Fluchtwege im Eigenheim im Notfall handeln: Alarmieren, sichern und geordnet reagieren

Einen Notfallablauf mit klaren Stoppschildern. Im Mittelpunkt: Alarmierung, Evakuierung oder Bereichssicherung, Abschalten nur wenn gefahrlos, Rettungskräfte.

03Brandschutz

Das Wichtigste in Kürze

  • Alarmierung, Evakuierung oder Bereichssicherung, Abschalten nur wenn gefahrlos.
  • Der Beitrag liefert einen Notfallablauf mit klaren Stoppschildern.
  • Die Seite deckt ausschließlich sicheres Verhalten im Ereignisfall ab.

Die ersten dreißig Sekunden entscheiden über den Rest

Im Ernstfall gibt es keine Zeit für Abwägungen. Deshalb muss die Reihenfolge vorher feststehen und darf im Ereignis nicht neu erfunden werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fasst sie für Privathaushalte kurz: Ruhe bewahren, die Feuerwehr über die 112 alarmieren, sich und andere in Sicherheit bringen und einen Löschversuch nur dann unternehmen, wenn es sich um einen Entstehungsbrand handelt und keine Eigengefährdung besteht.

Diese Reihenfolge ist keine Rangliste nach Wichtigkeit, sondern eine nach Zeit. Der Notruf dauert wenige Sekunden und startet eine Kette, die parallel zu allem anderen läuft. Die Rettung von Personen hat gegenüber jedem Sachwert Vorrang. Und der Löschversuch steht bewusst am Ende, weil er die einzige Handlung ist, die Sie ohne Verlust unterlassen dürfen.

Wer im Haus lebt, sollte diese vier Punkte in dieser Reihenfolge auswendig können — Kinder eingeschlossen, in ihrer eigenen, kindgerechten Fassung.

Alarmieren: was die Leitstelle braucht

Wählen Sie die 112. Die Leitstelle führt durch das Gespräch, aber die Alarmierung wird schneller, wenn Sie die Kernangaben ohne Nachfragen liefern: Wo ist es passiert, mit vollständiger Adresse einschließlich Ortsteil und Etage. Was ist passiert, in einem Satz. Wie viele Personen sind betroffen oder noch im Gebäude. Welche Besonderheiten gibt es. Und dann: nicht auflegen, sondern auf Rückfragen warten und den Anweisungen folgen.

Zu den Besonderheiten gehören Angaben, die im Wohnhaus über die Einsatztaktik entscheiden: eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, ein Batteriespeicher im Keller oder in der Garage, ein Flüssiggasbehälter auf dem Grundstück, gelagerte Brennstoffe, ein Heizöltank, ein Elektrofahrzeug in der Garage. Nennen Sie außerdem, wenn Personen im Gebäude sind, die sich nicht selbst retten können, und wo diese sich befinden.

Stellen Sie eine Person als Einweiser an die Straße, sofern das gefahrlos möglich ist. Sie hält die Zufahrt frei, zeigt den Weg und gibt die Information weiter, ob alle Bewohner draußen sind.

Entscheidungsbaum für die ersten Minuten

Gehen Sie die folgenden Fragen in dieser Reihenfolge durch. Jede Antwort führt zu genau einer Handlung.

Ist eine Person in unmittelbarer Gefahr und können Sie sie ohne Betreten eines verrauchten Bereichs erreichen? Dann bringen Sie diese Person heraus. Können Sie sie nicht ohne eigene Gefährdung erreichen, dann melden Sie ihren genauen Aufenthaltsort an die Feuerwehr und gehen selbst nicht hinein.

Ist der Weg nach draußen rauchfrei? Dann verlassen Sie das Gebäude, schließen jede Tür hinter sich und gehen zum vereinbarten Sammelplatz. Ist der Weg verraucht, gehen Sie nicht hinein — auch nicht kurz, auch nicht geduckt, auch nicht mit einem nassen Tuch vor dem Gesicht.

Ist der Weg blockiert und Sie befinden sich in einem Raum? Dann machen Sie diesen Raum zur Rückzugszone: Tür schließen, Spalten mit Textilien abdichten, an das Fenster gehen, sich zeigen und bemerkbar machen und der Leitstelle telefonisch mitteilen, in welchem Raum und Geschoss Sie sich befinden. Springen Sie nicht.

Handelt es sich um einen Entstehungsbrand, den Sie vollständig überblicken, mit freiem Rückweg und passendem Löschmittel? Dann ist ein Löschversuch vertretbar. Trifft auch nur eine dieser Bedingungen nicht zu, unterbleibt er.

Stoppschilder: Handlungen, die niemals stattfinden

Situation Falsche Reaktion Warum sie tödlich enden kann
Verrauchter Treppenraum kurz hindurchlaufen Orientierungsverlust und Bewusstlosigkeit binnen weniger Atemzüge
Brennendes Speisefett Löschen mit Wasser schlagartige Verdampfung schleudert brennendes Fett als Feuerball durch den Raum
Brennende Person Löschdecke überwerfen nach der Bewertung des zuständigen DGUV-Fachbereichs ungeeignet, Wärme wird übertragen, Kleidung kann anhaften
Geschlossene, heiße Tür Tür öffnen, um nachzusehen plötzliche Luftzufuhr kann eine Durchzündung auslösen
Vergessene Gegenstände Rückkehr ins Gebäude Rückkehrer sind eine der häufigsten Ursachen schwerer Personenschäden
Mehrfamilienhaus mit Aufzug Aufzug benutzen Aufzug kann im Brandgeschoss halten oder stromlos stehen bleiben
Rauch im Obergeschoss Fenster dauerhaft weit öffnen und im Raum bleiben Zugluft zieht Feuer und Rauch nach, wenn die Tür nicht dicht ist
Löschversuch im Alleingang vor dem Notruf löschen ohne Alarmierung fehlt jede Rückfallebene, wenn der Versuch scheitert
Batteriespeicher oder Elektrofahrzeug brennt Eigenlöschversuch erfordert massive und anhaltende Kühlung, die nur die Feuerwehr leisten kann
Verrauchter Keller Sicherungen ausschalten gehen der Weg führt in den gefährlichsten Bereich des Gebäudes

Diese Zeilen sind keine Empfehlungen, sondern Ausschlüsse. Sie gelten unabhängig davon, wie beherrschbar die Lage im ersten Moment wirkt.

