Ethernet-Verkabelung nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Reihenfolge der Arbeiten, bevor das erste Kabel gezogen wird

Eine Nachrüstung im bewohnten Bestand scheitert selten an der Technik und häufig an der Reihenfolge. Bewährt hat sich eine feste Abfolge: Bestandsaufnahme der Trassen, Festlegung des Verteilerorts, Freimachen und Abdecken, Herstellung der Durchbrüche, Einzug der Kabel, Auflegen an Verteiler und Dosen, Messung, Beschriftung, Inbetriebnahme der aktiven Technik, Abnahme.

Zwei Schritte werden regelmäßig vertauscht, mit Folgen. Erstens: Die Beschriftung entsteht während des Einzugs, nicht danach. Ein Kabel, das nach dem Einzug in einem Bündel von zwölf gleichen Mänteln liegt, ist nur noch mit Messgerät identifizierbar. Zweitens: Die Messung erfolgt vor dem Verschließen von Kanälen, Abhangdecken und Schächten. Wird zuerst verschlossen und danach gemessen, sind fehlerhafte Strecken nur mit erneutem Öffnen erreichbar.

Einzug: drei mechanische Größen entscheiden über das Ergebnis

Beim Verlegen entstehen die Schäden, die später als grenzwertige Messwerte auftauchen. Drei Größen sind zu beachten, und alle drei nennt der Kabelhersteller im Datenblatt. Die erste ist die zulässige Zugkraft; bei vierpaarigen Installationskabeln liegt sie in einer Größenordnung, die eine Person mit der Hand deutlich überschreiten kann. Ziehen Sie deshalb nie über eine Kante und nie ruckartig, sondern gleichmäßig und mit Gleitmittel im Rohr.

Die zweite Größe ist der Mindestbiegeradius, angegeben als Vielfaches des Kabelaußendurchmessers, mit einem größeren Wert während des Zugs und einem kleineren im verlegten Zustand. Die dritte ist der Anpressdruck durch Befestigungsmittel: Kabelbinder werden handfest gesetzt, nicht mit der Zange gespannt. Eine sichtbare Einschnürung im Mantel bedeutet bereits eine Verformung der Aderpaare und damit eine dauerhafte Verschlechterung des Nebensprechverhaltens.

Nach DIN EN 50174-2 gehört zur Installationsplanung auch die Trennung von Energieleitungen. Halten Sie Datenkabel konsequent aus Kanälen mit Energieleitungen heraus, kreuzen Sie Energieleitungen möglichst rechtwinklig und vermeiden Sie lange parallele Führungen.

Auflegen an Dose und Verteilerfeld

Beim Auflegen gilt eine einfache Regel: Die Verdrillung der Aderpaare wird so weit wie möglich bis an den Kontakt herangeführt. Jeder zusätzliche Zentimeter aufgedrehter Ader verschlechtert die Strecke messbar. Der Mantel wird nur so weit entfernt, wie es die Auflegetechnik erfordert, und der Schirm wird nach Vorgabe des Dosenherstellers großflächig kontaktiert, nicht über ein einzelnes Beidraht-Fähnchen.

Die Belegung nach T568A oder T568B ist frei wählbar, muss aber im gesamten Gebäude identisch sein. Legen Sie sich vor der ersten Dose fest und notieren Sie die Entscheidung in der Dokumentation. Alle vier Paare werden aufgelegt, auch wenn zunächst nur Gigabit genutzt wird; eine Zweipaarauflegung schließt sowohl 10 Gigabit als auch die vierpaarige Speisung dauerhaft aus.

Funktionsprüfung in drei Stufen

Stufe Prüfmittel Was sie belegt Wann sie genügt
Belegungsprüfung einfacher Durchgangsprüfer Adern liegen paarrein und in richtiger Reihenfolge nur als Zwischenkontrolle während der Montage
Qualifikationsmessung Prüfgerät mit Übertragungstest Strecke trägt eine bestimmte Datenrate für einzelne nachgerüstete Strecken im Bestand
Zertifizierungsmessung kalibriertes Messgerät mit Adaptern Strecke erfüllt die geforderte Klasse nach DIN EN 50173-1 Abnahme einer neu errichteten Anlage

Nur die dritte Stufe erzeugt ein prüffähiges Protokoll mit Länge, Dämpfung, Nebensprechen und Rückflussdämpfung je Port. Vereinbaren Sie diese Stufe vor Beginn der Arbeiten und lassen Sie sich das Kalibrierdatum des Messgeräts im Protokoll ausweisen. Ergebnisse, die als grenzwertig innerhalb der Messunsicherheit gekennzeichnet sind, gelten nicht als bestanden und sind nachzuarbeiten.

