Wohnungsbau: Unternehmen blicken wieder deutlich pessimistischer nach vorn
Das ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau hat sich im Juni verschlechtert. Schwache Nachfrage, Stornierungen und Materialengpässe belasten die Betriebe.

Das Wichtigste in Kürze
- Das ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau sank im Juni von minus 29,5 auf minus 31,0 Punkte.
- Die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen erreichten den niedrigsten Stand seit März 2025.
- Private Bauherren sollten Angebote und Termine weiterhin sorgfältig prüfen, statt allein auf die schlechte Branchenstimmung zu reagieren.
Die Hoffnung auf eine allmähliche Erholung im deutschen Wohnungsbau hat einen neuen Dämpfer erhalten. Nach der am 13. Juli veröffentlichten Konjunkturumfrage des ifo Instituts verschlechterte sich die Stimmung der Wohnungsbauunternehmen im Juni erneut. Am 15. Juli griff die Tagesschau die Entwicklung auf und verwies neben der schwachen Nachfrage auch auf Belastungen durch den Iran-Krieg.
Für private Bauherren und Eigentümer bedeutet die Meldung nicht, dass sämtliche Baupreise oder Wartezeiten nun automatisch sinken. Sie zeigt aber, dass viele Betriebe ihre Auftragslage und die kommenden Monate skeptischer beurteilen. Bei geplanten Neubauten, Anbauten und größeren Sanierungen lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Anbieter, Zahlungsplan und Lieferzusagen.
Geschäftsklima fällt auf minus 31 Punkte
Das ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau sank nach Angaben des Instituts von minus 29,5 Punkten im Mai auf minus 31,0 Punkte im Juni. Sowohl die Bewertung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die nächsten Monate gingen zurück. Die Geschäftserwartungen lagen so niedrig wie zuletzt im März 2025.
Auch im laufenden Geschäft bleibt der Druck hoch. 43,7 Prozent der befragten Unternehmen berichteten im Juni von zu wenigen Aufträgen; im Vormonat waren es 42,2 Prozent. Die Stornierungsquote lag laut ifo bei 11,4 Prozent. Zudem meldeten 9,7 Prozent der Unternehmen Engpässe bei wichtigen Vorprodukten.
Diese Zahlen beschreiben die Lage der befragten Wohnungsbauunternehmen. Sie lassen sich nicht eins zu eins auf jeden Handwerksbetrieb oder jede Region übertragen. Ein Dachdeckerbetrieb mit guter Auslastung kann weiterhin lange Vorlaufzeiten haben, während ein Generalunternehmer im Neubau freie Kapazitäten sucht.
Warum trotz Genehmigungen keine Trendwende erkennbar ist
Das ifo Institut verweist darauf, dass steigende Baugenehmigungen bislang nicht zu einer nachhaltigen Belebung geführt haben. Genehmigte Projekte werden nicht zwangsläufig sofort begonnen. Finanzierungskosten, hohe Gesamtkosten, unsichere Absatzchancen und schwache Neuaufträge können dazu führen, dass Vorhaben verschoben oder neu kalkuliert werden.
Die Tagesschau nennt den Iran-Krieg als zusätzlichen Belastungsfaktor. Für die Baubranche können geopolitische Konflikte insbesondere über Energiepreise, Transportwege und die Verfügbarkeit von Vorprodukten wirken. Wie stark ein einzelnes Bauprojekt betroffen ist, hängt allerdings von den eingesetzten Materialien, Lieferketten und bereits vereinbarten Preisen ab. Eine allgemeine Mehrkostenquote lässt sich aus der Umfrage nicht ableiten.
Das ifo Institut warnt zugleich davor, einen Rückgang von Stornierungen bereits als Trendwende zu werten. Wenn neue Aufträge fehlen, verbessert eine geringere Zahl abgesagter Projekte die Auslastung nur begrenzt.
Wer jetzt besonders betroffen ist
Die schwache Stimmung trifft zunächst Projektentwickler, Wohnungsbauunternehmen und jene Handwerksbetriebe, die stark vom Neubau abhängen. Mittelbar betrifft sie aber auch private Bauherren: Gerät ein Auftragnehmer wirtschaftlich unter Druck, können Termine, Nachunternehmer und Zahlungsabläufe anfälliger werden.
Wer ein schlüsselfertiges Haus bauen lässt oder einen größeren Umbau plant, sollte deshalb nicht nur den Angebotspreis vergleichen. Wichtig sind Referenzen, klare Leistungsbeschreibungen, realistische Bauzeiten und ein Zahlungsplan, der dem nachweisbaren Fortschritt folgt. Hohe Vorauszahlungen bleiben auch in einem schwachen Markt riskant.
Für kleinere Modernisierungen kann die Lage dagegen Chancen bieten. Betriebe mit freien Kapazitäten reagieren möglicherweise schneller auf Anfragen. Daraus folgt aber kein Anspruch auf Rabatte. Energetische Sanierung, Reparatur und Kundendienst folgen oft einer anderen Nachfrage als der klassische Wohnungsneubau.
Neue Maßnahmen des Bundes müssen erst wirken
Die Bundesregierung will den Wohnungsbau mit neuen Maßnahmen stützen. Ob diese Instrumente die Nachfrage rasch beleben, lässt sich zum Zeitpunkt der ifo-Meldung noch nicht beurteilen. Zwischen einer politischen Ankündigung, konkreten Förderrichtlinien, Finanzierungszusagen und dem tatsächlichen Baustart liegen häufig mehrere Schritte.
Eigentümer sollten deshalb weder auf mögliche künftige Erleichterungen spekulieren noch ein Vorhaben allein wegen der schlechten Konjunkturdaten überstürzen. Entscheidend bleibt die Rechnung für das konkrete Objekt: Welche Arbeiten sind notwendig, welche Finanzierung ist gesichert und welche Förderung ist zum Antragszeitpunkt tatsächlich verfügbar?
Was Bauherren jetzt tun können
Holen Sie für größere Gewerke mehrere vergleichbare Angebote ein und lassen Sie unklare Pauschalen aufschlüsseln. Fragen Sie nach verbindlichen oder zumindest nachvollziehbaren Liefer- und Ausführungsfristen. Bei materialintensiven Leistungen sollte im Vertrag stehen, wie Preisänderungen behandelt werden und welche Nachweise dafür erforderlich sind.
Prüfen Sie außerdem die wirtschaftliche und fachliche Eignung des Auftragnehmers. Aktuelle Referenzen, Handelsregisterangaben, Betriebshaftpflicht und eine klare Benennung der Nachunternehmer geben mehr Sicherheit als ein auffällig niedriger Endpreis. Abschläge sollten an definierte Bauabschnitte gekoppelt sein; unstreitige Leistungen werden bezahlt, Vorauszahlungen ohne angemessene Absicherung vermieden.
Bei laufenden Projekten empfiehlt sich eine saubere Dokumentation. Halten Sie Baufortschritt, Mängel, Lieferankündigungen und Absprachen schriftlich fest. Wenn Termine ins Rutschen geraten, sollte früh geklärt werden, ob eine kurzfristige Störung oder ein grundsätzliches Kapazitäts- beziehungsweise Beschaffungsproblem vorliegt.
Die ifo-Umfrage ist damit vor allem ein Warnsignal für die Branche, kein unmittelbarer Preisindikator für den einzelnen Auftrag. Für Eigentümer steigt der Wert einer sorgfältigen Vertrags- und Anbieterprüfung – gerade dann, wenn Betriebe um Aufträge konkurrieren und zugleich mit unsicheren Kosten rechnen müssen.



































