Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung: Bei 29 Grad Fußboden endet die Leistung

Wie viel Vorlauf ein Raum braucht, folgt aus seiner Heizlast je Quadratmeter. Mehr als 29 Grad Bodentemperatur erlaubt DIN EN 1264 in der Aufenthaltszone nicht, deshalb endet die Leistung bei rund 100 Watt je Quadratmeter, egal wie heiß das Wasser ist.

Sechs verschiedene Stellantriebe auf einem Messing-Heizkreisverteiler einer Fußbodenheizung
Sechs verschiedene Stellantriebe auf einem Messing-Heizkreisverteiler einer FußbodenheizungFoto: Harold2013 / Wikimedia CommonsCC0

Das Wichtigste in Kürze

  • DIN EN 1264 begrenzt die Fußbodenoberfläche in der Aufenthaltszone auf 29 Grad; bei 20 Grad Raumtemperatur folgt daraus eine Höchstleistung von rund 100 Watt je Quadratmeter.
  • Braucht ein Raum mehr als 100 Watt je Quadratmeter Heizlast, hilft keine höhere Vorlauftemperatur, weil die Fläche nicht reicht; dann helfen nur Dämmung oder eine zweite Heizfläche.
  • Die Leistung steigt linear mit der mittleren Heizmittelübertemperatur: Bei 45/40 gibt derselbe Boden rund das 1,8-Fache dessen ab, was er bei 35/30 abgibt.
  • Der Verlegeabstand wird einmal festgelegt und bestimmt danach dauerhaft, mit welcher Vorlauftemperatur die Anlage auskommt.

Welche Vorlauftemperatur Ihre Fußbodenheizung braucht, entscheidet die Heizlast je Quadratmeter beheizter Bodenfläche. Teilen Sie die Raumheizlast in Watt durch die freie Bodenfläche ohne Einbauküche, fest eingebaute Möbel und Badewanne. Die Basiskennlinie von DIN EN 1264-2 (q = 8,92 × Übertemperatur des Bodens hoch 1,1) zeigt dann, wie warm der Boden bei 20 Grad Raumtemperatur werden muss:

Heizlast je m² Boden nötige Bodentemperatur Einordnung
40 W/m² 23,9 °C gut gedämmter Bestand oder Neubau, niedrige Vorlauftemperatur möglich
60 W/m² 25,7 °C unauffällig
80 W/m² 27,3 °C Vorlauf steigt deutlich, enger Verlegeabstand lohnt
100 W/m² 29,0 °C Grenze der Aufenthaltszone nach DIN EN 1264
über 100 W/m² über 29 °C Fläche reicht nicht, zweite Heizfläche oder Dämmung nötig

Welcher Vorlauf zu dieser Bodentemperatur führt, hängt zusätzlich von Verlegeabstand, Estrich und Belag ab; eine verbreitete Auslegung für Wärmepumpen ist 35 Grad Vorlauf und 30 Grad Rücklauf. Wichtiger als die genaue Zahl ist die Grenze in der vorletzten Zeile: Mehr als 29 Grad Oberfläche darf der Boden in der Aufenthaltszone nicht haben, und damit endet die Leistung bei rund 100 Watt je Quadratmeter, gleich wie heiß das Wasser ist.

Ein Raum entscheidet für das ganze Haus

Ein Wohnzimmer mit 26 Quadratmetern und 1.400 Watt Heizlast liegt bei 54 Watt je Quadratmeter. Dasselbe Zimmer in einem ungedämmten Altbau mit 2.900 Watt landet bei 112 Watt je Quadratmeter. Damit kann die Fußbodenheizung diesen Raum allein nicht warm halten. Entweder sinkt die Heizlast durch Dämmung oder Fenstertausch, oder es kommt eine zweite Heizfläche dazu.

Die Auslegung erfolgt deshalb raumweise. Die Anlage fährt am Ende die Vorlauftemperatur, die der ungünstigste Raum verlangt; alle anderen Räume werden über den Abgleich am Heizkreisverteiler gedrosselt. Ein einziger schlecht ausgelegter Raum zieht so die Betriebstemperatur des ganzen Hauses nach oben und bei einer Wärmepumpe die Stromrechnung mit.

