Ethernet-Verkabelung planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen

Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
  • Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
  • Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.

Das Nutzungsprofil steht vor der ersten Trasse

Eine strukturierte Datenverkabelung wird nicht nach Gefühl dimensioniert, sondern aus einem Nutzungsprofil abgeleitet, das vor dem ersten Angebot schriftlich vorliegt. Gehen Sie dafür Raum für Raum durch das Haus und notieren Sie drei Größen: Welche ortsfesten Geräte brauchen dauerhaft einen Anschluss, welche davon werden über die Datenleitung mit Strom versorgt, und welche Geräte sollen in zehn Jahren dort stehen können, ohne dass eine Wand geöffnet wird.

Ortsfeste Verbraucher sind Fernseher, Set-Top-Box, Spielkonsole, Arbeitsplatzrechner, Drucker, Netzwerkspeicher, Heizungs- und Wechselrichtergateways, Türsprechanlage, Kameras und die Deckenpunkte für Funkzugangspunkte. Anwendungsneutral geplant wird nach dem Grundgedanken der DIN EN 50173-1: Die Verkabelung kennt die Anwendung nicht, sie stellt eine definierte Übertragungsstrecke bereit. DIN EN 50173-4 überträgt dieses Prinzip auf Wohnungen und Wohngebäude. DIN 18015-2 beschreibt die Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden und behandelt dabei auch Anschlüsse für Kommunikationstechnik. Für die Planung heißt das: Anschlussdosen sind kein Zubehör, sondern Bestandteil der Grundausstattung eines Raums.

Die 90-Meter-Grenze ist die härteste Planungsvorgabe

Kupferbasierte Klasse-D- bis Klasse-FA-Strecken sind über eine feste Streckenlänge definiert. Der fest installierte Teil zwischen Verteilerfeld und Anschlussdose, die permanente Verbindung, darf 90 Meter nicht überschreiten; zusammen mit den Rangier- und Geräteschnüren ergibt sich die 100 Meter lange Gesamtverbindung. Diese Grenze entscheidet über den Standort des Verteilerpunkts, nicht umgekehrt.

Messen Sie deshalb früh die längste denkbare Trasse: vom vorgesehenen Verteiler über Steigezone, Decke, Wandvorsprünge und Schleifen bis zur entferntesten Dose. Rechnen Sie großzügig, denn Kabel laufen nie auf Luftlinie. Wird die Grenze gerissen, gibt es genau drei zulässige Antworten: den Verteilerpunkt verschieben, einen zweiten Verteilerpunkt einrichten und beide über Glasfaser koppeln, oder die betroffene Strecke von vornherein als Lichtwellenleiter ausführen. Ein zwischengeschalteter Switch im Kabelkanal ist keine Antwort, sondern eine spätere Fehlerquelle.

Klasse, Kategorie und die Frage nach der Schirmung

Kategorie beschreibt die Komponente, Klasse die fertige Strecke. Eine Strecke der Klasse EA setzt durchgängig Komponenten der Kategorie 6A voraus, also Kabel, Dosen, Verteilerfeld und Schnüre. Die schwächste Komponente bestimmt das Ergebnis: Ein Kategorie-6A-Kabel auf eine Kategorie-5e-Dose aufgelegt ergibt keine Klasse-EA-Strecke.

Für Neuinstallationen im Eigenheim ist Kategorie 6A der sinnvolle Ausgangspunkt, weil sie 10 Gigabit über die volle Streckenlänge trägt und damit die übliche Lebensdauer der Kabelanlage von zwei Jahrzehnten überbrückt. Geschirmte Ausführungen sind in Deutschland üblich; sie erfordern jedoch eine fachgerechte, beidseitig durchgehende Schirmauflage. Ein geschirmtes Kabel mit nicht aufgelegtem Schirm ist elektrisch schlechter als eine saubere ungeschirmte Installation.

Wo die Datentechnik zur Elektroinstallation wird

An vier Punkten verlässt das Vorhaben den Bereich der reinen Nachrichtentechnik, und ab dort gilt die Zuständigkeit einer Elektrofachkraft. Erstens die Trassenführung neben Energieleitungen: DIN EN 50174-2 gibt für die Installationsplanung in Gebäuden ein Verfahren zur Bestimmung von Trennungsabständen zwischen Energie- und Kommunikationskabeln vor, abhängig von Schirmung und Art der Kabelführung. Gemeinsame Verlegung im selben Kanal ohne metallische Trennwand ist der klassische Planungsfehler.

Zweitens die Brandabschottung: Jede Durchdringung einer klassifizierten Wand oder Decke muss mit einem System verschlossen werden, für das ein Verwendbarkeitsnachweis vorliegt. Drittens der Potentialausgleich: Metallische Verteiler, Schirme und Erdungsschienen gehören in den Schutzpotentialausgleich nach den Errichtungsbestimmungen der Reihe DIN VDE 0100 einbezogen. Viertens die Kabelauswahl nach Brandverhalten: Installationskabel tragen eine Euroklasse nach der Bauproduktenverordnung, geprüft nach DIN EN 50575. Welche Klasse im konkreten Gebäude gefordert ist, ergibt sich aus dem Bauordnungsrecht des Landes.

