Überspannung nach Gewitter beheben lassen: Auftrag, Funktionsprüfung und Erfolg kontrollieren

Eine Reparatur- und Wiederinbetriebnahmecheckliste. Im Mittelpunkt: Fachauftrag, erforderliche Anlageninformationen, Arbeitsschritte, Befüllung oder Prüfung.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Fachauftrag, erforderliche Anlageninformationen, Arbeitsschritte.
  • Der Beitrag liefert eine Reparatur- und Wiederinbetriebnahmecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich fachliche Behebung und dokumentierte Erfolgskontrolle ab.

Den Auftrag so schneiden, dass er prüfbar wird

Ein Auftrag nach einem Überspannungsereignis zerfällt in drei Teile, die getrennt beauftragt und getrennt abgenommen werden sollten: Befundaufnahme, Instandsetzung, Wiederinbetriebnahme mit Nachweis. Werden sie in einer Pauschale zusammengefasst, lässt sich hinterher nicht mehr feststellen, was tatsächlich geprüft wurde.

Formulieren Sie die Befundaufnahme als eigene Leistung mit benannten Messungen: Durchgängigkeit der Schutzleiter, Isolationswiderstand der betroffenen Stromkreise, Schleifenimpedanz am ungünstigsten Punkt, Prüfung der Fehlerstromschutzschalter mit Auslösestrom und Auslösezeit, Sichtprüfung aller Klemmstellen im Verteiler, Zustand und Vorsicherung der vorhandenen Überspannungs-Schutzeinrichtungen. Verlangen Sie die Werte im Protokoll, nicht nur eine Gesamtbewertung.

Die Instandsetzung folgt dem Befund. Sie sollte im Angebot je Position ausweisen, welches Bauteil getauscht wird, welchen Typ und welchen Schutzpegel ein neu eingesetzter Ableiter hat und an welcher Stelle der Anlage er sitzt. Die Wiederinbetriebnahme schließlich ist keine Formalie: Sie umfasst die Wiederholungsmessungen an den geänderten Stromkreisen und die Übergabe der Dokumentation.

Welche Anlageninformationen Sie vorher zusammenstellen

Je vollständiger die Ausgangslage, desto kürzer die Suche. Sinnvoll sind: der vorhandene Stromlaufplan oder zumindest die Stromkreisliste des Verteilers, das letzte Prüfprotokoll der Anlage, die Typenschilder oder Datenblätter verbauter Schutzeinrichtungen, die Liste der defekten Geräte mit Zuordnung zu Stromkreis und Phase, die vor jeder Betätigung angefertigte Fotodokumentation des Verteilerzustands, die ausgelesenen Ereignisspeicher von Wechselrichter, Wärmepumpe oder Ladeeinrichtung sowie die Auskunft des Netzbetreibers zum fraglichen Zeitfenster.

Nennen Sie außerdem alles, was seit der letzten Prüfung an der Anlage verändert wurde. Eine nachgerüstete Ladeeinrichtung, ein zusätzlicher Unterverteiler in der Garage oder eine erweiterte Dachanlage verschieben Lastflüsse und Schutzabstände. Wer diese Änderungen verschweigt, bekommt eine Prüfung, die am tatsächlichen Zustand vorbeigeht.

Reparatur- und Wiederinbetriebnahmecheckliste

Schritt Inhalt Nachweis im Protokoll Freigabekriterium
Freischalten und Sichern Anlage oder Bereich spannungsfrei, gegen Wiedereinschalten gesichert, Spannungsfreiheit festgestellt Vermerk zur Arbeitsvorbereitung nach DIN VDE 0105-100 Arbeit beginnt erst danach
Befund Klemmstellen Sichtprüfung auf Verfärbung, Schmauchspuren, lose Verbindungen Auflistung der beanstandeten Stellen keine thermisch auffällige Klemmstelle verbleibt
Befund Schutzeinrichtungen Zustand jedes Ableitermoduls, Vorsicherung, Anschlusslänge Typ, Schutzpegel, Einbauort je Stufe Zuleitungssumme kurz, Vorsicherung nach Herstellerangabe
Instandsetzung Modultausch, Leitungserneuerung, Gerätetausch Positionsliste mit Bauteilbezeichnung jede Position dem Befund zugeordnet
Isolationsmessung betroffene Stromkreise gegen Erde, 500 Volt Gleichspannung Messwert je Stromkreis mindestens 1 Megaohm bei Stromkreisen bis 500 Volt
Schutzleiterprüfung Durchgängigkeit von der Haupterdungsschiene bis zum Endpunkt Messwert je geprüftem Punkt niederohmiger Durchgang, keine Unterbrechung
Schleifenimpedanz ungünstigster Punkt je geänderten Stromkreis Messwert und daraus abgeleitete Abschaltzeit Abschaltung innerhalb von 0,4 Sekunden bei 230 Volt
Fehlerstromschutzschalter Auslösestrom und Auslösezeit je Schutzschalter beide Werte je Gerät Auslösung innerhalb der normativen Grenzen, Berührungsspannung unter 50 Volt
Drehfeld und Polarität bei dreiphasigen Abgängen Vermerk zur Drehfeldrichtung Rechtsdrehfeld, Außenleiter nicht vertauscht
Funktionsprüfung der Verbraucher Heizung, Wärmepumpe, Wechselrichter, Ladeeinrichtung, Hebeanlage Startverhalten und Fehlerspeicher nach dem Zuschalten kein neuer Fehlereintrag nach Wiederanlauf
Dokumentation aktualisierte Stromkreisliste, Prüfprotokoll, Datenblätter vollständige Übergabemappe Unterlagen liegen dem Eigentümer vor
Nachkontrolle erneuter Blick auf Statusanzeigen und Fehlerspeicher kurze Notiz mit Datum nach einigen Wochen Betrieb unauffällig

Reihenfolge beim Wiederzuschalten

Schalten Sie nicht alles auf einmal zu. Bewährt hat sich eine gestufte Reihenfolge, weil sie einen verbliebenen Fehler sofort einem Bereich zuordnet.

