Lüftung im innenliegenden Bad: Derselbe Ventilator braucht im Sommer zweieinhalbmal so lange zum Trocknen wie im Winter

Wie viel Feuchte ein Badlüfter abführt, hängt nicht an seiner Nennleistung, sondern am Feuchtegehalt der Außenluft. Bei 60 Kubikmetern pro Stunde dauert es in der Modellrechnung mit 400 Gramm Wasserdampf je Duschgang im Winter 28 Minuten und im Sommer 69 Minuten.

Badezimmerdecke mit Lüftungsgitter und Einbauleuchten
Badezimmerdecke mit Lüftungsgitter und EinbauleuchtenFoto: Tomwsulcer / Wikimedia CommonsPublic domain

Das Wichtigste in Kürze

  • DIN 18017-3 verlangt für fensterlose Bäder 60 Kubikmeter Abluft je Stunde bei einem abschaltbaren Lüfter mit Zeitnachlauf; im zeitabhängigen Dauerbetrieb sind es 40 Kubikmeter über mindestens zwölf Stunden täglich, in der übrigen Zeit darf auf die Hälfte gedrosselt werden.
  • Jeder zu entlüftende Raum braucht eine unverschließbare Nachströmöffnung mit 150 Quadratzentimetern freiem Querschnitt, sonst saugt der Ventilator gegen die geschlossene Tür.
  • In der Modellrechnung braucht derselbe Lüfter für 400 Gramm Wasserdampf im Winter rund 28 Minuten und im Sommer rund 69 Minuten, also das Zweieinhalbfache.
  • Nach zehn Minuten Duschen und zehn Minuten Nachlauf bleiben rechnerisch im Winter rund 110 und im Sommer rund 285 Gramm im Bad; 30 Minuten Nachlauf reichen im Winter, im Sommer fehlen dann noch rund 170 Gramm.
  • Neben einer raumluftabhängigen Feuerstätte darf der Unterdruck durch die Abluftanlage 4 Pascal nicht überschreiten; sonst ist eine Sicherheitseinrichtung erforderlich.

Ein Badlüfter im innenliegenden Bad ist selten zu schwach. Wie viel Wasserdampf er abführt, entscheidet die Feuchte der nachströmenden Außenluft, und nach der Modellrechnung unten liegt das Problem deshalb eher an der Laufzeit als an der Leistung: Bei den 60 Kubikmetern Abluft je Stunde, die DIN 18017-3 für einen abschaltbaren Lüfter verlangt, braucht er für einen Duschgang mit 400 Gramm Wasserdampf im Winter rund 28 Minuten, im Sommer rund 69 Minuten.

Zwei Stellschrauben lösen das meiste: eine unverschließbare Nachströmöffnung mit 150 Quadratzentimetern freiem Querschnitt, damit der Lüfter seinen Nennwert erreicht, und ein Nachlauf von mindestens 30 Minuten, besser eine Feuchtesteuerung. Steht im Haus ein Kaminofen oder eine raumluftabhängige Gastherme, kommt vorab die 4-Pascal-Prüfung durch den Schornsteinfeger dazu.

Was die Norm verlangt

Für fensterlose Bäder und Toilettenräume in Wohngebäuden gilt DIN 18017-3, aktuell in der Fassung 2020-05. Die Norm selbst ist kostenpflichtig und wurde für diesen Beitrag nicht eingesehen; die Werte stammen aus BauNetz Wissen, dem Bundesverband für Wohnungslüftung und einer Herstellerinformation zur Norm. Für das Bad ergeben sich daraus zwei übliche Betriebsweisen:

Betriebsweise Mindestvolumenstrom im Bad
Abschaltbarer Lüfter mit Zeitnachlauf 60 m³/h, solange er läuft
Zeitabhängiger Dauerbetrieb 40 m³/h über mindestens zwölf Stunden täglich, in der übrigen Zeit darf auf die Hälfte (20 m³/h) gedrosselt werden

Für reine Toilettenräume gelten niedrigere Werte. Zum Nachlauf nennt der Bundesverband für Wohnungslüftung keinen Minutenwert, sondern ein Ziel: Nach jeder Nutzung soll das Raumvolumen zumindest einmal ausgetauscht werden, sonst bleibt an den Wänden niedergeschlagene Feuchte zurück. Bei einem Bad mit 6 Quadratmetern und 2,5 Metern Höhe, also 15 Kubikmetern Rauminhalt, sind das bei 60 Kubikmetern je Stunde 15 Minuten. Das ist nur die Untergrenze, wie die Rechnung im nächsten Abschnitt zeigt.

