Rohrmaterial für Trinkwasser nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Trinkwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Vorbereitung entscheidet über den Baufortschritt

Bevor die erste Leitung fällt, müssen vier Dinge geklärt sein: wo abgesperrt wird, wie lange die Versorgung unterbrochen ist, wo Material und Bauschutt lagern und wer die Nachbarn oder Mieter informiert. In Mehrfamilienhäusern gehört die Ankündigung der Abschaltung mit Datum und Zeitfenster schriftlich an alle Nutzungseinheiten, verbunden mit dem Hinweis, vorab Wasser für den Tagesbedarf abzufüllen.

Klären Sie außerdem den Zustand der Absperrarmaturen. Ein jahrzehntelang unbetätigter Hauptabsperrhahn lässt sich häufig nicht mehr vollständig schließen oder wird nach dem Schließen undicht. Diese Feststellung gehört vor den Baubeginn, nicht mitten hinein. Ist die Hauptabsperrung defekt, muss der Wasserversorger für die Absperrung an der Anbohrschelle einbezogen werden; das braucht einen Termin und damit Vorlauf.

Montagefolge im Bestand

Die Erneuerung eines Rohrwerkstoffs im bewohnten Gebäude folgt einer bewährten Reihenfolge. Zuerst wird die neue Trasse vollständig vorbereitet und, soweit möglich, parallel zur alten Leitung montiert. Dann werden die Anbindepunkte an Verteilung und Steigleitung hergestellt. Erst danach wird umgeklemmt, gespült und in Betrieb genommen, und zuletzt wird die Altleitung zurückgebaut. Diese Reihenfolge hält die Ausfallzeit kurz und verhindert, dass eine unfertige Installation über Tage mit Wasser gefüllt steht.

Der Rückbau der Altleitung ist kein optionaler Restposten. Ein abgeklemmtes, aber noch angebundenes Rohrstück ist eine Totleitung, in der das Wasser steht und Biofilm entsteht. Getrennt wird deshalb unmittelbar an der Abzweigstelle vom durchflossenen Strang, nicht erst hinter einem geschlossenen Ventil. Lassen Sie sich diesen Punkt vor Auftragserteilung ausdrücklich bestätigen.

Dichtheitsprüfung: nass oder trocken

Nach DIN EN 806-4 ist die neu errichtete Installation vor dem Verschließen zu prüfen. In der Praxis hat sich die trockene Prüfung mit ölfreier Druckluft oder Inertgas nach dem Merkblatt des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima durchgesetzt. Der Grund ist hygienisch: Eine mit Wasser gefüllte, aber noch nicht genutzte Installation stagniert über die gesamte restliche Bauzeit und ist bei Inbetriebnahme bereits mikrobiologisch vorbelastet. Die trockene Prüfung umfasst eine Dichtheitsprüfung mit niedrigem Prüfdruck und eine Belastungsprüfung mit höherem Druck, deren Höhe von der Nennweite abhängt.

Wird mit Wasser geprüft, gilt eine harte Regel: Die Installation muss unmittelbar nach der Prüfung in den bestimmungsgemäßen Betrieb übergehen. Ist das nicht möglich, weil der Innenausbau noch Wochen dauert, ist die nasse Prüfung der falsche Weg. Lassen Sie sich das gewählte Verfahren und das Prüfergebnis protokollieren; dieses Blatt ist im Schadensfall das wichtigste Dokument.

Spülen nach DIN EN 806-4

Vor der Inbetriebnahme wird die Installation gespült, um Montagerückstände, Späne, Fett und Partikel auszutragen. Die Spülung erfolgt in Abschnitten, stockwerksweise von unten nach oben und innerhalb eines Stockwerks vom nächsten zum entferntesten Auslauf. Strahlregler, Filtereinsätze und Duschschläuche werden vorher ausgebaut, damit sie sich nicht zusetzen. Die Anzahl der gleichzeitig zu öffnenden Entnahmestellen richtet sich nach der größten Nennweite im gespülten Abschnitt.

Größte Nennweite im Spülabschnitt Mindestanzahl gleichzeitig geöffneter Entnahmestellen DN 15
DN 25 2
DN 32 4
DN 40 6
DN 50 8

Nach dieser Systematik wird jeder Abschnitt so lange gespült, bis das Wasser klar und frei von Partikeln austritt. Bei stark verschmutzten Anlagen oder ungünstiger Geometrie kommt ein Spülverfahren mit Wasser-Luft-Gemisch zum Einsatz, das höhere Reinigungswirkung erzielt. Eine Desinfektion ist kein Bestandteil der normalen Inbetriebnahme; sie wird nur bei begründetem Anlass nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 557 durchgeführt.

