Photovoltaik auf Nebengebäuden: Der Weg zum Zählerschrank entscheidet über die Rechnung

Garage, Carport und Scheune haben oft das bessere Dach als das Wohnhaus. Teuer wird die Anlage trotzdem — durch die Eindeckung darunter und die Leitung bis zum Zählerschrank.

Kleine Scheune mit Solarmodulen auf dem Ziegeldach in einem Garten
Kleine Scheune mit Solarmodulen auf dem Ziegeldach in einem GartenFoto: IngoRieken / Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf Asbestzement-Wellplatten darf keine Unterkonstruktion verschraubt werden — Bohren und Sägen sind nach TRGS 519 untersagt, das Dach muss vorher herunter.
  • Die Trasse zum Wohnhaus kostet je nach Länge 900 bis 1.600 Euro und macht damit rund ein Zehntel bis ein Fünftel der Anlagensumme aus.
  • Erdkabel liegen nach DIN VDE 0100-520 mindestens 60 Zentimeter tief, unter befahrenen Flächen 80 Zentimeter.
  • Nach § 24 EEG gelten Haus- und Garagenanlage als eine Anlage, wenn zwischen beiden Inbetriebnahmen weniger als zwölf Kalendermonate liegen.
  • Der Nullsteuersatz nach § 12 Absatz 3 UStG greift auch auf dem Nebengebäude, weil die Anlage in der Nähe einer Wohnung installiert wird.

Das Wohnhaus steht mit dem First in Nord-Süd-Richtung, beide Dachflächen zeigen nach Osten und Westen, und in der Südfläche sitzen zwei Gauben. Die Garage dagegen: 30 Quadratmeter Pultdach, exakt nach Süden, kein Baum, kein Schornstein. Die Reihenfolge scheint klar.

Sie ist es auch — nur läuft die Kostenrechnung anders als beim Hausdach. Auf dem Nebengebäude stehen zwei Posten im Weg, die auf dem Wohnhaus gar nicht anfallen: die Eindeckung, die dort selten so jung ist wie am Haus, und die 20 oder 30 Meter zwischen Modulfeld und Zählerschrank.

Was unter der Eindeckung liegt, entscheidet vor der Ausrichtung

Garagen, Scheunen und Stallgebäude aus den Sechzigern bis Anfang der Neunziger tragen häufig Wellplatten aus Asbestzement. Sie sehen harmlos aus, grau bis moosgrün, oft noch dicht. Für eine Photovoltaikanlage sind sie ein K.-o.-Kriterium: Eine Unterkonstruktion muss in die Pfetten oder Sparren verschraubt werden, und dafür müsste durch die Platte gebohrt werden. Bohren, Sägen, Schleifen und Hochdruckreinigen von Asbestzement sind nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe 519 untersagt, weil dabei Fasern freigesetzt werden. Es gibt keine Montagevariante, die das umgeht.

Wer Module will, muss das Dach also zuerst abnehmen lassen — durch einen Betrieb mit Sachkundenachweis, mit staubbindender Behandlung und Verpackung in zugelassene Bigbags. Für einfache Wellplatten liegen die Kosten dafür bei etwa 30 bis 40 Euro je Quadratmeter, bei verklebten Schindeln oder verwinkelten Dächern deutlich darüber; die Deponiegebühr für den Sonderabfall kommt mit rund 300 Euro je Tonne hinzu. Auf 60 Quadratmetern Scheunendach sind das schnell 2.500 bis 3.500 Euro, bevor das erste Modul geliefert ist. Die neue Eindeckung ist darin noch nicht enthalten; welche Varianten in Frage kommen, steht in der Dacheindeckung im Bestand.

Ist die Eindeckung unkritisch, bleibt die Tragfähigkeit. Sie ist bei Nebengebäuden nicht automatisch schlechter, aber schlechter dokumentiert: Für einen Carport aus dem Baumarkt oder eine selbst gezimmerte Scheune existiert meist keine Statik. Was zu prüfen ist und welche Lasten wirklich zählen, behandelt die Dachstatik für Photovoltaik.

Der Graben ist der teuerste Meter der Anlage

Zwischen Nebengebäude und Hausanschluss liegt Erde. Das Kabel dorthin ist nicht optional und lässt sich nicht abkürzen: Eine Erzeugungsanlage speist an dem Zählerschrank ein, an dem der Zweirichtungszähler sitzt — und der steht im Wohnhaus.

