Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung: Bei 29 Grad Fußboden endet die Leistung

Die zulässige Fußbodenoberflächentemperatur nach DIN EN 1264 deckelt die Leistung bei rund 100 Watt je Quadratmeter. Welche Vorlauftemperatur ein Raum braucht, wird deshalb beim Verlegen entschieden, nicht am Regler.

Heizkreisverteiler einer Fußbodenheizung mit Durchflussmessern und Raumbeschriftungen
Heizkreisverteiler einer Fußbodenheizung mit Durchflussmessern und RaumbeschriftungenFoto: Best Tech Nick 25 / Wikimedia CommonsCC0

Das Wichtigste in Kürze

  • DIN EN 1264 begrenzt die Fußbodenoberfläche in der Aufenthaltszone auf 29 Grad; daraus folgt eine Höchstleistung von rund 100 Watt je Quadratmeter.
  • Braucht ein Raum mehr als 100 Watt je Quadratmeter Heizlast, hilft keine höhere Vorlauftemperatur — die Fläche reicht schlicht nicht.
  • Die Leistung steigt linear mit der Heizmittelübertemperatur: 45/40 liefert rund das 1,8-Fache von 35/30 bei sonst identischem Aufbau.
  • Der Verlegeabstand wird einmal festgelegt und bestimmt danach dauerhaft, mit welcher Vorlauftemperatur die Anlage auskommt.

Neunundzwanzig Grad. Mehr darf die Oberfläche eines Fußbodens in der Aufenthaltszone bei Auslegungsaußentemperatur nach DIN EN 1264 nicht haben. Diese eine Zahl entscheidet über fast alles, was man über die Vorlauftemperatur einer Fußbodenheizung wissen muss — und sie erklärt, warum das Hochdrehen der Heizkurve in einem zu kalten Raum manchmal überhaupt nichts bringt.

Der Grund ist unangenehm schlicht: Ein Fußboden gibt seine Wärme über seine Oberfläche ab. Ist deren Temperatur gedeckelt, ist auch die Leistung gedeckelt. Bei 20 Grad Raumtemperatur und 29 Grad Oberfläche liegt sie nach der Basiskennlinie von DIN EN 1264-2 bei rund 100 Watt je Quadratmeter. Was darüber hinaus gebraucht wird, muss von woanders kommen.

Erst die Heizlast je Quadratmeter, dann alles andere

Rechnen Sie deshalb zuerst eine einzige Division: Raumheizlast in Watt, geteilt durch die tatsächlich beheizbare Bodenfläche in Quadratmetern. Beheizbar heißt: ohne Einbauküche, ohne fest eingebaute Möbel, ohne den Bereich unter der Badewanne.

Ein Wohnzimmer mit 26 Quadratmetern und 1.400 Watt Heizlast landet bei 54 Watt je Quadratmeter — unauffällig. Dasselbe Zimmer in einem ungedämmten Altbau mit 2.900 Watt landet bei 112 Watt je Quadratmeter. Damit ist die Fußbodenheizung als alleinige Heizfläche in diesem Raum erledigt, gleichgültig, welche Vorlauftemperatur der Erzeuger liefern könnte. Entweder sinkt die Heizlast durch Dämmung oder Fenstertausch, oder es kommt eine zweite Heizfläche dazu.

Diese Zahl ist auch der Grund, warum die Auslegung raumweise erfolgt und nicht gebäudeweise. Die Anlage fährt am Ende die Vorlauftemperatur, die der ungünstigste Raum verlangt; alle anderen Räume werden über den Abgleich am Heizkreisverteiler heruntergedrosselt. Ein einziger schlecht ausgelegter Raum zieht deshalb die Betriebstemperatur des ganzen Hauses nach oben — und bei einer Wärmepumpe mit ihr die Stromrechnung.

Warum die Leistung linear an der Wassertemperatur hängt

Der Zusammenhang zwischen Wassertemperatur und Wärmeabgabe ist bei einer Flächenheizung einfacher als bei einem Heizkörper: Er ist linear. Maßgeblich ist nicht die Vorlauftemperatur, sondern die mittlere Heizmittelübertemperatur, also der logarithmische Mittelwert aus Vor- und Rücklauf abzüglich der Raumtemperatur.

Bei einer Auslegung 35/30 und 20 Grad Raumtemperatur beträgt sie 12,3 Kelvin. Bei 45/40 sind es 22,4 Kelvin. Das Verhältnis ist 1,8 — derselbe Bodenaufbau gibt bei 45 Grad Vorlauf also rund das 1,8-Fache dessen ab, was er bei 35 Grad abgibt.

