Photovoltaik und Solarthermie kombinieren: So funktioniert beides auf einem Dach

PV und Solarthermie auf einem Dach: welche Module passen, wie Flächen, Verschattung und Statik zusammenwirken und wann sich die Kombination lohnt – mit klaren Auslegungsregeln.

01Heizung

Das Wichtigste in Kürze

  • PV und Solarthermie liefern unterschiedliche Energieträger: Strom einerseits, Prozesswärme andererseits – deshalb ergänzen sie sich statt zu konkurrieren.
  • Die Kombination hängt an vier Größen: Dachfläche, Verschattung, Dachneigung und Statik. Wer sie kennt, teilt die Fläche richtig ein.
  • Der Beitrag zeigt, wann sich beide Systeme auf einem Dach lohnen und welche Auslegungsregeln gelten.

Zwei Systeme, die keine Konkurrenz sind

Die Frage, ob man Photovoltaik und Solarthermie kombinieren kann, hat eine kurze Antwort: Ja. Die längere Antwort klärt, warum sich die Kombination mehr ergibt als die Summe aus zwei Einzellösungen.

Die Photovoltaik erzeugt Strom. Die Solarthermie erzeugt Wärme. Beide Systeme nutzen dieselbe Quelle – die Sonneneinstrahlung –, aber sie wandeln sie in unterschiedliche Energieträger um und decken unterschiedliche Bedarfe ab. Die PV deckt den Strombedarf des Haushalts ab oder speist ins Netz ein. Die Solarthermie deckt den Warmwasserbedarf und im Übergangszeitraum einen Teil der Heizlast.

Das ist der entscheidende Unterschied zu zwei gleichartigen Systemen: Es entsteht keine Überschneidung, in der sich beide gegenseitig den Markt wegnehmen. Stattdessen ergänzt jede Technologie die Schwäche der anderen. PV liefert wenig Strom im Winter, wenn die Heizlast am höchsten ist – die Solarthermie liefert genau dann am wenigsten Wärme. Solarthermie liefert im Sommer mehr Wärme, als der Haushalt braucht – die PV liefert im Sommer den Mehrstrom. Die Kombination nutzt die Komplementarität der beiden Systeme aus.

Die vier Größen, die die Kombination entscheiden

Ob sich die Kombination auf einem konkreten Dach lohnt, entscheiden vier Größen. Alle vier klären Sie, bevor Sie Angebote vergleichen, weil sie über die Flächenverteilung und die Wirtschaftlichkeit entscheiden.

Die erste Größe ist die Dachfläche. Sie ist die knappe Ressource. Ein Einfamilienhaus hat typischerweise eine nutzbare Dachfläche von 30 bis 60 Quadratmetern, davon muss ein Teil für Aufstiege, Begehung, Dachaussteiger und Abstände zu den Firsten reserviert bleiben. Die Kombination bedeutet, dass die restliche Fläche zwischen zwei Systemen aufgeteilt wird – und zwar nach dem Bedarf, nicht nach dem, was auf dem Dach besser aussieht.

Die zweite Größe ist die Verschattung. PV-Module reagieren empfindlich auf Teilverschattung: Ein einzelner beschatteter Modulblock reduziert die Erzeugung des gesamten Strings. Solarthermie-Kollektoren sind robuster, weil sie den Solarkreis direkt erwärmen und keinen Gleichstrom erzeugen. Für die Kombination heißt das: Die Verschattung bestimmt, welche Dachzone für welches System geeignet ist. Beschattete Flächen, die für PV wertlos sind, können für Solarthermie noch sinnvoll sein.

Die dritte Größe ist die Dachneigung und -ausrichtung. PV und Solarthermie mögen ähnliche Bedingungen – Südausrichtung, Neigung zwischen 30 und 45 Grad – aber die Solarthermie ist etwas toleranter gegenüber abweichenden Ausrichtungen, weil die Wärmekopplung über den Solarkreis weniger von der exakten Einstrahlung abhängt als die Stromerzeugung der PV. Für die Kombination heißt das: Die beste Dachfläche nach Süden gehört typischerweise der PV, die nach Osten oder Westen gelegenen Flächen können an die Solarthermie gehen.

Die vierte Größe ist die Statik. Beide Systeme erhöhen das Gewicht auf dem Dach: PV-Module sind leicht, Solarthermie-Kollektoren mit Solarkreis und Speicher sind schwerer, und ein Speicher, der in den Dachboden oder an die Fassade wandert, bringt sein Gewicht zusätzlich. Die Dachstatik muss die Kombination tragen – und wenn das Dach bereits mit einer PV-Anlage belegt ist, muss die nachträgliche Aufnahme der Solarthermie im Dachtragwerk verifiziert werden. Diese Prüfung ist bei älteren Dächern der Punkt, an dem die Kombination scheitern kann, obwohl die Flächenlogik perfekt wäre.

