Kalkputz oder Lehmputz: Lehm puffert mehr Feuchte, Kalk verträgt mehr Wasser

Lehmputz nimmt in zwölf Stunden je nach Klasse 35 bis 60 Gramm Wasser je Quadratmeter auf und ist in der Regelklasse druckfester als Kalk-Innenputz. Er bleibt aber dauerhaft wasserlöslich; Kalkputz ist die Wahl für Küche, Bad und feuchte Altbauwände.

Fachwerkwand mit Lehmausfachung zwischen Holzbalken
Fachwerkwand mit Lehmausfachung zwischen HolzbalkenFoto: Ralph oesker / Wikimedia CommonsCC BY-SA 2.0 de

Das Wichtigste in Kürze

  • Lehmputz der Regelklasse S II muss nach DIN 18947 mindestens 1,5 N/mm² Druckfestigkeit erreichen; ein typischer Kalk-Innenputz der Klasse CS I nach DIN EN 998-1 ist mit gut 1,0 N/mm² deklariert.
  • Die Wasserdampfadsorptionsklassen WS I bis WS III verlangen nach zwölf Stunden mindestens 35, 47,5 oder 60 Gramm aufgenommenes Wasser je Quadratmeter, gemessen an unbehandeltem Putz.
  • Lehm härtet nur durch Trocknung und bleibt wasserlöslich; dauerhaft feuchte oder salzbelastete Wände und Duschbereiche sind für ihn tabu.
  • Fertig verputzt nennt DaiBau für Lehmputz 20 bis 40 Euro, für Innenputz allgemein 15 bis 48 Euro maschinell und 30 bis 65 Euro von Hand je Quadratmeter.
  • Ein Dispersionsanstrich oder eine Tapete kann die bezahlte Feuchtepufferung zum großen Teil wieder abschalten.

Für Wohn- und Schlafräume mit trockenem Untergrund ist Lehmputz die bessere Wahl, wenn Sie Feuchtespitzen abpuffern wollen. Für Küche, Bad und Wände, die gelegentlich nass werden, nehmen Sie Kalk- oder Kalkzementputz, weil Lehm dauerhaft wasserlöslich bleibt. Die Kennwerte stehen in zwei getrennten Normen:

Kennwert Kalk-Innenputz Lehmputz
Norm DIN EN 998-1 DIN 18947
übliche Klasse GP CS I Wc0 Festigkeitsklasse S II
Druckfestigkeit CS I: 0,4 bis 2,5 N/mm², Produkt deklariert über 1,0 N/mm² S II: mindestens 1,5 N/mm²
Feuchteaufnahme in 12 Stunden (50 auf 80 % rF) keine Normklasse WS I ab 35, WS II ab 47,5, WS III ab 60 g/m²
Erhärtung chemisch, durch Karbonatisierung nur durch Trocknung, wieder anlösbar
Bad, Küche, feuchte Wand geeignet außerhalb des Duschbereichs nur mit gelegentlichem Spritzwasser
Preis fertig verputzt 15 bis 48 Euro maschinell, 30 bis 65 Euro von Hand je m² (Innenputz allgemein) 20 bis 40 Euro je m²

Die Preise stammen von DaiBau und schließen Material und Arbeit ein. Sie hängen weniger am Bindemittel als an Untergrund, Lagenzahl und Handarbeitsanteil.

Was die Sorptionsklasse im Schlafzimmer bedeutet

DIN 18947 misst, wie viel Feuchte ein 15 Millimeter dicker, unbehandelter Lehmputz aufnimmt, wenn die Raumluft von 50 auf 80 Prozent relative Feuchte springt. Nach einer halben Stunde verlangt die Norm 3,5, 5,0 oder 6,5 Gramm je Quadratmeter, nach zwölf Stunden 35, 47,5 oder 60 Gramm, je nach Klasse WS I bis WS III.

Rechenbeispiel: Ein Schlafzimmer von 3,5 mal 4 Metern hat bei 2,5 Metern Höhe knapp 38 Quadratmeter Wandfläche. Nach Abzug von Fenster, Tür und Schrankwand bleiben etwa 25 Quadratmeter aktive Putzfläche. Ein WS-III-Lehmputz nimmt darauf in zwölf Stunden mindestens 25 × 60 = 1.500 Gramm auf, ein WS-I-Putz 875 Gramm.

Das klingt viel und ist doch begrenzt. Ein Drei-Personen-Haushalt gibt nach Angaben des Umweltbundesamtes 6 bis 12 Liter Wasser am Tag als Dampf an die Raumluft ab. Lehmputz federt Stundenspitzen ab, etwa nach der Nacht oder dem Duschen, er ersetzt aber kein Lüften. Und er gibt die Feuchte nur wieder ab, wenn die Raumluft danach trockener wird. Wo Feuchte an kalten Oberflächen kondensiert, etwa hinter Möbeln an der Außenwand, ändert keine Sorptionsklasse etwas an der Ursache.