Der zweite, oft ignorierte Punkt derselben Norm betrifft die Zuluft: Jeder zu entlüftende Raum muss eine unverschließbare Nachströmöffnung mit 150 Quadratzentimetern freiem Querschnitt haben. Das ist keine Empfehlung, sondern die Voraussetzung dafür, dass die genannten Volumenströme überhaupt erreicht werden.

DIN 1946-6 stellt nach Angaben des Bundesverbands für Wohnungslüftung weitergehende Anforderungen an die Lüftung der ganzen Wohnung. Ob bei Ihrer Sanierung dafür ein Konzept nötig wird, etwa wenn gleichzeitig Fenster getauscht oder die Gebäudehülle dichter wird, klärt der Beitrag zum Lüftungskonzept nach dem Fenstertausch.

Die Trocknungsleistung hängt an der Außenluft

Die folgende Rechnung stammt von dieser Redaktion und ist ein Näherungsmodell, keine Messung. Die Annahmen:

  • Ein Duschgang gibt 400 Gramm Wasserdampf an die Raumluft ab. Die Literatur streut weit: Der UBA-Schimmelleitfaden nennt in Tabelle 6 für Kochen und Duschen zusammen 270 Gramm je Person und Tag, BauNetz Wissen als Beispiel 1,5 Liter Feuchtigkeit je Duschvorgang.
  • Die Badluft hat nach dem Duschen 24 °C und 80 % relative Feuchte, das entspricht 15,0 Gramm Wasser je Kilogramm Luft.
  • Die Luftdichte beträgt 1,2 Kilogramm je Kubikmeter. 60 Kubikmeter je Stunde sind damit rund 72 Kilogramm Luft je Stunde.
  • Entfeuchtungsleistung = (Feuchtegehalt Badluft minus Feuchtegehalt Außenluft) × 72 Kilogramm je Stunde. Dauer = Wassermenge geteilt durch Entfeuchtungsleistung.
Außenluft Aufnahme je kg Luft Entfeuchtung bei 60 m³/h Dauer für 400 g Dauer für 1.500 g
Winter, 0 °C und 80 % relative Feuchte (3,0 g/kg) 12,0 g rund 860 g/h rund 28 Minuten rund 104 Minuten
Sommer, 20 °C und 70 % relative Feuchte (10,2 g/kg) 4,8 g rund 345 g/h rund 69 Minuten rund 260 Minuten

Derselbe Ventilator, dieselbe Drehzahl, zweieinhalbfache Dauer: Im Sommer nimmt jedes Kilogramm Außenluft nur 4,8 statt 12,0 Gramm Wasser auf, und 12,0 geteilt durch 4,8 ergibt 2,5. Das erklärt, warum ein Bad im Januar trocken bleibt und im Juli Tropfen am Spiegel zeigt. Die Annahme von 400 Gramm ändert den Faktor nicht, nur die absolute Dauer. Bei 1,5 Litern je Duschgang wären auch im Winter fast zwei Stunden nötig.

Die Rechnung hat Grenzen. Sie unterstellt, dass die Abluft die ganze Zeit 80 % relative Feuchte hat. Sinkt die Feuchte im Bad, sinkt auch die Entfeuchtungsleistung, die realen Zeiten sind also eher länger. Feuchte, die Fliesen, Fugen und Handtücher aufnehmen und später wieder abgeben, bildet sie nicht ab.

Daraus folgt die eigentliche Stellschraube: die Nachlaufzeit. Zehn Minuten Duschen plus zehn Minuten Nachlauf sind 20 Betriebsminuten. Das ergibt im Winter rund 290 Gramm, im Sommer rund 115 Gramm abgeführten Wasserdampf. Der Rest, rechnerisch rund 110 beziehungsweise 285 Gramm, bleibt im Raum, kondensiert an Fliesen, Spiegel und Silikonfugen und verdunstet später wieder. Bei 30 Minuten Nachlauf (40 Betriebsminuten) sind es im Winter rund 575 Gramm, die 400 Gramm sind also abtransportiert, im Sommer rund 230 Gramm, es bleiben rund 170 Gramm. Stellen Sie den Nachlauf deshalb auf mindestens 30 Minuten; im Sommer wären rechnerisch rund 60 Minuten Nachlauf nötig.

