Hebeanlage für Entwässerungsstellen nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Trinkwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Was vor der Anlieferung geklärt sein muss

Eine Hebeanlage ist kein Gerät, das man abstellt und ansteckt. Sie greift in vier Gewerke gleichzeitig ein: Entwässerung, Elektroinstallation, Dachabdichtung und im Bestand häufig Bauarbeiten an der Kellersohle. Entsprechend beginnt die Umsetzung mit Koordination.

Klären Sie zuerst den Transportweg. Behälter und Schaltgerät müssen in einem Stück in den Aufstellraum gelangen; eine zu schmale Tür oder eine enge Kellertreppe ist der klassische Grund für einen abgebrochenen Montagetag. Prüfen Sie zweitens den Aufstellraum: Um alle zu bedienenden und zu wartenden Teile muss eine freie Arbeitsbreite und -höhe von mindestens 60 Zentimetern verbleiben, und der Raum braucht Beleuchtung sowie einen Elektroanschluss.

Klären Sie drittens den formalen Rahmen. Nach § 60 des Wasserhaushaltsgesetzes sind Abwasseranlagen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu errichten und zu betreiben; die Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde regelt zusätzlich, welche Änderungen anzuzeigen sind. Lassen Sie sich die Anzeige bestätigen und legen Sie die Bestätigung zu den Unterlagen.

Klären Sie viertens die Übergangszeit. Während der Montage sind die angeschlossenen Entwässerungsstellen nicht nutzbar. In vermieteten Einheiten gehört diese Information rechtzeitig und schriftlich zu den Bewohnern.

Montagefolge

  1. Aufstellfläche herrichten: eben, tragfähig, mit Arbeitsraum ringsum, Anlage gegen Auftrieb und Verschieben sichern.
  2. Zulaufleitung mit Gefälle zum Behälter anschließen, Absperrschieber im Zulauf setzen, Anschlussnennweite nach Auslegung ausführen.
  3. Druckleitung verlegen und als Schleife über die Rückstauebene führen, danach mit Gefälle zur Grundleitung.
  4. Rückflussverhinderer und Absperrschieber in die Druckleitung einbauen, beide dauerhaft zugänglich anordnen.
  5. Druckleitung gesondert an die Grundleitung anschließen, nicht an eine Fallleitung, in die weitere Leitungen entwässern.
  6. Lüftungsleitung anschließen und bei fäkalienhaltigem Abwasser über Dach führen, Durchdringung dauerhaft an die Dachabdichtung anbinden.
  7. Elektroanschluss durch eine Elektrofachkraft herstellen, Schaltgerät ausreichend hoch über dem Boden montieren.
  8. Störmeldeeinrichtung anschließen und den Signalgeber dort anbringen, wo die Meldung wahrgenommen wird.
  9. Notentleerungsanschluss herstellen, Handmembranpumpe bereitlegen und ihren Aufbewahrungsort festlegen.
  10. Dichtheit von Zulauf, Druckleitung und Behälteranschlüssen prüfen, bevor Bauteile geschlossen werden.
  11. Probelauf mit Wasser, Einstellung der Schaltpunkte, Kontrolle der Fördermenge und der Laufzeit.
  12. Einweisung, Übergabe der Unterlagen, Abschluss des Wartungsvertrags.

Der Schritt fünf entscheidet häufig über spätere Störungen. Wird die Druckleitung an eine Fallleitung angeschlossen, drückt die anlaufende Pumpe in eine Leitung, in der gleichzeitig Abwasser aus den Obergeschossen fällt — mit Druckstößen, Geräuschen und dem Risiko, dass Sperrwasser aus Geruchverschlüssen gedrückt wird.

Inbetriebnahme und Einstellung

Die Inbetriebnahme ist mehr als das Einschalten. Der Fachbetrieb füllt den Behälter kontrolliert, prüft die Schaltpunkte für Ein und Aus, beobachtet mehrere vollständige Förderzyklen und stellt fest, ob die Pumpe nach dem Abschalten stehen bleibt oder erneut anläuft. Ein sofortiger zweiter Anlauf zeigt, dass die aus der Druckleitung zurücklaufende Menge den Einschaltpunkt wieder erreicht — dann stimmt das Verhältnis von Nutzvolumen zu Druckleitungsvolumen nicht.

Geprüft wird außerdem die Förderhöhe unter realen Bedingungen: Erreicht das Abwasser den Scheitel der Rückstauschleife zügig, oder läuft die Pumpe auffällig lange? Und geprüft wird die Störmeldung, indem der Fehlerfall gezielt ausgelöst wird. Bestehen Sie darauf, bei diesem Test anwesend zu sein und die Meldung selbst zu hören — an dem Ort, an dem Sie sich üblicherweise aufhalten.

