Rohrmaterial für Trinkwasser – Systeme vergleichen: Sicherheit, Kompatibilität und Ausfallverhalten

Eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen. Im Mittelpunkt: Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen, Datenschutz.

03Trinkwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen.
  • Der Beitrag liefert eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.

Ein einheitliches Kriterienraster für alle Rohrsysteme

Werkstoffvergleiche scheitern meistens daran, dass jedes System nach seinen eigenen Stärken beschrieben wird. Sinnvoll wird der Vergleich erst, wenn alle Varianten dieselben sieben Fragen beantworten müssen: Für welche Wasserbeschaffenheit ist das System freigegeben? Welche Betriebstemperatur und welchen Betriebsdruck hält es dauerhaft aus? Wie wird verbunden, und wie fehleranfällig ist diese Verbindung? Wie verhält sich der Werkstoff im Schadensfall? Welche Schnittstellen zu bestehenden Bauteilen gibt es? Wie lässt sich das System instand halten und erweitern? Und welchen Eignungsnachweis für Trinkwasser trägt es?

Diese Fragen gelten unabhängig davon, ob ein Neubau geplant oder ein Strang im Bestand erneuert wird. Die Antworten unterscheiden sich allerdings erheblich, und genau daran entscheidet sich die Auswahl.

Metallene Systeme: Kupfer, nichtrostender Stahl, verzinkter Stahl

Kupfer nach DIN EN 1057 wird gepresst, gelötet oder gesteckt. Es ist formstabil, temperaturunempfindlich, im Brandfall unkritisch und diffusionsdicht. Seine Einsatzgrenze liegt in der Wasserchemie: Nach DIN 50930-6 setzt der uneingeschränkte Einsatz einen pH-Wert von mindestens 7,4 voraus, im Bereich zwischen 7,0 und 7,4 kommt eine Anforderung an den Gehalt an gelöstem organischem Kohlenstoff von höchstens 1,5 Milligramm je Liter hinzu. Fällt das Wasser darunter, scheidet Kupfer aus.

Nichtrostender Stahl ist der Werkstoff mit der breitesten Freigabe. Er ist gegenüber der Wasserzusammensetzung weitgehend unempfindlich, gibt praktisch keine Metallionen ab und wird in Trinkwasserinstallationen fast ausschließlich als Pressfittingsystem verarbeitet. Der Preis liegt deutlich über Kupfer, und bei erhöhten Chloridgehalten sind molybdänlegierte Sorten zu wählen; die Trinkwasserverordnung führt Chlorid mit 250 Milligramm je Liter als Indikatorparameter, in dieser Größenordnung endet der Einsatzbereich der einfachen Qualitäten.

Feuerverzinkter Stahl ist in Neuanlagen praktisch verschwunden. Im Warmwasser kehrt sich die Schutzwirkung der Zinkschicht bei höheren Temperaturen um, die raue Innenoberfläche begünstigt Ablagerungen und Biofilm, und die Verbindungstechnik über geschnittene Gewinde ist zeitaufwendig. Im Bestand ist er dagegen häufig anzutreffen und bestimmt dann die Frage, ob eine Teilerneuerung überhaupt sinnvoll ist.

Kunststoff- und Verbundsysteme

Vernetztes Polyethylen, wärmeformbeständiges Polyethylen, Polypropylen und Polybuten sind gegenüber der Wasserchemie unempfindlich und geben keine Metalle ab. Sie werden geschoben, gepresst oder verschweißt, sind leicht, kostengünstig und lassen sich in langen Stücken ohne Verbindung verlegen — ein hygienischer Vorteil, weil jede Verbindungsstelle eine potenzielle Störstelle ist. Ihre Nachteile: höhere Längenausdehnung, Empfindlichkeit gegen UV-Strahlung und mechanische Beschädigung, brennbares Verhalten und eine begrenzte Dauergebrauchstemperatur, die zur Anwendungsklasse des Systems passen muss.

Mehrschichtverbundrohre nach DIN EN ISO 21003 verbinden eine Kunststoffinnenschicht mit einer Aluminiumzwischenlage. Sie sind biegbar und formstabil, dehnen sich weniger als reine Kunststoffrohre und sind sauerstoffdicht. Sie sind das System, das in der Sanierung am häufigsten gewählt wird, weil es sich durch Bestandsschächte fädeln lässt.

Verbindungstechnik entscheidet über die Fehlerwahrscheinlichkeit

Nicht der Rohrwerkstoff, sondern die Verbindung versagt in der Praxis. Das DVGW-Arbeitsblatt W 534 regelt Rohrverbinder und Rohrverbindungen in der Trinkwasserinstallation; verbindlich ist die Verwendung geprüfter Systemkombinationen aus Rohr und Fitting eines Herstellers. Pressverbindungen sind schnell und reproduzierbar, verlangen aber das passende Werkzeug mit gültiger Wartung und eine korrekte Einstecktiefe. Löten erfordert Erfahrung und ist bei Feuerarbeiten im Bestand genehmigungs- und schutzpflichtig. Steck- und Klemmverbindungen sind schnell, müssen aber dauerhaft zugänglich bleiben, wenn das jeweilige System dies verlangt.

