Innenabdichtung im Keller: Wann sie reicht, was sie kostet und warum die Wand feucht bleibt
Eine Innenabdichtung kostet als Komplettsystem rund 130 bis 200 Euro je Quadratmeter Wand und funktioniert bei Bodenfeuchte und nicht drückendem Wasser. Die Wand selbst bleibt dabei feucht; bei drückendem Wasser braucht es Gelinjektion oder eine Außenabdichtung.

Das Wichtigste in Kürze
- DIN 18533 regelt nur die Abdichtung auf der wasserzugewandten Außenseite; für die Abdichtung von innen gibt es allein das WTA-Merkblatt 4-6 in der Ausgabe 12.2024 mit 72 Seiten.
- Bei aufstauendem Sickerwasser und drückendem Wasser genügt eine Beschichtung auf der Raumseite nicht, weil das Wasser sie von der Wand wegdrückt; dann helfen Gelinjektion oder eine Außenabdichtung.
- Ein Fachbetrieb aus dem Rhein-Main-Gebiet nennt für 2026 rund 130 bis 200 Euro je Quadratmeter Wand für ein Innensystem mit Vorarbeiten und Neuverputz, für Injektionssperren 80 bis 350 Euro je laufendem Meter.
- Der Salzgehalt bestimmt den Putzaufbau: ab mittlerer Belastung, etwa 0,2 Masseprozent Chlorid, wird Sanierputz mehrlagig ausgeführt.
Eine Innenabdichtung lohnt sich, wenn Sie den Keller von außen nicht freilegen können und das Wasser nicht gegen die Wand drückt. Sie macht die Wand nicht trocken, sondern verhindert nur, dass die Feuchte in den Raum verdunstet. Welches Verfahren zu welchem Schaden passt und was es kostet:
| Schaden | Passendes Verfahren | Richtkosten 2026 |
|---|---|---|
| Bodenfeuchte oder nicht stauendes Sickerwasser, Aushub unmöglich | Innenabdichtung mit WTA-zertifiziertem System, Hohlkehle, Sanierputz | 130 bis 200 €/m² Wand inkl. Vorarbeiten und Neuverputz |
| Kapillar aufsteigende Feuchte aus dem Fundament | Horizontalsperre durch Injektion (WTA-Merkblatt 4-10) | 80 bis 150 €/lfm (Creme), 200 bis 350 €/lfm (Druckinjektion) |
| Aufstauendes Sickerwasser, drückendes Wasser | Gelinjektion in den Wandquerschnitt (WTA 5-20) oder Außenabdichtung | außen: Freilegen 40 bis 70 €/m², Abdichtung 60 bis 120 €/m² Wand |
| Feuchte Flecken nur im Sommer | keine Abdichtung, sondern Lüftung | entfällt |
Die Beträge sind Richtwerte eines Abdichtungsbetriebs für das Rhein-Main-Gebiet 2026, keine Festpreise. Für einen Keller mit 60 m² betroffener Wandfläche und 40 Metern Wandlänge ergibt das rund 7.800 bis 12.000 Euro für die Innenabdichtung und 3.200 bis 6.000 Euro für eine Creme-Injektion als Horizontalsperre. Ob die Feuchte von außen, von unten oder aus der Raumluft kommt, klären Sie vorher; wie das geht, steht im Beitrag Keller feucht: Ursache finden.
Für die Innenseite gibt es keine DIN
DIN 18533 regelt die Abdichtung erdberührter Bauteile nur auf der wasserzugewandten Seite, also außen. Für die nachträgliche Abdichtung von innen gibt es keine Norm. Das einzige übergeordnete Regelwerk ist das WTA-Merkblatt 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“, aktuell in der Ausgabe 12.2024 mit 72 Seiten.
Wer eine Innenabdichtung beauftragt, vereinbart damit keine genormte Bauweise, sondern ein Verfahren nach Merkblatt. Benennen Sie das System deshalb im Vertrag mit Hersteller, Produktnamen und Zertifizierung. „Dichtschlämme, zweilagig“ reicht als Leistungsbeschreibung nicht.
Das Merkblatt zeigt auch die Grenze. Bei aufstauendem Sickerwasser und drückendem Wasser drückt das Wasser eine innen liegende Beschichtung von der Wand weg, statt sie anzupressen. Halten kann sie dann nur ihre Haftzugfestigkeit, und die verträgt keinen nennenswerten Wasserdruck. Steht Wasser tatsächlich an, ist die Außenabdichtung der Kellerwand die richtige Antwort; eine Drainage nach DIN 4095 kann sie entlasten, aber nicht ersetzen.
Was aus der feuchten Wand folgt
Weil der Wandquerschnitt feucht bleibt, müssen alle anschließenden Materialien feuchteverträglich sein.
- Wand-Boden-Anschluss. Er ist die kritischste Stelle. Er wird als Hohlkehle ausgebildet und in die Flächenabdichtung eingebunden. Eine Silikonfuge oder eine aufgesetzte Leiste leistet das nicht.
- Durchdringungen. Leitungen, einbindende Innenwände und der Übergang zu einer vorhandenen Außenabdichtung gehören in die Detailplanung, bevor gearbeitet wird.
