Absperrventile in Wohnung und Haus nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Trinkwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Vor dem ersten Handgriff: Abstellung, Zugang, Ersatzwasser

Eine Nachrüstung von Absperrarmaturen ist ein Eingriff in eine laufende Trinkwasserinstallation. Das bedeutet: Der Strang wird leer, das Gebäude ist zeitweise ohne Wasser, und nach der Wiederinbetriebnahme muss die Anlage hygienisch einwandfrei übergeben werden. Diese drei Punkte bestimmen die Vorbereitung.

Klären Sie mit dem ausführenden Betrieb zuerst, welcher Bereich abgestellt wird und wie lange. Muss die Hauptabsperreinrichtung selbst getauscht werden, ist eine Absperrung an der Straße nötig; dafür ist der Wasserversorger zuständig und der Termin muss angemeldet werden. In Mehrparteienhäusern informieren Sie die Bewohner schriftlich mit Datum, Uhrzeitfenster und dem Hinweis, dass nach Wiederinbetriebnahme zunächst gespült wird und das Wasser kurzzeitig trüb sein kann.

Zur Vorbereitung gehört außerdem der Zugang: Möbel räumen, Revisionsklappen freilegen, Verkleidungen öffnen lassen, Beleuchtung im Schacht sicherstellen. Und der Rückweg: Klären Sie vorher, wer Fliesen, Putz und Anstrich wiederherstellt, damit dieser Punkt nicht erst nach der Montage aufkommt.

Montagefolge in der Praxis

  1. Bestandsaufnahme am Einbauort, Abgleich mit dem Strangschema, Fotodokumentation vor Beginn.
  2. Betroffenen Bereich absperren, Entnahmestellen öffnen, Leitung über die vorhandene Entleerung leeren, Restwasser auffangen.
  3. Alte Armatur ausbauen, Leitungsenden auf Korrosion und Wandstärke prüfen; zeigt sich starke Ablagerung, wird der Umfang neu bewertet, statt weiterzumontieren.
  4. Neue Armatur einbauen, Einbaurichtung und Durchflussrichtung beachten, bei Werkstoffwechsel die zulässige Reihenfolge einhalten.
  5. Verbindungen herstellen, bei Pressverbindungen jede Presstelle sichtbar kennzeichnen, damit keine unverpresste Stelle übrig bleibt.
  6. Dämmung wiederherstellen, Kaltwasserleitungen dampfdicht dämmen, damit kein Kondensat entsteht.
  7. Langsam befüllen, dabei Entlüftung an den Hochpunkten sicherstellen.
  8. Dichtheitsprüfung durchführen und protokollieren.
  9. Spülung nach DIN EN 806-4 mit ausreichender Fließgeschwindigkeit und Öffnen aller betroffenen Entnahmestellen.
  10. Beschriftung anbringen, Bestandsplan ergänzen, Einweisung und Übergabe.

Die Reihenfolge klingt selbstverständlich, wird aber regelmäßig an zwei Stellen verkürzt: beim Prüfprotokoll und bei der Spülung. Beides sind genau die Punkte, die im Streitfall gebraucht werden.

Warum die Spülung kein Formalismus ist

Beim Öffnen einer Leitung gelangen Späne, Lötrückstände, Dichtmittel und Umgebungsluft in das System. DIN EN 806-4 behandelt Installation und Prüfung und beschreibt Spülverfahren, mit denen diese Fremdstoffe wieder aus der Anlage entfernt werden. Entscheidend ist, dass mit ausreichender Geschwindigkeit und über alle betroffenen Entnahmestellen gespült wird, beginnend an der dem Einspeisepunkt nächstgelegenen Stelle und stockwerksweise fortschreitend.

Nach § 13 der Trinkwasserverordnung tragen Sie als Betreiber die Verantwortung dafür, dass die Anlage nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik instand gehalten und betrieben wird. Eine übersprungene Spülung ist deshalb nicht nur ein technisches Versäumnis, sondern eine Lücke in Ihrer Betreiberdokumentation. Lassen Sie sich das Spülverfahren, das Datum und die gespülten Entnahmestellen schriftlich bestätigen.