Abschalten: nur auf dem Weg nach draußen

Das Abschalten von Energie kann eine Lage entschärfen — aber nur, wenn es ohne Umweg und ohne Gefährdung möglich ist. Die Regel lautet: Was auf dem Fluchtweg liegt, darf betätigt werden; wofür Sie umkehren müssten, bleibt unangetastet.

Konkret bedeutet das: Steht die Herdplatte unter einem brennenden Topf und stehen Sie davor, schalten Sie sie aus. Liegt der Hauptschalter im Flur, den Sie ohnehin passieren, betätigen Sie ihn. Liegt die Absperreinrichtung für Gas im Keller und der Weg dorthin führt in den Gefahrenbereich, bleibt sie zu. Die Feuerwehr bringt eigene Mittel mit und erfährt von Ihnen, wo sich die Absperrungen befinden.

Zwei technische Punkte gehören dazu, weil sie regelmäßig falsch eingeschätzt werden. Erstens: Der Hauptschalter im Zählerschrank trennt die Hausinstallation, nicht die Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage. Die Leitungen zwischen Modulen und Wechselrichter bleiben bei Tageslicht spannungsführend — deshalb ist der Hinweis auf die Anlage beim Notruf so wichtig. Zweitens: Ein Batteriespeicher bleibt auch nach dem Trennen vom Netz eine Energiequelle. Beides sind Informationen für die Einsatzkräfte, keine Aufgaben für Sie.

Sammelplatz und Übergabe an die Einsatzkräfte

Der Sammelplatz muss vorher feststehen, außerhalb des Gefahrenbereichs liegen und die Zufahrt nicht blockieren — ein markanter Punkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite oder an der Grundstücksgrenze. Dort wird gezählt. Melden Sie der ersten eintreffenden Einsatzkraft in einem Satz: ob alle Personen draußen sind, wo es brennt und welche Besonderheiten das Gebäude hat.

Wenn eine Person fehlt, nennen Sie den Namen, das Alter und den zuletzt bekannten Aufenthaltsort. Suchen Sie nicht selbst. Wenn Sie unsicher sind, ob jemand noch im Haus ist, sagen Sie genau das — eine unsichere Angabe ist für die Einsatzleitung wertvoller als eine geschönte.

Bleiben Sie am Sammelplatz erreichbar. Die Einsatzkräfte kommen mit Rückfragen zu Grundriss, Zugängen und Schlüsseln auf Sie zu.

Nachbereitung: was danach zu tun und zu lassen ist

Betreten Sie das Gebäude erst wieder, wenn die Einsatzleitung es ausdrücklich freigibt. Nach einem Brand können Brandgase in Räumen stehen, Kohlenmonoxid ist dabei geruchlos und nicht wahrnehmbar. Auch bauliche Schäden an Decken und Treppen sind von außen häufig nicht erkennbar.

Räumen Sie die Brandstelle nicht auf und verändern Sie sie nicht, bevor Brandursachenermittlung und Versicherer sie gesehen haben. Fertigen Sie stattdessen eine Fotodokumentation aus sicherer Position an und melden Sie den Schaden zeitnah Ihrem Versicherer. Bewahren Sie beschädigte Geräte auf, statt sie zu entsorgen — sie können für die Ursachenklärung entscheidend sein.

Lassen Sie vor der Wiederinbetriebnahme prüfen, was von Hitze, Rauch oder Löschwasser betroffen war: die Elektroinstallation durch eine Elektrofachkraft, Feuerstätte und Schornstein durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger, Heizungs- und Lüftungstechnik durch den jeweiligen Fachbetrieb. Ersetzen Sie außerdem alle Rauchwarnmelder, die Brandrauch ausgesetzt waren, und lassen Sie eingesetzte Feuerlöscher instand setzen.

Werten Sie zum Schluss den Ablauf im Haushalt aus: Hat der Alarm alle erreicht, war der Weg frei, wusste jeder, wohin? Diese Auswertung ist der einzige Teil der Nachbereitung, den niemand außer Ihnen leisten kann.

Grenzen des eigenen Handelns

Ihre Zuständigkeit endet an drei klaren Linien: Sie betreten keinen verrauchten Bereich, Sie unternehmen keinen Löschversuch jenseits des überschaubaren Entstehungsbrands, und Sie geben das Gebäude nicht selbst zur Nutzung frei. Menschenrettung aus verrauchten Bereichen, Brandbekämpfung im Vollbrand, Belüftung und Messung der Raumluft sowie die Freigabe nach dem Einsatz sind Aufgaben der Feuerwehr. Die Beurteilung von Standsicherheit, Elektroinstallation und Feuerstätte nach einem Brand ist Aufgabe der jeweiligen Fachleute.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BBK – Brandschutz: Was tun, wenn es brennt?
  2. DGUV Information 205-025 – Feuerlöscher richtig einsetzen
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel