Stromspeicher mit Notstromfunktion: Nicht die Kapazität entscheidet, sondern Phasenleistung und Neustart

Ein 10-kVA-Ersatzstromsystem liefert je Phase oft nur 3,68 kVA, und ein leer gelaufener Speicher startet nicht bei jedem Hersteller von selbst wieder. Welche Notstromfunktion Sie brauchen und was sie im Ausfall tatsächlich leistet.

Grauer Batteriespeicher im Schrankformat mit kleinem Display, aufgestellt in einem hellen Raum eines Wohnhauses neben Tür und Fenster
Grauer Batteriespeicher im Schrankformat mit kleinem Display, aufgestellt in einem hellen Raum eines Wohnhauses neben Tür und FensterFoto: E. R. / Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Hinter „Notstromfunktion“ stecken drei Ausbaustufen: eine einphasige Steckdose mit rund 3.000 VA, automatischer Ersatzstrom für ausgewählte Stromkreise oder eine weitgehende Hausversorgung.
  • Ein dreiphasiges System mit 10.000 VA Gesamtleistung liefert laut Fronius-Datenblatt nur 3.680 VA je Phase – Wärmepumpe, Kochfeld und Wallbox gehören nicht in den Ersatzstromkreis.
  • Eine sparsame Notfall-Lastliste mit rund 3,9 kWh am Tag trägt ein voller 10-kWh-Speicher gut zwei Tage, eine Reserve von 30 Prozent nur etwa 17 Stunden.
  • Ab der zweiten Ausfallnacht zählt der Wiederanlauf: Ein Sunny Boy Storage gibt nach fünf erfolglosen Anlaufversuchen auf und muss dann von Hand per Schwarzstartschalter gestartet werden.
  • Die automatische Umschaltbox verbraucht rund 15 Watt im Dauerbetrieb, etwa 131 kWh im Jahr – bei durchschnittlich 11,7 Minuten Netzausfall im Jahr 2024.

Der Speicher im Keller hat 10 Kilowattstunden, die Photovoltaik auf dem Dach 9,8 Kilowatt peak – und beim letzten Sturmtief war das Haus trotzdem dunkel. Das ist kein Defekt, sondern die Werkseinstellung fast jedes Heimspeichers: Ein netzgekoppelter Wechselrichter muss sich bei Netzausfall abschalten. Die „Notstromfunktion“, mit der Angebote werben, ist deshalb kein Häkchen im Datenblatt, sondern eine Ausstattungsfrage mit drei sehr unterschiedlichen Antworten.

Wer sie kauft, sollte drei Werte kennen, die selten auf der ersten Angebotsseite stehen: die Leistung je Phase, die Kilowattstunden, die im Ausfall tatsächlich bereitstehen, und das Verhalten des Systems, wenn der Speicher nachts leer läuft und am nächsten Morgen die Sonne aufgeht.

Drei Ausbaustufen hinter einem Wort

Ausbaustufe Was versorgt wird Leistung (Beispiele) Umschaltung
Notstromsteckdose einzelne Geräte per Verlängerungskabel rund 3.000 VA einphasig (Fronius PV Point) Geräte umstecken
Ersatzstrom für ausgewählte Kreise fest verdrahtete Ersatzstrom-Unterverteilung ein- oder dreiphasig, je Phase begrenzt automatisch, mehrere Sekunden
Weitgehende Hausversorgung fast alle Stromkreise, Großverbraucher mit Lastabwurf rund 8.000 bis 10.000 VA gesamt automatisch, mehrere Sekunden

Die Notstromsteckdose ist die kleinste Lösung und oft schon im Wechselrichter angelegt. Fronius beschreibt den PV Point in der Bedienungsanleitung als „nicht unterbrechungsfreien 1-phasigen Notstromkreis“ für Geräte bis 3 kW, gespeist aus den Modulen oder der Batterie. Für Kühlschrank, Router und eine Lampe reicht das – für die Heizungsregelung, die fest am Stromkreis hängt, nicht.

