Ethernet-Verkabelung sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien

Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
  • Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.

Was der Kabelaufdruck über eine vorhandene Anlage verrät

Die Bewertung einer bestehenden Datenverkabelung beginnt am Verteilerpunkt mit einer Taschenlampe und ohne Werkzeug. Auf dem Mantel jedes Installationskabels stehen Angaben, die den größten Teil der Frage nach der Leistungsfähigkeit bereits beantworten: Kategorie der Komponente, Aderaufbau, Schirmungsart, häufig die Brandverhaltensklasse und eine fortlaufende Metermarkierung.

Die Metermarkierung ist dabei der praktisch wertvollste Aufdruck. Notieren Sie die Zahl am Verteiler und an der zugehörigen Dose; die Differenz ergibt die tatsächlich verlegte Länge. Liegt sie nahe an der zulässigen Grenze von 90 Metern für die permanente Verbindung, erklärt das bereits, warum eine Strecke unauffällig arbeitet und eine andere nicht. Fehlt der Aufdruck vollständig oder nennt er keine Kategorie, ist das kein Mangel für sich, aber ein deutlicher Hinweis, dass keine Anlage nach DIN EN 50173-1 dokumentiert wurde.

Sichtprüfung am Verteiler: sieben Punkte

Der Verteilerpunkt zeigt die Ausführungsqualität deutlicher als jede Dose. Prüfen Sie ihn ohne Eingriff und ausschließlich von außen beziehungsweise bei geöffneter Tür:

  1. Biegeradien am Kabeleinzug. Scharf abgeknickte Kabel und Kabel, die über eine Blechkante laufen, sind mechanisch beschädigt, auch wenn sie derzeit funktionieren.
  2. Zugentlastung. Kabel, die ihr Gewicht an der Auflegung tragen, statt am Bündel abgefangen zu sein.
  3. Aufdrillung an der Auflegung. Sichtbar lange, aufgedrehte Aderpaare am Patchfeld sind die häufigste Ursache für grenzwertige Messwerte.
  4. Schirmanbindung. Erkennbar aufgelegte Schirme an allen Kabeln oder erkennbar an keinem. Ein gemischtes Bild ist ein Befund.
  5. Kabelbinder. Tief eingeschnürte Bündel verformen den Aderaufbau dauerhaft.
  6. Beschriftung. Fehlende oder widersprüchliche Portbezeichnungen machen jede spätere Fehlersuche teuer.
  7. Umgebung. Feuchtigkeit, Kondensat, Staubschichten, blockierte Lüftungsöffnungen, gelagertes Material im Schrank.

Warnzeichen, die eine sofortige Reaktion auslösen

Von den Befunden an einer Datenverkabelung ist nur ein kleiner Teil sicherheitsrelevant, dieser aber deutlich. Sofort zu handeln ist bei Wasser oder Kondensat im oder am Verteiler, bei erkennbarer Verfärbung, Schmelzspuren oder Schmauchspuren an Steckverbindern und Netzteilen, bei spürbar heißen Speiseanschlüssen sowie bei Geruch nach heißem Kunststoff. Speisung über die Datenleitung führt reale Ströme; ein schlecht kontaktierter Stecker kann örtlich erhebliche Wärme entwickeln.

Ebenfalls sofort zu klären sind offene Durchdringungen in Wänden und Decken, durch die Kabel geführt wurden, ohne dass eine Abschottung mit Verwendbarkeitsnachweis erkennbar ist. Das ist kein Netzwerkproblem, sondern ein Brandschutzmangel. Gleiches gilt für Datenkabel, die zusammen mit Energieleitungen ohne Trennung in einem Kanal liegen, entgegen den Vorgaben zur Installationsplanung nach DIN EN 50174-2.

Trennen Sie in diesen Fällen die Spannungsversorgung des betroffenen aktiven Geräts über den Netzstecker und lassen Sie den Bereich unverändert. Öffnen Sie keine Geräte, lösen Sie keine Erdungsverbindungen und ziehen Sie keine Kabel aus Abschottungen heraus.

Messprotokolle lesen, statt Kabel zu bewerten

Existiert ein Abnahmeprotokoll, ersetzt es einen erheblichen Teil der Prüfung. Ein Protokoll einer Zertifizierungsmessung nennt für jede Strecke mindestens die geprüfte Klasse, die Belegungsprüfung, die ermittelte Länge, Einfügedämpfung, Nahnebensprechen, Rückflussdämpfung und ein Gesamtergebnis.