Inbetriebnahme und die 72-Stunden-Regel

Mit der Spülung endet die Baumaßnahme, nicht die Verantwortung. Eine Trinkwasserinstallation muss nach der Inbetriebnahme bestimmungsgemäß betrieben werden. Das bedeutet nach VDI 6023 einen vollständigen Wasseraustausch an allen Entnahmestellen spätestens alle 72 Stunden. Wird das Gebäude nach der Fertigstellung noch nicht bewohnt, ist ein schriftlicher Spülplan erforderlich, der festlegt, wer wann welche Entnahmestellen betätigt und wie das dokumentiert wird.

Diese Pflicht wird regelmäßig unterschätzt. Zwischen Fertigstellung und Einzug liegen häufig Wochen. Ohne Spülplan entsteht in dieser Zeit genau der Zustand, den die aufwendige trockene Druckprüfung vermeiden sollte. Legen Sie den Spülplan deshalb bereits bei der Auftragsvergabe fest und benennen Sie eine verantwortliche Person.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Prüfkriterium Nachweis
Werkstoff und System verbautes Rohr- und Fittingsystem entspricht dem Angebot Lieferscheine, Systemdatenblatt
Dichtheitsprüfung Verfahren, Prüfdruck, Prüfdauer, Ergebnis unterschriebenes Prüfprotokoll
Spülung Abschnitte, Reihenfolge, Ergebnis je Abschnitt Spülprotokoll mit Datum
Altleitungen vollständig zurückgebaut oder unmittelbar am durchflossenen Strang getrennt Fotodokumentation vor dem Verschließen
Sicherungseinrichtungen Rückflussverhinderer und Absicherungen nach DIN EN 1717 vorhanden Bauteilliste mit Typenbezeichnung
Dämmung Dämmart und Dämmdicke je Leitungsart ausgeführt Sichtprüfung, Fotos vor Verschluss
Druckverhältnisse Ruhedruck und Fließdruck an der ungünstigsten Entnahmestelle Messwerte im Übergabeprotokoll
Temperaturen Warmwasseraustritt und Kaltwasser im vorgesehenen Bereich Messwerte im Übergabeprotokoll
Bestandsdokumentation Strangschema mit Werkstoff, Nennweite, Absperr- und Trennstellen Plan in Papier- und Dateiform
Einweisung Bedienung, Absperrpunkte, Spülplan, Wartungsintervalle erklärt Einweisungsprotokoll mit Unterschrift
Inbetriebsetzung Freigabe der Kundenanlage geklärt Bestätigung des Versorgungsunternehmens

Arbeiten Sie diese Liste bei der Abnahme gemeinsam mit dem Betrieb durch und unterschreiben Sie erst, wenn jede Zeile belegt ist. Fotos, die vor dem Verschließen von Wänden und Schächten entstehen, sind später durch nichts zu ersetzen — machen Sie sie selbst und speichern Sie sie mit Datum.

Ihre Rolle und ihre Grenze

Sie können den Ablauf organisieren, Zugänge schaffen, Nutzer informieren, den Rückbau der Altleitungen fotografisch begleiten, die Übergabeunterlagen einfordern und den Spülplan bis zum Einzug führen. Sie können nach dem Einzug die Absperrpunkte kennenlernen, Strahlregler reinigen und die Temperaturen kontrollieren.

Was Sie nicht tun dürfen, ist eindeutig abgegrenzt: keine Montage, keine Pressverbindung, keine Anbindung an den Bestand, keine Druckprüfung in Eigenregie und keine Desinfektion mit Mitteln aus dem Handel. Die Errichtung, Änderung und Instandhaltung der Kundenanlage ist nach § 12 der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser dem Wasserversorgungsunternehmen oder einem in dessen Installateurverzeichnis eingetragenen Betrieb vorbehalten. Diese Grenze schützt nicht den Handwerker, sondern die Qualität des Wassers, das aus Ihrem Hahn kommt.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Trinkwasserverordnung – aktueller Gesetzestext
  2. Umweltbundesamt – Trinkwasser
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