Ersatzstrom dagegen versorgt fest verdrahtete Stromkreise über eine automatische Umschalteinrichtung. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ist auch das nicht, und die Hersteller schreiben das selbst so: SMA vermerkt, das System entspreche nicht der IEC 62040, Verbraucher seien nach der Trennung „in der Regel für 5 bis 7 Sekunden nicht versorgt“. Fronius nennt für den PV Point unter 23 Sekunden, für das dreiphasige Full Backup unter 35 Sekunden. Router starten danach neu, ungespeicherte Arbeit am Desktop-Rechner ist weg. Was lückenlos laufen muss, bekommt eine eigene USV für Router und Haustechnik, keinen größeren Hausspeicher.

3.680 VA je Phase: die Zahl, die den Ausbau begrenzt

Das Fronius-Datenblatt ist an dieser Stelle ungewöhnlich ehrlich. Der Symo GEN24 10.0 Plus liefert im Full Backup 10.000 VA – aber nur 3.680 VA nominale Phasenleistung. Das entspricht 16 Ampere je Außenleiter, also dem, was eine einzelne Haushaltssicherung führt. Die 10 kVA stehen nur zur Verfügung, wenn sich die Last sauber auf drei Phasen verteilt.

Einphasige Systeme verschärfen das. SMA koppelt beim Sunny Boy Storage auf Wunsch die unversorgten Außenleiter an die versorgte Phase, damit auch dort Spannung anliegt – laut Planungsleitfaden wird dadurch „aus einem 3-phasigen Stromnetz ein 1-phasiges Stromnetz“. Drehstromverbraucher dürfen dann nicht mehr am Ersatzstromnetz hängen; SMA kann eine Beschädigung nach eigener Aussage nicht ausschließen. Die Stromkreise der gekoppelten Phasen warten außerdem bis zu 10 Sekunden auf Spannung.

Daraus folgt die Zuordnung der Verbraucher, und zwar vor dem Kauf:

Verbraucher Dauerleistung Anlauf In den Ersatzstromkreis?
Kühl- und Gefrierkombination 60 W im Mittel kurzzeitig ein Vielfaches ja, auf eigene Phase
Gas- oder Ölheizung: Regelung und Umwälzpumpe 40–90 W gering ja
Router, Telefonanlage, Türsprechstelle 15–30 W gering ja
Beleuchtung, Steckdosen Küche und Flur bedarfsabhängig gering ja, begrenzt
Wärmepumpe, Durchlauferhitzer, Kochfeld 2.000–21.000 W hoch nein
Wallbox, Heizstab, Sauna 3.700–11.000 W hoch nein, abwerfen

Sauber wird das nur mit einer eigenen Ersatzstrom-Unterverteilung, in die die priorisierten Stromkreise umgelegt werden. Ein alter, schlecht dokumentierter Zählerplatz ist der Punkt, an dem die Kalkulation kippt – mehr dazu unter Modernisierung des Zählerschranks.

Wie lange 10 kWh tragen – und was die Sonne im Winter nachlädt

Angenommen, im Ersatzstromkreis liegen Kühl- und Gefrierkombination (60 W im Tagesmittel), die Gasheizung mit Regelung und Umwälzpumpe (70 W über 18 Stunden), Router und Notbeleuchtung (25 W durchgehend) sowie vier Stunden Licht und Kleingeräte mit 150 W. Das ergibt rund 3,9 kWh am Tag.

Ein 10-kWh-Speicher gibt davon nicht 10 kWh ab. Bei rund 90 Prozent nutzbarem Anteil bleiben etwa 9,0 kWh, nach Entladeverlusten kommen rund 8,1 kWh an der Steckdose an – warum Datenblattwert und Wirklichkeit auseinanderfallen, erklärt der Beitrag zur nutzbaren Kapazität des Stromspeichers. 8,1 kWh geteilt durch 3,9 kWh sind gut zwei Tage – vorausgesetzt, der Speicher war beim Ausfall voll. Welcher Speicher das Autarkziel Ihrer eigenen Lastliste schafft, zeigt der Ersatzstrom‑Rechner in Sekunden.

Genau das ist er selten. Die Ersatzstromreserve, also der Ladestand, den der Speicher im Alltag nicht antastet, ist eine Einstellung. Beim Sunny Boy Storage steht sie laut SMA ab Werk auf 0 Prozent; beim Sunny Island mit Lithiumbatterie hält die Voreinstellung 10 Prozent im Sommer und 12 Prozent im Winter zurück. Wer 30 Prozent einstellt, hat garantiert rund 2,7 kWh nutzbar – etwa 17 Stunden mit der Lastliste oben. Wer nichts einstellt, hat an einem Januarabend womöglich 8 Prozent.

