Wärmerückgewinnung – Systeme vergleichen: Sicherheit, Kompatibilität und Ausfallverhalten

Eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen. Im Mittelpunkt: Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen, Datenschutz.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen.
  • Der Beitrag liefert eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.

Sechs Bauarten und ein einheitlicher Maßstab

Wärme lässt sich auf mehreren Wegen von der Abluft auf die Außenluft übertragen. Im Wohnungsbau begegnen Ihnen sechs Bauarten: der Kreuzstrom-Plattenübertrager, der Gegenstrom-Plattenübertrager, der Enthalpie- oder Membranübertrager, der Rotationsübertrager, das Kreislaufverbundsystem mit zwei getrennten Registern und einem Wasserkreis sowie die Abluftwärmepumpe, die der Abluft über einen Kältekreis Wärme entzieht.

Damit ein Vergleich trägt, braucht er einheitliche Kriterien. Sinnvoll sind sieben: der erreichbare Übertragungsgrad, die Feuchteübertragung, das Risiko einer Übertragung von Stoffen und Gerüchen zwischen den Luftströmen, das Frostverhalten, die Reinigbarkeit, das Verhalten bei Ausfall und die Eignung für den Bestand. Der Preis kommt am Schluss, weil eine Bauart, die ein Kriterium nicht erfüllt, auch günstig nicht geeignet ist.

Ein Hinweis vorweg: Vergleichen Sie Übertragungsgrade nur bei gleichen Prüfbedingungen und im tatsächlich gefahrenen Betriebspunkt. Dieselbe Bauart liefert je nach Volumenstrom, Luftmengenverhältnis und angesetzten Temperaturen deutlich unterschiedliche Zahlen.

Die trennenden Bauarten

Der Kreuzstrom-Plattenübertrager führt die beiden Luftströme quer zueinander durch ein Paket dünner Platten. Er ist robust, kompakt und preiswert, erreicht aber prinzipbedingt geringere Übertragungsgrade als die Gegenstromführung, weil die Temperaturdifferenz über den Weg nicht durchgehend genutzt wird.

Der Gegenstrom-Plattenübertrager führt die Ströme entgegengesetzt und nutzt die Temperaturdifferenz über die gesamte Länge. Er ist heute die verbreitetste Bauart in der Wohnungslüftung und erreicht die höchsten Werte unter den trennenden Systemen. Sein kritischer Punkt ist der Frostschutz, weil das Kondensat auf der Abluftseite bei tiefen Außentemperaturen gefriert.

Der Enthalpie- oder Membranübertrager arbeitet baugleich, verwendet jedoch eine wasserdampfdurchlässige Membran. Er überträgt neben Wärme auch einen Teil der Feuchte und mildert damit die trockene Raumluft im Winter. Zugleich fällt weniger Kondensat an, was die Vereisungsneigung verringert. Zu klären ist die Reinigbarkeit der Membran und die hygienische Bewertung; VDI 6022 Blatt 1 formuliert die Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte, an denen sich diese Bewertung ausrichtet.

Die nicht vollständig trennenden und die indirekten Bauarten

Der Rotationsübertrager besteht aus einem langsam drehenden Speicherrad, das abwechselnd von Abluft und Außenluft durchströmt wird. Er erreicht hohe Übertragungsgrade und kann je nach Ausführung Feuchte zurückführen. Sein bauartbedingter Nachteil: In den Kanälen des Rades verbleibt bei jeder Umdrehung ein kleiner Anteil Abluft, der in den Zuluftstrom gelangt. Eine Spülzone verringert diesen Übertrag, hebt ihn aber nicht auf. In Wohnungen mit starker Geruchsbelastung ist das ein Auswahlkriterium.

Das Kreislaufverbundsystem verwendet zwei getrennte Register in Zuluft und Abluft, verbunden durch einen Wasserkreis mit Pumpe. Die Luftströme berühren sich nie, was hygienisch der sicherste Weg ist. Dafür sind die erreichbaren Übertragungsgrade deutlich geringer, und es kommt Hilfsenergie für die Pumpe hinzu. Im Einfamilienhaus ist die Bauart selten, im Bestand mit räumlich weit auseinanderliegenden Luftwegen aber gelegentlich die einzige Lösung.

Die Abluftwärmepumpe entzieht der Abluft mit einem Kältekreis Wärme und gibt sie an Heizung oder Warmwasser ab. Sie ist streng genommen keine Wärmerückgewinnung im Luftstrom, sondern eine Wärmequelle. Häufig wird sie mit einem Plattenübertrager kombiniert. Bewerten Sie sie deshalb nicht anhand eines Übertragungsgrades, sondern anhand ihrer Jahresarbeit im Verhältnis zum Strombedarf.

Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen

Bauart Übertragungsgrad Feuchte Stoffübertragung zwischen den Strömen Frostverhalten Reinigbarkeit Mindestanforderung, unter der sie ausscheidet
Kreuzstrom-Plattenübertrager mittel keine keine Kondensat gefriert, Frostschutz nötig Paket entnehmbar und spülbar Paket nicht entnehmbar
Gegenstrom-Plattenübertrager hoch keine keine erhöhte Vereisungsneigung, Strategie erforderlich Paket entnehmbar und spülbar Frostschutzstrategie nicht benannt
Enthalpie- oder Membranübertrager hoch teilweise übertragen Wasserdampf, keine Partikel geringere Vereisungsneigung nach Herstellervorgabe, oft eingeschränkt Reinigung nicht beschrieben
Rotationsübertrager hoch je nach Ausführung übertragen geringer Übertrag von Abluftanteilen unkritischer als Plattenbauarten Rad und Antrieb wartungsbedürftig keine Spülzone bei geruchsintensiver Abluft
Kreislaufverbundsystem gering bis mittel keine ausgeschlossen unkritisch Register einzeln reinigbar Pumpenstrom nicht in der Bilanz ausgewiesen
Abluftwärmepumpe nicht vergleichbar keine ausgeschlossen unkritisch Verdampfer wartungsbedürftig Jahresarbeit im Verhältnis zum Strombedarf nicht belegt

Die letzte Spalte ist der eigentliche Filter. Sie beschreibt jeweils den Umstand, unter dem die Bauart unabhängig vom Preis nicht in Betracht kommt, weil sich der Mangel im Betrieb nicht heilen lässt.