Drei Dinge sind dabei wichtiger als die einzelnen Zahlen. Erstens: Wurde gegen die vereinbarte Klasse gemessen, oder gegen eine niedrigere. Zweitens: Steht bei einzelnen Strecken ein Ergebnis mit Sternchen oder dem Zusatz für Messunsicherheit, bedeutet das ein Resultat innerhalb der Unsicherheit des Messgeräts und damit kein sauberes Bestehen. Drittens: Stimmt die Zahl der Protokollseiten mit der Zahl der Ports überein. Fehlen Strecken, wurden sie nicht gemessen. Eine reine Durchgangs- oder Belegungsprüfung mit einem einfachen Prüfstecker ist kein Nachweis einer Streckenklasse.

Eigenkontrollen, die gefahrlos möglich sind

Ohne Eingriff in die Installation können Sie erheben, ob eine Verbindung an jeder Dose zustande kommt, mit welcher Geschwindigkeit die Verbindung ausgehandelt wird und ob Fehlerzähler ansteigen. Die ausgehandelte Geschwindigkeit ist der aussagekräftigste kostenlose Indikator: Handelt ein Anschluss dauerhaft nur 100 Megabit statt Gigabit aus, liegt in aller Regel ein Adernbruch oder eine fehlerhafte Auflegung vor, weil dann nur zwei statt vier Paare nutzbar sind.

Ebenfalls möglich ist ein einfacher Dauertest: eine große Datei zwischen zwei kabelgebundenen Geräten kopieren und beobachten, ob die Übertragung gleichmäßig läuft oder einbricht. Einbrüche mit gleichzeitig steigenden Fehlerzählern deuten auf eine Strecke hin, die an ihrer Grenze arbeitet.

Prioritäten: sofort, bald, planbar

Befund Priorität Konsequenz
Wasser, Kondensat oder Feuchtespuren im Verteiler sofort Aktivtechnik spannungsfrei schalten, Elektrofachkraft hinzuziehen
Verfärbte, verschmorte oder heiße Steckverbinder an Speiseanschlüssen sofort Betroffenen Anschluss außer Betrieb nehmen, Ursache prüfen lassen
Offene Durchdringung in Wand oder Decke ohne Abschottung sofort Fachbetrieb beauftragen, kein Eigenverschluss mit Baumaterial
Datenkabel und Energieleitung ohne Trennung im gemeinsamen Kanal bald Trassenbewertung durch Elektrofachkraft
Schirm nur an einem Ende aufgelegt oder gemischte Ausführung bald Anbindung fachlich klären, Messung veranlassen
Anschluss handelt dauerhaft nur 100 Megabit aus bald Strecke messen, Auflegung prüfen
Fehlendes oder unvollständiges Messprotokoll planbar Nachmessung mit Protokoll je Port beauftragen
Fehlende oder falsche Portbeschriftung planbar Bestandsaufnahme und Neubeschriftung
Scharfe Biegeradien, eingeschnürte Bündel, fehlende Zugentlastung planbar Rangierung neu ordnen lassen
Verteilerschrank ohne freie Höheneinheiten planbar Bei nächster Erweiterung Gehäuse tauschen

Was in eine Beauftragung gehört

Ergibt die Sichtung mehrere Punkte der Kategorie bald oder planbar, ist eine Einzelbeauftragung selten sinnvoll. Fassen Sie stattdessen zusammen: Zertifizierungsmessung aller Strecken gegen die vereinbarte Klasse, Bewertung der Trassenführung im Hinblick auf Trennungsabstände, Prüfung aller Durchdringungen, Kontrolle der Schirm- und Potentialausgleichsanbindung sowie Neuordnung und Beschriftung am Verteiler. Verlangen Sie die Ergebnisse als Dokument mit Datum, Messgerätetyp und Prüfergebnis je Port.

Die Grenze Ihrer eigenen Prüfung

Sie können sehen, riechen, fotografieren, Kabelaufdrucke lesen, Protokolle auf Vollständigkeit prüfen und Verbindungsdaten aus den Geräten auslesen. Damit erkennen Sie den überwiegenden Teil der praktisch relevanten Mängel.

Nicht selbst beurteilen oder beheben können Sie die elektrische Wirksamkeit einer Schirmanbindung, die Einhaltung von Trennungsabständen im verdeckten Trassenverlauf, den Zustand einer Brandabschottung hinter der Bekleidung und jede Frage, die den Potentialausgleich betrifft. Sobald ein Befund eine dieser vier Ebenen berührt, endet die Eigenkontrolle. Arbeiten an der festen elektrischen Anlage sind nach der Niederspannungsanschlussverordnung ohnehin einem eingetragenen Installationsunternehmen vorbehalten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DKE – DIN EN 50174-2 (VDE 0800-174-2):2018-10, Installation von Kommunikationsverkabelung, Teil 2: Installationsplanung und Installationspraktiken in Gebäuden
  2. DKE – DIN EN 50173-1 (VDE 0800-173-1):2018-10, Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen
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