Schimmel: Alkalität hilft nur am Anfang

Frischer Kalkputz ist stark alkalisch und deshalb anfangs ein schlechter Nährboden für Schimmelpilze. Mit der Karbonatisierung, bei der Calciumhydroxid mit dem Kohlendioxid der Luft zu Calciumcarbonat reagiert, lässt diese Wirkung über Monate nach. Ausschlaggebend bleibt die Feuchte an der Oberfläche: Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes nennt 80 Prozent relative Feuchte an der Oberfläche als Schwelle, ab der viele Arten wachsen; 70 bis 80 Prozent genügen, wenn sie länger anhalten. Kalkputz ist ein sinnvoller Baustein, aber kein Ersatz für die Suche nach Wärmebrücke, undichter Leitung oder aufsteigender Feuchte.

Bad und Küche: hier entscheidet die Abdichtung

DIN 18534 teilt Innenräume in Wassereinwirkungsklassen von W0-I bis W3-I ein. Ab W2-I, in die der Duschbereich eines normalen Hausbads fällt, sind nur feuchteunempfindliche Untergründe wie Beton, Zement- und Kalkzementputz zulässig. Weder ein weicher Kalk-Innenputz der Klasse CS I noch ein Lehmputz ist damit der Untergrund für die Dusche. Dort gehört eine Verbundabdichtung auf feuchteunempfindlichen Putz, wie sie die Abdichtung im Badezimmer beschreibt.

Für Lehm gilt nach dem CLAYTEC-Arbeitsblatt eine härtere Grenze: Dauerhaft feuchte und damit oft salzbelastete Wände lassen sich nicht mit Lehm verputzen; einzige Ausnahme ist ein bewusst temporärer Opferputz, der Salz aus dem Mauerwerk zieht und wieder abgenommen wird. Neben Waschbecken oder Arbeitsplatte mit gelegentlichem Spritzwasser sind Fliesen auf vorbehandeltem Lehmputz möglich, über der Wanne und in der Dusche nicht.

Untergrund, Schichtdicke, Trocknung

Kalkputz wird nach dem SAKRET-Merkblatt 10 bis 15 Millimeter dick aufgetragen, bei erhöhter Rissgefahr zweilagig mit Gewebe. Der Verbrauch liegt bei rund 13 Kilogramm je Quadratmeter und 10 Millimeter, ein 30-Kilogramm-Sack reicht damit für etwa 2,3 Quadratmeter. Stark saugende Untergründe werden vorgenässt, Mischmauerwerk erhält einen Vorspritzmörtel. Auf altem Mauerwerk gilt dieselbe Regel wie beim Innenputz im Bestand: Der neue Putz darf nicht fester sein als der Untergrund.

Lehmputz braucht einen tragfähigen, trockenen, rauen und saugfähigen Untergrund. Auf Holz und glatten Flächen ist ein Putzträger nötig, auf Gipsplatten eine Haftgrundierung; das gehört bei einer Trockenbauwand im Bestand vor die Materialwahl. Der größte Unterschied liegt in der Trocknung: Lehm muss sein ganzes Anmachwasser wieder abgeben. Dünne Lagen von 2 bis 3 Millimetern sind nach CLAYTEC in 24 bis 48 Stunden trocken, ein Zentimeter auf saugendem Untergrund braucht unter günstigen Bedingungen etwa eine Woche. Weil nasser Lehm selbst Schimmel nährt, gehört zügiges Trocknen mit Lüften oder Bautrockner zur Ausführung.

Der Anstrich entscheidet über die gekaufte Eigenschaft

Die Sorptionsklasse wird an unbehandeltem Putz gemessen. Ein dichter Dispersionsanstrich oder eine Tapete davor schaltet die Pufferwirkung ganz oder teilweise ab. Auf Lehm gehören Lehmfarben, Lehmstreichputze oder Kaseinfarben, auf Kalk Kalk- oder Silikatfarben; welche Bindemittel und Emissionswerte dahinterstehen, erklärt der Beitrag zu emissionsarmen Wandfarben. Lehmfeinputze gibt es in fertigen Farbtönen, dann entfällt der Anstrich ganz.

Verlangen Sie vor der Vergabe die vollständige Normbezeichnung des angebotenen Produkts: beim Kalkputz Mörtelart und Druckfestigkeitsklasse nach DIN EN 998-1, beim Lehmputz Festigkeits- und Sorptionsklasse nach DIN 18947. Fehlt die WS-Angabe, ist die beworbene Feuchteregulierung nicht zugesichert. Lassen Sie an der schwierigsten Wand eine Musterfläche mit dem vollständigen Aufbau anlegen und beurteilen Sie sie erst nach dem Trocknen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Dachverband Lehm: Tabelle A.1 aus DIN 18947:2018-12 – Wasserdampfsorptionsklassen von Lehmputzmörtel
  2. SMGV applica 11/2018: Sorptionsklassen WS I bis WS III nach DIN 18947 mit Zeitstufen
  3. Umweltbundesamt: FAQ Raumtemperatur und Lüften (Wasserdampfabgabe im Haushalt)
  4. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden
  5. CLAYTEC: Arbeitsblatt Lehmputze – Untergründe, Trocknung, Feuchträume
  6. SAKRET: Technisches Merkblatt Kalk-Innenputz KIP (GP CS I Wc0 nach DIN EN 998-1)
  7. DaiBau: Kosten für Innenputz je m²
  8. DaiBau: Kosten für Lehmputz je m²
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