Einbruchhemmende Haustür planen: RC-Klasse, Bauteile und Montagenachweis festlegen

Die Polizei empfiehlt für Haus- und Wohnungseingangstüren mindestens die Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627. Geprüft wird dabei nie ein Einzelteil, sondern das Zusammenspiel aus Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag.

Schematische Haustür mit beschrifteten Bauteilen Türblatt, Zarge, Bänder, Schloss, Profilzylinder, Schutzbeschlag und Schließblech samt zugehöriger Normnummer
Schematische Haustür mit beschrifteten Bauteilen Türblatt, Zarge, Bänder, Schloss, Profilzylinder, Schutzbeschlag und Schließblech samt zugehöriger Normnummer

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Polizei empfiehlt für Haus- und Wohnungseingangstüren geprüfte Elemente ab Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627; die Normenreihe reicht bis RC 6.
  • Geprüft wird das Gesamtelement aus Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag — ein einzeln nachgerüstetes Bauteil erzeugt keine RC-Klasse.
  • Für den Zylinder nennt die polizeiliche Beratung DIN 18252 Angriffswiderstandsklasse 1, besser 2 mit Bohrschutz, für den Schutzbeschlag DIN 18257.
  • Schließbleche sollen verlängert, mehrfach im Mauerwerk verankert und mindestens 3 Millimeter stark sein.
  • Der KfW-Zuschuss 455-E nimmt keine neuen Anträge mehr an; für Einbruchschutz steht weiterhin der Kredit Altersgerecht Umbauen (159) zur Verfügung.

Die Tür ist ein Bauteil, kein Baukasten

Der häufigste Planungsfehler beginnt mit dem Satz, man wolle “ein Sicherheitsschloss einbauen lassen”. Einbruchhemmung nach DIN EN 1627 ist keine Eigenschaft eines Schlosses, eines Beschlags oder eines Türblatts, sondern eine Eigenschaft der geprüften Einheit aus Türblatt, Zarge, Schloss, Schließblech, Beschlag, Bändern, Verglasung und der vom Hersteller vorgeschriebenen Befestigung im Baukörper. Geprüft wird diese Einheit statisch nach DIN EN 1628, dynamisch nach DIN EN 1629 und im manuellen Einbruchversuch nach DIN EN 1630.

Daraus folgen zwei Konsequenzen für die Planung. Erstens: Eine Klasse lässt sich nicht aus Einzelteilen zusammensetzen. Wer ein zertifiziertes Schloss in eine gewöhnliche Zarge setzt, erhält kein Element der Klasse RC 2. Zweitens: Die Montage ist Teil der Prüfung. Eine korrekt klassifizierte Tür, die entgegen der Montageanleitung befestigt wird, verliert ihre Eigenschaft, ohne dass man es der Tür ansieht.

Die polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt für Haus- und Wohnungseingangstüren im Wohnbereich Elemente ab der Widerstandsklasse RC 2. Diese Empfehlung ist der Ausgangspunkt der Planung, nicht deren Ergebnis.

Was am Bestand aufgenommen werden muss

Bevor eine Klasse festgelegt wird, gehört die Einbausituation aufgenommen. Entscheidend sind sechs Punkte: die Wandkonstruktion, in die die Zarge verankert wird, die Fugenbreite zwischen Zarge und Rohbau, das Vorhandensein von Seitenteilen und Oberlichtern, die Anschlagrichtung und der Schwellenaufbau, die Barrierefreiheitsanforderung sowie der Zustand der Bodenanschlussfuge.

Die Wandkonstruktion ist der kritischste dieser Punkte. Herstellerprüfungen erfolgen in definierten Prüfwänden. Eine Verankerung in Porenbeton, in Hochlochziegel mit dünnen Stegen, in einem Wärmedämmverbundsystem oder in einer Holzständerkonstruktion braucht eine gesonderte Freigabe des Herstellers und in der Regel andere Befestigungsmittel. Klären Sie diese Frage vor der Bestellung; nachträglich lässt sich die Wand nicht ändern.

