Ethernet-Verkabelung: Nicht die Kategorie entscheidet, sondern die Zahl der Dosen
Cat 6A trägt 10 Gigabit über die volle Strecke von 100 Metern. Was im Bestand wirklich fehlt, sind Anschlussdosen an den richtigen Stellen — und ein Kabelquerschnitt, der Power over Ethernet verträgt.

Das Wichtigste in Kürze
- Kategorie 6A beziehungsweise Klasse EA ist bis 500 Megahertz spezifiziert und trägt 10-Gigabit-Ethernet über die vollen 100 Meter.
- Die fest verlegte Strecke zwischen Verteiler und Dose darf 90 Meter nicht überschreiten, die Gesamtverbindung samt Patchkabeln 100 Meter.
- DIN EN 50173-4 und DIN 18015-1 verlangen einen Kommunikationsverteiler je Wohneinheit und eine sternförmige Verkabelung zu jeder Anschlussdose.
- Power over Ethernet nach IEEE 802.3bt liefert am Endgerät bis zu 71 Watt und erwärmt das Kabelbündel spürbar; mehr als 24 Kabel gehören nicht in ein Bündel.
- Verlegekabel hat starre Einzeladern und wird aufgelegt, nicht gecrimpt — ein RJ45-Stecker am starren Kabel ist die häufigste Fehlerquelle.
In Fachmärkten liegen Verlegekabel bis Kategorie 8 im Regal, und in Bauforen wird ernsthaft darüber gestritten, ob im Einfamilienhaus Cat 7A oder Cat 8 zu verlegen sei. Die Frage ist falsch gestellt. Kein Haushalt der nächsten fünfzehn Jahre wird an der Bandbreite einer Cat-6A-Strecke scheitern. Scheitern wird er daran, dass im Arbeitszimmer nur eine Dose sitzt, im Wohnzimmer keine und im Dachgeschoss eine, aber an der falschen Wand.
Kategorie 6A beziehungsweise Klasse EA ist bis 500 Megahertz spezifiziert und trägt 10-Gigabit-Ethernet über die vollen 100 Meter. Kategorie 8 erreicht zwar 2.000 Megahertz, ist aber nur für Strecken bis rund 30 Meter definiert und für Rechenzentren gedacht — im Wohnhaus bezahlt man dort mehr Geld für eine kürzere Reichweite.
Neunzig Meter sind eine Strecke, keine Luftlinie
Die Normenreihe EN 50173 unterscheidet zwei Längen, und beide werden regelmäßig verwechselt. Die permanente Verbindung zwischen Verteilerfeld und Anschlussdose darf 90 Meter nicht überschreiten. Rechnet man die Rangier- und Geräteschnüre an beiden Enden hinzu, ergibt sich der Kanal von höchstens 100 Metern.
Gemessen wird entlang des Kabels, nicht über die Diagonale des Grundrisses. Ein Weg vom Keller über den Installationsschacht ins Dachgeschoss, dann quer durch die Fußbodenaufbauten und mit Reserve im Verteiler, kommt in einem großen Haus schnell auf 50 bis 70 Meter. Kritisch wird es erst bei Nebengebäuden — und dort gelten ohnehin eigene Regeln, weil zwei Erdungsanlagen ins Spiel kommen, wie der Beitrag zum Netzwerk im Garten und Nebengebäude zeigt.
DIN EN 50173-4, seit Juni 2024 in überarbeiteter Fassung, beschreibt dafür eine klare Topologie: ein Kommunikationsverteiler je Wohneinheit, von dem aus sternförmig zu jeder Anschlussdose verkabelt wird. DIN 18015-1 verlangt diesen Verteiler ebenfalls. Reihenschaltungen, Abzweige oder Klemmstellen in der Wand sind keine sparsame Variante davon, sondern ein anderes, schlechteres System.
Die Dosenfrage wird zu früh beantwortet
Bei einer Neuverkabelung kostet das Kabel wenig; teuer sind Wandöffnung, Dose und Auflegen. Genau deshalb ist Sparsamkeit an dieser Stelle die schlechteste Entscheidung: Eine zusätzliche Dose im offenen Rohbau kostet einen Bruchteil dessen, was sie nachträglich kostet.