Ein zweiter Punkt betrifft längere Bauzeiten. Wenn zwischen Montage und tatsächlicher Nutzung mehrere Wochen liegen, hilft die beste Spülung am Montagetag nichts. Vereinbaren Sie in diesem Fall, dass die Spülung unmittelbar vor der Nutzungsaufnahme wiederholt wird, und halten Sie danach den regelmäßigen Wasseraustausch an allen Entnahmestellen ein, wie ihn das Umweltbundesamt für den bestimmungsgemäßen Betrieb beschreibt.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Durchführung Ergebnis, das dokumentiert werden muss
Dichtheit der neuen Verbindungen Prüfung nach DIN EN 806-4 vor dem Verschließen der Bauteile Prüfart, Prüfdruck oder Prüfmedium, Dauer, Ergebnis, Unterschrift
Vollständiges Öffnen jeder Armatur Betätigung von Anschlag zu Anschlag freigängig, ohne Werkzeug bedienbar
Dichtes Schließen jeder Armatur Absperren und nachgeschaltete Zapfstelle öffnen kein Nachlauf nach kurzer Restentleerung
Wirksamkeit der Trennung jede Absperrung einzeln schließen, betroffenen Bereich abgehen tatsächlich abgetrennter Bereich stimmt mit dem Schema überein
Entleerung Entleerventil öffnen, Ablauf beobachten Abschnitt lässt sich vollständig entleeren
Rückflussverhinderer Prüföffnung nutzen, sofern vorhanden Prüfergebnis und Zugänglichkeit der Prüföffnung
Druckstoßverhalten Absperrung im Betrieb schließen, hörbar prüfen kein schlagendes Geräusch in Wand oder Decke
Ruhedruck nach dem Eingriff Manometer an der Prüfstelle ablesen Messwert und, falls vorhanden, Einstellwert des Druckminderers
Spülung Verfahren nach DIN EN 806-4, alle betroffenen Entnahmestellen Datum, Verfahren, Liste der gespülten Stellen
Beschriftung dauerhaftes Schild an jeder Armatur eindeutige Bezeichnung, passend zum Bestandsplan
Bestandsunterlagen Strangschema fortschreiben aktualisierter Plan, Fotos vom offenen Bauteil vor dem Verschließen
Einweisung Begehung mit dem Betrieb Nachweis, wer eingewiesen wurde, mit Datum

Die Einweisung, die im Schadensfall zählt

Am Ende steht kein Papier, sondern ein Rundgang. Lassen Sie sich zeigen, wo die Hauptabsperreinrichtung sitzt, wo die Straßenabsperrung liegt, welche Armatur welchen Bereich trennt und in welcher Reihenfolge im Schadensfall vorgegangen wird. Wenn ein Leckageschutzsystem eingebaut wurde, gehört dazu die Handnotbetätigung des motorischen Absperrautomaten: Sie müssen ihn ohne Strom und ohne Anleitung öffnen und schließen können.

Halten Sie das Ergebnis kompakt fest. Ein einzelnes Blatt an der Innenseite der Technikraumtür mit Grundriss, Armaturennummern und Notrufnummer ist im Ernstfall mehr wert als ein Ordner im Büro. Fotografieren Sie das Blatt zusätzlich, damit es auch bei Abwesenheit verfügbar ist.

Grenzen der Eigenleistung bei der Nachrüstung

Die Montage selbst ist keine Eigenleistung. Nach § 12 der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser dürfen Errichtung, Erweiterung, Änderung und Instandhaltung der Kundenanlage nur durch das Wasserversorgungsunternehmen oder ein in ein Installateurverzeichnis eingetragenes Installationsunternehmen ausgeführt werden. Das schließt auch die Dichtheitsprüfung, die Spülung nach fachgerechtem Verfahren und jede Arbeit an der Wasserzähleranlage ein.

Ihr Beitrag liegt davor und danach: Zugang schaffen, Bewohner informieren, Termine mit dem Versorger abstimmen, die Übergabeunterlagen einfordern und prüfen, ob jeder Punkt der Checkliste tatsächlich abgehakt ist. Wenn nach der Wiederinbetriebnahme Wasser trüb bleibt, Geräusche auftreten oder eine Armatur schwergängig ist, melden Sie das innerhalb der Gewährleistungsfrist schriftlich, statt es hinzunehmen. Ein Mangel, der bei der Abnahme dokumentiert wurde, lässt sich durchsetzen; ein Jahre später bemerkter selten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Trinkwasserverordnung – aktueller Gesetzestext
  2. Umweltbundesamt – Trinkwasser
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel