Umwälzpumpe nach dem hydraulischen Abgleich: Die Anlage braucht danach weniger Druck, nicht mehr
Der Abgleich drosselt Ventile — trotzdem sinkt die nötige Förderhöhe. Wer den Sollwert danach nicht nachzieht, verschenkt jedes Jahr dreistellige Stromkosten und holt sich Ventilgeräusche ins Haus.

Das Wichtigste in Kürze
- § 60c GModG listet sieben Angaben auf, die in der Abgleich-Bestätigung stehen müssen — die Pumpeneinstellung ist keine davon, obwohl die zugehörige ZVSHK-Fachregel sie zwingend verlangt.
- Die Sollförderhöhe ist die Summe der Druckverluste im ungünstigsten Fließweg, im Einfamilienhaus meist 20 bis 30 kPa, also 2 bis 3 Meter statt der werkseitigen 5 bis 6.
- Die hydraulische Leistung wächst mit der dritten Potenz des Durchflusses: Doppelter Durchfluss bedeutet achtfache Pumpenleistung.
- Eine alte ungeregelte Pumpe zieht rund 90 Watt und 450 kWh im Jahr, eine Hocheffizienzpumpe im Mittel 15 Watt und 75 kWh — das sind 94 bis 161 Euro Unterschied je Jahr.
- Seit 1. August 2015 darf der Energieeffizienzindex neuer Nassläufer-Umwälzpumpen 0,23 nicht überschreiten; die Ausnahme für ungeregelte Ersatzpumpen lief am 1. Januar 2020 aus.
Der Monteur war da, die Thermostatventile sind voreingestellt, das Protokoll liegt in der Schublade. Trotzdem pfeift es abends am Heizkörper im Flur. Oder umgekehrt: Es ist ruhig und überall warm, nur meldet der Stromzähler im Winter einen Grundverbrauch, den kein Haushaltsgerät erklärt. In beiden Fällen steht die Ursache im Keller und blieb beim Abgleich unberührt — die Umwälzpumpe.
§ 60c GModG zählt auf, was in der schriftlichen Bestätigung des Abgleichs festzuhalten ist: Einstellungswerte, Heizlast des Gebäudes, eingestellte Leistung des Wärmeerzeugers, raumweise Heizlastberechnung, Auslegungstemperatur, Einstellung der Regelung, Druck im Ausdehnungsgefäß. Die Pumpe taucht in dieser Liste nicht auf. Die ZVSHK-Fachregel dagegen, auf die derselbe Paragraf für das Verfahren B verweist, ist eindeutig: Die Ermittlung der erforderlichen Pumpenförderhöhe ist fester Bestandteil des hydraulischen Abgleichs. Zwischen diesen beiden Sätzen verschwindet in der Praxis der größte Einzelposten der Maßnahme.
Nach dem Abgleich braucht die Anlage weniger Druck, nicht mehr
Der Abgleich drosselt Ventile — naheliegend wäre also, dass die Pumpe danach kräftiger arbeiten muss. Das Gegenteil stimmt.
Vor dem Abgleich war die Pumpe so weit hochgestellt worden, bis auch der letzte Heizkörper warm wurde; die pumpennahen Räume nahmen sich dabei ein Vielfaches ihres Sollwerts. Nach dem Abgleich bekommt jeder Heizkörper nur noch den Volumenstrom, der zu seiner Heizlast passt — in der Summe deutlich weniger Wasser. Weil der Druckverlust in den gemeinsam durchflossenen Strecken, also Verteilleitung, Wärmeerzeuger und Kesselarmaturen, quadratisch mit dem Durchfluss wächst, fällt dort schlagartig Widerstand weg. Der VdZ-Leitfaden beziffert es: Bei doppeltem Durchfluss steigt die Förderhöhe auf das Vierfache, die hydraulische Leistung auf das Achtfache. Rückwärts gelesen ist das die eigentliche Rendite des Abgleichs.
Maßgeblich ist nie die Summe aller Widerstände im Haus, sondern nur der ungünstigste Fließweg — der Schlechtpunkt; alles darüber wird in den übrigen Strängen ohnehin weggedrosselt. Welche Sollwerte je Raum gelten, entscheidet sich vorher in der raumweisen Heizlastberechnung.
Der Schlechtpunkt gibt die Sollförderhöhe vor
Zwei Größen sind nötig. Der Volumenstrom folgt aus Heizlast und Spreizung: Liter pro Stunde gleich Kilowatt mal 860, geteilt durch die Spreizung in Kelvin. Ein Haus mit 9 kW Heizlast und Auslegung 55/45 braucht 9 × 860 ÷ 10 = 774 l/h; wer mit größerer Spreizung fährt, kommt mit weniger Wasser aus (siehe Differenztemperatur im Heizkreis).
Die zweite Größe ist der Druckverlust dieses einen Fließwegs, hier für den ungünstigsten Heizkörper im Obergeschoss:
| Bauteil im ungünstigsten Fließweg | Druckverlust |
|---|---|
| Rohrleitung Vor- und Rücklauf, 46 m × 90 Pa/m, Faktor 1,7 (Bögen, Formstücke) | 7,0 kPa |
| Thermostatventil am Schlechtpunkt, größte Voreinstellung | 3,0 kPa |
| Rücklaufverschraubung, voll geöffnet | 1,0 kPa |
| Wärmeerzeuger laut Herstellerdiagramm | 12,0 kPa |
| Schmutzfänger und Rückschlagklappe | 2,0 kPa |
| Summe | 25,0 kPa |
Die Umrechnung: 100 mbar entsprechen 10 kPa entsprechen 1 Meter. 25 kPa sind also 2,5 Meter — bei einer Pumpe, deren Werkseinstellung häufig in der Mitte des Regelbereichs bei 5 oder 6 Metern liegt. Bemerkenswert ist die Verteilung: Der Wärmeerzeuger frisst fast die Hälfte, das Rohrnetz gut ein Viertel, die Ventile am Heizkörper zusammen nur 4 kPa. Wer die Pumpe hochdreht, weil ein Raum kalt bleibt, bekämpft nie den Widerstand, der wirklich stört.
Konstantdruck, Proportionaldruck oder feste Kennlinie
Moderne Pumpen bieten drei Betriebsarten, und sie sind nicht austauschbar.
Proportionaldruck (Δp-v) senkt die Förderhöhe, wenn die Thermostatventile schließen, und lässt sie bei null Durchfluss auf etwa die Hälfte des Sollwerts fallen. Das passt zu Zweirohranlagen mit Heizkörpern, in denen das Rohrnetz einen erheblichen Teil des Druckverlusts stellt — oben 7 von 25 kPa. Eingestellt wird die volle errechnete Förderhöhe, hier 2,5 Meter.
Konstantdruck (Δp-c) hält die Förderhöhe über den gesamten Volumenstrombereich gleich — richtig in weitverzweigten Netzen, größeren Gebäuden und bei druckunabhängigen Ventilen. Auch Fußbodenheizungen laufen meist mit Δp-c, weil dort Verteiler und Stellantriebe den Ton angeben: Der Heizkreisverteiler der Fußbodenheizung wird in Litern pro Minute abgeglichen, nicht über den Pumpendruck.
Feste Kennlinie (Konstantdrehzahl) gehört dorthin, wo der Volumenstrom unabhängig vom Wärmebedarf stehen muss: Kessel- und Speicherladekreise, Primärkreise an der hydraulischen Weiche, Solarkreise — und Wärmepumpen mit einem Mindestvolumenstrom im Datenblatt. Bei Heizkörpern mit Thermostatventilen ist sie falsch.
Für den Zweifelsfall nennt der VdZ-Leitfaden eine Regel: erst Δp-v, bei Unterversorgung auf Δp-c umstellen. Gegenüber einer ungeregelten Pumpe beziffert er die Ersparnis auf rund 30 Prozent (Δp-c) und rund 50 Prozent (Δp-v).
Was ein zu hoher Sollwert kostet — in Watt, Kilowattstunden und Euro
Die nötige Förderarbeit ist winzig: Druckdifferenz mal Volumenstrom, also 25.000 Pa × 0,000215 m³/s = 5,4 Watt. Kleine Nassläufer kommen auf 20 bis 30 Prozent Gesamtwirkungsgrad, im Auslegungspunkt sind also rund 20 Watt elektrisch fällig. Weil dieser Punkt selten eintritt — das Lastprofil der Ökodesign-Verordnung setzt vollen Volumenstrom nur für 6 Prozent der Zeit an, halben für 35 und ein Viertel für 44 Prozent — liegt die mittlere Leistungsaufnahme bei etwa 15 Watt, genau dem Wert, den das Bayerische Landesamt für Umwelt als heutigen Durchschnitt nennt.
Steht dieselbe Pumpe auf 5 statt 2,5 Metern, wandert der Betriebspunkt die Anlagenkennlinie hinauf: Der Volumenstrom steigt um den Faktor 1,41 auf rund 1.090 l/h, die hydraulische Leistung auf das 2,8-Fache. Aus 75 kWh im Jahr werden gut 210 kWh, je nach Tarif 34 bis 58 Euro Mehrkosten. Teurer als der Strom ist die Nebenwirkung: Von 50 kPa Pumpendruck stehen am pumpennächsten Heizkörper rund 43 kPa an einem einzigen Thermostatventil an. Ab etwa 20 kPa pfeifen diese Ventile hörbar, und ihre Regelgüte bricht ein. Wer die Voreinstellung der Thermostatventile sauber ermittelt hat, macht sie mit einem zu hohen Pumpensollwert zunichte.