Nach DIN VDE 0100-520 gehören Erdkabel mindestens 60 Zentimeter tief, unter befahrenen Flächen 80 Zentimeter. Verlegt wird ein erdverlegbares Kabel, üblicherweise NYY-J; ein Leerrohr an Hauseinführung, unter Wegen und unter der Einfahrt ist Pflicht, auf der freien Strecke kostet es ab etwa 4 Euro je Meter und spart beim nächsten Mal den zweiten Graben. Für den Querschnitt gibt der Spannungsfall den Ausschlag: Bei Anlagen bis rund 11 kW und kurzen Wegen reicht 5 × 4 mm², ab etwa 20 Metern wird 5 × 6 mm² oder 5 × 10 mm² nötig, um unter einem Prozent Spannungsfall zu bleiben.

Rechnen Sie die Trasse als eigenen Posten. Bei 22 Metern Länge ergeben sich grob:

Posten Spanne
Graben 60 cm, Minibagger und Handarbeit 660 – 1.320 €
Leerrohr DN 50 90 – 150 €
Erdkabel NYY-J 5 × 6 mm² 110 – 180 €
Summe Trasse rund 900 – 1.600 €

Was die Spanne treibt, ist nicht die Kabellänge, sondern der Untergrund: Rasen ist billig, eine gepflasterte Hoffläche oder ein alter Baumbestand macht aus dem Graben ein Spülbohrverfahren — dafür werden 20 bis 50 Euro je Meter zuzüglich Anfahrt und Start- und Zielgrube aufgerufen. Wer den Graben ohnehin für eine Wasserleitung, ein Netzwerkkabel oder eine Außensteckdose öffnet, legt beides zusammen; das Netzwerk im Garten und Nebengebäude passt in denselben Schacht, sofern die Trennung eingehalten wird.

Wechselrichter in der Garage oder im Haus

Daraus folgt die Standortfrage für das Gerät. Steht der Wechselrichter im Nebengebäude, läuft eine dreiadrige Wechselstromleitung ins Haus — der Querschnitt richtet sich nach der Wechselstromleistung, die Leitung ist vergleichsweise schlank. Steht er im Hausanschlussraum, laufen die Gleichstromstränge durch den Graben; der Spannungsfall soll dort zwischen einem und drei Prozent bleiben, und im Gebäude verlegte DC-Leitungen bringen zusätzliche Anforderungen an Überspannungsschutz und Potentialausgleich mit sich.

In der Praxis entscheidet die Temperatur. Eine unbeheizte Blechgarage erreicht im Sommer unter dem Dach Werte, bei denen Geräte abregeln; ein frostfreier, belüfteter Raum im Haus ist der bessere Platz, kostet aber den größeren Kabelquerschnitt. Welche Gerätebauart zu welcher Situation passt, steht im Wechselrichter der PV-Anlage. Unabhängig davon gehört ein Nebengebäude mit eigener Erdungsanlage in den Potentialausgleich — Näheres im Blitzschutz für Antenne und PV.

Baurecht: auf dem Dach frei, daneben gedeckelt

Solaranlagen in, an und auf Dach- und Außenwandflächen sind nach den Landesbauordnungen in aller Regel verfahrensfrei, ohne Höhenbegrenzung. Das gilt für das Garagendach genauso wie für das Hausdach.

Anders liegt der Fall bei gebäudeunabhängigen Anlagen — einem freistehenden Modultisch oder einem reinen Solarcarport ohne bestehende Unterkonstruktion. Dafür gilt in den meisten Ländern die Grenze von 3 Metern Höhe und 9 Metern Länge je Grundstücksgrenze, und die zulässige Gesamtlänge der Grenzbebauung von in der Regel 15 Metern je Grundstück zählt die vorhandene Grenzgarage mit. Wer dort bereits 6 Meter Garage stehen hat, kann nicht noch 9 Meter Solarständer daneben setzen. Was im Einzelfall genehmigungsfrei bleibt, klärt die Genehmigungsplanung für Nebengebäude.