Als Orientierung hat sich bewährt, je Raum mindestens eine Doppeldose zu setzen und an vier Stellen großzügiger zu werden. Am Fernsehplatz sammeln sich Receiver, Spielkonsole, Streaming-Box und Soundsystem — vier Ports sind dort keine Übertreibung. Am Arbeitsplatz kommen Rechner, Dockingstation, Drucker und Telefon zusammen. An den geplanten Standorten der Access Points, also meist in der Flurdecke, braucht es je eine Dose; welche Positionen sinnvoll sind, steht im Beitrag zu den WLAN-Access-Points. Und an Haustür, Garage und Terrasse entstehen Anforderungen, die heute noch nicht absehbar sind: Türsprechstelle, Kamera, Ladeelektronik.
Der Verteiler selbst gehört dorthin, wo der Hausübergabepunkt liegt; die Begründung dafür steht im Beitrag zum Glasfaser-Hausübergabepunkt.
Power over Ethernet ändert die Rechnung
Erst die Stromversorgung über das Datenkabel macht die Kabelwahl zu einer echten Entscheidung. Die Standards staffeln sich deutlich:
| Standard | Am Endgerät verfügbar | Genutzte Aderpaare |
|---|---|---|
| IEEE 802.3af (PoE) | bis 12,95 W | zwei |
| IEEE 802.3at (PoE+) | bis 25,5 W | alle vier |
| IEEE 802.3bt Typ 3 | bis 51 W | alle vier |
| IEEE 802.3bt Typ 4 | bis 71 W | alle vier |
Typ 4 speist dafür 90 Watt ein; die Differenz bleibt als Verlustwärme im Kabel. Bei 802.3bt fließen bis zu zweimal 960 Milliampere, und diese Ströme erwärmen jede Ader. Liegen viele Leitungen dicht beieinander, heizen sie sich gegenseitig auf — und warme Kabel dämpfen das Datensignal stärker, was die nutzbare Länge verkürzt.
Daraus folgen zwei Festlegungen für die Ausschreibung: nicht mehr als 24 Kabel in einem Bündel, und im Zweifel der größere Aderquerschnitt. Für einen Access Point mit 12 Watt spielt das keine Rolle; für einen Strang aus acht PoE-Kameras, die gemeinsam durch ein Leerrohr laufen, sehr wohl.
Massiv oder flexibel — der Fehler, der erst nach Monaten auffällt
Verlegekabel hat starre, massive Einzeladern. Patchkabel hat feindrähtige Litzen. Die beiden sind nicht austauschbar, und die Verwechslung ist der häufigste Installationsfehler in Eigenleistung.
Ein RJ45-Stecker, den man auf starre Adern crimpt, klemmt die Ader an einer einzigen Stelle. Die Verbindung funktioniert im Messgerät und noch monatelang im Betrieb — bis Temperaturwechsel und die Steifigkeit des Kabels die Ader aus der Schneidklemme arbeiten. Die Störung tritt dann sporadisch auf und ist kaum zu finden.
Richtig ist: Verlegekabel wird an beiden Enden aufgelegt, also in ein Patchfeld und in eine Anschlussdose eingelegt, und von dort geht es mit einem konfektionierten Patchkabel weiter. Umgekehrt gehört flexibles Patchkabel nicht in eine Wand oder in ein Leerrohr — es hat einen höheren Dämpfungsbelag und verträgt keine Zugkräfte.
Auf dem Weg durch das Haus wird das Kabel beschädigt
Datenkabel sind mechanisch empfindlicher, als ihr Aussehen vermuten lässt. Zwei Kennwerte aus den Herstellerunterlagen gehören deshalb in die Ausführung.
Der Biegeradius liegt bei der Verlegung üblicherweise beim Acht- bis Zehnfachen des Kabeldurchmessers, bei einem 7-Millimeter-Kabel also bei rund 6 Zentimetern. Ein Kabel, das im Leerrohrbogen scharf geknickt wird oder hinter der Dose eng aufgewickelt liegt, verändert dauerhaft den Abstand der Adern zueinander — und genau dieser Abstand bestimmt die Impedanz. Der Fehler ist unsichtbar und taucht im Messprotokoll als erhöhte Rückflussdämpfung auf.
