Sicherheitsbeleuchtung und Anwesenheitssimulation planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen
Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
- Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
- Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.
Ein Begriff, zwei völlig verschiedene Anlagen
Bevor Sie ein Angebot einholen, klären Sie die Wortwahl. In der Normwelt bezeichnet Sicherheitsbeleuchtung die Notbeleuchtung von Rettungswegen, die bei Ausfall der Allgemeinstromversorgung anspringt und deren Anforderungen in DIN EN 1838 sowie in den Errichtungsregeln für Sicherheitsbeleuchtungsanlagen beschrieben sind. Im Einfamilienhaus ist damit fast nie das gemeint, was Sie suchen: eine Außenbeleuchtung, die Annäherung sichtbar macht, dunkle Zugänge ausleuchtet und zusammen mit einer Anwesenheitssimulation den Eindruck eines bewohnten Hauses erzeugt.
Schreiben Sie deshalb in Ihre Anfrage, um welche der beiden Anlagen es geht. Formulierungen wie Außenbeleuchtung mit Bewegungserfassung, schaltbare Innenbeleuchtung mit Zufallsprofil und zeitgesteuerte Rollladenaktorik sind eindeutig. Andernfalls bekommen Sie Angebote, die entweder eine Notlichtanlage kalkulieren oder eine reine Gartenbeleuchtung ohne jede sicherheitstechnische Überlegung.
Was Licht zum Schutz beiträgt und was nicht
Beleuchtung und Simulation wirken über zwei Wege: Sie erhöhen das wahrgenommene Entdeckungsrisiko, und sie nehmen dem Täter die ungestörte Arbeitszeit an einem dunklen Fenster. Beides sind Verhaltenswirkungen, keine physischen Hindernisse. Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes ordnet Licht und Simulation deshalb konsequent als Ergänzung ein, nicht als Ersatz für mechanische Sicherung.
Der mechanische Teil folgt eigenen Regeln. DIN EN 1627 beschreibt einbruchhemmende Türen, Fenster und Abschlüsse und ordnet sie Widerstandsklassen zu, die den Zeitwiderstand gegen definierte Werkzeugsätze beschreiben. Kein Scheinwerfer und kein Zufallsprofil verändert diese Klasse. Planen Sie Beleuchtung daher erst, nachdem Sie festgelegt haben, welche Öffnungen mechanisch nachgerüstet werden. Ein hell beleuchtetes Kellerfenster ohne Pilzkopfverriegelung bleibt die schwächste Stelle des Hauses.
Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot
| Anforderung | Konkretes Kriterium | Nachweis, den das Angebot enthalten muss |
|---|---|---|
| Schutzbereiche | Haustür, Nebeneingang, Terrassentür, Garagenzufahrt, uneinsehbare Gebäudeecken | Lageplan mit eingetragenen Leuchtenpositionen und Erfassungsbereichen |
| Lichtlenkung | Abstrahlung nach unten, Blendfreiheit vom Nachbargrundstück und von der Straße aus | Angabe der Abstrahlcharakteristik und der Montagehöhe je Leuchte |
| Lichtfarbe | warmweißer Bereich, kein kaltweißes Licht in Wohnnähe | Farbtemperatur in Kelvin je Leuchtentyp |
| Schutzart | mindestens spritzwassergeschützt, an bodennahen und bewitterten Stellen strahlwassergeschützt | IP-Kennzeichnung je Position, nicht pauschal |
| Erfassung | Erfassungswinkel und Reichweite je Melder, Ausschluss von Gehweg und Straße | Datenblatt mit Erfassungsdiagramm |
| Schaltung | getrennte Kreise für Zugangsbeleuchtung, Fassade und Simulation im Innenbereich | Stromlaufplan oder Kreisliste |
| Zusatzschutz | Fehlerstromschutzeinrichtung für alle Außenstromkreise nach DIN VDE 0100-410 | benannter Verteilerplatz und Auslösestrom |
| Simulation | Zufallsversatz bei Schaltzeiten, mindestens zwei Räume und ein Rollladenkreis | Beschreibung der Logik, nicht nur der Geräteliste |
| Netzunabhängigkeit | definiertes Verhalten bei Strom- und Internetausfall | schriftliche Zusage des Verhaltens je Komponente |
| Erweiterbarkeit | freie Kanäle im Verteiler, Leerrohr zu Garage und Grundstücksgrenze | Reserveangabe in Prozent oder Stückzahl |
Diese Liste ist der Kern der Ausschreibung. Ein Angebot, das nur Leuchtenmodelle und eine Pauschale für Montage nennt, lässt sich mit einem anderen Angebot nicht vergleichen, weil die entscheidenden Größen fehlen.
Lichtimmissionen: die Grenze verläuft am Nachbarfenster
Außenbeleuchtung erzeugt Wirkungen jenseits des eigenen Grundstücks. Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz hat dafür Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen beschlossen. Sie unterscheiden zwei Beurteilungsgrößen: die Raumaufhellung, also die Beleuchtungsstärke am Fenster eines fremden Wohnraums, und die psychologische Blendung, die aus dem Verhältnis von Leuchtdichte der Lichtquelle zur Umfeldleuchtdichte gebildet wird. Die Richtwerte sind nach Gebietsart gestaffelt und im Nachtzeitraum deutlich strenger als am Tag.