Dann kommt die Sonne ins Spiel. SMA rechnet im Planungsleitfaden für einen deutschen Wintertag mit 0,7 kWh Ertrag je Kilowatt peak. Die 9,8-kWp-Anlage käme damit auf rund 6,9 kWh – auf dem Papier mehr als der Tagesbedarf. In einer grauen Januarwoche liegt der Ertrag deutlich darunter, und er fällt tagsüber an, während Licht und Heizung abends und nachts laufen. Die Wärmepumpe sprengt die Rechnung ohnehin: Zieht sie an einem kalten Tag im Mittel 2 kW über zwölf Stunden, sind das 24 kWh, und ihr Anlauf überfordert eine 3.680-VA-Phase.

Leerer Speicher, Sonne am Morgen: Läuft das System wieder an?

Die zweite Nacht eines Ausfalls entscheidet nicht die Kapazität, sondern der Wiederanlauf. Ein Batteriewechselrichter, der mangels Ladung abgeschaltet hat, muss ohne Netz wieder eine Spannung aufbauen, damit der PV-Wechselrichter überhaupt einspeisen kann. Die Hersteller lösen das sehr unterschiedlich:

System Verhalten bei leerer Batterie im Ersatzstrombetrieb
SMA Sunny Tripower Smart Energy (Hybrid) lädt bei ausreichender PV-Leistung, bis ein Sechstel des Ersatzstrombereichs gefüllt ist; ohne PV wartet er, bis sie wieder da ist
SMA Sunny Boy Storage (AC-gekoppelt) startet alle 2 Stunden für ca. 6 Minuten und versucht, mit PV-Leistung auf rund 5 Prozent zu laden; nach fünf erfolglosen Anlaufversuchen Schlafmodus, danach nur noch Start per Schwarzstartschalter
Fronius Symo GEN24 Plus Energiesparmodus, wenn Batterie leer und keine PV-Leistung; verlässt ihn, sobald die PV-Leistung 30 Sekunden über einer Schwelle liegt

Für die Praxis heißt das zweierlei. Fragen Sie vor dem Kauf schriftlich, ob das System nach Tiefentladung selbstständig mit PV-Leistung anläuft oder einen manuellen Schwarzstart braucht. Und wenn es einen Schwarzstartschalter gibt, muss jeder im Haushalt wissen, wo er sitzt – im Dunkeln, ohne App, denn auch die funktioniert nur, wenn der Router am Ersatzstromkreis hängt. SMA weist ausdrücklich darauf hin, dass ohne versorgten Router viele Wechselrichterfunktionen nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar sind.

Bestehende Anlage nachrüsten: Was Wechselrichter und Speicher können müssen

Ob die vorhandene Photovoltaik im Inselbetrieb mitarbeitet, hängt an zwei Bedingungen. Der PV-Wechselrichter muss seine Wirkleistung frequenzabhängig begrenzen können, damit der netzbildende Batteriewechselrichter ihn über die Inselnetzfrequenz herunterregelt – sonst überlädt die Sonne die Batterie. SMA nennt dafür Mindest-Firmwarestände je Gerätetyp. Und die Phasenzahl muss passen: Ein dreiphasiger PV-Wechselrichter kann laut SMA in ein einphasiges Ersatzstromnetz nicht einspeisen, an einem Sunny Boy Storage 5.0 dürfen höchstens 6,7 kW PV-Wechselrichterleistung ins Inselnetz speisen. Ob Ihr Speicher AC- oder DC-seitig gekoppelt ist, verändert diese Frage grundlegend; die Unterschiede stehen unter AC- und DC-gekoppelter Batteriespeicher.

Die dritte Bedingung ist baulich. Die Umschalteinrichtung muss das Haus nach VDE-AR-E 2510-2 allpolig vom Netz trennen und im Inselbetrieb einen eigenen Erdbezug herstellen, die Einspeisung in die Hausinstallation regelt DIN VDE V 0100-551-2; für den Sunny Boy Storage schreibt SMA vor, sie als geprüftes Fertiggerät zu beziehen. Welche Schutzmaßnahmen dabei gelten und warum die Abnahme im Inselbetrieb wiederholt werden muss, erklärt der Beitrag zur Ersatzstromanlage im Haus. Wer keine Verbindung zur Hausverteilung will, ist mit einem separat betriebenen Notstromaggregat am Wohnhaus ehrlicher bedient.