Kompatibilität, Schnittstellen und Datenhaltung

Prüfen Sie, ob die gewählte Bauart mit dem übrigen Konzept zusammenpasst. Ein Gegenstromübertrager mit elektrischem Vorheizregister braucht eine ausreichend dimensionierte Elektroversorgung. Eine Abluftwärmepumpe muss mit dem vorhandenen Wärmeerzeuger und dem Speicher zusammenarbeiten. Ein Rotationsübertrager braucht mehr Bauraum und einen Antrieb, der als Verschleißteil zu betrachten ist.

Bei Geräten mit Netzwerkanbindung stellt sich zusätzlich die Frage der Datenhaltung. Betriebsdaten einer Lüftungsanlage lassen Rückschlüsse auf Anwesenheit und Tagesablauf zu. Klären Sie, ob die Anlage einschließlich der Lüftung zum Feuchteschutz nach DIN 1946-6 vollständig ohne Internetverbindung arbeitet, ob sie vor Ort ohne Anwendung bedienbar ist und welche Daten übertragen werden.

Ein zweiter Punkt betrifft die Langlebigkeit der Schnittstelle. Ein Gerät, dessen Grundfunktionen an einen Herstellerdienst gebunden sind, verliert diese Funktionen, wenn der Dienst eingestellt wird. Bestehen Sie auf einer vollwertigen lokalen Bedienung.

Verhalten bei Ausfall

Drei Ausfallbilder sind zu unterscheiden. Fällt ein Ventilator aus, bricht der Luftaustausch teilweise oder ganz zusammen; entscheidend ist, ob die Anlage das meldet. Fällt die Bypassklappe in geschlossener Stellung aus, wird die Zuluft im Sommer dauerhaft erwärmt; fällt sie offen aus, entfällt im Winter die Wärmerückgewinnung, und die Zuluft kommt kalt in den Raum.

Fällt die Frostschutzeinrichtung aus, vereist der Übertrager, der Druckverlust steigt, und die Anlage fördert immer weniger Luft. Dieses Bild ist besonders tückisch, weil die Anlage weiterläuft und trotzdem kaum noch lüftet. Fragen Sie deshalb ausdrücklich, wie die Anlage eine Vereisung erkennt und meldet.

Bei allen drei Bildern gilt derselbe Grundsatz: Eine Anlage, die still ausfällt, ist gefährlicher als eine, die laut ausfällt, weil dann über Wochen die Lüftung zum Feuchteschutz fehlt. Verlangen Sie eine sichtbare Störmeldung am Bediengerät und, wenn möglich, eine zusätzliche Meldung.

Wie Sie entscheiden

Arbeiten Sie die Kriterien der Reihe nach ab. Erstens die hygienische Anforderung: Ist eine Stoffübertragung zwischen den Luftströmen für Ihre Nutzung akzeptabel. Zweitens die Frostschutzfrage, insbesondere wenn eine raumluftabhängige Feuerstätte vorhanden ist und ein unausgeglichener Betrieb ausscheidet. Drittens die Reinigbarkeit im Alltag. Viertens das Verhalten bei Ausfall. Fünftens der Übertragungsgrad im tatsächlichen Betriebspunkt. Erst danach der Preis über die Nutzungsdauer.

Das Gebäudemodernisierungsgesetz behandelt die Wärmerückgewinnung in § 68 und die Anrechnung mechanisch betriebener Lüftungsanlagen in § 28. Klären Sie mit der Fachplanung, welche Anforderungen sich daraus für Ihr Vorhaben ergeben, bevor Sie sich auf eine Bauart festlegen.

Grenzen der eigenen Bewertung

Sie können die Matrix an konkrete Angebote anlegen, Prüfbedingungen erfragen, sich die Entnahme des Übertragers zeigen lassen und auf einer Aussage zum Ausfall- und Meldeverhalten bestehen. Diese Prüfung deckt die praktisch bedeutsamen Unterschiede auf.

Nicht beurteilen können Sie, welcher Übertragungsgrad im konkreten Gebäude tatsächlich erreicht wird, ob eine Feuchterückgewinnung im Einzelfall vorteilhaft oder problematisch ist und wie sich die gewählte Frostschutzstrategie im Zusammenspiel mit Feuerstätten auswirkt. Diese Bewertung setzt Berechnung und Erfahrung voraus. Eigene Eingriffe an Übertrager, Klappe, Frostschutz oder Regelung sind keine Option, weil sie die Auslegung aufheben und im Zweifel die Sicherheit betreffen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. GModG § 68 – Wärmerückgewinnung (Gebäudemodernisierungsgesetz, Gesetze im Internet)
  2. DIN 1946-6:2019-12 – Raumlufttechnik, Teil 6: Lüftung von Wohnungen (DIN Media)
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