Dachanschlüsse an Kamin und Wand: Das Blech, das Sie sehen, ist nicht die Schicht, die dicht hält

Ein Schornstein steht quer im Wasserweg eines Daches. Wer nur die sichtbare Verwahrung erneuert, ohne die Unterdeckbahn hochzuführen, hat die zweite Ebene repariert und die erste vergessen.

Bleiverwahrung als Anschluss zwischen Schornstein und Ziegeldach
Bleiverwahrung als Anschluss zwischen Schornstein und ZiegeldachFoto: Kolforn ( Kolforn ) I'd appreciate if you could mail me (Kolforn@gmail.com) if you want to use this picture out of the Wikimedia project scope. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license. You are free: to share – to copy, distribute and transmit the work to remix – to adapt the work Under the following conditions: attribution – You must give appropriate credit, provide a link to the license, and indicate if changes were made. You may do so in any reasonable manner, but not in any way that suggests the licensor endorses you or your use. share alike – If you remix, transform, or build upon the material, you must distribute your contributions under the same or compatible license as the original. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0 CC BY-SA 4.0 Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 true true / Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Am geneigten Dach verlangt das Regelwerk des Dachdeckerhandwerks eine Anschlusshöhe von in der Regel 15 cm über Oberkante der Deckung; in schneereichen Lagen und bei flacher Neigung ist mehr nötig.
  • Die wasserführende Ebene am Schornstein ist die hochgeführte Unterdeckbahn, nicht die sichtbare Verwahrung – wird sie beim Erneuern vergessen, läuft das Wasser hinter dem neuen Blech weiter.
  • Schornstein und Dachfläche bewegen sich unabhängig voneinander, weshalb der Anschluss zweiteilig ausgeführt wird: Verwahrung am Dach, Kappleiste oder Nut am Mauerwerk, dazwischen eine bewegliche Überdeckung.
  • Kupfer darf im Wasserlauf nie oberhalb von Titanzink, verzinktem Stahl oder Aluminium liegen: Abgeschwemmte Kupferionen fördern die Flächenkorrosion dieser Metalle.
  • Die Feuerungsverordnungen der Länder verlangen von Holzbalken und Dachbalken mindestens 5 cm Abstand zur Außenfläche eines Rauchschornsteins, bei belüftetem Zwischenraum 2 cm.

Ein Schornstein ist für ein Dach das, was ein Brückenpfeiler für einen Fluss ist: ein Hindernis quer zur Strömung. Alles Wasser, das oberhalb auf die Dachfläche fällt, muss um ihn herum. Dieselbe Aufgabe stellt sich an jeder Wand, die aus dem Dach aufsteigt – am Anbau, am Treppenhaus, an der Gaubenwange.

Und genau dort zeigen sich Schäden zuerst. Der Verdacht fällt dann meist auf das sichtbare Blech, weil es mit der Zeit Falten wirft, sich von der Fuge löst oder nach dem Streichen des Schornsteinkopfs nicht mehr richtig sitzt. Der Schaden hat aber häufig eine Ebene tiefer angefangen.

Die Verwahrung ist die zweite Verteidigungslinie

Unter der Deckung liegt eine Bahn, die Flugschnee, Treibregen und alles auffängt, was zwischen den Ziegeln durchkommt. Diese Bahn ist am Schornstein kein Nebendetail. Sie muss dort ebenfalls hochgeführt und oben dicht angeschlossen werden – an ein Anschlussprofil, eine geklebte Manschette oder ein eingelassenes Blech –, weil sonst genau an der Stelle, an der sich das Wasser staut, eine offene Kante steht.

Wird nur die sichtbare Verwahrung erneuert und diese Ebene nicht angefasst, ist die Reparatur eine Sichtreparatur. Sie hält, solange das Blech dicht ist, und versagt an demselben Tag wieder, an dem es das nicht mehr ist. Wie diese Schicht aufgebaut sein muss und in welcher Klasse sie liegen muss, hängt von Dachneigung und Nutzung ab – ausgeführt ist das im Beitrag zu Unterdeckbahn und Unterdach.

Daraus folgt eine praktische Regel für jedes Angebot: Steht dort nur „Kaminanschluss erneuern“, fehlt die Hälfte. Verlangt wird die Position „Anschluss der Unterdeckbahn an das aufgehende Bauteil“, und sie kostet Arbeitszeit, weil dafür Ziegel und Latten weichen müssen.

Oberhalb muss das Wasser geteilt werden, nicht nur abgeleitet

Am unteren Rand des Schornsteins ist die Sache einfach: Das Wasser läuft ohnehin weg, die Verwahrung muss es nur über die Deckung leiten. Seitlich wird sie stufenweise mit den Ziegelreihen hochgeführt.