Anforderungen an das Gerät selbst beschreibt DIN EN 12050-1 für Fäkalienhebeanlagen; die Prüfung und die Anleitung für Betrieb, Wartung und Gebrauch der Entwässerungsanlage sind Gegenstand der DIN EN 12056-5. Verlangen Sie die Betriebs- und Wartungsanleitung in deutscher Sprache als Teil der Übergabe.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Wie geprüft wird Was zu dokumentieren ist
Standsicherheit Sichtprüfung, Auftriebssicherung kontrollieren Befestigungsart, Untergrund
Arbeitsraum Maß neben und über allen Bedienteilen nehmen mindestens 60 Zentimeter, gemessen und notiert
Rückstauschleife Höhe des Scheitels gegen die Rückstauebene prüfen Höhenkote der Schleife und der Rückstauebene
Anschluss der Druckleitung Verlauf bis zur Grundleitung verfolgen gesonderter Anschluss, nicht an eine Fallleitung
Rückflussverhinderer Funktion beim Abschalten beobachten kein Rücklauf, kein sofortiger Wiederanlauf
Absperrschieber beide Armaturen betätigen vorhanden in Zulauf und Druckleitung, gangbar
Lüftung über Dach Verlauf und Mündung prüfen Führung über Dach, dichte Durchdringung
Dichtheit Prüfung der Anschlüsse vor dem Verschließen Prüfart, Abschnitt, Ergebnis, Unterschrift
Schaltpunkte mehrere Förderzyklen beobachten Einschaltpunkt, Ausschaltpunkt, Laufzeit je Zyklus
Taktverhalten nach dem Abschalten beobachten kein erneuter Anlauf ohne Zulauf
Störmeldung Störfall gezielt auslösen Meldeort, Signalart, Verhalten bei Stromausfall
Notentleerung Anschluss zeigen und erklären Ort der Handmembranpumpe, Bedienung
Elektroinstallation Nachweis der Elektrofachkraft Stromkreis, Absicherung, Schutzmaßnahmen
Unterlagen Vollständigkeit prüfen Bemessung, Betriebsanleitung, Prüfprotokolle, Anzeige an die Gemeinde
Wartung Vertrag abschließen Intervall nach Gebäudeart gemäß DIN 1986-30

Einweisung: der Teil, der den Betrieb entscheidet

Die Einweisung hat drei Themen. Erstens die Bedienung: Wo sitzen die Absperrschieber, wie wird die Anlage im Störfall getrennt, wie funktioniert die Notentleerung. Zweitens das Verhalten im Alarmfall: Was ist zu tun, wenn die Störmeldung anspricht — nämlich keine weiteren Einleitungen in die angeschlossenen Entwässerungsstellen und Anruf beim Wartungsbetrieb. Drittens das Nutzungsverhalten: Feuchttücher, Hygieneartikel, Reinigungstücher, Katzenstreu, Speisereste und Fette verursachen den überwiegenden Teil aller Störungen und gehören nicht in die Entwässerung.

Halten Sie diese drei Punkte auf einem Blatt am Aufstellraum fest, ergänzt um die Telefonnummer des Wartungsbetriebs und das Datum der letzten Wartung. In vermieteten Einheiten gehört ein entsprechender Hinweis in die Hausordnung oder in die Übergabeunterlagen der Wohnung.

Grenzen der Eigenleistung

Ihr Beitrag umfasst Vorbereitung und Kontrolle: Transportweg prüfen, Aufstellraum räumen und dauerhaft freihalten, Anzeige bei der Gemeinde verfolgen, beim Probelauf und beim Störmeldetest anwesend sein, die Checkliste abarbeiten und die Unterlagen einfordern. Danach übernehmen Sie die Beobachtung des Schaltverhaltens und die Einweisung neuer Bewohner.

Nicht in Eigenleistung gehören Aufstellung, Rohranschlüsse, Dachdurchdringung, Elektroinstallation, Inbetriebnahme und Einstellung der Schaltpunkte. Die Kombination aus fäkalienhaltigem Abwasser, elektrischer Anlage und einem Raum, der im Störfall geflutet werden kann, lässt keinen Spielraum für Improvisation. Und ein Punkt für später: Wenn Sie den Keller umnutzen, weitere Entwässerungsstellen anschließen oder die Anlage austauschen lassen, beginnt diese Kette erneut — einschließlich Bemessung, Anzeige und Nachweis.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. § 60 WHG – Abwasseranlagen (Wasserhaushaltsgesetz)
  2. DIN EN 12050-1:2015-05 – Abwasserhebeanlagen für die Gebäude- und Grundstücksentwässerung, Teil 1: Fäkalienhebeanlagen (DIN Media, kostenpflichtig)
  3. DIN EN 12056-5:2001-01 – Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden, Teil 5: Installation und Prüfung, Anleitung für Betrieb, Wartung und Gebrauch (DIN Media, kostenpflichtig)
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