Zwei Anlagen, eine Vergütungsstufe

Ein Punkt, der bei getrennt geplanten Anlagen regelmäßig übersehen wird: Nach § 24 Absatz 1 EEG gelten mehrere Anlagen als eine einzige Anlage, wenn sie auf demselben Grundstück stehen, Strom aus derselben Energieart erzeugen und innerhalb von zwölf aufeinanderfolgenden Kalendermonaten in Betrieb genommen wurden. Die 4 kW auf der Garage und die 9 kW auf dem Haus sind dann 13 kW.

Dramatisch ist das nicht, weil die Einspeisevergütung als Mischsatz gezahlt wird und nicht stufenweise umkippt: Für Gebäudeanlagen mit Teileinspeisung gelten für die ersten 10 kW derzeit 7,70 Cent je Kilowattstunde, für den Anteil darüber 6,66 Cent. Wer beide Anlagen um mehr als zwölf Monate versetzt in Betrieb nimmt, sichert dem Zubau dagegen die eigene, höhere Stufe. Die Anmeldung selbst — Netzbetreiber, Fristen, Marktstammdatenregister — ist im Netzanschluss einer Dach-PV-Anlage beschrieben.

Erfreulich dagegen die Umsatzsteuer: Der Nullsteuersatz nach § 12 Absatz 3 UStG gilt für Anlagen, die auf oder in der Nähe von Privatwohnungen installiert werden. Das Garagendach auf demselben Grundstück fällt darunter; der angebotene Preis ist zugleich der Bruttopreis.

Sechs Kilowatt auf dem Garagendach, durchgerechnet

Angenommen, 30 Quadratmeter Pultdach nach Süden tragen 6 kW, die Entfernung zum Zählerschrank beträgt 22 Meter, ein Speicher ist nicht geplant:

  • Anlage inklusive Montage und Anmeldung, 1.300 bis 1.700 Euro je kW: 7.800 bis 10.200 Euro
  • Trasse inklusive Graben: 900 bis 1.600 Euro
  • Jahresertrag bei rund 950 Kilowattstunden je kW: etwa 5.700 Kilowattstunden
  • Eigenverbrauch ohne Speicher, realistisch 30 Prozent: 1.710 kWh, bei 35 Cent Arbeitspreis rund 600 Euro
  • Einspeisung 3.990 kWh zu 7,70 Cent: rund 307 Euro

Macht etwa 900 Euro Nutzen im Jahr gegen 8.700 bis 11.800 Euro Investition — eine Amortisationszeit im Bereich von zehn bis dreizehn Jahren, ohne Rücklage für den Wechselrichtertausch nach zwölf bis fünfzehn Jahren. Die Trasse verschiebt das Ergebnis um gut ein Jahr. Ein zweiter Hebel ist der Eigenverbrauchsanteil: Jeder Prozentpunkt mehr ist rund 20 Euro im Jahr wert, weil die eingesparte Kilowattstunde das Vier- bis Fünffache der eingespeisten bringt.

Was Sie vor dem Angebot klären

Lassen Sie zuerst die Eindeckung ansehen — bei Baujahr vor 1993 mit ausdrücklicher Frage nach Asbestzement, notfalls mit einer Materialprobe. Messen Sie danach die Trasse ab und halten Sie fest, worüber sie läuft; fordern Sie den Graben als separate Position im Angebot, nicht als Pauschale. Klären Sie drittens mit dem Installateur, wo der Wechselrichter stehen soll und welcher Querschnitt daraus folgt. Und wenn am Haus ohnehin eine Anlage geplant ist: Entscheiden Sie bewusst, ob beide gemeinsam oder mit mehr als zwölf Monaten Abstand ans Netz gehen. Wie viel das Modulfeld auf dem Nebengebäude im Verschattungsschatten von Haus und Bäumen tatsächlich liefert, gehört in die Stringplanung und Verschattung.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. § 24 EEG 2023 — Besondere Bestimmungen für die Zahlung (Anlagenzusammenfassung)
  2. § 12 UStG — Steuersätze, Absatz 3 zum Nullsteuersatz für Solarmodule
  3. Umweltbundesamt — Asbest: Vorkommen, Gefahren und Umgang
  4. ADAC — Einspeisevergütung für PV-Anlagen: aktuelle Sätze
  5. Bundesnetzagentur — EEG-Förderung und Vergütungssätze
  6. pv-wissen.de — Dimensionierung der AC-Leitungen
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