Rückstauverschluss im Keller nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Trinkwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Der Papierteil kommt vor dem Baggerteil

Bei kaum einer anderen Nachrüstung ist die formale Vorbereitung so wichtig wie beim Rückstauschutz. Der Grund liegt in der Beweisführung: Wenn Jahre später Wasser im Keller steht, entscheidet nicht das eingebaute Bauteil über die Regulierung, sondern die Frage, ob nachweisbar fachgerecht gebaut und gewartet wurde. Nach § 60 des Wasserhaushaltsgesetzes müssen Abwasseranlagen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet und betrieben werden. Diesen Nachweis erbringen Sie mit Unterlagen, nicht mit Erinnerungen.

Vor Beginn gehören deshalb drei Dinge geklärt. Erstens die Anzeige oder Genehmigung nach der Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde: Änderungen an der Grundstücksentwässerung sind regelmäßig mitzuteilen, und manche Satzungen verlangen eine Abnahme. Zweitens die Mitteilung an den Gebäudeversicherer, verbunden mit der Frage, welche Anforderungen er an den Rückstauschutz stellt. Drittens die schriftliche Festlegung, welche Ablaufstellen abgesichert werden und welche nicht — mit Begründung anhand der Rückstauebene.

Praktisch kommt die Baustellenlogistik hinzu: Der Keller muss geräumt werden, die betroffenen Ablaufstellen fallen für die Dauer der Arbeiten aus, und bei Aufbrucharbeiten in der Sohle entsteht erheblicher Staub.

Montagefolge beim Einbau

  1. Leitungsverlauf freilegen und prüfen, ob tatsächlich nur Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene an diesen Abschnitt angeschlossen sind.
  2. Zustand der vorhandenen Leitung beurteilen; bei brüchigem oder versetztem Material wird der Abschnitt erneuert, bevor ein Verschluss eingesetzt wird.
  3. Einbaustelle festlegen: so nah wie möglich am Gebäudeaustritt, aber dauerhaft zugänglich und ohne Bauteilöffnung erreichbar.
  4. Gegebenenfalls Leitungstrennung ausführen, damit Abwasser aus Geschossen oberhalb der Rückstauebene einen eigenen, ungehinderten Weg behält.
  5. Verschluss nach DIN EN 13564-1 einsetzen, Fließrichtung und Einbaulage nach Herstellervorgabe beachten, Zugänglichkeit des Notverschlusses sicherstellen.
  6. Revisionsöffnung so ausbilden, dass sie später ohne Werkzeugaufwand geöffnet werden kann und dicht schließt.
  7. Bei fremdenergiebetätigten Bauarten die Elektroinstallation durch eine Elektrofachkraft ausführen lassen, Sensorik montieren, Störmeldung an einen Ort legen, an dem sie auch wahrgenommen wird.
  8. Dichtheit des eingebauten Abschnitts prüfen, bevor verfüllt wird.
  9. Funktionsprüfung des Verschlusses nach dem Prüfverfahren der DIN EN 13564-2 durchführen und protokollieren.
  10. Verfüllen, Sohle und Bodenbelag wiederherstellen, Revisionsdeckel bündig und dicht einbauen.
  11. Kennzeichnung anbringen und Bestandsunterlagen fortschreiben.
  12. Einweisung der Bewohner, Übergabe der Unterlagen, Wartungsvertrag abschließen.

Die Punkte eins und vier entscheiden über die Funktion. Ein technisch einwandfrei eingebauter Verschluss in einer Leitung, die auch die Obergeschosse führt, verwandelt einen Kanalrückstau in einen selbst erzeugten Hausrückstau.

Wonach beim eingesetzten Bauteil zu fragen ist

Verlangen Sie die Produktunterlagen mit der Angabe, nach welcher Bauart der DIN EN 13564-1 der Verschluss ausgeführt ist und für welche Abwasserart er zugelassen ist. DIN EN 13564-3 behandelt die Güteüberwachung von Rückstauverschlüssen; ein Bauteil, dessen Konformität dokumentiert ist, ist im Streitfall die bessere Ausgangslage als eines ohne Nachweis.

