Gefälle und Belüftung der Abwasserleitung nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Trinkwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Vorbereitung: Bestand, Genehmigung, Ausweichlösung

Eine nachträgliche Korrektur von Gefälle oder Belüftung ist ein Eingriff in ein laufendes System. Anders als bei einem Neubau steht am Anfang deshalb nicht die Montage, sondern die Bestandsaufnahme: Welche Stränge sind betroffen, welche Ablaufstellen fallen während der Arbeiten aus, und wie lange können die Bewohner damit leben?

Klären Sie parallel den formalen Rahmen. Die Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde regelt, welche Änderungen an der Grundstücksentwässerung anzuzeigen oder genehmigen zu lassen sind. Bei Eingriffen an Grundleitungen, bei einer neuen Anschlussstelle oder bei der Verlegung einer Trasse ist das regelmäßig der Fall. Klären Sie außerdem, wer die Anzeige einreicht, und lassen Sie sich die Bestätigung aushändigen.

Zur Vorbereitung gehört schließlich die Ausweichlösung. Wenn ein Strang mehrere Tage stillsteht, brauchen die Bewohner eine nutzbare Sanitäreinheit. In Mehrparteienhäusern gehört diese Information in eine schriftliche Ankündigung mit Datum, Zeitfenster und Ansprechpartner.

Montagefolge bei Gefällekorrektur und Lüftungsnachrüstung

  1. Bestandsaufnahme mit Höhenmessung, Fotodokumentation und Markierung der geplanten Trasse an Wand oder Sohle.
  2. Betroffene Ablaufstellen außer Betrieb nehmen und kennzeichnen, damit während der Arbeiten nichts eingeleitet wird.
  3. Alte Leitung öffnen, Zustand der angrenzenden Abschnitte prüfen; zeigen sich weitere Schäden, wird der Umfang neu festgelegt, bevor weitergearbeitet wird.
  4. Neue Leitung mit durchgehendem Gefälle verlegen, Höhen an jedem Knotenpunkt kontrollieren und protokollieren, nicht erst am Ende.
  5. Befestigung setzen: Abstände nach Herstellervorgabe, keine Strecke ohne Auflager, Dehnung des Werkstoffs berücksichtigen.
  6. Richtungsänderungen mit flachen Bögen ausführen, an jedem Knoten eine Reinigungsöffnung vorsehen und deren spätere Zugänglichkeit sichern.
  7. Lüftungsleitung anschließen, über Dach führen und die Dachdurchdringung dauerhaft an die Dachabdichtung anbinden.
  8. Belüftungsventile, sofern vorgesehen, oberhalb der höchsten Anschlussstelle und in einem belüfteten, zugänglichen Bereich montieren.
  9. Geschossdurchführungen und Wanddurchbrüche fachgerecht schließen, Brandschutzabschottungen nach den Vorgaben ausführen und kennzeichnen.
  10. Dichtheitsprüfung durchführen und protokollieren, bevor Bauteile geschlossen werden.
  11. Funktionsprüfung mit Wasser an allen betroffenen Ablaufstellen.
  12. Bettung, Sohle, Estrich, Verkleidung wiederherstellen und die Bestandsunterlagen fortschreiben.

Zwei Schritte werden erfahrungsgemäß gerne verkürzt: die Höhenkontrolle während des Verlegens und die Prüfung vor dem Verschließen. Beide sind genau die Punkte, an denen eine Nacharbeit noch günstig wäre.

Warum die Prüfung vor dem Verschließen stattfinden muss

DIN EN 12056-5 behandelt Installation und Prüfung sowie den Betrieb von Schwerkraftentwässerungsanlagen. Der Kern für Ihre Baustelle: Die Prüfung gehört an den Punkt, an dem die Leitung noch sichtbar ist. Ist der Estrich eingebracht oder die Sohle geschlossen, kostet jede Korrektur ein Vielfaches.

Bestehen Sie deshalb auf einem festen Prüftermin und lassen Sie sich benachrichtigen, damit Sie dabei sein können. Fotografieren Sie die offene Leitung über die gesamte Länge, mit erkennbaren Bezugspunkten. Diese Bilder sind später bei jeder Störung, bei jedem Umbau und bei einem Verkauf die wertvollste Unterlage im Ordner.

