Fenstersicherung zum Nachrüsten – Kosten kalkulieren: Gerät, Installation, Prüfung und Wartung

Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Geräte, Leitungswege, Montage.
  • Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
  • Die Seite behandelt nur Budget und laufenden Aufwand.

Warum die Stückzahl den Preis bestimmt und nicht das Produkt

Wer Angebote für nachgerüstete Fenstersicherungen vergleicht, stolpert regelmäßig über dieselbe Verzerrung: Zwei Angebote nennen dasselbe Produkt, unterscheiden sich aber deutlich, weil das eine mit zwei Verriegelungspunkten je Flügel rechnet und das andere mit vier. Die Kostenrechnung muss deshalb nicht in Produkten geführt werden, sondern in Sicherungspunkten. Ein Sicherungspunkt ist eine Stelle, an der Flügel und Rahmen zusätzlich formschlüssig verbunden werden.

Aus dieser Zählweise ergibt sich das Mengengerüst: Anzahl der zu sichernden Flügel, je Flügel die Punkte auf der Verschlussseite und auf der Bandseite, dazu Griff, Kippsicherung und gegebenenfalls Anhebesicherung bei Schiebeelementen. Erst wenn dieses Mengengerüst steht, sind Angebote überhaupt vergleichbar. Verlangen Sie es als Anlage zum Angebot und nicht als Pauschalzeile.

Die vier Kostenblöcke über die Nutzungsdauer

Rechnen Sie nicht über den Anschaffungszeitpunkt, sondern über die Zeit, die das gesicherte Fenster im Haus bleibt. Bei Kunststoff- und Holzfenstern liegt diese Spanne meist bei mehreren Jahrzehnten, bei Beschlägen und Dichtungen deutlich darunter. Vier Blöcke bestimmen die Summe.

Der erste Block ist das Material: Zusatzschlösser, Falzsicherungen, Schließstücke, Griffe, Gitter. Er skaliert linear mit der Zahl der Sicherungspunkte und wird nur durch die Produktqualität moduliert.

Der zweite Block ist die Montage. Er skaliert nicht linear, weil Anfahrt, Aufmaß und Einrichtung als Grundaufwand einmal anfallen. Deshalb wird die Sicherung des zehnten Flügels je Stück günstiger als die des zweiten, und deshalb ist es fast immer teurer, eine Nachrüstung über drei Jahre in drei Etappen zu verteilen.

Der dritte Block ist die Vorarbeit am Bestand. Verzogene Flügel, ausgeschlagene Bänder, gealterte Dichtungen und ausgerissene Schrauben im Blendrahmen müssen instand gesetzt werden, bevor Sicherungen greifen. Dieser Block ist der häufigste Grund für Nachträge, weil er sich seriös erst nach der Aufnahme vor Ort beziffern lässt.

Der vierte Block ist der laufende Aufwand: Nachjustierung, Schmierung, Ersatz von Schließzylindern der Zusatzschlösser, Ersatz verlorener Schlüssel, gelegentlich der Austausch beschädigter Bauteile.

Kostenmatrix mit Intervallen und Auslösern

Position Wann sie anfällt Wiederkehr Haupttreiber Entscheidungsregel
Aufmaß und Beratung vor Ort einmalig vor Beauftragung entfällt Anzahl Öffnungen, Anfahrt bei mehr als einem Angebot immer separat beauftragen oder Anrechnung vereinbaren
Zusatzschlösser aufschraubbar bei Beauftragung Austausch nur bei Beschädigung Zahl der Sicherungspunkte nur mit Prüfnachweis nach DIN 18104-1
Falzprodukte im Beschlag bei Beauftragung mit dem Beschlagwechsel Beschlagsystem, Zugänglichkeit nur wählen, wenn Hersteller Prüfung nach DIN 18104-2 für dieses System nachweist
Instandsetzung Flügel und Bänder vor der Montage alle acht bis zwölf Jahre je nach Nutzung Alter, Flügelgewicht, Bewitterung vorziehen, wenn Flügel nachschleift oder Dichtung nicht mehr trägt
Abschließbare Griffe mit der Montage bei Verschleiß des Schließmechanismus Zahl der Flügel ersetzen, sobald der Schlüssel nur noch mit Kraft dreht
Kellergitter oder Schachtabdeckung einmalig Korrosionsschutz alle paar Jahre Verankerungsart, Schachtmaß erneuern, sobald Rost an der Verankerung sichtbar ist
Nachjustierung durch Fachbetrieb nach der ersten Heizperiode danach nach Bedarf Setzverhalten des Gebäudes einplanen, wenn Türen und Fenster nach Winter schwerer schließen
Schlüsselnachbestellung bei Verlust anlassbezogen Anzahl gleichschließender Zylinder gleichschließende Systeme senken diesen Posten deutlich

Die vorletzte Zeile wird fast immer vergessen. Nachrüstsysteme mit Schließzylinder arbeiten nach der ersten Heizperiode nicht mehr exakt wie am Montagetag, weil sich Bauteile setzen. Ein vereinbarter Nachjustiertermin ist billiger als der spätere Austausch eines verkanteten Riegels.