Fragen Sie zusätzlich nach der Ersatzteilverfügbarkeit. Dichtungen und Klappen sind Verschleißteile, und ein Verschluss, für den nach zehn Jahren keine Dichtung mehr lieferbar ist, muss komplett getauscht werden — mit erneutem Aufbruch der Sohle.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Wie geprüft wird Was dokumentiert sein muss
Zuordnung der Ablaufstellen Abgleich Höhenlage gegen Rückstauebene Liste der abgesicherten und der nicht abgesicherten Abläufe
Leitungstrennung Nachweis, welche Geschosse auf den gesicherten Abschnitt entwässern Schema mit Kennzeichnung des gesicherten Abschnitts
Bauart des Verschlusses Typenschild und Produktunterlagen Bauart nach DIN EN 13564-1, zulässige Abwasserart
Selbsttätiger Verschluss Funktionsprüfung nach DIN EN 13564-2 Prüfverfahren, Prüfergebnis, Datum, Unterschrift
Notverschluss von Hand schließen und wieder öffnen Bedienbarkeit ohne Werkzeug, Bedienweg beschrieben
Rückstellung der Klappe mehrfaches Betätigen und Beobachten vollständige Rückkehr in Ruhelage
Dichtheit der Leitung Prüfung des betroffenen Abschnitts vor dem Verfüllen Prüfart, Abschnitt, Ergebnis
Abflussverhalten im Normalbetrieb alle angeschlossenen Ablaufstellen beaufschlagen zügiger Abfluss, kein Rückstau in der Leitung
Revisionsöffnung öffnen und wieder schließen dicht, zugänglich, ohne Bauteilöffnung erreichbar
Störmeldung bei elektrischer Bauart Ausfall simulieren lassen Meldeort, Signalart, Verhalten bei Stromausfall
Kennzeichnung Schild am Einbauort Bauteilbezeichnung, Wartungsintervall, Notfallhinweis
Wartung Vertrag abschließen halbjährlicher Rhythmus nach DIN 1986-30, Ansprechpartner
Unterlagen Übergabe vollständig Prüfprotokolle, Produktunterlagen, Bestandsplan, Anzeige an die Gemeinde

Die Einweisung, die im Ernstfall zählt

Ein Rückstauverschluss ist nur so gut wie das Verhalten der Menschen im Haus. Erklären Sie allen Bewohnern drei Dinge: wo der Verschluss sitzt, wie der Notverschluss bedient wird und was während eines Rückstaus gilt. Der wichtigste Satz lautet: Solange der Verschluss geschlossen ist, darf im gesicherten Bereich kein Wasser eingeleitet werden — keine Waschmaschine, keine Dusche, kein Ausgießen von Putzwasser. Das Abwasser hätte keinen Weg und würde sich im Keller sammeln.

Legen Sie ein einfaches Blatt an den Einbauort: Skizze, Bedienhinweis für den Notverschluss, Telefonnummer des Wartungsbetriebs, Datum der letzten Wartung. Ergänzen Sie ein Kontrollheft, in das jede eigene Sichtkontrolle mit Datum eingetragen wird. Dieses Heft ist zusammen mit den Wartungsprotokollen der Nachweis gegenüber Ihrem Versicherer.

Grenzen der Eigenleistung

Ihr Beitrag liegt in Vorbereitung, Organisation und Dokumentation: Keller räumen, Anzeige bei der Gemeinde verfolgen, Versicherer informieren, bei den Prüfungen anwesend sein, Unterlagen einfordern und den Wartungsvertrag abschließen. Nach der Übergabe übernehmen Sie die regelmäßige Sichtkontrolle und die Betriebsführung.

Nicht in Eigenleistung gehören Einbau, Leitungstrennung, Dichtheitsprüfung und Funktionsprüfung. Für die elektrische Ausführung fremdenergiebetätigter Verschlüsse ist eine Elektrofachkraft zuständig; die Kombination aus Wasser, Elektrik und einem Raum, der im Ereignisfall geflutet werden kann, verträgt keine Improvisation. Und ein Punkt, der sich erst später auswirkt: Ein selbst eingebautes Bauteil ohne Prüfprotokoll und ohne Anzeige bei der Gemeinde bringt Sie im Schadensfall in die schwierige Lage, den regelkonformen Zustand Ihrer Abwasseranlage beweisen zu müssen — genau dann, wenn der Keller unter Wasser steht.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. § 60 WHG – Abwasseranlagen (Wasserhaushaltsgesetz)
  2. DIN EN 12056-5:2001-01 – Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden, Teil 5: Installation und Prüfung, Anleitung für Betrieb, Wartung und Gebrauch (DIN Media, kostenpflichtig)
  3. DIN EN 13564-3:2004-02 – Rückstauverschlüsse für Gebäude, Teil 3: Güteüberwachung (DIN Media, kostenpflichtig)
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