Warum die Leistung linear an der Wassertemperatur hängt

Bei einer Flächenheizung ist der Zusammenhang zwischen Wassertemperatur und Wärmeabgabe einfacher als bei einem Heizkörper. Maßgeblich ist die mittlere Heizmittelübertemperatur, also der logarithmische Mittelwert aus Vor- und Rücklauf abzüglich der Raumtemperatur.

Bei einer Auslegung 35/30 und 20 Grad Raumtemperatur beträgt sie 12,3 Kelvin, bei 45/40 sind es 22,4 Kelvin. Derselbe Bodenaufbau gibt bei 45 Grad Vorlauf also rund das 1,8-Fache dessen ab, was er bei 35 Grad abgibt. Rechnerisch ließe sich damit fast jede Heizlast decken. Praktisch nicht: Sobald der Boden mehr als 100 Watt je Quadratmeter abgibt, überschreitet seine Oberfläche 29 Grad. Das ist unbehaglich und bei Parkett ein Materialproblem.

Der Verlegeabstand ist die Entscheidung, die bleibt

Es gibt genau einen Hebel, der die nötige Wassertemperatur senkt, ohne die Leistung zu senken: mehr Rohr auf derselben Fläche. Übliche Verlegeabstände liegen bei 10, 15 und 20 Zentimetern, in Nebenräumen auch bei 30. Je enger die Teilung, desto gleichmäßiger die Oberfläche und desto geringer die Übertemperatur für dieselbe Leistung.

Zwischen 15 und 10 Zentimetern Abstand liegt rund die Hälfte mehr Rohrlänge, und Rohr ist die günstigste Position im Bodenaufbau. Teurer sind die Folgen: mehr Heizkreise, ein breiterer Verteiler, mehr Stellantriebe. Nach dem Estrich ist der Abstand nicht mehr änderbar. Verlegen Sie deshalb eng in den Räumen, die die Heizkurve bestimmen: Wohnzimmer mit großen Fensterflächen, Bäder, Räume über unbeheizten Kellern.

Zwei weitere Größen gehen in dieselbe Rechnung ein. Die Dämmung unter dem Rohr entscheidet, wie viel Wärme nach oben geht; das behandelt der Beitrag zum Bodenaufbau mit Fußbodenheizung. Der Belag darüber kostet Übertemperatur: Die Norm rechnet mit einem Wärmedurchlasswiderstand von 0,15 m²K/W, was einem mitteldicken Teppich entspricht. Was ein dickerer Bodenbelag kostet, ist damit vorgezeichnet.

Randzone und Bad: die zwei erlaubten Ausnahmen

DIN EN 1264 lässt in Randzonen von höchstens einem Meter Breite, typischerweise entlang großer Fensterfronten, bis 35 Grad Oberfläche zu. Das entspricht etwa 175 Watt je Quadratmeter. In Bädern, die auf 24 Grad Raumtemperatur ausgelegt werden, sind bis 33 Grad zulässig; wegen der höheren Raumtemperatur bleibt die Leistung trotzdem bei rund 100 Watt je Quadratmeter.

Die Randzone wird in Bestandsanlagen oft nicht genutzt. Sie fängt den Kaltluftabfall vor bodentiefer Verglasung dort ab, wo er entsteht: mit engerer Rohrteilung im Streifen und normaler Teilung im übrigen Raum, versorgt aus demselben Heizkreis. Die ganze Fläche wärmer zu fahren, kostet für dasselbe Ergebnis deutlich mehr Vorlauftemperatur.