Flächenverteilung: die pragmatische Aufteilung

Die Flächenverteilung folgt in der Praxis einer einfachen Regel. Sie beginnen mit dem Bedarf, der sich nicht verschieben lässt: der Warmwasserbedarf. Er bestimmt die Fläche der Solarthermie, und sie liegt für ein Einfamilienhaus typischerweise zwischen zwei und vier Quadratmetern Kollektorfläche. Diese Fläche wird an die beste freie Dachzone gelegt, die der Verschattung standhält.

Die restliche Fläche gehört der PV. Die PV ist in der Kombination das System mit dem größeren Flächenappetit – und mit der größeren Erzeugung. Eine PV-Anlage mit sechs bis zwölf Kilowattpeak deckt einen spürbaren Teil des Jahresstrombedarfs ab oder speist den Überschuss ins Netz ein. Die Solarthermie ist die kleinere, aber die komplementäre Komponente.

System Fläche (typisch) Leistung Deckt ab
Photovoltaik 20–40 m² 6–12 kWp Strombedarf, Netzspeisung, Speicherladung
Solarthermie 2–4 m² 2–4 kW thermisch Warmwasser, Übergangszeit-Heizlast

Die Tabelle zeigt, dass die Kombination nicht an der Flächenverteilung scheitert: Die Solarthermie braucht nur einen Bruchteil der Fläche, die die PV beansprucht. Was die Kombination bestimmt, ist die Reihenfolge der Planung: zuerst der Warmwasserbedarf, dann die PV auf dem Rest.

Wann die Kombination nicht passt

Die Kombination ist nicht in jedem Fall sinnvoll. Drei Fälle, in denen sie nicht zum Tragen kommt.

Der erste Fall ist das kleine Dach mit starker Verschattung. Wenn die nutzbare Fläche unter 20 Quadratmetern liegt und ein Großteil davon beschattet ist, bleibt für beide Systeme zu wenig Fläche. Hier ist die PV die sinnvolle Lösung – sie erzeugt mit kleiner Fläche mehr Energie als die Solarthermie, und der Warmwasserbedarf wird über eine kleine Elektro- oder Gasheizung abgedeckt.

Der zweite Fall ist die bereits gedämmte, effiziente Heizung. Wenn das Gebäude gut gedämmt ist und eine Wärmepumpe oder ein effizienter Kessel die Heizung übernimmt, ist die Solarthermie als Heizungszusatz ein Nischennutzen. Die Kombination lohnt sich dann nur, wenn der Warmwasserbedarf groß ist – andernfalls bleibt die Solarthermie ein Zuschuss ohne wirtschaftlichen Kern.

Der dritte Fall ist die unklare Statik. Wenn das Dach die zusätzliche Last der Solarthermie nicht trägt, ist die Kombination nur mit statischer Ertüchtigung möglich – und diese Ertüchtigung macht die Solarthermie häufig unwirtschaftlich. In diesem Fall ist die PV die sinnvollere Lösung.

Was Sie vor der Kombination klären müssen

Drei Punkte entscheiden, ob die Kombination in Ihrem Haus rechnet, und alle drei klären Sie vor dem Angebot, nicht danach.

Erstens der Warmwasserbedarf: Personenzahl, Badefrequenz und vorhandener Warmwasserspeicher. Damit dimensionieren Sie die Solarthermie, bevor Sie die PV planen.

Zweitens die Dachfläche nach Verschattung: Sie ermitteln, welche Dachzone für welches System geeignet ist. Die beschatteten Flächen gehen an die Solarthermie, die freien Flächen an die PV.

Drittens die Statik: Der Dachdeckel muss die zusätzliche Last tragen. Wenn das Dach bereits belastet ist oder älter ist, gehört die statische Prüfung in die Hände des Statikers, nicht in die Angebotserhebung.

Was Sie selbst prüfen und was der Fachbetrieb übernimmt

Sie können den Warmwasserbedarf aus der Personenzahl ableiten, die nutzbare Dachfläche nach Verschattung aufteilen, die Dachneigung und -ausrichtung ablesen und die drei Fälle zuordnen, in denen die Kombination nicht passt. Damit vergleichen Sie Angebote Zeile für Zeile statt Summe gegen Summe.

Nicht eigen beurteilen können Sie, welche Kollektorfläche und welche PV-Leistung für die tatsächliche Auslegung passen, wie die Statik die Kombination trägt und wie die beiden Systeme in der Anlage zusammengeführt werden. Diese Punkte gehören in die Hand des Fachbetriebs, und sie entscheiden über den Nutzen, den die Kombination über die Nutzungsdauer tatsächlich erzeugt. Die Kombination ist die logische Lösung für ein Dach, auf dem beide Systeme Platz finden – wer sie ohne die vier Größen plant, plant auf dem falschen Grund.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE-AR-N 4105 – Errichtung von PV-Erzeugeranlagen mit Einspeisung in Niederspannungsnetze
  2. Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) – aktueller Gesetzestext
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