Der zweite kritische Punkt sind Seitenteile und Oberlichter. Ein Element ist nur dann klassifiziert, wenn die geprüfte Konfiguration diese Anbauteile einschließt. Ein RC-2-Türblatt neben einem ungeprüften Festfeld ist als Ganzes keine RC-2-Situation, weil der Angriff dann schlicht daneben stattfindet.

Anforderungsmatrix für die Klassenfestlegung

Einbausituation Empfohlene Mindestklasse Zusätzlich zwingend Häufiger Fehler
Haustür Einfamilienhaus, straßenseitig einsehbar RC 2 Verglasung als Teil der geprüften Konfiguration Glasfläche nachträglich vergrößert
Haustür Einfamilienhaus, uneinsehbar im Garten oder seitlich RC 2, bei erhöhter Gefährdung RC 3 Schutzbeschlag und Zylinder aus der Prüfkonfiguration Zylinder gegen Komfortmodell getauscht
Nebeneingang, Kellertür, Tür zur Garage wie Haupteingang gleiche Klasse wie schwächste Hauptöffnung Nebentür bewusst schwächer gewählt
Wohnungseingangstür im Mehrfamilienhaus RC 2 Sperrbügel oder Türspion, Panikfunktion beachten Beschluss der Gemeinschaft nicht eingeholt
Tür mit Seitenteil oder Oberlicht Klasse für das gesamte Element Seitenteil und Oberlicht in der Prüfung enthalten nur das Türblatt klassifiziert
Tür in Wärmedämmverbundsystem wie Situation, plus Sonderfreigabe schriftliche Befestigungsfreigabe des Herstellers Standarddübel im Dämmstoff
Barrierefreie Schwelle gefordert wie Situation geprüfte Schwellenlösung, keine bauseitige Improvisation Bodenanschluss offen gelassen
Objekt mit dokumentiertem Vorfall eine Klasse über der Empfehlung Abstimmung mit der polizeilichen Beratungsstelle Klasse ohne Begründung angehoben

Die vorletzte Zeile ist im Bestand der schwierigste Punkt. Barrierefreie Schwellen und Einbruchhemmung stehen in einem technischen Spannungsverhältnis, das nur mit geprüften Systemlösungen aufzulösen ist. Eine bauseits abgeflachte Schwelle unter einem klassifizierten Element hebt die Klassifizierung auf.

Bauteile, die in der Prüfkonfiguration stehen müssen

Für die Ausschreibung sind vier Komponenten gesondert zu benennen, weil sie erfahrungsgemäß im Nachhinein getauscht werden und dann die Klassifizierung entwerten.

Der Schließzylinder gehört zur geprüften Einheit. Für Elemente ab RC 2 werden Zylinder mit Bohr- und Ziehschutz nach DIN EN 1303 beziehungsweise nach DIN 18252 eingesetzt. Der Zylinder darf über den Schutzbeschlag nur minimal hinausstehen, weil eine überstehende Zylinderkante das Ansetzen eines Ziehwerkzeugs erst ermöglicht.

Der Schutzbeschlag wird nach DIN 18257 klassifiziert. Für Türelemente der Klasse RC 2 kommt regelmäßig ein Beschlag der Klasse ES 1 zum Einsatz, für RC 3 ein Beschlag der Klasse ES 2. Der Beschlag muss den Zylinder abdecken und von außen nicht demontierbar sein.

Die Verriegelung erfolgt bei einbruchhemmenden Türen mehrfach über die Türhöhe, entweder über eine Mehrfachverriegelung mit Bolzen und Haken oder über ein selbstverriegelndes Schloss. Wichtig ist die Unterscheidung: Eine ins Schloss gefallene Falle ist keine Verriegelung. Selbstverriegelnde Systeme lösen dieses Verhaltensproblem technisch, weil bei jedem Zuziehen die Riegel ausfahren.

Die Verglasung wird nach DIN EN 356 klassifiziert. Für RC 2 gehört durchwurfhemmendes Glas zur geprüften Konfiguration; höhere Klassen verlangen entsprechend höherwertige Verglasung. Ein nachträglicher Glastausch gegen eine gestalterisch schönere Scheibe zerstört die Klassifizierung.