Für die Planung folgen daraus drei harte Vorgaben: Leuchten strahlen nach unten ab und nicht in die Horizontale, die Montagehöhe bleibt so niedrig, dass der Lichtkegel innerhalb des Grundstücks endet, und dauerhaft brennendes Licht wird durch bewegungsgesteuertes Licht mit begrenzter Nachlaufzeit ersetzt. Zivilrechtlich schuldet Ihnen der Nachbar nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch die Duldung nur unwesentlicher Einwirkungen; eine Leuchte, die ein Schlafzimmerfenster anstrahlt, überschreitet diese Schwelle regelmäßig.
Hinzu kommt der Artenschutz. Das Bundesnaturschutzgesetz enthält seit der Novelle zum Insektenschutz Vorgaben zur Vermeidung von Beeinträchtigungen durch Beleuchtung im Freien. Sie richten sich in erster Linie an öffentliche und gewerbliche Anlagen, geben aber die fachliche Richtung vor: warme Lichtfarben, geschlossene Gehäuse ohne Streulicht nach oben, kurze Betriebszeiten.
Anwesenheitssimulation, die kein Muster erzeugt
Eine Simulation, die jeden Abend um 19 Uhr dasselbe Wohnzimmerlicht einschaltet und um 22 Uhr abschaltet, ist nach zwei Beobachtungsabenden erkennbar und wirkt eher als Abwesenheitsanzeige. Planen Sie deshalb von Beginn an mit Zufallsversatz, mit mindestens zwei unterschiedlichen Räumen, mit einem Rollladen- oder Jalousiekreis und mit einer Kopplung an die Dämmerung statt an feste Uhrzeiten.
Sinnvoll ist außerdem die Trennung von Simulation und Zugangsbeleuchtung. Die Simulation gehört in den Innenbereich, die Bewegungserfassung nach außen. Wer beides in einen Kreis legt, erzeugt entweder eine Innenbeleuchtung, die auf jede vorbeilaufende Katze reagiert, oder eine Außenbeleuchtung, die nachts ohne Anlass brennt.
Zur Simulation gehören Punkte ohne Technik: geleerter Briefkasten, unauffälliger Mülltonnenstand, keine Abwesenheitshinweise in sozialen Netzwerken, eine Person mit Schlüssel in Reichweite. Diese Maßnahmen kosten nichts und wirken nachweislich stärker als eine zusätzliche Leuchte.
Datensparsamkeit und Netzarchitektur
Sobald Sie funkbasierte Komponenten oder eine App einsetzen, planen Sie die IT mit. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt für Smarthome-Installationen unter anderem, Voreinstellungspasswörter zu ersetzen, Geräte in ein eigenes Netzsegment oder Gastnetz zu legen, Fernzugriffe nur abgesichert zu erlauben und vor dem Kauf zu prüfen, wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates zusagt.
Legen Sie in der Planung fest, welche Funktionen ohne Internetverbindung weiterlaufen müssen. Eine Anwesenheitssimulation, die bei gestörter Cloudverbindung stehenbleibt, versagt genau in der Woche, in der sie gebraucht wird. Kameras gehören nicht in dieses Vorhaben: Sie erzeugen personenbezogene Daten, unterliegen strengen Anforderungen der Datenschutzaufsicht und dürfen öffentliche Flächen und Nachbargrundstücke nicht erfassen. Wer Videotechnik will, plant sie als eigenes Vorhaben mit eigener rechtlicher Prüfung.
Reserven, die später Geld sparen
Drei Reserven zahlen sich fast immer aus: ein Leerrohr vom Hausverteiler zur Grundstücksgrenze und zur Garage, mindestens zwei freie Teilungseinheiten im Verteiler samt freiem Klemmenplatz, sowie eine zusätzliche Ader in jeder Außenzuleitung. Damit lassen sich später ein zweiter Schaltkreis, eine Torbeleuchtung oder ein Bewegungsmelder ergänzen, ohne Gräben und Wände erneut zu öffnen.
Bei Erdverlegung ist die Verlegetiefe zu planen; üblich sind rund 60 Zentimeter in Grünflächen und mehr unter befahrenen Flächen, jeweils mit Sandbett und Warnband oberhalb der Leitung. Diese Angabe gehört in die Leistungsbeschreibung, sonst wird sie auf der Baustelle nach Bodenverhältnissen entschieden.
Wo Ihre Planung endet
Sie können Schutzbereiche festlegen, Sichtachsen abgehen, Blendrichtungen mit einer Handleuchte simulieren, Nachtzeiträume definieren und die Anforderungsliste vollständig ausfüllen. Das ist substanzielle Vorarbeit und verkürzt jedes Fachgespräch.
Nicht in Ihre Hand gehören die Auslegung der Stromkreise, die Auswahl und Zuordnung der Schutzeinrichtungen, jeder Eingriff in die feste Installation hinter der Messeinrichtung sowie die Beurteilung, ob eine bestehende Zuleitung Querschnitt und Absicherung für zusätzliche Kreise hergibt. Diese Arbeiten sind einem in das Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragenen Elektrofachbetrieb vorbehalten. Ebenso wenig ersetzt Ihre Einschätzung eine sicherungstechnische Beratung: Ob eine Fassadenseite Licht oder zuerst eine Nachrüstung der Fenster braucht, beantwortet die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle vor Ort besser als jeder Katalog.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz – Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen, Beschluss vom 13.09.2012, Stand 08.10.2012 (Anlage 2: 03.11.2015)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes – Einbruch (mit PKS-Zahlen 2025)
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik – Smarthome sicher einrichten