Noch zuverlässiger arbeitet eine Feuchtesteuerung, die nicht nach Zeit, sondern nach relativer Feuchte abschaltet. Der Lüfter läuft dann im Winter kurz und im Sommer lang, also genau umgekehrt zur üblichen Zeitschaltung.

Als Zielmarke taugt, was der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts beschreibt: Schon eine dauerhaft über etwa 70 % liegende relative Luftfeuchte reicht für anspruchslose Schimmelpilzarten zum Wachsen, an Materialoberflächen genügen 70 bis 80 % über längere Zeit. Das Bad darf nach dem Duschen also nicht stundenlang bei den 80 % der Rechnung stehen bleiben.

Der Lüfter kann nur absaugen, was nachströmt

Eine dichte Badtür macht aus dem stärksten Ventilator ein Geräusch. Gegen eine geschlossene Tür ohne Nachströmöffnung liegt der tatsächliche Volumenstrom je nach Gerätekennlinie deutlich unter dem Typenschildwert, denn die Nennleistung wird bei freier Ausblasung angegeben.

Die geforderten 150 Quadratzentimeter freien Querschnitts lassen sich auf drei Wegen herstellen. Ein Türspalt unter dem Blatt ist die einfachste Variante: Bei einer Türbreite von 86 Zentimetern entspricht ein durchgehender Spalt von 10 Millimetern etwa 86 Quadratzentimetern, das reicht nicht. Für 150 Quadratzentimeter wären knapp 18 Millimeter nötig, was optisch und akustisch meist nicht gewollt ist. Ein Lüftungsgitter im Türblatt oder ein Überströmelement in der Wand ist deshalb in der Regel die bessere Lösung; achten Sie auf den angegebenen freien Querschnitt, nicht auf die Außenmaße.

Ein Test dauert eine Minute: Halten Sie bei laufendem Lüfter und geschlossener Tür ein Blatt Papier an die Nachströmöffnung. Wird es angesaugt und gehalten, strömt Luft nach. Fällt es ab, oder lässt sich die Tür bei laufendem Lüfter merklich schwerer öffnen, fehlt der Querschnitt.

Wenn im Haus eine raumluftabhängige Feuerstätte steht

Dieser Punkt ist kein Komfortthema. Eine Abluftanlage erzeugt Unterdruck. Steht im selben Nutzungsbereich eine raumluftabhängige Feuerstätte, etwa ein Kaminofen oder eine ältere Gastherme mit Abgasführung über den Schornstein, kann dieser Unterdruck die Abgasabführung umkehren. Die Musterfeuerungsverordnung (§ 4) verlangt deshalb, dass die Betriebssicherheit von Feuerstätten durch luftabsaugende Anlagen nicht beeinträchtigt wird. Welche Feuerungsverordnung bei Ihnen gilt und ob der gemeinsame Betrieb zulässig ist, regelt die Landesbauordnung Ihres Bundeslandes.

Der Grenzwert, mit dem Schornsteinfeger arbeiten, liegt bei 4 Pascal Druckdifferenz. Nachgewiesen wird er mit der 4-Pa-Messung, bei laufender Feuerstätte und maximaler Absaugleistung. Bleibt der Unterdruck darunter, ist der gleichzeitige Betrieb möglich. Wird er überschritten, ist eine Sicherheitseinrichtung erforderlich: ein Differenzdruckwächter, eine Verriegelung oder ein Fensterkontaktschalter. Klären Sie das mit dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger, bevor der Elektriker den Durchbruch setzt; nachträglich wird es teurer.

Eigentumswohnung, Geräusch und Gerätebauart

Wohnen Sie in einer Eigentumswohnung, sind Gebäudeteile, die für Bestand oder Sicherheit des Gebäudes erforderlich sind, nach § 5 Absatz 2 WEG nicht Gegenstand des Sondereigentums. Das gilt in der Regel für die Außenwand. Eine Kernbohrung für den Abluftkanal ins Freie stimmen Sie deshalb vorab mit der Verwaltung und der Eigentümergemeinschaft ab.