Die kritische Seite ist die obere. Dort trifft der gesamte Abfluss der darüberliegenden Dachfläche auf eine Wand. Er muss nach beiden Seiten geteilt und mit Gefälle abgeführt werden. Bei schmalen Schornsteinen genügt eine hochgezogene Rückenverwahrung mit ausreichender Überdeckung. Bei breiten Querschnitten reicht das nicht mehr, weil hinter der Wand ein Bereich entsteht, in dem Wasser, Laub und Schnee liegen bleiben – dort gehört eine Kehle oder ein aufgesetzter Sattel hin, der die Fläche in zwei geneigte Hälften teilt. Ob Ihr Schornstein diese Grenze überschreitet, entscheidet der Dachdecker anhand des Regelwerks und der Dachneigung; verlangen Sie die Antwort schriftlich, bevor gedeckt wird.

Ein zweiter Punkt an derselben Stelle wird regelmäßig übersehen: Was die Kehle sammelt, muss irgendwo hin. Läuft sie auf eine Dachfläche, ist der Abfluss dort konzentriert, und die darunterliegende Rinne bekommt punktuell mehr ab, als die Bemessung über die Fläche unterstellt – wozu der Beitrag zu Dachrinne und Traufdetail die Rechenwege liefert.

Fünfzehn Zentimeter sind der Regelfall, nicht der Höchstwert

Die Höhe, mit der ein Anschluss an einem aufgehenden Bauteil hochgeführt wird, ist keine Geschmacksfrage. Das Regelwerk des Dachdeckerhandwerks und die VOB-Norm DIN 18338 nennen für Dachdeckungen eine Anschlusshöhe von in der Regel 15 cm über Oberkante der Deckung.

Gemessen wird dabei nicht ab der Lattung, sondern ab der Oberfläche des fertigen Deckwerkstoffs – bei einem Falzziegel liegt sie je nach Profil rund drei bis vier Zentimeter über der Lattenoberkante, und wer ab der falschen Kante misst, hat statt 150 mm nur noch rund 110.

Das ist ein Mindestmaß unter normalen Bedingungen. Nach oben wird es in drei Fällen verschoben: bei Dachneigungen unterhalb der Regeldachneigung des verwendeten Deckwerkstoffs, in schneereichen Lagen, in denen eine liegende Schneedecke die Anschlusskante überdecken kann, und dort, wo sich vor dem Bauteil Wasser oder Schnee aufstaut – also gerade auf der Bergseite eines Schornsteins. Wer an einem flach geneigten Dach die 15 cm als Zielwert einträgt, plant an der falschen Kante.

Der häufigste Anlass, an dem dieses Maß verloren geht, ist kein Dachdeckerfehler: Es ist der nachträglich aufgebaute Fußboden oder die aufgedoppelte Dämmung, die die Deckung anhebt, ohne dass jemand den Anschluss mit anhebt. Wer die Eindeckung erneuert, hebt die Deckungsebene fast immer an – dazu und zu den Pflichten, die dieser Eingriff auslöst, steht im Beitrag zur Dacheindeckung im Bestand das Nötige.

Zwei Bauteile, zwei Bewegungen, zwei Bleche

Ein Schornstein sitzt auf dem Fundament des Hauses und wird im Betrieb warm. Die Dachfläche liegt auf Sparren, die unter Schneelast durchhängen, bei Wärme arbeiten und über die Jahre kriechen. Beide bewegen sich unabhängig voneinander, und zwar in Millimetern, die für eine starre Mörtelfuge zu viel sind.

Deshalb ist ein regelgerechter Anschluss zweiteilig. Unten liegt die Verwahrung, die zum Dach gehört und dessen Bewegungen mitmacht. Oben sitzt am Mauerwerk ein zweites Bauteil – eine Kappleiste, ein Wandanschlussprofil oder ein in eine gefräste Nut eingelassener und verkeilter Schenkel –, das die Verwahrung überdeckt, ohne mit ihr verbunden zu sein. Dazwischen bleibt eine Überdeckung, in der die beiden Teile gegeneinander gleiten können.

Wie viel Bewegung tatsächlich aufzunehmen ist, lässt sich ausrechnen. Titanzink dehnt sich in Walzlängsrichtung um 0,022 mm je Meter und Kelvin, quer dazu um 0,017. Ein dunkles Dach erreicht im Sommer über 70 °C Oberflächentemperatur und im Winter unter −15 °C; über diesen Hub von rund 90 K ändert ein 3 m langer Anschlussstreifen seine Länge um etwa 5,9 mm, ein 6 m langer um knapp 12 mm. Deshalb werden lange Anschlüsse gestoßen und nicht durchgezogen, und deshalb ist die Befestigung am Mauerwerk kein durchgehender Klebestreifen, sondern eine Reihe von Punkten mit Spiel dazwischen. Übliche Blechdicken für Anschlüsse liegen bei 0,7 mm Titanzink; dünneres Material wirft schneller Falten.

