Fenstersicherung zum Nachrüsten planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen
Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
- Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
- Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.
Zuerst die Schwachstelle bestimmen, dann das Produkt
Bei Einfamilienhäusern hebeln Täter Fenster und Fenstertüren weit häufiger auf, als sie Glas einschlagen. Der Ansatzpunkt liegt fast immer im Falz zwischen Flügel und Blendrahmen, das Werkzeug ist meist ein Schraubendreher oder ein kleines Brecheisen. Wer das weiß, plant nicht abstrakt “mehr Sicherheit”, sondern verteilt Widerstand entlang der Linie, an der tatsächlich gehebelt wird: Verschlussseite, Bandseite, Kippspalt und Griff.
Die Planung beginnt deshalb mit einer Aufnahme jeder einzelnen Öffnung. Notiert werden Lage über Gelände, Erreichbarkeit ohne Leiter, Sichtschutz durch Hecken oder Nebengebäude, Öffnungsart (Dreh, Dreh-Kipp, Schiebe, Hebe-Schiebe, Festverglasung), Rahmenmaterial, vorhandenes Beschlagsystem und Zustand von Dichtung und Flügelgeometrie. Diese Bestandsaufnahme ist die eigentliche Planungsleistung. Alles Weitere ist Zuordnung von Maßnahmen zu erkannten Schwachstellen.
Was Nachrüstprodukte leisten und was sie ausdrücklich nicht sind
Für nachrüstbare Sicherungen gelten zwei eigene Normenteile. DIN 18104-1 beschreibt aufschraubbare Nachrüstprodukte für Fenster und Türen, also Zusatzschlösser, Stangenschlösser, Bandseitensicherungen und vergleichbare Bauteile, die außen auf Flügel und Rahmen montiert werden. DIN 18104-2 behandelt im Falz eingelassene Nachrüstsysteme, bei denen der vorhandene Beschlag ergänzt oder ersetzt wird. Der entscheidende Unterschied liegt in der Prüfung: Bei Teil 2 wird das nachgerüstete Fenster als Ganzes geprüft, bei Teil 1 im Kern das einzelne aufschraubbare Produkt.
Daraus folgt eine Aussage, die in Angebotsgesprächen oft untergeht: Ein nachgerüstetes Fenster ist kein Element nach DIN EN 1627. Die Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6 werden nur an vollständig geprüften Einheiten aus Rahmen, Flügel, Beschlag, Verglasung und Befestigung vergeben, und zwar nach den Prüfverfahren DIN EN 1628, DIN EN 1629 und DIN EN 1630. Eine Nachrüstung kann das Schutzniveau spürbar heben, sie erzeugt aber keine RC-Klasse und darf auch nicht so beworben werden. Wer eine geprüfte Klasse braucht, etwa weil ein Versicherungsvertrag oder eine Förderbedingung sie verlangt, muss das Element tauschen.
Schutzziel je Öffnung festlegen
Ein einheitliches Niveau für alle Fenster im Haus ist selten sinnvoll und selten bezahlbar. Sinnvoll ist eine Abstufung nach Erreichbarkeit, denn genau daran orientiert sich auch die Empfehlung der polizeilichen Kriminalprävention: Alle leicht erreichbaren Öffnungen werden zuerst und auf gleichem Niveau gesichert, weil der Täter die schwächste davon aussucht.
| Öffnung und Lage | Erreichbarkeit | Mindestanforderung an die Nachrüstung | Verzicht vertretbar, wenn |
|---|---|---|---|
| Erdgeschossfenster zum Garten | ohne Hilfsmittel, uneinsehbar | Sicherung auf Band- und Verschlussseite, abschließbarer Griff | nie |
| Fenstertür oder Terrassentür | ohne Hilfsmittel | mehrere Verriegelungspunkte je Seite, Sicherung gegen Anheben | nie |
| Kellerfenster, Lichtschacht | ohne Hilfsmittel, oft verdeckt | verankertes Gitter oder verschraubte Schachtabdeckung | Öffnung dauerhaft zugemauert |
| Fenster über Garagendach, Vordach, Wintergarten | über feste Aufstiegshilfe | wie Erdgeschoss behandeln | Aufstiegshilfe entfernt oder gesichert |
| Obergeschossfenster ohne Aufstiegshilfe | nur mit mitgebrachter Leiter | abschließbarer Griff, Rollladen-Hochschiebesicherung | keine Leiter oder Gerüst am Haus verfügbar |
| Dachflächenfenster | nur über Dach | im Regelfall nachrangig | ständig zugängliches Flachdach fehlt |
Aus dieser Zuordnung ergibt sich zugleich die Reihenfolge der Umsetzung. Wird das Budget knapp, streichen Sie Zeilen von unten, nicht von oben.
Technische Anforderungen, die vor dem Angebot geklärt sein müssen
Drei Bauteileigenschaften entscheiden darüber, welche Nachrüstung überhaupt in Frage kommt. Erstens das Rahmenmaterial: Kunststoffprofile tragen Zusatzsicherungen nur, wenn im Profil eine Stahlarmierung vorhanden ist und die Befestigungsmittel in diese Armierung greifen. Ohne Armierung reißen Schrauben unter Hebellast aus dem Profil, und die Sicherung täuscht Schutz vor. Zweitens der Beschlag: Falzprodukte nach DIN 18104-2 setzen voraus, dass das vorhandene Beschlagsystem passende Nuten und Schließstücke aufnimmt und dass der Hersteller entsprechende Komponenten anbietet. Drittens die Flügelgeometrie: Ein Flügel, der sich verzogen hat oder dessen Dichtung nicht mehr trägt, muss vor jeder Sicherung justiert werden, sonst arbeiten die neuen Verriegelungspunkte nicht gleichmäßig.