Hocheffizienzpumpe gegen alte ungeregelte Pumpe
Steckt noch eine ungeregelte Pumpe im Vorlauf, geht es nicht um Feinjustage. Das Landesamt für Umwelt rechnet mit rund 90 Watt gegenüber 15 Watt heute; bei 5.000 Betriebsstunden je Heizperiode:
| alte ungeregelte Pumpe | Hocheffizienzpumpe | |
|---|---|---|
| Leistungsaufnahme im Mittel | 90 W | 15 W |
| Stromverbrauch je Jahr | 450 kWh | 75 kWh |
| Kosten bei 25 ct/kWh | 113 € | 19 € |
| Kosten bei 37,2 ct/kWh | 167 € | 28 € |
| Kosten bei 42,8 ct/kWh | 193 € | 32 € |
Die Differenz von 375 kWh entspricht 94 bis 161 Euro im Jahr; die Spanne folgt dem Arbeitspreis. Im September 2026 liegt der Bundesdurchschnitt bei rund 37 ct/kWh, die Grundversorgung bei knapp 43 ct, günstige Neukundentarife bei 23 bis 26 ct. Der Austausch kostet je nach Pumpengröße, Anfahrt und Zustand der Verschraubungen rund 300 bis 600 Euro (Stand September 2026) und amortisiert sich nach zwei bis sechs Jahren. Eine alte Pumpe ohne Druckregelung lässt sich nicht exakt einstellen; die Fachregel empfiehlt dann die nächstkleinere Stufe am Stufenschalter — die Wärmeabgabe der Heizkörper sinkt dadurch kaum spürbar.
EEI 0,23: was die Ökodesign-Verordnung verlangt und was nicht
Die Verordnung (EG) Nr. 641/2009 gilt für Nassläufer-Umwälzpumpen mit 1 bis 2.500 Watt hydraulischer Nennleistung. Seit 1. Januar 2013 darf ihr Energieeffizienzindex 0,27 nicht überschreiten, seit 1. August 2015 nicht mehr als 0,23 — Letzteres auch für fest in Wärmeerzeuger eingebaute Pumpen. Der Index steht in der Form „EEI ≤ 0,xx“ auf Typenschild und Verpackung; je kleiner, desto weniger Strom für dieselbe Förderleistung.
Zwei Einschränkungen zählen. Die Verordnung gilt für das Inverkehrbringen, nicht für den Bestand — eine Austauschpflicht für eine funktionierende alte Pumpe folgt daraus nicht. Und die Ausnahme für ungeregelte Ersatzpumpen in bestehenden Wärmeerzeugern war bis zum 1. Januar 2020 befristet: Seither bekommt man im Handel praktisch keine ungeregelte Pumpe mehr, wer tauscht, muss Regelungsart und Sollwert bewusst setzen. Der Pumpentausch zählt mit dem Abgleich zur Heizungsoptimierung und ist über das BAFA grundsätzlich förderfähig; die Fördersätze stehen wegen der Kürzungen im Klima- und Transformationsfonds unter Vorbehalt, weshalb die Rechnung besser über die Stromersparnis geführt wird.
Was Sie als Nächstes tun
Notieren Sie an der Pumpe drei Dinge von Typenschild und Display: EEI-Wert, eingestellte Betriebsart, Sollwert in Metern. Fehlt der EEI, ist das Gerät vor 2013 gebaut und der Tausch die erste Maßnahme. Zeigt das Display die Leistungsaufnahme, lesen Sie sie an einem kalten Abend ab: dauerhaft über 30 Watt im Einfamilienhaus heißt fast sicher falscher Sollwert.
Fordern Sie dann beim Betrieb, der den Abgleich gemacht hat, die berechnete Förderhöhe des Schlechtpunkts an; sie gehört in die Dokumentation des hydraulischen Abgleichs. Stellen Sie die Pumpe auf diesen Wert, wählen Sie bei Heizkörpern Δp-v und hören Sie zwei Wochen später an einem kalten Tag in die Räume hinein. Bleibt einer zurück, wechseln Sie auf Δp-c, bevor Sie den Sollwert anheben — und dann in Schritten von 0,5 Metern, nicht auf Anschlag.
Quellen und weiterführende Informationen
- § 60c GModG – Hydraulischer Abgleich und weitere Maßnahmen zur Heizungsoptimierung
- VdZ/ZVSHK – Leitfaden Hydraulischer Abgleich in Heizungsanlagen (Kapitel 3.4.6 Umwälzpumpe)
- Verordnung (EG) Nr. 641/2009, konsolidierte Fassung – Ökodesign-Anforderungen an Nassläufer-Umwälzpumpen
- Bayerisches Landesamt für Umwelt – Hocheffiziente Heizungspumpen sparen Stromkosten
- co2online – Strompreisentwicklung: Das kostet eine Kilowattstunde 2026
- Haustec – Umwälzpumpen richtig auswählen und einstellen

