Die zulässige Zugkraft liegt bei vierpaarigen Installationskabeln typischerweise im Bereich von 100 Newton, also gut zehn Kilogramm. Wer ein Kabel mit Kraft durch ein zu volles Leerrohr zieht, überschreitet das mühelos und längt die Adern. Ziehen Sie deshalb mit Gleitmittel und Zugstrumpf, nicht am blanken Mantel, und belegen Sie Leerrohre höchstens zur Hälfte.
Für die Trassenführung gilt dasselbe wie in der Elektroinstallation: Die Installationszonen nach DIN 18015-3 sind einzuhalten, damit später niemand beim Bohren hineingerät. Wo Leitungen Brandabschnitte durchqueren — Kellerdecke, Wohnungstrennwand, Treppenhaus —, gehört eine zugelassene Abschottung dazu, und zwar auch für Datenleitungen.
Die Abnahme ist eine Messung, kein Ping
Dass alle Dosen „gehen“, beweist nichts. Ein Gigabit-Port nutzt Fehlerkorrektur und meldet auch dann eine Verbindung, wenn zwei Adernpaare vertauscht sind oder die Dämpfung weit über der Grenze liegt. Auffallen wird das erst beim ersten großen Datentransfer oder beim nächsten Switch.
Verlangen Sie deshalb ein Messprotokoll je Strecke, erstellt mit einem Zertifizierungsmessgerät nach Klasse EA. Darin stehen Länge, Belegung, Einfügedämpfung, Nebensprechen und Rückflussdämpfung — je Ader und mit Angabe der Reserve zum Grenzwert. Ein einfacher Durchgangsprüfer mit Leuchtdioden prüft nur, ob acht Adern an der richtigen Stelle ankommen; er ist ein nützliches Werkzeug für den Monteur, aber kein Abnahmedokument.
Lassen Sie sich zusätzlich eine Dokumentation geben: eine Bezeichnung je Dose, dieselbe Bezeichnung am Patchfeld, ein Grundrissplan mit den Positionen. Das klingt nach Bürokratie und ist die einzige Unterlage, die Ihnen in fünf Jahren eine Stunde Suchen erspart.
Wenn die Wand ohnehin offen ist
Der praktische Zeitpunkt für alles Vorstehende ist nie „irgendwann“, sondern der Moment, in dem ohnehin gearbeitet wird: neuer Estrich, neue Elektroinstallation, Dachgeschossausbau, Fassadendämmung.
Zwei Maßnahmen tragen dann am weitesten. Erstens Leerrohre statt nackter Kabel, mindestens im Steigschacht und zu den Außenpositionen — sie erlauben den späteren Kabeltausch ohne Stemmarbeiten. Zweitens ein Verteilerplatz mit Reserve: Höhe für ein Patchfeld, ein Switch und ein Gerät mehr, dazu eine Steckdose und Belüftung, wie es der Beitrag zu Netzwerkschrank und USV beschreibt.
Der nächste Schritt ist ein Grundriss und ein Stift. Zeichnen Sie ein, wo Geräte heute stehen und wo sie nach einer Umstellung stehen könnten, zählen Sie die Ports zusammen und addieren Sie ein Drittel. Diese Liste, nicht die Kabelkategorie, entscheidet über die Qualität der Anlage.
Quellen und weiterführende Informationen
- Elektronik-Kompendium — Power over Ethernet: IEEE 802.3af, 802.3at und 802.3bt mit Leistungs- und Stromwerten
- DIN Media — DIN EN 50173-4 (VDE 0800-173-4):2024-06, anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen in Wohnungen
- elektro.net — Realisierung von RuK-Netzanwendungen mit Verkabelung nach EN 50173-4
- Telegärtner — Basiswissen Daten- und Netzwerktechnik: Klassen, Kategorien, Permanent Link und Channel
- Wikipedia — EN 50173: Aufbau der Normenreihe und Teil 4 für Wohnungen

