Reserven, Erweiterbarkeit und Nutzung

Planen Sie drei Reserven ein. Erstens die elektrische: Leerrohr von der Zarge zum Verteiler, auch wenn heute weder Motorschloss noch Zutrittskontrolle vorgesehen sind. Nachträgliche Leitungswege durch eine klassifizierte Zarge sind ein Eingriff in das geprüfte Bauteil. Zweitens die schließtechnische: Wenn absehbar mehrere Türen in ein gemeinsames Schließsystem sollen, muss der Zylindertyp von Anfang an dazu passen, sonst wird das Element später geöffnet und verändert. Drittens die nutzungsbezogene: Klären Sie vorab, wie viele Personen regelmäßig Zutritt brauchen, ob Pflegedienste oder Handwerker temporären Zugang benötigen und ob ein Schlüsselverlust das gesamte System entwerten würde.

Berücksichtigen Sie außerdem die Rettungswegfunktion. In Mehrfamilienhäusern kann die Hauseingangstür Teil des Rettungswegs sein; dann gelten bauordnungsrechtliche Anforderungen an die Öffnung von innen ohne Hilfsmittel, die mit der Verriegelungslogik in Einklang gebracht werden müssen.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

  • Klassifizierung des vollständigen Elements nach DIN EN 1627 mit Angabe der Klasse und Nennung der Prüfstelle, nicht nur eine Herstellererklärung
  • Ausdrückliche Angabe, ob Seitenteil und Oberlicht in der geprüften Konfiguration enthalten sind
  • Benennung von Schließzylinder, Schutzbeschlag nach DIN 18257 und Verglasung nach DIN EN 356 als Bestandteile der Prüfkonfiguration
  • Schriftliche Befestigungsfreigabe für die vorhandene Wandkonstruktion, mit Angabe der Befestigungsmittel und Abstände
  • Zusage, dass die Montage nach der Montageanleitung des Herstellers erfolgt, und Übergabe einer Montagebescheinigung
  • Beschreibung des Schwellen- und Bodenanschlusses als geprüfte Lösung
  • Angabe der Verriegelungsart und ob die Verriegelung selbsttätig oder nur durch Schlüsseldrehung erfolgt
  • Aussage zur Rettungswegfunktion und zur Öffnung von innen
  • bei Wohnungseigentum: Hinweis, dass Wohnungseingangstüren regelmäßig zum Gemeinschaftseigentum gehören und ein Beschluss erforderlich ist

Was Sie selbst festlegen können und wo die Fachplanung beginnt

Sie können die Nutzung beschreiben, die Gefährdungslage einschätzen, Erreichbarkeit und Einsehbarkeit bewerten und die Klasse als Zielvorgabe setzen. Sie können außerdem prüfen, ob ein Angebot die oben genannten Punkte überhaupt beantwortet, und Sie können sich die Klassifizierung durch ein Prüfzeugnis belegen lassen.

Nicht beurteilen können Sie, ob eine bestimmte Wandkonstruktion die Verankerungskräfte aufnimmt, ob eine geplante Schwellenlösung die Prüfkonfiguration einhält und ob eine gewünschte Verglasung mit der Klassifizierung vereinbar ist. Diese Fragen gehören zum Hersteller und zum Facherrichter. Eine produktneutrale Einordnung Ihres Schutzziels erhalten Sie kostenfrei bei den polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention, die auch bewerten, ob eine höhere Klasse an Ihrem Objekt begründet ist oder ob das Geld an einer anderen Öffnung besser angelegt wäre.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes — Technische Sicherung gegen Einbruch
  2. K-EINBRUCH (Polizeiliche Kriminalprävention) — Haus- und Wohnungstür sichern
  3. § 554 BGB — Barrierereduzierung, E-Mobilität, Einbruchsschutz
  4. § 20 WEG — Bauliche Veränderungen
  5. KfW — Einbruchschutz, Investitionszuschuss (455-E)
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