Wo Eigenleistung Geld spart und wo sie Geld vernichtet

Eigenleistung ist bei Vorbereitung und Nacharbeit sinnvoll: Räumen der Fensterbänke, Freilegen der Laibungen, Entfernen alter Aufkleber, Reinigung, Erneuerung von Anstrichen nach der Montage. Diese Arbeiten reduzieren Stundenanteile ohne fachliches Risiko.

Unwirtschaftlich wird Eigenleistung bei der Befestigung selbst. Der Grund ist nicht handwerklicher Anspruch, sondern die Krafteinleitung. Ein Zusatzschloss überträgt die Hebelkraft eines Werkzeugs in den Rahmen; hält die Verschraubung nicht, reißt das Bauteil bei der ersten ernsthaften Belastung aus. Bei Kunststoffprofilen muss die Schraube in die Stahlarmierung greifen, deren Lage von außen nicht sichtbar ist. Bei Holzfenstern entscheidet der Zustand des Holzes hinter dem Anstrich. Wer hier falsch bohrt, beschädigt zusätzlich die Profilkammern oder verletzt die Dichtebene, was Feuchteschäden nach sich zieht.

Die zweite Verlustquelle ist die Produktauswahl ohne Prüfnachweis. Sicherungen ohne Zertifikat nach DIN 18104-1 oder DIN 18104-2 kosten weniger und leisten in der Regel weniger; im Schadenfall fehlt zudem die Grundlage, gegenüber dem Versicherer die getroffene Maßnahme zu belegen. Bei Zusatzsicherungen ist der Prüfnachweis der eigentliche Gegenwert, nicht das Gehäuse.

Förderung und Nebenkosten der Finanzierung

Für Maßnahmen zum Einbruchschutz steht im Rahmen des Förderprogramms Altersgerecht Umbauen ein zinsverbilligter Kredit der KfW zur Verfügung. Zwei Punkte sind dabei entscheidend und unabhängig von der jeweils gültigen Konditionsstufe: Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden, und die ausgeführten Maßnahmen müssen den technischen Mindestanforderungen des Programms entsprechen, was regelmäßig eine Bestätigung des ausführenden Fachunternehmens erfordert. Prüfen Sie die aktuell geltenden Programmbedingungen unmittelbar vor der Beauftragung, weil Zuschussvarianten in der Vergangenheit ausgelaufen sind und Kreditvarianten fortgeführt wurden.

Rechnen Sie zusätzlich mit Nebenkosten, die nicht auf der Handwerkerrechnung stehen: Zeitaufwand für die Antragstellung, gegebenenfalls Bereitstellungsprovisionen bei verzögertem Abruf und die Anforderung, Rechnungen und Nachweise über mehrere Jahre aufzubewahren.

Was Sie selbst kalkulieren können und wo die Rechnung endet

Sie können das Mengengerüst selbst erstellen, Angebote auf gleiche Stückzahlen normieren, Grundaufwand von Stückkosten trennen und den laufenden Aufwand über die geplante Haltedauer hochrechnen. Sie können außerdem beurteilen, ob eine Etappenlösung sinnvoll ist, indem Sie den Grundaufwand je Etappe gegen die Ersparnis stellen.

Nicht kalkulierbar ist für Sie der dritte Block, die Instandsetzung am Bestand, solange kein Fachbetrieb die Flügel geprüft hat. Ebenso wenig können Sie beurteilen, ob ein angebotenes Falzsystem zum vorhandenen Beschlag passt und ob die Verschraubung im konkreten Profil trägt. Verlangen Sie deshalb Angebote, die diesen Block ausdrücklich als Position mit Annahmen ausweisen, statt ihn als Nachtrag offenzulassen. Eine unabhängige Einordnung der geplanten Maßnahmen erhalten Sie bei den polizeilichen Beratungsstellen, die weder Produkte verkaufen noch Provisionen erhalten.

Eine letzte Abgrenzung: Eine Nachrüstung erzeugt keine Widerstandsklasse nach DIN EN 1627, weil diese Klassen nur an vollständig geprüften Elementen vergeben werden. Wenn eine Versicherungspolice oder eine Förderbedingung ausdrücklich ein Element ab RC 2 verlangt, ist der Kostenvergleich zwischen Nachrüstung und Fenstertausch keine Preisfrage mehr, sondern eine Frage der Zulässigkeit.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. KfW – Einbruchschutz fördern lassen, Kredit „Altersgerecht Umbauen“ (159)
  2. DIN 18104-1:2017-08 – Einbruchhemmende Nachrüstprodukte – Teil 1: Aufschraubbare Nachrüstprodukte für Fenster und Türen (DIN Media)
  3. DIN 18104-2:2021-12 – Einbruchhemmende Nachrüstprodukte – Teil 2: Im Falz eingelassene Nachrüstprodukte für Fenster und Türen (DIN Media)
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