Die einteilige Variante, bei der die Verwahrung direkt in den Putz eingebunden oder mit Dichtstoff an die Wand geklebt wird, ist der klassische Zehnjahresschaden: Sie hält, bis die erste Bewegung den Verbund reißt, und danach führt der Riss das Wasser gezielt hinter das Blech. Erkennbar ist sie von unten an einer geraden Silikonfuge quer über dem Blech. Fragen Sie im Angebot ausdrücklich nach der Ausbildung am Mauerwerk – Nut, Profil oder Klebefuge –, das ist die Position, an der gespart wird.

Kupfer über Zink zerstört das Zink

Ein Detail, das nichts mit Dichtheit zu tun hat und trotzdem ganze Rinnen kostet: Kupfer verträgt sich mit den übrigen Dachmetallen nicht. Vom Kupferblech abgeschwemmte Ionen gelangen mit dem Regenwasser auf tieferliegende Bauteile und fördern dort die Flächenkorrosion von Zink, verzinktem Stahl und Aluminium. Titanzink, verzinkter Stahl und Aluminium dürfen deshalb in Fließrichtung nicht unterhalb von Kupferwerkstoffen liegen.

Praktisch heißt das: Eine neue Kupferabdeckung auf dem Schornsteinkopf ist eine Entscheidung über alles, was darunter liegt – Verwahrung, Kehle, Rinne, Fallrohr. Wer sie trifft, muss sie konsequent bis zur Traufe durchziehen oder es bleiben lassen. Die umgekehrte Reihenfolge ist unkritisch: Zink über Kupfer richtet nichts an. Verzinkter Stahl und Aluminium vertragen sich untereinander gut.

Fünf Zentimeter Abstand zum Holz – und was die Dämmung damit zu tun hat

Am Schornstein endet das Dachdeckerrecht und beginnt das Feuerungsrecht. Die Feuerungsverordnungen der Länder, die alle auf derselben Musterverordnung beruhen, verlangen: Holzbalkendecken, Dachbalken aus Holz und ähnliche Bauteile aus brennbaren Baustoffen müssen von den Außenflächen der Rauchschornsteine mindestens 5 cm Abstand haben; ist der Zwischenraum belüftet, genügen 2 cm. Für brennbare Baustoffe, die nur mit geringer Fläche angrenzen – Fußböden, Fußleisten, Dachlatten –, ist kein Abstand erforderlich.

Der Satz hat eine Folge, die bei jeder Dachdämmung auftaucht: Der Dämmstoff darf nicht einfach bis an den Schornstein geschoben werden, und der ohnehin nötige Abstand ist zugleich eine Lücke in der Dämmebene und in der Luftdichtheit. Der Anschluss der Luftdichtheitsbahn an das Mauerwerk des Schornsteins gehört deshalb geplant, mit einem nicht brennbaren Übergang, und er gehört vor dem Schließen der Bekleidung besichtigt. Für welche Feuerstätten welche Anforderungen gelten, entscheidet der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger – und der ist bei einer Dachsanierung ohnehin einzubinden, weil sich mit der neuen Deckung oft auch die Zugänglichkeit des Schornsteinkopfs ändert.

Der Termin, den Sie selbst festlegen müssen

Alle hier beschriebenen Ebenen liegen am Ende unter Ziegeln. Sichtbar sind sie in einem einzigen Zeitfenster: nachdem die Anschlüsse fertig sind und bevor gedeckt wird. Vereinbaren Sie diesen Termin schriftlich, bevor das Gerüst steht, und lassen Sie sich an diesem Tag vier Dinge zeigen: den hochgeführten Anschluss der Unterdeckbahn rundum, die Anschlusshöhe der Verwahrung über der künftigen Deckungsebene, die Ausbildung oberhalb des Schornsteins und die Art der Befestigung am Mauerwerk.

Fotografieren Sie jede der vier Stellen mit einem Zollstock im Bild. Vier Fotos, vier Maße: die Anschlusshöhe über der künftigen Deckungsoberfläche, die Überdeckung der beiden Blechteile, der Abstand zum nächsten Holzbalken und, falls mit Nut gearbeitet wurde, deren Tiefe. Das dauert zehn Minuten und ist die einzige Dokumentation, die Sie später haben – wenn nach dem dritten Winter ein Fleck an der Dachschräge auftaucht und die Frage im Raum steht, ob dort je etwas angeschlossen wurde. Das gilt für die Gaubenwange und die Anschlusswand am Anbau genauso wie für den Schornstein, und für das Dachfenster im sanierten Dach ohnehin.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks – Fachregeln, Merkblätter und Hinweise
  2. DIN 18338:2019-09 – VOB Teil C, ATV Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten (DIN Media)
  3. Feuerungsverordnung – Abstände von Schornsteinen zu Bauteilen aus brennbaren Baustoffen (Volltext)
  4. Institut Feuerverzinken – Arbeitsblatt E5: Kontaktkorrosion
  5. BauNetz Wissen – Geneigtes Dach: Konstruktionen und Anschlüsse
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