- Schutz der Abdichtung. Das Merkblatt nennt Putz oder eine kapillaraktive Innendämmung. Eine konventionelle Dämmung mit Dampfbremse lässt die Wand in keine Richtung mehr abtrocknen; welche Aufbauten funktionieren, behandelt der Beitrag zur Innendämmung im Altbau.
- Höhe. Die Verdunstung sucht sich einen neuen Weg, meist oberhalb der Abdichtung. Führen Sie die Beschichtung deshalb mindestens 30 Zentimeter über die letzte erkennbare Feuchtespur hinaus.
- Boden. Ein dichter Belag auf einer Bodenplatte ohne Abdichtung nach unten verlagert die Feuchte nur an die Ränder. Wann eine nachträgliche Abdichtung der Bodenplatte möglich ist, steht dort.
Salz bestimmt den Putzaufbau
Wasser, das jahrzehntelang durch Mauerwerk gewandert ist, hinterlässt Salze. Sie kristallisieren beim Trocknen aus, sprengen Putz und Ziegel und ziehen Feuchte aus der Raumluft. Bohrmehlproben aus mehreren Höhen, im Labor auf Chlorid, Nitrat und Sulfat untersucht, ergeben die Einstufung nach WTA-Merkblatt 4-5:
| Belastungsgrad | Chlorid | Nitrat | Sulfat |
|---|---|---|---|
| gering | < 0,2 M-% | < 0,1 M-% | < 0,5 M-% |
| mittel | 0,2 bis 0,5 M-% | 0,1 bis 0,3 M-% | 0,5 bis 1,5 M-% |
| hoch | > 0,5 M-% | > 0,3 M-% | > 1,5 M-% |
Maßgeblich ist der höchste gemessene Wert, gleich welches Salz ihn verursacht. Bei geringer Belastung genügt ein einlagiger Sanierputz mit mindestens 2 Zentimetern Dicke. Ab mittlerer Belastung wird mehrlagig ausgeführt: zwei Lagen Sanierputz oder ein Porengrundputz mit Sanierputz darüber (WTA-Merkblatt 2-9). Sanierputz ist kein Sperrputz. Er lagert die Salze in seinen Poren ein und lässt Wasserdampf durch. Ein dichter Anstrich darauf macht das System unwirksam. Der Richtwert für den Sanierputz allein liegt bei 30 bis 60 Euro je Quadratmeter.
Horizontalsperre: was die Injektion leistet
Steigt Feuchte kapillar aus dem Fundament auf, hilft keine Flächenabdichtung an der Wand. Dagegen wird eine nachträgliche Horizontalsperre eingebracht, meist durch Injektion nach WTA-Merkblatt 4-10. Gebohrt wird in einer Reihe, typisch im Abstand von 10 bis 12,5 Zentimetern; das Mittel verteilt sich in den Kapillaren und macht sie wasserabweisend. Mehr dazu im Beitrag zur Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchte.
Entscheidend ist der Durchfeuchtungsgrad des Mauerwerks. Jedes Injektionsmittel wirkt nur bis zu einer Obergrenze; ist die Wand nasser, verdrängt das Wasser den Wirkstoff, und die Sperre bekommt Lücken. Der Durchfeuchtungsgrad wird an Bohrmehlproben im Labor bestimmt, nicht mit einem Widerstandsmessgerät an der Oberfläche. Ein Angebot, das Injektion und Innenabdichtung ohne vorherige Messung im selben Arbeitsgang vorsieht, überspringt genau diesen Schritt.
Innen oder außen: so entscheiden Sie
Innen wird abgedichtet, wenn der Aushub unmöglich ist: bei Grenzbebauung, angebauter Terrasse, geschütztem Baumbestand oder fehlender Zufahrt. Außen wird abgedichtet, wenn die Wand wirklich trocken werden soll, etwa weil der Keller Wohnraum wird. Beides zusammen ist in Ausnahmefällen sinnvoll, ersetzt einander aber nie. Wie Gelände und Spritzwasser die Belastung von außen erhöhen, zeigt der Beitrag zum Geländegefälle am Keller.
Beginnen Sie mit der Diagnose, nicht mit dem Angebot. Lassen Sie Bohrmehlproben auf Feuchte und Salz untersuchen, aus mindestens zwei Höhen und zwei Wandtiefen. Verlangen Sie im Angebot das zertifizierte System mit Namen und eine Detailzeichnung für den Wand-Boden-Anschluss. Dieser Punkt ist nach dem Verputzen nicht mehr korrigierbar.
Quellen und weiterführende Informationen
- WTA: Merkblatt 4-6 – Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile, Ausgabe 12.2024 (Kurzfassung)
- WTA: Merkblatt 2-9 – Sanierputzsysteme (Kurzfassung)
- bba: Erdberührte Bauteile nachträglich abdichten – WTA-Merkblatt 4-6
- Deutsches Architektenblatt: Sanierputz ist kein Alleskönner
- Malerblatt: Wie funktioniert eine Horizontalsperre?
- Rama Abdichtungstechnik: Keller abdichten, Kosten 2026 (Richtwerte Rhein-Main)

