Wer die Temperatur begrenzt, wenn der Erzeuger heißer kann

Ist eine Wärmepumpe die einzige Wärmequelle, kommt am Verteiler nichts Heißeres an, als die Regelung anfordert. Hängt die Fußbodenheizung dagegen an einem Gas- oder Ölkessel, der auch Heizkörper oder einen Speicher mit 60 Grad versorgt, braucht der Kreis eine eigene Temperaturebene. Dafür gibt es drei Bauformen:

Bauform Was sie tut Geeignet für
Festwertregelset mischt Rücklaufwasser zu, bis eine fest eingestellte Temperatur erreicht ist einfache Anlagen ohne Außentemperaturführung
Mischergruppe mit Stellmotor fährt eine echte Heizkurve jede Anlage, deren Vorlauf im Betrieb sinken soll
Rücklauftemperaturbegrenzer drosselt einen einzelnen Kreis, wenn der Rücklauf zu warm wird kleine Flächen, etwa ein Bad an einer Heizkörperanlage

Darüber sitzt jeweils ein Sicherheitstemperaturbegrenzer, der die Pumpe abschaltet, wenn der Vorlauf einen eingestellten Wert überschreitet; in der Praxis liegt er bei etwa 55 Grad, um Estrich und Belag zu schützen. Läuft Ihre Anlage regelmäßig in diese Abschaltung, ist das kein Reglerdefekt, sondern ein Auslegungsfehler, meist eine zu kleine Heizfläche.

Was die Heizkurve regelt und was nicht

Die Heizkurve verschiebt die Vorlauftemperatur mit der Außentemperatur. Sie gleicht den Bedarf des Gebäudes aus, nicht die Verteilung zwischen den Räumen. Wird ein einzelner Raum nicht warm, ist das fast nie ein Heizkurvenproblem, sondern ein Durchfluss-, Auslegungs- oder Belagsproblem. Wer dann die Kurve hochdreht, heizt alle anderen Räume mit.

Zwei Eigenheiten machen das Einstellen zäh. Eine Änderung zeigt ihre Wirkung erst nach acht bis zwölf Stunden. Und die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf liegt bei modernen Anlagen bei 4 bis 7 Kelvin; misst der Kreis an einem kalten Tag deutlich über 8 Kelvin, fehlt Durchfluss, also der Abgleich, nicht die Temperatur.

Für Gebäude ab sechs Wohnungen schreibt § 60c GModG genau diese Reihenfolge beim Einbau einer neuen Heizung vor: raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, Prüfung der Heizflächen auf eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur, dann Anpassung der Regelung. Im Einfamilienhaus ist das freiwillig und genauso richtig. Wie Sie die Kurve schrittweise einstellen, beschreibt der Beitrag Heizkurve richtig einstellen.

Was Sie an einem kalten Tag messen

Notieren Sie an einem Tag nahe der Auslegungstemperatur vier Werte: Vorlauf am Verteiler, Rücklauf des Kreises im kritischsten Raum, Oberflächentemperatur des Bodens in der Raummitte und Raumlufttemperatur.

  1. Boden deutlich unter 27 Grad und Raum zu kalt: Im Kreis fließt zu wenig Wasser. Abgleich prüfen.
  2. Boden bei 29 Grad und Raum trotzdem zu kalt: Die Fläche ist zu klein. Dämmung oder zusätzliche Heizfläche, nicht der Regler.
  3. Alle Räume warm: Senken Sie die Heizkurve in Schritten von einem Kelvin, jeweils mit 24 Stunden Abstand, bis der erste Raum nicht mehr mitkommt, und gehen Sie einen Schritt zurück.

Das Ergebnis ist die niedrigste Vorlauftemperatur, die Ihr Haus in seinem jetzigen Zustand zulässt. Sie gilt, bis am Bodenaufbau oder an der Hülle etwas geändert wird.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN EN 1264-2:2021-08 – Fußbodenheizung: Bestimmung der Wärmeleistung
  2. DIN EN 1264-3:2021-08 – Raumflächenintegrierte Heiz- und Kühlsysteme: Auslegung
  3. § 60c GModG – Hydraulischer Abgleich und weitere Maßnahmen zur Heizungsoptimierung
  4. BDH Flächenheizung: Grundlagen der raumflächenintegrierten Flächenheizung
  5. Purmo: Flächenheizung – Planung und Montage, Wärmeleistungen
  6. Haustec: Basiswissen – Fußbodenheizung richtig auslegen
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