Rein rechnerisch ließe sich damit fast jede Heizlast erschlagen. Praktisch nicht: Sobald die Fläche über 100 Watt je Quadratmeter abgibt, überschreitet die Oberfläche die 29 Grad. Die höhere Vorlauftemperatur erkauft sich ihre Leistung also mit einem zu warmen Fußboden — und der ist nicht nur unbehaglich, sondern bei Parkett und Fertigparkett auch ein Materialproblem.

Der Verlegeabstand ist die Entscheidung, die bleibt

Es gibt genau einen Stellhebel, der die nötige Wassertemperatur senkt, ohne die Leistung zu senken: mehr Rohr auf derselben Fläche. Übliche Verlegeabstände liegen bei 10, 15 und 20 Zentimetern, in Randzonen und Nebenräumen auch bei 30. Je enger die Teilung, desto gleichmäßiger die Oberflächentemperatur und desto geringer die Übertemperatur, die für dieselbe Wärmestromdichte nötig ist.

Der Preisunterschied ist überschaubar: Zwischen 15 und 10 Zentimetern Abstand liegt rund die Hälfte mehr Rohrlänge, und Rohr ist die günstigste Position im ganzen Bodenaufbau. Die Folgekosten sind größer — mehr Heizkreise, ein breiterer Verteiler, mehr Stellantriebe.

Trotzdem ist das die Investition, die sich über die Betriebsdauer am zuverlässigsten rechnet, denn sie ist nachträglich nicht korrigierbar. Wer nach dem Einbau des Estrichs feststellt, dass die Anlage 45 statt 35 Grad braucht, kann das nicht mehr ändern. Für Neuverlegungen gilt deshalb: eng verlegen in den Räumen, die die Heizkurve bestimmen — Wohnzimmer mit großen Fensterflächen, Bäder, Räume über unbeheizten Kellern.

Zwei weitere Größen gehen in dieselbe Rechnung ein. Die Dämmung unter dem Rohr entscheidet, wie viel Wärme überhaupt nach oben geht; wie sie bemessen wird, behandelt der Beitrag zum Bodenaufbau mit Fußbodenheizung. Und der Belag darüber kostet Übertemperatur: Die Norm rechnet mit einem Wärmedurchlasswiderstand von 0,15 Quadratmeter-Kelvin je Watt, was einem mitteldicken Teppich entspricht — was ein dickerer Bodenbelag kostet, ist damit vorgezeichnet.

Randzone, Bad und die zwei erlaubten Ausnahmen

Die 29-Grad-Grenze gilt nicht überall. DIN EN 1264 lässt in Randzonen von maximal einem Meter Breite — typischerweise entlang großer Fensterfronten — bis zu 35 Grad Oberflächentemperatur zu, was einer Wärmestromdichte von etwa 175 Watt je Quadratmeter entspricht. In Bädern, die auf 24 Grad Raumtemperatur ausgelegt werden, sind bis zu 33 Grad Oberfläche zulässig; wegen der höheren Raumtemperatur bleibt die nutzbare Leistung trotzdem bei rund 100 Watt je Quadratmeter.

Die Randzone ist der eigentliche Trick der Norm, und sie wird in Bestandsanlagen oft nicht genutzt. Sie erlaubt es, den Kaltluftabfall vor einer bodentiefen Verglasung genau dort abzufangen, wo er entsteht — mit engerer Rohrteilung in diesem Streifen und normaler Teilung im Rest des Raums, versorgt aus demselben Heizkreis. Die Alternative, die ganze Fläche wärmer zu fahren, kostet für dasselbe Ergebnis deutlich mehr Vorlauftemperatur.

Wer die Temperatur begrenzt, wenn der Erzeuger heißer kann

Solange eine Wärmepumpe die einzige Wärmequelle ist, kommt am Verteiler gar nichts Heißeres an, als die Regelung anfordert. Anders liegt der Fall, wenn die Fußbodenheizung an einem Gas- oder Ölkessel hängt, der gleichzeitig Heizkörper oder einen Speicher mit 60 Grad und mehr versorgt. Dann braucht der Kreis eine eigene Temperaturebene.