Konfiguration und Inbetriebnahme der aktiven Technik

Erst nach bestandener Messung wird die aktive Technik aufgeschaltet. Prüfen Sie dabei drei Punkte. Handelt jeder Port die erwartete Geschwindigkeit aus, und zwar dauerhaft und nicht nur beim ersten Einstecken. Steigen an einem Port Fehlerzähler, obwohl die Messung bestanden ist, liegt das Problem an der Rangierschnur oder am Endgerät. Reicht das Speisebudget des Switches für alle gespeisten Geräte im Volllastfall, oder schaltet er Ports bei gleichzeitigem Anlauf ab.

Vergeben Sie anschließend feste Adressen für alle ortsfesten Geräte, ändern Sie Werkskennwörter aller aktiven Komponenten und deaktivieren Sie nicht benötigte Fernzugänge. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt für Heimnetze getrennte Bereiche für Gäste und vernetzte Haushaltsgeräte; die Trennung wird an dieser Stelle eingerichtet, nicht später.

Funktions- und Übergabecheckliste

  • Bestandsplan mit Trassenverlauf, Dosenpositionen und Verteilerstandort, als Zeichnung oder maßstäbliche Skizze
  • Beschriftung an beiden Enden jeder Strecke, identisch und dauerhaft ausgeführt
  • Zertifizierungsprotokoll für jede Strecke, mit Datum, Messgerätetyp, Kalibrierdatum und Einzelergebnis
  • Nachweis der eingesetzten Kabeltype mit Kategorie und Brandverhaltensklasse
  • Nachweis über die verwendeten Abschottungssysteme für alle Durchdringungen klassifizierter Bauteile
  • Bestätigung der Elektrofachkraft über die Einbindung metallischer Verteiler und Schirme in den Schutzpotentialausgleich
  • Fotodokumentation der Trassen vor dem Verschließen von Kanälen, Schächten und Abhangdecken
  • Liste der aktiven Geräte mit Standort, Adressbereich und Zugangsdaten
  • Bestätigung, dass Werkskennwörter geändert und nicht benötigte Fernzugänge abgeschaltet wurden
  • Einweisung: Welcher Port gehört zu welcher Dose, wie wird ein Gerät ergänzt, wen rufen Sie bei welcher Störung

Grenzen der Eigenleistung bei der Nachrüstung

Sie können Möbel räumen, Kabelwege freilegen, Leerrohre auf Durchgängigkeit prüfen, Zugdrähte einziehen, Kabel in vorhandenen Rohren bewegen, Dosenpositionen anzeichnen und die gesamte Dokumentation führen. Auch das Auflegen von Aufputzdosen an einer bereits vorhandenen, gemessenen Strecke ist im Grundsatz Eigenleistung, allerdings ohne anschließenden Klassennachweis.

Nicht in Eigenleistung zulässig sind Durchdringungen von Wänden und Decken mit Brandschutzanforderung samt zugehöriger Abschottung, jede Verbindung zum Potentialausgleich oder zur Erdungsanlage, das Verlegen im Bereich von Energieleitungen unter Bewertung der Trennungsabstände sowie jede Arbeit an der festen elektrischen Anlage. Letztere bleibt nach der Niederspannungsanschlussverordnung einem im Installateurverzeichnis eingetragenen Unternehmen vorbehalten. Halten Sie diese Schnittstelle im Angebot ausdrücklich fest, damit nach der Übergabe keine Position offenbleibt, für die sich niemand zuständig fühlt.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DKE – DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2):2018-10, Installation von Kommunikationsverkabelung, Teil 2: Installationsplanung und Installationspraktiken in Gebäuden
  2. DKE – DIN EN 50173-4 (VDE 0800-173-4):2024-06, Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen, Teil 4: Wohnungen
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