Hinzu kommt der Griff. Ein abschließbarer Fenstergriff allein ist keine Sicherung gegen Aufhebeln; er verhindert lediglich, dass der Griff nach einem Loch in der Scheibe oder durch den Falz von außen gedreht wird. Sinnvoll wird er erst zusammen mit Verriegelungen, die den Flügel im Rahmen halten. Achten Sie auf Griffe nach DIN 18267 mit Bohrschutz und darauf, dass der Schlüssel abgezogen und nicht am Fenster gelagert wird.
Reserven und Erweiterbarkeit mitplanen
Eine Nachrüstung, die in fünf Jahren erweitert werden soll, plant man anders. Wenn eine Einbruchmeldeanlage später denkbar ist, lassen Sie an den wichtigsten Öffnungen Leerrohre oder Kabelwege vorsehen und wählen Sie Zusatzschlösser, für die der Hersteller Riegelschaltkontakte anbietet. Diese Kontakte melden nicht nur, dass ein Fenster geschlossen ist, sondern dass es tatsächlich verriegelt wurde, und sind damit die Voraussetzung für eine zwangsläufige Scharfschaltung.
Zweite Reserve: Planen Sie Sicherungen so, dass Fluchtwege nutzbar bleiben. Fenstergitter und abschließbare Beschläge an Räumen, die als zweiter Rettungsweg dienen, schaffen ein Risiko, das den Sicherheitsgewinn aufwiegen kann. Klären Sie diese Frage vor der Produktauswahl, nicht danach.
Dritte Reserve: Bei Mietwohnungen und Eigentumswohnungen gehört die Zustimmung in die Planung. Nach § 554 BGB kann ein Mieter die Erlaubnis für bauliche Veränderungen verlangen, die dem Einbruchsschutz dienen; der Vermieter darf sie nur unter Abwägung der beiderseitigen Interessen verweigern und kann eine Sicherheitsleistung für den späteren Rückbau verlangen. In der Wohnungseigentümergemeinschaft eröffnet § 20 Abs. 2 Nr. 3 WEG einen Anspruch auf Gestattung angemessener Maßnahmen zum Einbruchsschutz, die Kosten trägt dabei regelmäßig derjenige, der die Maßnahme verlangt.
Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot
Verlangen Sie in jedem Angebot folgende Angaben schriftlich, damit Sie Leistungen überhaupt vergleichen können:
- Für jedes Produkt die Angabe, ob es nach DIN 18104-1 oder DIN 18104-2 geprüft ist, mit Nennung der Prüfstelle und der Zertifikatsnummer.
- Öffnungsbezogene Aufstellung: welche Sicherung an welchem Fenster, mit Angabe der Anzahl der Verriegelungspunkte je Flügelseite.
- Nachweis, dass die Befestigung im vorhandenen Rahmenmaterial trägt, bei Kunststoffprofilen mit Aussage zur Armierung.
- Aussage dazu, ob der vorhandene Beschlag Falzprodukte aufnimmt, und wenn nein, welche Alternative vorgesehen ist.
- Behandlung des Griffs, der Kippstellung und der Bandseite als eigene Positionen.
- Angabe, ob Justage der Flügel und Erneuerung von Dichtungen im Preis enthalten sind.
- Erklärung, dass die Montage nach der Montageanleitung des Herstellers erfolgt, sowie eine Montagebescheinigung nach Abschluss.
Grenzen der eigenen Beurteilung
Sie können die Bestandsaufnahme selbst machen, Erreichbarkeiten bewerten, Öffnungsarten zählen und Angebote anhand der obigen Liste sortieren. Auch die Frage, ob Aufstiegshilfen am Haus stehen, beantworten Sie besser als jeder Außenstehende.
Nicht beurteilen können Sie ohne Fachkenntnis, ob ein bestimmtes Profil die Krafteinleitung eines Zusatzschlosses aufnimmt, ob der vorhandene Beschlag mit Falzprodukten eines anderen Herstellers zusammengeht und ob eine Sicherung an dieser konkreten Stelle den geprüften Widerstand erreicht. Diese Fragen gehören zu einem Facherrichter. Eine herstellerneutrale Zweitmeinung erhalten Sie kostenfrei bei den polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention, die auch Verzeichnisse geeigneter Errichterbetriebe führen. Nutzen Sie diese Beratung vor der Angebotseinholung, nicht erst, wenn die Montage steht.
Quellen und weiterführende Informationen
- DIN 18104-1:2017-08 – Einbruchhemmende Nachrüstprodukte – Teil 1: Aufschraubbare Nachrüstprodukte für Fenster und Türen (DIN Media)
- DIN 18104-2:2021-12 – Einbruchhemmende Nachrüstprodukte – Teil 2: Im Falz eingelassene Nachrüstprodukte für Fenster und Türen (DIN Media)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes – Technische Sicherung gegen Einbruch






