen Sie Muster, die eine Einzelmessung nie zeigt: ein langsam sinkendes Temperaturverhältnis, eine Luftmenge, die an Frosttagen immer früher einbricht, oder ein Filter, der von Jahr zu Jahr schneller zusetzt. Diese Reihe ist bei jedem Fachtermin die nützlichste Unterlage, die Sie vorlegen können, und sie kostet Sie zweimal im Jahr eine Viertelstunde.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. GModG § 60 – Wartung und Instandhaltung (Gebäudemodernisierungsgesetz, Gesetze im Internet)
  2. VDI 6022 Blatt 1:2018-01 – Raumlufttechnik, Raumluftqualität: Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte (VDI)
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