Dafür gibt es drei Bauformen, die häufig verwechselt werden. Ein Festwertregelset mischt dem Vorlauf so viel Rücklaufwasser bei, dass eine fest eingestellte Temperatur herauskommt — einfach, aber ohne Außentemperaturführung. Eine Mischergruppe mit Stellmotor fährt dagegen eine echte Heizkurve und ist die Voraussetzung dafür, die Vorlauftemperatur im Betrieb überhaupt absenken zu können. Ein Rücklauftemperaturbegrenzer schließlich sitzt an einzelnen Kreisen — etwa einer kleinen Badfläche, die an einer Heizkörperanlage hängt — und drosselt, sobald der Rücklauf zu warm wird; für ganze Etagen ist er nicht gedacht.

Darüber liegt in jedem dieser Fälle ein Sicherheitstemperaturbegrenzer. Er schaltet die Pumpe des Fußbodenkreises ab, wenn die Vorlauftemperatur einen eingestellten Wert überschreitet, und wird in der Praxis auf etwa 55 Grad eingestellt, um Estrich und Bodenbelag zu schützen. Wenn Ihre Anlage regelmäßig in diese Abschaltung läuft, ist das kein Reglerdefekt, sondern die Anzeige eines Auslegungsfehlers — meist einer Heizfläche, die für die geforderte Leistung zu klein ist.

Was die Heizkurve tatsächlich regelt — und was nicht

Die Heizkurve verschiebt die Vorlauftemperatur mit der Außentemperatur. Sie gleicht den Bedarf des Gebäudes aus, nicht die Fehlverteilung zwischen den Räumen. Wird ein einzelner Raum nicht warm, ist das fast nie ein Heizkurvenproblem, sondern ein Durchfluss-, Auslegungs- oder Belagsproblem — und das Hochdrehen der Kurve heizt dann alle anderen Räume mit.

Zwei Eigenheiten der Flächenheizung machen das Einstellen zusätzlich zäh. Erstens die Trägheit: Eine Änderung der Kurve zeigt ihre Wirkung erst nach acht bis zwölf Stunden, eine Beurteilung nach einer Stunde ist wertlos. Zweitens die Spreizung: Moderne Anlagen werden mit 4 bis 7 Kelvin Differenz zwischen Vor- und Rücklauf ausgelegt, ältere mit mehr. Eine gemessene Spreizung von deutlich über 8 Kelvin an einem kalten Tag zeigt zu wenig Durchfluss im Kreis — dann fehlt der Abgleich, nicht die Temperatur.

Für Gebäude ab sechs Wohnungen verlangt § 60c GEG ohnehin genau diese Reihenfolge: raumweise Heizlastberechnung, Prüfung der Heizflächen im Hinblick auf eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur, dann Anpassung der Regelung. Im Einfamilienhaus ist das freiwillig — und genauso richtig.

Was Sie an einem kalten Tag messen

Nehmen Sie sich einen Tag mit Außentemperaturen nahe der Auslegungstemperatur und notieren Sie vier Werte: die Vorlauftemperatur am Verteiler, die Rücklauftemperatur des Kreises im kritischsten Raum, die Oberflächentemperatur des Bodens in der Raummitte und die Raumlufttemperatur. Bleibt die Oberfläche deutlich unter 27 Grad, während der Raum zu kalt ist, liegt zu wenig Wasser im Kreis. Liegt sie bei 29 Grad und der Raum bleibt trotzdem kalt, ist die Fläche zu klein — dann führt der Weg über Dämmung oder eine zusätzliche Heizfläche, nicht über den Regler.

Senken Sie danach die Heizkurve in Schritten von einem Kelvin, jeweils mit 24 Stunden Abstand, bis der erste Raum nicht mehr mitkommt, und gehen Sie einen Schritt zurück. Das ist die niedrigste Vorlauftemperatur, die dieses Gebäude in diesem Zustand zulässt — und sie steht dann fest, bis am Aufbau oder an der Hülle etwas geändert wird.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN EN 1264-2:2021-08 – Fußbodenheizung: Bestimmung der Wärmeleistung
  2. DIN EN 1264-3:2021-08 – Raumflächenintegrierte Heiz- und Kühlsysteme: Auslegung
  3. Purmo: Flächenheizung – Planung und Montage, Wärmeleistungen
  4. Haustec: Basiswissen – Fußbodenheizung richtig auslegen
  5. BDH Flächenheizung: Grundlagen der raumflächenintegrierten Flächenheizung
  6. Heima24: Regelung der Fußbodenheizung mit Raumthermostaten
  7. § 60c GEG – Hydraulischer Abgleich und Heizungsoptimierung
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