Ein Punkt wird regelmäßig übersehen: Ungepresste Verbindungen fallen bei der Dichtheitsprüfung nur dann sicher auf, wenn das System eine erkennbare Undichtheit im unverpressten Zustand aufweist. Fragen Sie deshalb, welches Prüfverfahren angewendet wird und ob das gewählte Fittingsystem diese Eigenschaft besitzt.

Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen

Kriterium Kupfer Nichtrostender Stahl Vernetztes Polyethylen Mehrschichtverbundrohr Feuerverzinkter Stahl
Wasserchemie pH ab 7,4 uneingeschränkt, darunter nur bedingt nahezu unbeschränkt, Sorte nach Chlorid unempfindlich unempfindlich im Warmwasser problematisch
Dauergebrauchstemperatur unkritisch bis über 90 Grad unkritisch bis über 90 Grad nach Anwendungsklasse begrenzt nach Anwendungsklasse begrenzt unkritisch
Verbindung Pressen, Löten Pressen Schieben, Pressen Pressen Gewinde schneiden
Typisches Versagensbild Lochkorrosion bei ungeeignetem Wasser Spaltkorrosion an Fehlstellen Riss durch mechanische Vorschädigung Undichtheit an der Pressstelle flächige Korrosion, Verengung
Brandverhalten nicht brennbar nicht brennbar brennbar, Abschottung erforderlich brennbar, Abschottung erforderlich nicht brennbar
Erweiterbarkeit im Bestand gut gut sehr gut, lange Stücke ohne Fuge sehr gut schlecht
Materialkosten je Meter mittel bis hoch hoch niedrig niedrig bis mittel mittel
Mindestanforderung, die immer gilt Eignungsnachweis nach den Bewertungsgrundlagen des Umweltbundesamtes und Nachweis nach DVGW W 270

Unter die letzte Zeile darf kein System fallen. Ergänzend gilt für jede Variante: nur geprüfte Systemkombination aus Rohr und Fitting, keine Werkstofffolge mit verzinktem Stahl hinter Kupfer, dauerhaft zugängliche Verbindungsstellen dort, wo der Hersteller dies verlangt, und eine dokumentierte Dichtheitsprüfung vor dem Verschließen.

Verhalten bei Störung und Ausfall

Rohrsysteme unterscheiden sich darin, wie ein Schaden abläuft. Metallene Systeme versagen typischerweise punktuell und angekündigt: Ein Korrosionsschaden meldet sich über Verfärbungen, feuchte Stellen oder einen langsam steigenden Zählerstand ohne Entnahme. Kunststoffsysteme versagen häufiger schlagartig, weil eine mechanische Vorschädigung aus der Bauphase erst nach Jahren zum Riss führt. Daraus folgt kein Vorzug für den einen oder anderen Werkstoff, wohl aber eine Konsequenz: Bei Kunststoff- und Verbundsystemen im verdeckten Bereich lohnt sich eine Absicherung über eine Leckageschutzeinrichtung deutlich stärker.

Ein zweiter Ausfallpfad betrifft die Hygiene und ist werkstoffunabhängig. Fällt die Nutzung eines Stranges weg, entsteht Stagnation, und die Wasserqualität verschlechtert sich unabhängig davon, welches Rohr verbaut ist. Kein Werkstoff kompensiert einen fehlenden Wasseraustausch.

Was Sie am Vergleich selbst beurteilen können

Sie können Datenblätter anfordern, Systembezeichnungen abgleichen, den Eignungsnachweis für Trinkwasser überprüfen und feststellen, ob die Angebote überhaupt dasselbe System beschreiben. Sie können außerdem die Wasseranalyse Ihres Versorgers gegen die Einsatzgrenzen halten und erkennen, wenn Kupfer bei einem pH-Wert unter 7,0 angeboten wird.

Die Auswahlentscheidung selbst gehört in die Fachplanung. Sie hängt an Größen, die Sie nicht ermitteln können: der hydraulischen Berechnung, den Sicherungseinrichtungen nach DIN EN 1717, der Werkstofffolge im Bestand und den örtlichen Brandschutzanforderungen. Und unabhängig vom Ergebnis bleibt die Ausführung dem Fachbetrieb vorbehalten, der in das Installateurverzeichnis eines Wasserversorgungsunternehmens eingetragen ist.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Trinkwasserverordnung – aktueller Gesetzestext
  2. Umweltbundesamt – Trinkwasser
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