Bei Grundleitungen im Erdreich ergänzt eine Kamerabefahrung die Dichtheitsprüfung. Sie zeigt, ob die verlegte Leitung tatsächlich durchgehendes Gefälle hat und ob während des Verfüllens ein Versatz entstanden ist. Führen Sie sie nach dem Verfüllen, aber vor dem Schließen der Sohle durch.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Wie geprüft wird Was dokumentiert werden muss
Gefälle der neuen Abschnitte Höhenmessung an jedem Knotenpunkt vor dem Verschließen Messwerte je Abschnitt, verglichen mit dem Höhenplan
Dichtheit Prüfung nach DIN EN 12056-5 mit Wasser oder Luft Prüfverfahren, Prüfabschnitt, Dauer, Ergebnis, Unterschrift
Zustand nach Verfüllung Kamerabefahrung mit Stationierung bei Grundleitungen Video und Protokoll mit Angabe der Entfernung je Befund
Ablaufverhalten jede betroffene Ablaufstelle volllaufen lassen und ablaufen beobachten zügiger Ablauf ohne Rückstau, kein Wasserstand über dem Ablauf
Belüftung mehrere Gegenstände nacheinander und gleichzeitig ablaufen lassen kein Gluckern, kein Absaugen von Sperrwasser
Sperrwasserhöhe nach dem Ablaufversuch an zugänglichen Geruchverschlüssen mindestens 50 Millimeter verbleiben
Lüftungsleitung über Dach Sichtprüfung von Mündung und Durchdringung freie Mündung, dichte Anbindung an die Dachabdichtung
Belüftungsventile Lage, Einbaurichtung und Zugänglichkeit prüfen Standort, Fabrikat, Revisionsöffnung vorhanden
Reinigungsöffnungen jede Öffnung öffnen und wieder schließen Lage, Zugänglichkeit, Dichtheit nach dem Schließen
Befestigung Sichtprüfung der freiliegenden Strecken kein Durchhang, Auflager nach Herstellervorgabe
Durchführungen und Abschottungen Sichtprüfung mit Kennzeichnung Nachweis der eingesetzten Systeme
Bestandsunterlagen Abgleich Planung gegen Ausführung fortgeschriebener Plan, Fotos der offenen Leitung, Prüfprotokolle

Einweisung und was danach in Ihrer Hand liegt

Lassen Sie sich bei der Übergabe zeigen, wo die Reinigungsöffnungen sitzen, welcher Strang welche Räume entwässert, wo Belüftungsventile eingebaut wurden und über welchen Weg die Lüftung nach außen führt. Bitten Sie darum, dass jede Reinigungsöffnung dauerhaft gekennzeichnet wird, auch hinter Revisionsklappen.

Zur Einweisung gehört auch das Betriebsverhalten. Feuchttücher, Hygieneartikel, Katzenstreu, Speisefette und Farbreste gehören nicht in die Entwässerung; sie sind die häufigste Ursache dafür, dass eine fachgerecht verlegte Leitung nach wenigen Jahren wieder gereinigt werden muss. Selten genutzte Abläufe brauchen regelmäßiges Nachfüllen, damit das Sperrwasser nicht verdunstet.

Legen Sie die Unterlagen an einer Stelle ab, an der sie im Störfall gefunden werden: Höhenplan, Prüfprotokolle, Kameravideo, Fotos der offenen Leitung, Bestätigung der Anzeige bei der Gemeinde. Ergänzen Sie ein Blatt mit den Standorten der Reinigungsöffnungen.

Grenzen der Eigenleistung bei der Umsetzung

Sie können den Zugang schaffen, Möbel räumen, Bewohner informieren, Prüftermine wahrnehmen, fotografieren und die Übergabeunterlagen einfordern. Sie können auch die Ablaufversuche selbst durchführen und protokollieren, was Sie hören und sehen.

Nicht in Eigenleistung gehören die Arbeiten selbst. Eingriffe in Fall- und Grundleitungen berühren Dichtheit, Brandschutz der Durchführungen, Bettung und Statik. Änderungen an der Grundstücksentwässerung unterliegen zusätzlich der Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde. Und ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Wenn ein späterer Schaden auf eine nicht fachgerecht ausgeführte Leitungsänderung zurückgeht, ist die Frage nach dem Ausführenden regelmäßig die erste, die gestellt wird. Ein Prüfprotokoll mit Firmenstempel ist in diesem Moment mehr wert als jede Erinnerung an den Bauablauf.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN 1986-100:2016-12 – Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056 (DIN Media, kostenpflichtig)
  2. DIN 1986-30:2012-02 – Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 30: Instandhaltung (DIN Media, kostenpflichtig)
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