Arbeiten hinter der Messeinrichtung an der elektrischen Anlage bleiben nach der Niederspannungsanschlussverordnung einem in das Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragenen Unternehmen vorbehalten. Das betrifft Sie in dem Moment, in dem für den Verteilerpunkt ein eigener Stromkreis, eine Steckdose oder eine Erdungsverbindung entsteht.

Speisung über die Datenleitung mitplanen

Deckenpunkte für Funkzugangspunkte, Kameras und Türstationen werden heute über die Datenleitung gespeist. Die Leistungsklassen sind in der Normenfamilie IEEE 802.3 festgelegt: rund 15 Watt am speisenden Anschluss in der ursprünglichen Ausführung, etwa 30 Watt in der erweiterten und bis 60 beziehungsweise 90 Watt in den vierpaarigen Varianten. Der Strom erwärmt das Kabelbündel, und diese Erwärmung reduziert die zulässige Streckenlänge. Planen Sie deshalb große Bündel mit Speisung nicht bis an die 90-Meter-Grenze und wählen Sie für Speisestrecken Installationskabel mit dem größeren Aderquerschnitt.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

Anforderung Mindestfestlegung Auslöser für die höhere Stufe
Streckenklasse Klasse EA mit durchgängig Kategorie 6A Bestandsdosen aus Kategorie 5e nur, wenn Wand nicht geöffnet wird
Länge permanente Verbindung höchstens 90 Meter, gemessen am Trassenverlauf Überschreitung erzwingt zweiten Verteiler oder Glasfaser
Anschlüsse je Aufenthaltsraum mindestens zwei Ports, doppelt belegte Dose vier Ports an Arbeitsplatz und Medienwand
Deckenpunkte je Geschoss mindestens ein gespeister Deckenauslass offene Grundrisse und Massivdecken erhöhen den Bedarf
Speisung vierpaarige Auflegung aller Adern, kein Zweipaarbetrieb Kameras und Displays mit hoher Leistungsaufnahme
Leerrohrreserve je Steigezone ein freies Rohr mit Zugdraht geplanter Ausbau von Dach oder Keller
Schirmung durchgängig aufgelegt oder durchgängig verzichtet Mischformen sind unzulässig
Verteilerpunkt trocken, belüftet, mit eigener Steckdose Aufstellung im Wohnraum nur mit Geräuschbetrachtung
Nachweis Zertifizierungsmessung jeder Strecke, Protokoll je Port Abnahme ohne Protokoll nicht freigeben

Reserven, die später nicht nachrüstbar sind

Drei Reserven kosten in der Planung wenig und in der Nachrüstung viel. Die erste ist das leere Rohr in jeder Steigezone, weil es den Unterschied zwischen einziehen und stemmen ausmacht. Die zweite ist die Doppeldose statt der Einfachdose, denn der Mehraufwand liegt fast vollständig im Kabel, nicht in der Wandöffnung. Die dritte ist Platz im Verteiler: Ein Gehäuse, das exakt auf den heutigen Bestand passt, blockiert jede spätere Erweiterung um Patchfeld, Switch oder Glasfaserkassette.

Umgekehrt lohnt es sich nicht, Reserven im Aktivteil zu planen. Switches, Router und Zugangspunkte werden während der Lebensdauer der Kabelanlage mehrfach getauscht; hier zählt allein die Anschlussfähigkeit, nicht die Vorratshaltung.

Was Sie vorbereiten können und wo Ihre Zuständigkeit endet

Sie können den Grundriss mit Anschlusspunkten und Trassen zeichnen, Längen abschreiten, Zugänglichkeiten fotografieren, den Verteilerort festlegen und die Anforderungsliste als Grundlage für gleichlautende Angebote versenden. Damit vergleichen mehrere Betriebe denselben Leistungsumfang statt eigener Annahmen.

Nicht in Ihre Hand gehören die Bewertung von Trennungsabständen zu Energieleitungen, die Auswahl und Ausführung von Abschottungssystemen, jede Verbindung zum Potentialausgleich und die Festlegung der bauordnungsrechtlich geforderten Kabelklasse. Diese vier Punkte gehören in das Angebot eines Fachbetriebs, ausdrücklich benannt und nicht als Sammelposition.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DKE – DIN EN 50173-4 (VDE 0800-173-4):2024-06, Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen, Teil 4: Wohnungen
  2. DIN Media – DIN 18015-2:2021-10, Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Teil 2: Art und Umfang der Mindestausstattung
  3. DKE – DIN EN 50173-1 (VDE 0800-173-1):2018-10, Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen
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