In Mehrfamilienhäusern ist der Schallschutz die zweite Hürde. DIN 4109 begrenzt die Geräusche haustechnischer Anlagen in fremden Wohn- und Schlafräumen; als Höchstwert nennen Fachveröffentlichungen 30 Dezibel (A). Achten Sie deshalb nicht nur auf den Schalldruckpegel des Geräts selbst, sondern auf die körperschallentkoppelte Montage und auf Schalldämpfer im Kanal. Ein Lüfter, der starr an der Trennwand hängt, überträgt seine Drehzahl ins Nachbarzimmer.

Der Stromverbrauch ist zweitrangig, aber nicht null. Nimmt Ihr Gerät laut Datenblatt 15 Watt auf und läuft zwei Stunden täglich, sind das 15 W × 2 h × 365 Tage ≈ 11 Kilowattstunden im Jahr, bei angenommenen 35 Cent je Kilowattstunde knapp 4 Euro. Eine deutlich längere Nachlaufzeit kostet Sie also wenige Euro und spart den Schimmelschaden.

Bei der Bauart lohnt der Vergleich dreier Varianten. Der klassische Abluftventilator mit Kanal ins Freie ist der Standardfall. Ein dezentrales Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung arbeitet regenerativ im Wechsel von Zu- und Abluft und hält im Winter einen Teil der Wärme im Raum; im innenliegenden Bad scheitert es allerdings ohne Außenwand. Bleibt der Anschluss an einen vorhandenen Schacht: Dann ist zu prüfen, ob es sich um einen reinen Lüftungsschacht handelt und ob er noch frei ist. Alte Schwerkraftschächte sind in Bestandsbauten oft zugebaut oder mit anderen Wohnungen verbunden.

Was Sie vor der Beauftragung festlegen

Belastbare Preise für Gerät, Kernbohrung, Kanal und Außenblende lassen sich ohne Objektbezug nicht seriös nennen. Sie hängen an Kanallänge, Deckendurchbrüchen und der Frage, ob eine Außenwand erreichbar ist. Holen Sie deshalb Angebote ein, in denen Gerät, Kanal und Durchbrüche, Nachströmöffnung und Elektroanschluss einzeln ausgewiesen sind.

Legen Sie vor der Beauftragung vier Punkte fest: den geforderten Volumenstrom und die gewählte Betriebsweise, die Art und den freien Querschnitt der Nachströmöffnung, die Nachlaufsteuerung nach Zeit oder Feuchte und, falls eine Feuerstätte vorhanden ist, die Sicherheitseinrichtung samt Abstimmung mit dem Schornsteinfeger. Sanieren Sie das Bad ohnehin, koordinieren Sie die Lüftungsöffnungen mit der Vorwandinstallation und mit den Schutzbereichen der Elektroinstallation. Eine offene bodengleiche Dusche verteilt die Feuchte im gesamten Raum, statt sie hinter einer Wanne zu halten, die Lüftung wird dadurch zum tragenden Bauteil. Wo die Feuchte im Zweifel bereits hingewandert ist, klärt der Beitrag zur Abdichtung im Badezimmer.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BauNetz Wissen: Geforderte Mindestvolumenströme für Bäder nach DIN 18017
  2. Bundesverband für Wohnungslüftung: DIN 18017-3 im Überblick
  3. Aereco: DIN 18017-3, Betriebsfälle der Fassung 2020-05 (Herstellerinformation)
  4. BauNetz Wissen: Fensterlüftung im Bad (Feuchteanfall beim Duschen)
  5. IKZ: Gemeinsamer Betrieb von Einzelfeuerstätten und Lüftungsanlagen
  6. Schornsteinfeger-Landesinnungsverband Rheinland-Pfalz: Die 4-Pa-Messung
  7. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (PDF, Tabelle 6 und Kapitel 1)
  8. Umweltbundesamt: Aktueller Schimmelleitfaden
  9. § 5 WEG: Gegenstand und Inhalt des Sondereigentums
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