Was Notstrom kostet – und was er jedes Jahr kostet

Stand September 2026 liegen die Marktspannen für die Nachrüstung grob so: Eine Notstromsteckdose an einem dafür vorbereiteten Gerät bleibt meist im niedrigen dreistelligen bis knapp vierstelligen Bereich. Automatischer Ersatzstrom für ausgewählte Stromkreise bewegt sich einschließlich Montage typischerweise im niedrigen vierstelligen Bereich – allein die geprüfte Umschaltbox für einen Sunny Boy Storage stand zuletzt mit rund 1.350 bis 1.540 Euro brutto in den Fachhandelslisten. Eine weitgehende Hausversorgung mit dreiphasigem Hybridwechselrichter, neuer Unterverteilung und Lastabwurf liegt deutlich darüber. Die Spanne treiben vor allem der Zustand der Verteilung, die Zahl der umzulegenden Stromkreise, ein- oder dreiphasige Ausführung und die Frage, ob der vorhandene Wechselrichter bleiben darf.

Die Position, die fast nie im Angebot steht, ist der Dauerverbrauch. Für die genannte Umschaltbox nennt der Hersteller rund 15 Watt Eigenverbrauch. Das sind 131 Kilowattstunden im Jahr, bei einem Haushaltsstrompreis von 37,0 Cent je Kilowattstunde nach BDEW-Analyse knapp 49 Euro jährlich. Dem steht laut Bundesnetzagentur eine durchschnittliche Versorgungsunterbrechung von 11,7 Minuten je Letztverbraucher im Jahr 2024 gegenüber, im Zehnjahresmittel 12,7 Minuten. In diesen elf Minuten liefert die Anlage bei 0,5 kW Last rund 0,1 kWh.

Das ist kein Argument gegen die Notstromfunktion – aber es entscheidet die Begründung. Wer verhindern will, dass zweimal im Jahrzehnt das Gefriergut auftaut, rechnet sich das nicht schön. Wer in einer Region mit häufigen Störungen wohnt, einen Brunnen mit Pumpe hat oder medizinische Geräte betreibt, kauft Handlungsfähigkeit, und die hat keinen Kilowattstundenpreis.

So vergleichen Sie Angebote

Schreiben Sie zuerst zwei Listen: die Verbraucher, die weiterlaufen müssen, jeweils mit Dauerleistung und Phase, und die, die Sie im Ausfall bewusst abschalten. Lassen Sie sich danach in jedem Angebot fünf Werte schriftlich geben:

  1. die Ersatzstromleistung je Phase in VA, nicht nur die Gesamtleistung,
  2. die Umschaltzeit in Sekunden, bei Phasenkopplung auch für die gekoppelten Phasen,
  3. die voreingestellte Ersatzstromreserve in Prozent und ob sie jahreszeitlich angepasst wird,
  4. das Verhalten bei leerer Batterie: automatischer Wiederanlauf mit PV-Leistung oder manueller Schwarzstart,
  5. den Eigenverbrauch der Umschalteinrichtung in Watt.

Fehlt einer davon, vergleichen Sie nicht Systeme, sondern Prospekte. Bestehen Sie zur Abnahme auf einem Ausfalltest mit abgeschaltetem Hauptschalter, dokumentiertem Startladestand, zugeschalteten Lasten und gemessener Unterbrechungsdauer – und probieren Sie den Schwarzstart einmal selbst aus, solange der Monteur noch im Haus ist.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. SMA Solar Technology: Planungsleitfaden SMA Energy System Home mit Ersatzstromfunktion (PDF)
  2. Fronius Symo/Primo GEN24 Plus – Datenblatt mit PV Point und Full Backup (PDF)
  3. Fronius: Bedienungsanleitung Symo GEN24 6–10 kW Plus (Notstrom, Energiesparmodus)
  4. Bundesnetzagentur: Kennzahlen der Versorgungsunterbrechungen Strom 2024 (SAIDI)
  5. BDEW-Strompreisanalyse (Haushaltsstrompreis 2026)
  6. DKE/VDE: DIN VDE V 0100-551-2 (VDE V 0100-551-2):2023-10 – Ersatzstromeinspeisung
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