Zuerst geht die Hauptverteilung ans Netz, ohne Endstromkreise. Dann folgen die Stromkreise einzeln, beginnend mit denen, die nicht beanstandet waren. Erst danach werden die Stromkreise mit instandgesetzten Abschnitten zugeschaltet, jeweils mit einer kurzen Beobachtungspause. Zuletzt kommen die großen Verbraucher: Wärmeerzeuger, Ladeeinrichtung, Wechselrichter. Bei jedem Schritt gilt dieselbe Abbruchbedingung: Löst eine Schutzeinrichtung aus, wird nicht ein zweites Mal zugeschaltet, sondern gesucht.

Die Wechselrichter einer Dachanlage brauchen nach einer längeren Trennung häufig eine eigene Zuschaltfolge nach Herstellervorgabe, weil die Gleichstromseite vor der Netzseite freigegeben werden muss oder umgekehrt. Diese Reihenfolge steht in der Anlagendokumentation und ist keine Frage des Geschmacks.

Erfolgskontrolle, die den Namen verdient

Eine Instandsetzung ist erst dann erfolgreich, wenn drei Dinge zusammenkommen: Der ursprüngliche Fehler ist beseitigt, die Schutzfunktionen sind nachgewiesen wirksam, und die Anlage ist gegen eine Wiederholung besser aufgestellt als vorher.

Für den ersten Punkt genügt die Funktionsprüfung. Für den zweiten brauchen Sie die Messwerte aus der Checkliste; ein Protokoll ohne Zahlenwerte ist kein Nachweis. Für den dritten Punkt stellen Sie eine einfache Frage: Was hätte das Ereignis diesmal aufgehalten, und ist genau das jetzt vorhanden? Wenn die Antwort lautet, dass ein defektes Gerät ersetzt wurde und sonst nichts, dann ist die Anlage im selben Zustand wie vor dem Gewitter.

Vereinbaren Sie zusätzlich eine Nachkontrolle einige Wochen nach der Instandsetzung. Sie kostet wenig und fängt genau die Fälle ab, in denen ein angeschlagenes Bauteil erst unter Dauerlast auffällt oder in denen eine Schutzeinrichtung nach dem ersten Gewitter der neuen Saison erneut anspricht.

Umgang mit Versicherung und Netzbetreiber

Zwei Beteiligte haben eigene Anforderungen an die Unterlagen. Der Versicherer will regelmäßig wissen, welche Geräte betroffen sind, wann das Ereignis stattfand und ob ein Zusammenhang mit einer Netzstörung plausibel ist. Dafür sind die vor jeder Betätigung angefertigten Aufnahmen des Verteilers, die Fehlerspeicher mit Zeitstempel und das Prüfprotokoll die belastbarsten Belege. Reichen Sie defekte Geräte nicht ein, bevor die Schadenaufnahme abgeschlossen ist.

Der Netzbetreiber ist zuständig, sobald der Verdacht auf einen Fehler vor der Übergabestelle besteht, insbesondere bei einer Neutralleiterunterbrechung. Dieser Fall ist unverzüglich über den Störungsdienst zu melden, weil er weiterbestehen und weitere Geräte zerstören kann. Arbeiten im plombierten Bereich vor dem Zähler sind ohnehin nicht Sache des Eigentümers und auch nicht jeder Elektrofachkraft, sondern setzen die Eintragung in das Installateurverzeichnis des Netzbetreibers voraus.

Was in Eigenleistung bleibt

Sie dürfen beobachten, dokumentieren, Geräte trennen und wieder anschließen, Schutzorgane von außen bedienen und Fehlerspeicher auslesen. Sie können die Vollständigkeit des Prüfprotokolls kontrollieren und nachfragen, wenn ein Messwert fehlt.

Alles andere, von der Isolationsmessung über den Tausch eines Ableitermoduls bis zur Wiederinbetriebnahme geänderter Stromkreise, ist Arbeiten an der elektrischen Anlage nach DIN VDE 0105-100 und gehört zur Elektrofachkraft. Das gilt auch dann, wenn ein Schutzmodul steckbar ausgeführt ist und der Wechsel wie ein Handgriff aussieht: Ohne Freischaltung, ohne Kontrolle der Vorsicherung und ohne anschließende Prüfung entsteht ein Zustand, der äußerlich in Ordnung aussieht und im Ernstfall nicht trägt.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-534 (VDE 0100-534):2016-10 — Errichten von Niederspannungsanlagen, Abschnitt 534: Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs)
  2. DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 — Betrieb von elektrischen Anlagen
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